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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

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England« stand er zum ersten Mal als Mitglied der Bühnenspielgemeinschaft Cäcila Wolkenburg auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Eine Hauptrolle war für den »Jungspund« zu dieser Zeit natürlich noch nicht drin. Damit klappte es auch 1965 noch nicht, als – ganz im Zeichen des »Mondfiebers« der frühen 60er Jahre – das Stück »En kölsche Mondrakeet« gegeben wurde. 1966 aber war es dann endlich soweit: In »Dä Kaiser vun Kölle« übernahm der lyrische Tenor Wilhelm Schmidt seine erste Hauptrolle – und fast möchte man sagen: »Natürlich« als Frau. Und als eine gutaussehende dazu, denn es war ein Bild aus dieser Zeit, dass seiner Frau Margit bei unserem telefonisch geführten Interview den schönen Satz »Mein Mann war ein hübsche Frau …« entlockte. Abgesehen von 1973, als er den Prinzen und damit die männliche Hauptrolle im Stück »Rusemondaach oder De Botz vum Funke-Jeneral« übernahm, war Wilhelm Schmidt bis 1988 die erste Besetzung für die weibliche Hauptrolle im Zillche. Zuletzt stand er im Jahr 2009 im Alter von 83 Jahren mit der Cäcilia in »Klüngel op joot Kölsch« auf der Bühne des Kölner Opernhauses. Wilhelm Schmidt, ein Vollblut-KMGVer. Das waren die großen Erfolge »nach außen« – aber Wilhelm Schmidt hat im Chor als Person auch »nach innen« gewirkt; und das bis zum Ende seiner aktiven Sängerlaufbahn. Für manchen war er Ansprechpartner vor wichtigen Entscheidungen, für andere einfach nur ein Vorbild, so etwa für den Autor dieser Zeilen. Als der im April 2009 in den Chor aufgenommen wurde, stand Wilhelm Schmidt kurz vor der Vollendung seines 84. Lebensjahres. Nun ist das gemeinhin ein Alter, in dem man es schon mal etwas lockerer angehen lassen darf, aber das war, zumindest soweit es den Gesang betrifft, Wilhelm Schmidts Sache nicht. Jeden Donnerstag bot sich vom ersten Bass aus das gleiche Bild, darauf war Verlass: 1. Tenor, erste Reihe, links außen – Wilhelm Schmidt. Immer da, immer hochkonzentriert, vom Einsingen an bis zum Schluss der Probe – in »cappucinesker Haltung« zu singen oder einfach mal mit dem Nachbarn zu plauschen, weil ihm der Dirigent, gerade mit dem 2. Bass zu Gange, den Rücken zudreht, das wäre ihm wohl nicht einmal im Traum eingefallen. Probendisziplin – von Wilhelm Schmidt konnte man sie lernen. Im Jahr 2013 wurde Wilhelm Schmidt für seine 50-jährige Mitgliedschaft im KMGV mit der goldenen Vereinsnadel mit Rubin geehrt. Kurze Zeit darauf gab er das aktive Singen auf, blieb dem Chor aber bis zu seinem Tod als inaktiver Sänger verbunden. Und was Wilhelm Schmidt mit den Galliern aus Asterix und der Globalisierung zu tun hat? Na ganz klar doch: »It’s the Zillche, stupid!« (»Es geht um das Zillche, Dummkopf!«), um es in Anlehnung an Bill Clintons berühmtes Wahlkampfmotto aus dem Jahr 1992 zu sagen. Familienvater, Drehermeister, Betriebsleiter eines Maschinenbauunternehmen, diszipliniert bis in die Haarspitzen; aber wenn die Cäcilia ruft, in rauschenden Kleidern auf der Bühne des Kölner Opernhauses stehen – wo bitte auf der Welt gibt es denn solche Männer sonst noch? »Mein Mann war eine hübsche Frau …« – mit Wilhelm Schmidt ist nicht nur ein Ehemann und Vater, ein engagierter und hochangesehener Sangesbruder, sondern auch ein kleines, aber »echtes Stück Köln« von uns gegangen. Wir sollten ihn in lebendiger Erinnerung behalten, denn er hat uns über seinen Tod hinaus viel über das gemeinsame Singen und wie es gelingen kann zu sagen. GF KMGV trauert 35

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