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Der Burgbote 1985 (Jahrgang 65)

Für Freunde geschrieben

Für Freunde geschrieben Er blieb noch Fteimaurer, als er in Rom die niederen Weihen empfing. Selbst Pius IX. war ja R"eimaurer, bis er Papst wurde... „Ftanz Liszt und Weimar": Obgleich er in Ungarn geboren war und sich als Ungar fühlte, war er doch sehr deutsch ge sinnt Als er in den vierziger Jahren viei in Paris konzer tierte. ließ er einmal auf seine Kosten den KMGV dorthin kommen und zum Entsetzen seiner FIreunde das von ihm komponierte „Rheinweinlied" von Herwegh singen, mit dem Refirain: „Der Rhein ist deutsch, der Rhein soll deutsch verbleibenl" - und die Ftanzosenjubeiten ihm zu. Auch durch viele andere musikalische Schöpfun gen hat er seine deutsche Ge sinnung bewiesen. So hat er einen Chor geschrieben zu dem Gedichte von Arndt: „Was ist des Deutschen Vaterland?" und einen großzügigen, Kaiser Wil helm I. gewidmeten Sieges marsch: „Vom Fels zum Meer" komponiert. Vorauf geht noch folgendes: Erstaunlich waren Liszts Sprache kenntnisse. Er sprach fließend deutsch, französisch, englisch, italienisch und spanisch. Auch die lateinische Sprache be herrschte er. Besonders gern und glänzend sprach er fran zösisch, eine Folge seines lan gen Aufenthaltes in Paris und im übrigen Ffankreich. Er konn te es aber nicht vertragen, wenn andere Personen, die nur schlecht französisch sprachen, ihn in dieser Sprache anrede ten, in der Meinung, ihm damit zu schmeicheln. Bei einer sol chen Gelegenheit drehte er ein mal sich zu mir herum und sagte: "Ffomaaaschschi", was ganz fürchterlich klang. Am schlechtesten sprach er unga risch, wenn er es auch gut ver stand. Obgleich ... (s.oben!) Ich habe den Meister 16 Jahre hindurch gekannt und habe viel und nahe mit ihm ver kehren dürfen, ohne jemals auch nur die kleinste mensch liche Schwäche an ihm zu ent decken." Ende der auszugsweisen Wieder gabe. Ich unterstelle nun, daß Bert hold Keilermann die Äußerun gen Liszt nicht verfälschte. Dann aber muß ich zu einzelnen Passagen Widerspruch anmel den. Sein endliches Verhalten der Gräfin dÄgoult gegenüber wird als „edel" bezeichnet Das erscheint mir allzu kritiklos. Ein mai anzieht er seinen 3 Kindern die Mutter, dann nimmt er den Kindem die Geborgenheit, in einer intakten Fämilie her anwachsen zu können, setzt sie dem damals noch beherrschen den Makel der Unehelichkeit aus und läßt schließlich seine neue Geliebte über die weitere Erziehung und Ausbildung der Kinder entscheiden. Da er scheint Liszt zu bequem, ego istisch und verantwortungslos. Ober die Psyche einer Ftau scheint er sich nicht allzu viel Gedanken gemacht zu haben. Wer in unsere heutige Welt schaut, sieht sie angereichert mit einer Menge solcher „Edel männer". Nur am Rande sei ver merkt daß nach einer alten Spruchweisheit schlechte Bei spiele gute Sitten verderben und manch' einer hält sich für Jupiter dem alles erlaubt ist 69 was den Ochsen - also das wären die anderen - verwehrt bleibt Mir gefällt auch nicht die Begründung Liszts auf die bange Ffage der Kinder, warum er nicht mit der Mutter zusam menlebe, sie sollten Vater und Mutter ehren. Das kommt mir wie ein Mißbrauch der 10 Gebote vor. Nein - auch Eltern können sich nicht aus der Ver antwortung gegenüber Kin dem mit frommen Bibelsprü chen herausstehlen. Und nicht alles, was Eltern tun, ist wohl getan. Die heutige Jugend würde mit Sicherheit nicht solche vereinfachenden Aus reden akzeptieren. Ich müßte kein Kölner sein, wenn mir zu dieser Ffage nicht gleich ein Geschichtchen von unserem lieben Tünnes einfiele. Ein Vormundschaftsbeamter fragt den Tünnes, nachdem die unverehelichte Maria-Sybilla Schmitz die Geburt eines drit ten Kindes bei stets gleicher Vaterschaft angemeldet hatte: „Leeven Här Tünnes, woröm hierode se dann nit am Engk dat Mädche?" „Dat well ich Inne sage," kontert der Tünnes, „dat Minsch es mer nit zimpatisch." Vielleicht war das des Rätsels Lösung. Und noch etwas! Liszt hat in dem vorletzten Absatz der Auf zeichnungen Kellermanns be hauptet der Kölner Männer- Gesang-Verein habe in den vier ziger Jahren des vorigen Jahr hunderts auf seine Kosten in Paris konzertiert und dabei zum Entsetzen vieler dort patrioti sche Lieder vorgetragen. Allein die Vorstellung, Liszt habe we der Kosten noch Mühen ge scheut, Mäzen-des damals wie heute hoch bewerteten Vereins sein zu dürfen, hat mich elektri-

Für Freunde gesdirieben siert. Das wäre zweifellos einer der Höhepunkte unseres musi kalischen Erlebens gewesen. Doch in Paris sind wir insge samt nur 3mal gewesen. Das war 1855. 1937 und 1970. Das weist die Chronik und die ergän zende Zusammenstellung Jo sef Udelhovens eindeutig aus. Da aber Irrtümer des Menschen Lebensweg begleiten, blieb mir eine Durchsicht der Jahresbe richte von 1842 bis 1855 nicht erspart. Auch durchsuchte ich den gesamten Schriftverkehr jener Jahre. Programme, Pla kate und Kritiken belebten meine bescheidenen englischen und französischen Sprach ziehen. Denn wer an so vielen Orten und mit so vielen Men schen konzertierte, dem geht im Alter schon mal was durch einander. Schade -! Doch allein der Gedanke, Liszt hätte gerne mit uns Paris verzaubert, ist ein Kompliment an unsere Adresse. Ich schließe diese Botschaft mit dem wehmütigen Gedan ken: Es wär' so schön gewesen. Es hat nicht sollen sein. Ihr Hans-Theo Henke kenntnisse. Doch außer ver taner Zeit bleibt leider nichts zu vermelden. Also hat Liszt sich geirrt. Doch das sei ihm veriSl" "uBLll.' q)ahlmeifet^ -Auf Wunsch bedient Sie Herr Wilhelm RüOmann (1. BaB)- BUCHHANDLUNG VERLAGSAUSLIEFERUNG MITGLIED DES BÖRSENVEREINS DES DEUTSCHEN BUCHHANDELS GEGRÜNDET 1876 MICHAEL DÄHNERT Geschäftsführerin Hedwig Wespy-Stadelmann 5227 Windeck-Leuscheid ■ Agnesstraße 7 • Tel. 0 (022 92) 23 80 VERKAUF: Filiale Saaler Straße 18 M. Dähnert

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