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Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)

192 U) Küppers Kölsch.

192 U) Küppers Kölsch. Der Geschmack einer höchst lebendigen Stadt.

Veranstaltungen ner—Gesang-Verein gesungen vorstellen könnte. Die singen. wie der Vogel singt. Was lehrt uns dies zu unse— rem abendlichen Thema? Vor Ihnen stehen hundertsechzig Kehlen von Sängern. die zwar nicht in den Zweigen wohnen. aber in den grünen Wohnvier— teln Kölns. Die zwitschern auch nicht wie Vogelstimmen. wie man gleich hören wird. obwohl der eine oder andere dann und wann. bei den Proben wie ein schräger Vogel singt—wirklich nur bei den Proben. Letztlich geht der Vergleich auch inso— weit fehl, als diese Sänger nicht so zart sind wie die Vögelein und gottlob nicht so flügge — mit anderen Worten — mein Vergleich ist sehr weit herge— holt. Folglich läßt sich sagen: Hier irrte Goethe. Aber das Bild aus der Ballade gefällt mir gleichwohl: Ein Baum. fast hundertfünf— zig‘ ahre alt mit gewaltig ausla— denden Ästen — aufdenen sit— zen zahm wie Riesenpinguine l()() V(>gelstimmen-Imitatcn'en im Erack — insgesamt hat der Chor ja über zweihundert Sän— ger! Auch wenn Pinguine sel— ten auf Bäumen hocken. man stelle sich den Baum und das Gezwitscher vor. Aber eines stimmt an diesem Bild: Sie alle singen wie Goethes Sänger für G< >tteslohn und sie trinken auch gern einen Becher Wein oder ein Kölsch. Wer nie eine zwei— stündige Chorprobe erlebt hat. kann gar nicht ahnen. wie so ein Kölsch über eine trocken— gesungene Sängerkehle zischt. In Westfalen hat man dafür ein Sprichwort: .‚W’at Noten kennt. dat süppt.“ WerNoten kennt. säuft auch. Ich übrigens. ken— ne Noten. Prost. Und noch eines eint diese stattliche Sängerschar: Die Liebe zur Musik. Musik hören ist herrlich — Musik machen ist das Herrlichste — nur die Liebe ist schöner. Ich beneide die Sänger— ich bin ein Instrumentalist. Auf einem Instrument herumzufin— gern. kann man lernen. Ein gutes Instrument kann man kaufen — eine Stimme aber ist ein Geschenk des Himmels: man hat sie oder man hat sie nicht. Man kann sie allenfalls entwickeln, aber nicht kaufen. Wenn ich wieder auf die Welt komme. möchte ich eine So— pranistin sein. Ein lyrischer Koloratursopran. Hochbegabt, jung, schön. reich und sehr geliebt. Wenngleich ich mir auch vorstellen könnte. als Tenor, jung. schön. reich, be— gabt und sehr geliebt zu leben. Ich hätte dann eine Chance. in den Kölner Männer-Gesang— Verein aufgenommen zu werden. den ich mit meinem Sehn— suchtstraum auch schon cha— rakterisiert habe: Der Beweis. meine Damen steht vor Ihnen aufder Bühne: Tenöre. Baritö— ne. Bässe. Schön sind sie. reich. begabt und sehr beliebt! Deshalb schicken wirsie als Botschafter dieser ruhmrei— chen. sangesfrohen Musikstadt Köln durch die Welt. Und sie mehren den Glanz Kölns seit fast 150J’dlll‘6fl, haben inzwi— schen an die 170 OOO km zu— rückgelegt. Mehr als viermal 195 um die Erde sind sie gereist. Und es bleibt noch viel zu tun. Ich habe entdeckt: In unserer Partnerstadt Peking waren sie noch nicht. Überall wurden sie begeistert aufgenommen. Sie haben sich ein gewaltiges Re— pertoire ersungen —von super— klassisch bis knallmodern — die schaffen alles. Eines wissen alle echten Kölner — vom Kölner Männer—Gesang—Verein stammt auch das lebendige Herz des Kölner Karnevals: Das Diver— tissementchen in der Oper, „Uns Zillchen“. Ein Hoch auf die Bühnenspielgemeinschaft im KMGV. seit 187a} — Die ..Cäcilia W