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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

DER MANN MIT DER TRUMM

DER MANN MIT DER TRUMM Unser Sangesbruder Jakob Gräf ist tot. Er starb am Abend des 3. Mai 2015 nur wenige Stunden nach der Geburt seines dritten Enkelkindes.

Jakob wurde im Oktober 1948 im Severinsklösterchen in Köln geboren. »Echter Kölner« blieb er, obwohl er seit vielen Jahren in Siegburg-Kaldauen wohnte, sein Leben lang. Er verbrachte seine Jugend in Köln und arbeitete später bis zu seiner Pensionierung 2009 als Jurist bei der Allianz- Versicherung. Mitglied des KMGV war er seit dem Jahre 2000 und von Beginn an war er ständig begeisterter Mitspieler der Cäcilia Wolkenburg. Viele Jahre führte er als Baas mit großem Engagement die Gruppe 20 und seit 2014 war er auch Mitglied des Ehrenrates. Neben seinem Engagement im KMGV verstärkte er noch den Tenor des Kaldauer Männergesangvereins und mit seiner Frau Monika die Bonner Kostümgruppe »Carnevale di Venezia« . Ich lernte Jakob vor sechs Jahren bereits bei meinem ersten Probenbesuch des KMGV von seiner angenehmsten Seite kennen. Als Baas der Gruppe 20 holte er mich nach der Probe in seiner zupackenden Art an den Gruppentisch, der damals noch nicht so gefüllt war wie heute. Zunächst rammte er den gruppeneigenen Wimpel auf die Tischplatte, wie weiland Asmundsen die norwegische Fahne in den Schnee des Südpols, sorgte persönlich für die nötige Anzahl Stühle und wenn alles nach seinen Vorstellungen geordnet war, holte er sich stets seinen Halven Hahn, den er, nachdem er den Käse sorgfältig unter einigen Löffeln Senf versteckt hatte, mit dem einen oder anderen Kölsch genüsslich verzehrte. Köln und dessen Historie waren Jakobs Metier. Die Kenntnisse über seine Heimatstadt waren außergewöhnlich umfangreich und jederzeit erhellend. Es gab wohl wenig Plätze, Straßen und Häuser der Innenstadt, zu denen er nicht hätte eine Geschichte erzählen können. Und als beim Vorstellabend im Mai 2013 mit dem Stück »De Sching- hillige« auch die Geschichte des Aufrührers Höwedes präsentiert wurde, wusste er sofort ohne Wikipedia oder eine Chronik bemühen zu müssen, dass es sich beim Höwedes historisch korrekt um den Kämpfer gegen den Kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich, handelte, der 1686 auf der Mülheimer Heide geköpft wurde. Und selbstverständlich wusste er auch, dass eine Figur des Nikolaus Gülich noch heute am Rathausturm zu sehen ist. Jakobs Auftritte im Zillche waren, obwohl er nie eine Hauptrolle spielte, prägnant. Er verstand es, jeder seiner Rollen seine persönliche Note zu verleihen, ob als Kehrmännchen in »Vivat Colonia » oder als Geburtstagsredner in »Kölner Jungfrau – dringend gesucht«. (siehe auch Seite 17) Doch keine Rolle passte besser zu ihm als die des gut gelaunten Mannes mit der Trumm in »Von nix kütt nix«, in der er an der Spitze eines Karnevalszuges vor der Kulisse des noch zerbombten Nachkriegsköln auftauchte. KMGV trauert 31