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Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)

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Uns Zillchen Kölnische Rundschau 12.Januar1988 „Orphie und Euriechen Das Divertissementchen „Drüvver un Drunger“ in Kölns Oper Von Horst Ziermann Na sowasl Wir brauchen keine Zeitungen mehr, nicht den Rundfunk und nicht das Fernsehen mit seinen meist jugenglichen Lehrmeistern der Nation: Die „Öffentliche Meinung“ (etwas unterbewertet: das Schauspieler-A5 Günter Roggendorf), das ist „eine Frau, die weiß, was sie will“. Jedenfalls auf der Bühne der Kölner Oper, im Divertissementchen der Firma Cäcilia Wolkenburg. „Drüvver un Drunger“ heißt es und stammt von Gerti Runkel und Josef Meinertzhagen, der in den bejubelten Bühnenbil— dern von Didi Rose auch Regie führte. Übersetzt man das als „Drü— ber und drunter“, so war ein Titel selten so passend: So ist es bei der Cäcilia bei der Premiere am Sonntag in der Tat hergegangen. Christoph Klöver etwa hat wiederum den musikalischen Cocktail gemixt, aus dem Dirigieren aber wurde nichts: Ein Herzinfarkt, inzwischen, überstanden, verbot seinen Auftritt. Auch auf den Primaballerina Günter Over und seine hohe Kunst des tollpatschigen Klassik—Balletts wartet man vergebens: Sein Blutdruck ist zu hoch. Der Göttervater heißt Jupp-Pitter An Ballett-Vergnügen fehlt es allerdings nicht. Frau Wol— kenburg hat sich die Kritik des Vorjahrs zu Herzen genommen: Die „herr“lichen Damen stehen auf der Bühne, sobald der Vorhang aufgeht. Wir sind im Olymp. Nicht darauf: Olymp ist hier kein Berg; so nennt sich ein Nobel-Etablissement. Und Götterboß Zeus/Jupiter heißt Jupp-Pitter (H. Dieter Krings) und ist Bürgermeister von Köln, wie bei den Römern verheiratet mit, baßstimmig, Ftau Juno geborene Mutter Colonia (Hans Georg Spohr). Die Überschrift „Drüvver un Drunger“ — und unter der kann man eigentlich alles machen — darf nämlich nicht täuschen. Richtig übersetzt lautet sie „Droben und drunten“, und das ist dann nicht die Geschichte von den einen, die im Dunkeln sind, „und die andern sind im Licht“: Es ist die herzergreifende Mär von „Orpheus in der Unterwelt“, wie Jacques Offenbach sie 1858 erzählte. Das ist kurios, denn Offenbach hat sich dazu von Köln anregen lassen, von einem Divertissementchen des Jahres 1842, das „Kgl. konzessionier— tes Theater in der Unterwelt“ hieß. Die weitergesponnene Rückübersetzung von Runkel & Meinertzhagen paßt sichjedoch lückenlos dem Karnevalsprogramm von 1988 ein. Denn bevor der Vorhang aufgeht, gibt es ein Vorspiel, „Köln feiert Feste“ geheißen — und darin kann man auch „feste“ schreiben. Cäcilia Wolkenburg schreibt es groß: Von der Schlacht bei Worringen (1288) über die Gründung der Universität und des Knasts im Klingelpütz nebst diversen Kaisern feiert sie feste fast alle Feste — mit Ausnahme des Gürzenich- 17 Orchesters, daß am 1. Mai 1888 von der Stadt übernommen wurde. Dann gehn wir ins „Olymp“, natürlich zur Musik von Lehär, da sind wir „drüvver“ und lauschen Orphie (W. Horst Münchrath), dem baritonalen Stim— mungssänger. Der hat seine Kunst, wie so viele, in den Dienst seiner Partei gestellt — mit der Folge, daß seine FTau Euriechen (Peter Wallraff) sich mit allzu viel Kölsch tröstet. So fällt sie in die Hände von Pluto (Hans Fischer). Der ist Gurkengroßhändler — und besitzt die Kneipe „Hades“ am Buttermarkt; da sind wir „drun— ger“. Dahin hat er Euriechen verschleppt und läßt sie von sei— nem greisen Butler Düx bewachen (Ludwig Schneider). Und der hat bessere "läge gesehen, ehe er sich als „Prinz von Colonia“ ruinierte, Nicht auszudenken, was alles hätte geschehen können, wären nicht die Götter ausgeschwärmt! Grandiose Gestalten wie Professor Morpheus (Bruno Krajewski) etwa und Dr. Merkur (Horst Peter Vogel) mit goldenem Flügelhelm. Oder General Mars (Bernhard ’ltom— pertz), dem man gleich anmerkt, daß der KMGV im September '87 in Wien war und Schloß Belvedere besuchte: Er sieht aus wie Prinz Eugen. Die Damen nicht zu vergessen: das Räulein Venus ganz in Weiß (Alfons Bosler), Madam Hebe (Friedhelm Kreutzkamp) und Witwe Diana (Willi Schmidt, der seit 25 Jahren dabei ist). Balletto-Mannen müssen schwitzen Die also retten Euriechen und sorgen, die Meineide abgerechnet, für „die neue lnnerlichkeit“: