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Der Burgbote 1982 (Jahrgang 62)

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83 Bewunderung für Divertissementchen Sehr geehrter Herr Lang! In diesem Jahre habe ich zusammen mit meiner engsten Mitarbeiterin das „Divertisse mentchen" besucht. Sie wurde in einem Lande geboren, das für das Rheinland beinahe an Sibirien grenzt, nämlich in Niedersachsen. Aber sie lebt seit 28 Jahren in Bonn und ist eine echte Rheinländerin geworden. Sie hat nicht nur strahlend gelacht, sondern die Auf führung in jedem Sinne fast für unmöglich, unglaublich gehalten. Immer wieder staunte sie, daß es so etwas gibt. Und das tue ich auch. Unsere Zeit ist nicht reich an Originalität; das gilt vor allem für das Gebiet des Komischen, ja schon des Lustigen. Um so wichtiger ist die Produktivität, die das Divertissementchen entwickelt. Ich habe mich noch nie in einer Aufführung gelangweilt und sie noch nie zu lang gefunden. Und immer wieder neu wird meine Bewunderung für diejenigen, die da mittun. Professor Dr. Heinrich Lützeier Vertreibung aus dem Paradiese Am 1. Mai 1862 hatte die Stadt Köln dem KMGV für den einem anderen Verwendungs zweck zugeführten Brauereizunftsaal, in dem der Verein von 1843 bis 1862 geprobt und zum Teil auch Konzerte gegeben hatte, die Rat hauskapelle am Rathausplatz für 50 Taler jährlich vermietet. Die Inbetriebnahme erfolg te am 11. September 1862. Der KMGV erhielt damit einen traditionsreichen, stimmungsvol len Raum, dessen Gewölbe mit alten Ranken malereien geschmückt waren. Angeschlos sen war eine ehemalige Sakristei, die ein kunstvolles spätgotisches Sterngewölbe überdeckte. Zum Rathausplatz hin diente als Zugang eine Pforte, über der 2 Engel in einem Spitzgiebel feld das Kölner Wappen hielten. Über einen kleinen Hof erreichte man durch einen Seiten eingang die Kapelle, die im dritten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts - einschließlich eines zierlichen bleiverkleideten Dachreiters erbaut worden war. Dieser Sakralbau wurde - nach dem die Juden 1423 „auf ewige Zeiten" aus der Stadt verwiesen waren - anstelle einer kleinen, dem Abriß verfallenen Synagoge er baut und erhielt daher sinnigerweise den Na men „St. Maria in Jerusalem". Über 350 Jahre lang wurde hier jede Zusam menkunft des Stadtrates, aber auch Freuden - und Trauerfeiern der Stadt mit einem Gottes dienst eingeleitet. Es verwundert daher nicht, daß die Kapelle eine besonders reiche Aus stattung erfuhr. Sie bestand unter anderem aus dem Dombild Stephan Lochners (jetzt im Dom), einem kostbaren dreiteiligen Glasge mälde (jetzt Schnütgen-Museum), reichge schnitzten Bankwangen mit Stadtwappen, ei nem Lettner aus zweifarbigem Marmor, der