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Der Burgbote 1985 (Jahrgang 65)

98 Wir sagen ihnen,

98 Wir sagen ihnen, warum Sie bei uns die Katze nicht im Sack kaufen^ Denn wir sprechen eine deutiiche Sprache. VAgrippina Versichenmgen Sicher ist sicher. j . Generaldirektion • Riehler Straße 90 • 5000 Köln 1 • Telefon (0221) 7 7151

Musik aktudl Konzerte: Violinkonzert D-Dur op. 77 (1878) Klavierkonzert d-Moll op. 15 (1854-58) Klavierkonzert B-Dur op.83 (1878-81) Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll op. 102 (1887) Kammermusik: 3 Sonaten C-Dur op. 1 (1852/53) fis-Moll op. 2 (1852) f-Moll op. 5 (1853) Variationen, darunter Händel- Variationen op. 24 (1861) Paganini-Variationen op. 35 (1862/63) Balladen, Rhapsodien, Inter mezzi u. a. Vokalmusik mit Begleitung: „Ein deutsches Requiem" op. 45 (1866-68) RInaldo op. 50 (1869) Alt-Rhapsodie op. 53 (1869) Schicksalslied op.54 (1871) Nänle op.82 (1881) Gesang der Parzen op. 89 (1882) Klavierlieder Vier ernste Gesänge op. 120 (1896) Volksliedbearbeitungen für Singstimme und Klavier Vokalmusik ohne Begleitung: Motetten op. 29 (1860) op. 74 (1877) op. 110 (1889) 5 Gesänge für gemischten Chor op. 104 (1888) Fest- und Gedenksprüche op. 109 (1886-88) Lieder op. 22 (1859) op. 44 (1859-63) op. 62 (1874) op. 93 a (1883/84) Rhapsodie für Attsolo, Männer- Chor und Orchester op. 53 Einblicke in sein Innerstes ge stattete der ansonsten scheue Johannes Brahms kaum an derswo mehr als in seiner Rhap sodie für Altsolo, Männerchor und Orchester, die der Musiker im September 1869 zu Papier brachte. Die Vorgeschichte des Werkes erklärt uns alles. Im Sommer 1869 informierte Clara Schumann ihren PiBund Johannes über die Verlobung ihrer Töchter Julie mit dem ita lienischen Grafen Vittorio Radicati di Marmorito und wun derte sich, wie zurückhaltend, ja betroffen Brahms darauf rea gierte. Niemand, nicht einmal Julie Schumann selbst, hatte von seiner innigen Zuneigung zu ihr etwas geahnt Einige läge nach Julies Hochzeit die man am 22. September 1869 in Ba den-Baden feierte, überbrachte Brahms ein Werk, das er selbst als seinen Brautgesang be zeichnete. Wie stark ihn die Enttäu schung geschmerzt haben muß, läßt bereits die Wahl des Tfextes ahnen. Brahms griff zu drei Strophen aus dem tiefsin nigen Goethe-Gedicht „Harzrei se im Winter" (1789 erschie nen), das aus der Begegnung des Dichters mit einem Jungen, von Einsamkeit und selbstquäierischem Weltschmerz verbit terten Theologen entstanden war. In Brahms' Vertonung nun wird die Ffage „Aber abseits, wer ist's?" zum kaum verhüll- 99 ten Selbstportrait, zum unverbrämten Ausdruck des eigenen seelischen Schmerzes. Danach wendet Brahms die in Goethes Dichtung anklingende Bitte um Befreiung vom Leid in die Ge wißheit des Tfostes, den seine Musik verschwenderisch spen det Ein anderer Hinweis auf das Wesen der Komposition findet sich in den Briefen an Verleger Flitz Simrock. Brahms nennt hier seine Alt-Rhapsodie: „Es ist das Beste, was ich noch gebetet habe, und wenn's nun auch die werten Altistinnen nicht gleich begierig singen werden, so gibt's genug Leute, die ein der artiges Gebet nötig haben." Ge meint ist hier der Maler Anselm Feuerbach, ein enger Fteund des Komponisten, der unsag bar unter der Ablehnung litt mit der man seinen Gemälden begegnete, und der immer wie der Gefahr lief, in krankhafter Hypochondrie zu versinken. Und wie sich Goethe in seiner Harzreise um einen jungen Mann bemühte, „Der sich Men schenhaß/Aus der Fülle der Lie be trank", war Brahms tief be sorgt um Feuerbach und bat für ihn in seiner Alt-Rhapsodie um inneren Flieden. Die Komposition gliedert sich in drei Tfeile: Introduktion, Rezi tativ, Arie und Schlußchor, Diese übergeordnete Dreiteilung ent spricht der dichterischen Vorla ge und findet sich im mittleren der drei Vokalabschnitte wie der. Sein Hauptgedanke greift auf den Anfang des Orchester vorspiels zurück und fungiert auch als Überleitung zum Schiußteil des Werkes. Das Ge bet das die Altstimme mit dem erst verhalten begleitenden, dann immer freier geführten Männerchor anstimmt, scheint