Aufrufe
vor 7 Monaten

Virginische Zaubernuss

Virginische Zaubernuss Botanik Die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) bildet zusammen mit zwei weiteren in Nordamerika beheimateten Arten, zwei Verwandten aus China und Japan sowie einem Hybriden der beiden asiatischen Arten die Gattung Zaubernuss innerhalb der Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae). Der meist um die 3 m und selten bis zu 10 m hohe baumartige Strauch ähnelt optisch unserem heimischen Hasel (Corylus avellana). Kennzeichnend für die sommergrüne Pflanze ist die Blüte in Herbst oder Winter. Im Sommer bilden sich holzige Kapselfrüchte aus, die oft erst zur nächsten Blüte aufplatzen. Die unter Spannung stehenden Samen können dann mehrere Meter weit geschleudert werden. Geschichte Rinde, Blätter und Zweige der Zaubernuss wurden von den nordamerikanischen Ureinwohnern als vielseitige Gerbstoffdrogen genutzt. Zahlreiche Belege gibt es für die Verwendung durch Stämme der Cherokee und Irokesen. Die Pflanze erfreute sich schon früh einer größeren Beliebtheit bei den europäischen Siedlern. Im 19. Jahrhundert setzte die kommerzielle Vermarktung ein, ebenso die wissenschaftliche Erforschung. In den 1870er-Jahren erfolgte der Sprung nach Europa [6]. Abb. 1 © LianeM / Adobe Stock Adstringierend, antiphlogistisch und lokal hämostyptisch wirkende Arzneipflanze aus der Neuen Welt Tobias Niedenthal Drogen und Inhaltsstoffe Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Monografien für Hamameliswasser, Hamamelisrinde und Hamamelisblätter veröffentlicht, ebenso die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP). Der Deutsche Arzneimittel-Codex (DAC) enthält außerdem Beschreibungen zu Fluidextrakten aus Blättern und Rinde. Wässrige und ethanolisch-wässrige Auszüge sowie daraus hergestellte Zubereitungen enthalten vor allem die adstringierend wirkenden Gerbstoffe (Blätter: 3–8 %, Rinde: 8–12 %). Destillate und entsprechende Weiterverarbeitungen sind hingegen frei von Gerbstoffen [7] und enthalten als wesentliche Wirkstoffe u. a. flüchtige Bestandteile (hauptsächlich Alkane), die oft fälschlicherweise als ätherisches Öl bezeichnet werden [2]. Wirkung Neben den klinisch belegten adstringierenden, antiphlogistischen und lokal hämostyptischen Wirkungen gibt es auch experimentelle Hinweise auf sekretionshemmende, gewebeverdichtende, kapillarpermeabilitätshemmende, mild oberflächenanästhesierende, juckreizstillende, vasokonstriktorische sowie wundheilungsfördernde Wirkungen [7]. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages. 32 Niedenthal T. Virginische Zaubernuss. zkm 2018; 1: 32–33

Heilpflanze Wissen zkm Indikationen Salben und Zäpfchen mit Hamamelis stellen seit dem Widerruf der Zulassungen für Bufexamac-haltige Arzneimittel im Jahr 2010 eine wichtige therapeutische Option bei Hämorrhoidalleiden dar. Bei kleinen Hautverletzungen, Windeldermatitis oder lokalen Hautentzündungen sind Hamamelis-Destillate zudem eine Alternative zum Provitamin B5 Dexpanthenol [9]. Anerkannte Anwendungsgebiete für Blätter und Rinde sind Beschwerden wie Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoiden im I. und II. Grad sowie Entzündungen der Schleimhaut im Bereich des Darmausgangs. Cremes mit Hamameliswasser sind zur Behandlung oberflächlicher Hautverletzungen sowie lokaler Entzündungen der Haut und Schleimhäute zugelassen, Salben darüber hinaus auch bei Hämorrhoiden in den ersten beiden Stadien. Gemäß HMPC-Monografien können Blätter und Rinde äußerlich bei leichten Hautentzündungen und trockener Haut angewendet werden, gegen Jucken und Brennen bei Hämorrhoiden sowie als Mündspülung oder Gurgellösung bei leichten Entzündungen der Mundschleimhaut [3, 4]. Hamameliswasser kann bei leichten Hautentzündungen und trockener Haut angewendet werden. Zur Linderung von Augenbeschwerden infolge von Augentrockenheit oder hervorgerufen durch Wind und Sonne kann das Destillat ebenfalls eingesetzt werden [5]. Die etwas neueren Monografien der ESCOP nennen für Blätter und Rinde zudem Prellungen und Verstauchungen sowie atopisches Ekzem. Des Weiteren werden für die Blätter Venenprobleme (Krampfadern) und für die Rinde Durchfall als Anwendungsgebiete aufgeführt. Das Destillat wird auch zur Behandlung von Insektenstichen empfohlen [7]. Weitere sinnvoll erscheinende Indikationen für Hamamelis betreffen Blutungen (starke Menstruation, Verletzungen, Schürfwunden) und örtliche Schwellungen [10]. Unerwünschte Wirkungen In sehr seltenen Fällen können Hautreizungen oder Kontaktallergien auftreten [8, 2], Wechselwirkungen sind keine bekannt [7]. Präparate und Dosierungen ▄▄ Salbe und Suppositorien von Dr. Kade (Faktu ® lind, Posterine ® ) ▄▄ Zäpfchen und Salbe von Strathmann (Haenal ® ) ▄▄ Wund- und Heilsalbe, Creme und Zäpfchen von Schwabe (Hametum ® ) [1] Erhältlich sind auch Kombinationen mit Kanadischer Orangenwurzel (Hydrastis canadensis), Stechendem Mäusedorn (Ruscus aculeatus) oder Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) [2]. Die empfohlene Tagesdosis für Teeaufgüsse bzw. Dekokte mit Blättern oder Rinde liegt bei 5–10 g Droge für Umschläge und Waschungen sowie bei 1,5–3,5 g Droge für Gurgellösungen und Mundspülungen, jeweils zubereitet in 250 ml Wasser [7, 8]. ▬ Literatur 1 Fintelmann V, Weiss RF, Kuchta K. Lehrbuch Phytotherapie. 13. Aufl. Stuttgart: Haug; 2017: 117; 328; 391 2 HMPC. Assessment report on Hamamelis virginiana L., cortex; Hamamelis virginiana L., folium; Hamamelis virginiana L., folium et cortex aut ramunculus destillatum. EMA / HMPC/114585/2008, November 2009 3 HMPC. Community herbal monograph on Hamamelis virginiana L., cortex. EMA / HMPC/114583/2008 Corr., Juni 2011 4 HMPC. Community herbal monograph on Hamamelis virginiana L., folium. EMA / HMPC/114586/2008, November 2009 5 HMPC. Community herbal monograph on Hamamelis virginiana L., folium et cortex aut ramunculus destillatum. EMA / HMPC/114584/2008, November 2009 6 Niedenthal T, Mayer JG. „Drink before breakfast and vomit“: Zur Geschichte von Hamamelis in Amerika und Europa. Zeitschrift für Phytotherapie 2017; 38: 137–144 7 Schilcher H, Hrsg. Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. München: Urban & Fischer; 2016: 347–349 8 Wichtl M, Hrsg. Teedrogen und Phytopharmaka. 5. Aufl. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2009: 318–323 9 Wolff HH, Kieser M. Hamamelis in children with skin disorders and skin injuries:results of an observational study. Eur J Pediatr 2007; 166: 943–948 10 van Wyk BE, Wink C, Wink M. Handbuch der Arzneipflanzen. 3. Aufl. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2016: 176 Tobias Niedenthal Forschergruppe Klostermedizin Annastraße 26a 97072 Würzburg www.klostermedizin.de niedenthal@klostermedizin.de Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages. Online zu finden unter http://dx.doi.org/10.1055/s-0044-100904 Niedenthal T. Virginische Zaubernuss. zkm 2018; 1: 32–33 33

Weihnachtstraum×4 Natürlicher Winterzauber - Wyss
FORSCHUNGS FONDS KULTURELLE BILDUNG
Natur 5 tonisierende Creme für die Beine - Mesowelt
Broschuere_DM_2016_A5_online
Das Rind - information.medien.agrar eV
Einführungsveranstaltung Masterstudiengang Politikwissenschaft
Funktionelle Anatomie des Pferdes und ihre Wirkung auf den Huf ...
Kleine Fibel zum richtigen Umgang mit ... - Tobias Wölky
JF-Programm - Stadt Rüsselsheim
Akupunktur-Magazin - Österreichische Wissenschaftliche ...
Pharmazeutische Bedenken und Arzneimittelsicherheit Tobias ...