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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

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42 Der KMGV in der Kölnischen Volkszeitung 1940 im Weltkrieg Die Mediengruppe M.DuMont Schauberg hat nach Digitalisierung seiner Altbestände diese an Interessenten abgegeben. So liegen dem Verfasser Exemplare der Kölnischen Volkszeitung aus den Monaten 1/1937, 10/1939, 3/1940 und 7/1940 vor. Die Kölnische Volkszeitung, ursprünglich 1868 vom Bachem Verlag gegründet, war im westlichen Deutschen Reich die führende katholisch-konservative Tageszeitung. Die Ausgaben aus den genannten Jahrgängen geben ein aufschlussreiches Zeugnis der Kriegsgeschehnisse in der damaligen Zeit, besonders im politischen Bereich. Die Zeitungsartikel waren ganz deutlich im damaligen Zeitgeist nationalsozialistisch ausgerichtet. Sucht man nach Berichten über den KMGV, so findet man im Kulturteil »Die Westmark« manchen Hinweis auf Aktivitäten des KMG. Besonders in den Monaten Januar bis März tauchen verstärkt Berichte darüber auf. Aber nicht nur das Divertissementchen, sondern auch Konzerte fanden damals große Beachtung und wurden begeistert kommentiert. Ein Großereignis war die Aufführung der Matthäus-Passion im Kölner Dom am 19. März 1940 in der Karwoche. Veranstalter war die »Conzert-Gesellschaft Köln«, deren Dirigent, (und auch der des KMGV ), Generalmusikdirektor Prof. Eugen Pabst war. Wegen des großen Ansturms der Zuhörer, die 4500 Karten waren schon am ersten Tag des Vorverkaufs vergriffen, wurde das Konzert vom Gürzenich in den Kölner Dom verlegt. Es war das erste Mal, dass in der Kathedrale eine größere Konzertveranstaltung stattfand. Dieses Konzert wurde vom Reichssender Köln aufgezeichnet und als »Sondersendung, zugleich auch für den gesamten Großdeutschen Rundfunk« ausgestrahlt. Wegen des gewaltigen Erfolges gab es 2 Wiederholungen im Gürzenich!

Ebenfalls im März 1940, und zwar vom 2. bis 31. März gab es 7 Aufführungen des Zillchen-Stücks »Gineral vun Werth« Diese Zeitangaben lassen aufhorchen! Man begnügte sich damals mit 7 Aufführungen und die Spielzeit lag nicht in der Karnevalszeit, sondern sogar in der Fastenzeit, der Karwoche und über Ostern hinaus! In der Karwoche wurden die Matthäus-Passion und auch das Divertissementchen aufgeführt! Das Zillchen verstand sich damals also eher nicht als Karnevalsveranstaltung, sondern mehr als Operette im Sinne Jaques Offenbachs. Bezeichnenderweise war nicht die Oper Spielstätte, sondern das in der Gertrudenstraße 10 gelegene Apollo-Theater mit 1540 Plätzen. Das Theater war ein Variete- Theater mit einem Orchestergraben von gerade mal 16 Plätzen. Der musikalische Schwerpunkt muss wohl auf der Stimmengewalt der Sänger und nicht wie heute, auf dem voluminösen Orchester gelegen haben. Eine durchaus kostengünstige Gestaltung! Kostendämpfend war auch der Umstand, dass es sich bei dem Stück »Der Gineral vun Werth« um eine Wiederaufnahme aus dem Jahre 1937 handelte. Die Presse berichtete überschwänglich: »Vor vollbesetztem, festlich und frohgestimmtem Hause fand im Apollo-Theater das Divertissementchen der Cäcilia-Wolkenburg »Der Gineral vun Werth« – mit teilweiser Neubesetzung der männlichen Hauptrollen statt. Aus vorsorglichen, erklärlichen Gründen hat man diese nämlich in diesem Jahre zum ersten Mal in doppelter Besetzung einstudiert, was sich der Kölner Männer-Gesang-Verein bei der großen Zahl seiner spiel- und sangeskundigen Mitglieder ohne weiteres leisten kann. (Es folgt ein überschwängliches Lob auf die künstlerischen Leistungen der Darsteller) »Alles in allem: Wiederum ein wohlgelungener Abend, dem eine häufige Wiederholung zu wünschen ist.« Der KMGV bestand damals aus 370 Sängern, von denen 90 Kriegsdienst leisteten (Siehe Jahrbuch von 1942 ). Wie viele davon Mitspieler im Zillchen waren ist unbekannt. Interessant ist aber der Hinweis auf die Doppelbesetzung der Hauptrollen, die zu gleichen Anteilen auch wahrgenommen wurde. Aus den Zeitungsberichten sticht besonders hervor mit welch geringen Mitteln im Divertissementchen solch große Wirkung erzielt worden ist. JG KMGV – Chronik 43