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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

Wieso dieser abrupte

Wieso dieser abrupte Wechsel? Es war Zufall. Ich bekam einen Tipp, dass die katholische Kirche Nachwuchs suchte und eine gute Ausbildung anbot. So versuchte ich es. Rückblickend muss ich sagen, dass das Studium der Kirchenmusik zum Besten gehört, was mir widerfahren ist. Nach dieser Ausbildung studierte ich dann noch Musiklehrer für Musikschulen im Fach Klavier. Hast Du lieber am Samstagabend zum Tanz aufgespielt als am Sonntagmorgen die Messe zu begleiten? Als freier Musiker kann man sich das nicht immer aussuchen. Ich musste nehmen, was kam. Ich hatte verschiedene Bands. Das ging immer hin und her. Die alte Gruppe löste sich auf und eine neue Formation gründete sich. Als ich Mitte 20 war, bekam ich ein Engagement in einem Sextett, das sehr professionell in ganz Deutschland Künstler begleitete. Das waren die »Teddy Boys« aus Bochum, eine Gala-Band. Bei denen habe ich am meisten gelernt. Ich durfte alle Künstler begleiten, die damals durch Deutschland tourten, unter anderem Roberto Blanco, Ireen Sheer, Roy Black, Chris Roberts. Das war klasse aber auch ziemlich anstrengend. Wir hatten immer nur eine Probe vor den Auftritten und begleiteten die Programme dann quasi vom Blatt. Und nach dem Show-Block spielten wir Tanzmusik bis in die Puppen. Ich fand 22

es toll und lernte in dieser Zeit viele Leute kennen. Ich eignete mir ein riesiges Repertoire an Tanzmusik an, was mir heute sehr zugute kommt. Aber die klassische Musik kam nie zu kurz. Ich spielte immer viel Klavier und Orgel und besuchte Opern und Konzerte. Am Klavier sehen wir Dich heute auch am häufigsten. Ist das Deine Lieblingsinstrument? Ganz klar: Am liebsten spiele ich Klavier. Das ist genau mein Ding. Ich hätte zwar gern auch Geige gelernt und hatte als Nebenfach im Studium Kontrabass. Die Geige hat mich immer fasziniert. Sie ist ein sehr wendiges Instrument und besitzt eine hohe Solodurchsatzfähigkeit. Es gibt tolle Solokonzerte für Geige. Und die Geige als Führungsinstrument in einem Orchester hat für mich immer einen ganz besonderen Stellenwert. Aber ich beließ es dann bei den schwarzen und weißen Tasten. Und was ist Deine Lieblingsmusik? Seit meiner Studienzeit bin ich in Beethoven und Schubert verliebt. Deren Musik habe ich auch am häufigsten gespielt. Auch Johann Sebastian Bach liegt mir sehr. Die Frage nach einem Lieblingskomponisten ist ganz schwierig zu beantworten. Ich lernte beispielsweise erst mit 40 Richard Wagner kennen. Vorher hatte ich nicht eine Oper von ihm besucht. Aber plötzlich war ich richtig versessen auf diese Musik. kennengelernt und gemeinsam mit ihm musiziert. Ich mag seine Musik sehr. Deshalb habe ich auch nach der Nachricht von seinem Tod die bereits fertiggestellte Ouvertüre zum diesjährigen Divertissementchen noch einmal überarbeitet. Ich musste ihm einfach etwas schenken und habe deshalb »Merci Chérie« und »Mit 66 Jahren« mit eingebaut. Zillche, gutes Stichwort. Wie hat es Dich zum KMGV verschlagen? Das ist eine lustige Geschichte. Die Annäherung an das Divertissementchen erfolgte schrittweise. Im Jahr 2001 sprach mich Helmut Imig an, damals Dirigent und Arrangeur des Zillche. Er benötigte für eine Vorstellung von »Nie mih Kölsch« einen Aushilfspianisten. Ich sagte zu und spielte Klavier. 2002 stand dann »Et Zauberhandy« auf dem Programm. Imig schrieb wieder die Musik, aber er hatte gemerkt, dass mir das Arrangieren von Unterhaltungsmusik liegt. Und so habe ich meine ersten Stücke fürs Zillche geschrieben. Und auch wieder Klavier gespielt, nur etwas mehr. Ein Jahr später hörte Imig auf und der damalige Cäcilia-Baas Jürgen Nimptsch fragte mich, ob ich nicht ein ganzes Divertissementchen arrangieren könnte. Ich war begeistert und machte mich an die Arbeit von »Olympia am Rhing«. Im gleichen Jahr kam Bernhard Steiner als Dirigent zum KMGV. Wir verstanden uns prima. Und so ist das noch immer. Personen und Persönliches 23 Also doch eher Klassik? Nicht nur. Auch andere Musik und vor allem Musiker beeindrucken mich: Ella Fitzgerald, Barbra Streisand, Joe Cocker und auch Udo Jürgens. Den habe ich persönlich Thomas Guthoff mit erster Gitarre, erste Band 1977, Teddy Boys Showband, Westwood Slickers Was ist das Besondere an der Arbeit fürs Zillche? Ich muss beim Schreiben der Musik immer an die konkrete Person denken, die später auf der Bühne steht. Denn ich kann hier nicht arbeiten wie ein freier Komponist, der eine Oper schreibt, die dann an verschiedenen Bühnen aufgeführt wird. Und die Tenorpartie singt mal der und mal der. Das