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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

Unser »Hoch«! –

Unser »Hoch«! – unser »Hoch«? 30 Schon beinahe sieben Jahre trage ich den Zettel mit unserem »Hoch!« bei mir, keine Probe, bei der er nicht dabei gewesen wäre – und keine, bei der er je das Licht der Wolkenburg erblickt hätte. Ob derjenige, der sie mir damals mitgab, tatsächlich glaubte, ich würde mich zu Hause daran machen, meine Stimme Ton für Ton zu studieren, oder den Text auswendig zu lernen? Wohl nicht. Noch keinen Sänger habe ich je mit dem Notenblatt in der Hand das Stück singen sehen. Unser »Hoch!«, das singt man nicht vom Blatt, unser »Hoch!«, das ist das einzige Stück, bei dem auch für die Neuen im Chor die Methode »Learning by doing (without looking!)« uneingeschränkt als einzig zulässige Lernmethode akzeptiert wird. Betrachtet man den für den praktischen Gebrauch nicht vorgesehenen Notensatz unseres »Hoch!«, so darf man sagen, dass derjenige, der ihn einst angefertigt hat, wohl nicht damit rechnete, dass seine Arbeit dafür bestimmt war, ihr weiteres Dasein ungelesen im Dunkel unserer Notenmappen zu fristen. In drei Systemen vierstimmig sorgfältig von Hand in D-Dur notiert, der Text sauber in Blockschrift geschrieben – so viel Arbeit macht sich niemand mit einer Komposition, damit sie nachher ungelesen bleibt, oder? Nun, ist die Komposition auch kurz und eigentlich nur für den »Hausgebrauch« des KMGV gedacht, so ist sie nichtsdestotrotz im Detail sorgfältig ausgeführt. Weit gefehlt, wer glaubt, der Komponist habe nur schnell die Noten notiert, für die Umsetzung aber dem Dirigenten durch Verzicht auf Angaben zur Dynamik, Betonung usw. aber weitgehend freie Hand gelassen. Nein, der da die Feder geführt hat, der hat viel Sorgfalt walten lassen: Genaue Angaben zur Dynamik, Phrasierungsbögen, Akzenturierungzeichen, Crescendo-Gabeln – alles da, um keine Zweifel daran aufkommen zu lassen, wie sich der Komponist die Umsetzung seines Werkes vorgestellt hat. Ja, ja, Angaben zum Tempo mögen fehlen, aber versteht eine gewisse Frische der Darbietung sich bei einem »Hoch« nicht ohnehin von selbst? Gesungen wird das »Hoch!« in der jetzigen Form im KMGV wahrscheinlich seit der Nachkriegszeit. Außer unserem Sangesbruder Gerhard Langenberg (Eintritt in den Chor am 27.11.1943) dürfte also kein aktiver Sänger je ein anderes »Hoch!« im KMGV gesungen oder gehört haben. Vom KMGV aus soll das »Hoch!« seinen Weg im Laufe der Jahre seinen Weg auch in andere Chöre gefunden haben. Ob dort auch der »Nachspann« zum Lied bekannt ist? Auf meinem Blatt jedenfalls fehlt der »Nachspann« nicht; dass es sich dabei aber um eine spätere Ergänzung von fremder Hand handelt, ist jedoch deutlich zu erkennen. Der Komponist Und wer hat da nun so sorgfältig gearbeitet? Heinrich Brach – auch das verrät uns das Blatt. Aber wer ist das? Sucht man den Namen im Internet, so findet man einen Hinweis auf ein vierstimmiges Stück für Männerchor, »Dorfkirche« (Durch offne Türen drängt der Sonnenschein), op. 10, Dauer: 2 min., komponiert von Heinrich Brach (1882 bis 1955). Das wird er sein, »unser« Heinrich Brach. War er vielleicht aktiver Sänger im KMGV? Man wird das ausschließen können, denn die Chronik zum 100-jährigen Chorjubiläum 1942

Unser »Hoch« führt ihn weder unter den aktiven noch unter den inaktiven Mitgliedern. Die Befragung einiger der »Ältesten« (herzlichen Dank, lieber Günther und lieber Ludwig!) brachte einige interessante Hinweise, vor allem aber den entscheidenden Tipp, es einmal mit einem Anruf bei Frau Rübben- Laux, der Tochter unseres langjährigen Chorleiters zu versuchen. Und jetzt kommt’s: Heinrich Brach war von 1946 bis 1951 Dirigent des Deutz Chores! Damit steht natürlich sofort die Frage im Raum: »Ist das eigentlich »unser Hoch!« oder singen wir seit Jahrzehnten ein ursprünglich für den Werkschor in Deutz komponiertes »Hoch!«? Da diese Information erst kurz vor Drucklegung kam, blieb kein Zeit, dem nachzugehen – dazu vielleicht mehr in der nächsten Ausgabe. Ob Heinrich Brach wohl etwas dagegen einzuwenden hätte, dass sein »Hoch!« sein Dasein ungelesen in so mancher Notenmappe fristet? Sicher nicht. Er würde sich doch wohl eher darüber freuen, dass es auch »ungelesen« (fast) jede Woche zwischen 20.15 und 20.30 Uhr in der Wolkenburg aus vielen Kehlen erklingt und denen, zu deren Ehren es gesungen wird, immer wieder große Freude bereitet. Und ob es ihn wohl stören würde, dass sein »Hoch!« vom Dirigenten, seinen Stellvertretern und manchmal sogar unserem Präsidenten gerne auch einmal anders dirigiert wird, als es seine klaren und eindeutigen Anweisungen eigentlich vorsehen? Wissen können wir das natürlich nicht, aber wir dürfen doch vermuten, dass auch er den Herren darin zustimmen würde, dass seinem »Hoch!«, jede Woche aufs Neue in der Wolkenburg mit Freude gesungen, dabei etwas Abwechslung ganz gewiss nicht schadet. GF 31

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