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Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)

Kölnische Rundschau

Kölnische Rundschau 8.1.2008 Klassiker in Karne valsstimmung Von Olaf Weiden Herzhaft gelacht wird in der Kölner Oper eher selten. Dabei sind es doch speziell die Kölner Tränen, die gleichermaßen der Freude und der Trauer entspringen dür fen. Das aktuelle Divertissementchen der „Cacilia Wolkenburg", der Bühnenspielgemeinschaft im KMGV, schafft in seinem Bühnenstück „Ne Kölsche als Edelmann" - frei nach Moliere - den Spagat zwischen Komödie und großer Oper: mit verschwenderischer Ausstat tung und viel Musik. Fette Lüster und üppige Kostüme Natürlich taucht Molieres Stoff vom un duldsamen Aufstieg eines Bürgers in die ersehnten adeligen Kreise in höfischen Prunk und Protz ein. Und so klotzt die Inszenierung vom langjährigen Haus- und Hofregisseur der Männergesellschaft, Fritzdieter Gerhards, mit riesigen Pro spekten, hohen Decken und fetten Lüs tern (Bühnenbild: Bettina Neuhaus), unter denen herrlich ausstaffierte Kostümträger (Kostüme: judith Peters und Ulrike Zim mermann) des Hofes und des Bürgertums lavieren. Dabei versinken die Herren in ihren Rock rollen in Tüll und Taft, und als Zuschauer kann man mitunter vergessen, dass Män ner hinter den „starken Frauen" stecken - und keine „dicken Mädchen", wie es mehrfach anklingt. Die Musik ist wie ge wohnt eine geschickte Montage (Musik: Thomas Guthoff) aus Ernstem und Heite rem, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der leichten Unterhaltung, dabei zu vorderst des rheinischen Liedguts, auch mit aktuelleren Songs aus der närrischen Zeit aufgerüstet. Bereits die Ouvertüre kündet von einem imposanten Orchesi

terklang (Bernhard Steiner dirigiert die „Bergischen Symphoniker"): vom auf der Kleinen Trommel gerührten Umschalten von Polka auf Walzerseligkeit oder vom Soundgeplätscher neuerer Musicalwelten auf die Karawane, die mehrfach durstig weiter zieht. Das Orchester wird extrem gefordert, denn es muss gleichermaßen als Big Band swingen wie gemeißelte Kontrapunkte der Barockzeit meistern. Und das klappt fast immer. So bleibt es auch im Graben spannend. Held und Trottel der Komödie ist Aegi dius Keldenich, genannt jilles. jürgen Nimptsch, der Leiter der gesamten Pro duktion, spielt überragend diesen wohl habenden Bürger, der seinem Milieu zu entrinnen sucht und mit geerbten Klun kern und Aktien den habgierigen halbsei denen Adel auf sich zieht. Frau Adelgunde (jürgen E. Roth), Tochter Luzie (Dirk Pütz) und Schwiegersohn Schäng (Uwe Lief gen) können rechtzeitig die Notbremse zum Happy End ziehen. Heinrich Suttrup, Chormitglied seit 1980, hat den berühm ten Stoff liebevoll auf Kölner Verhältnisse übertragen, und allein dieses Lustspiel mit seiner offiziellen Neigung zu Balietteinlagen und Couplets bis deftigen Männerchören war ein echter Coup. Dann nach den sehr ansprechenden Re vuen der letzten jähre kann dieser Rücksprung auf eine traditionelle Vorlage als überaus gelungen gefeiert werden. Daran sind die gewaltigen Effekte nicht unschul dig, denn manches opulente Bild ge reichte auch einer professionellen Operninszenierung zur Ehre. Mindestens so wichtig waren die herrli chen Lieder, die unverfälscht kölsche Sprache auf den Lippen der Dialektprofis, das feurige Temperament des Männer balletts und die großen Bilder mit den patriotischen Hymnen in geballter Män nerchor-Power vor dem Domprospekt; da flössen Tränen der Rührung.