Aufrufe
vor 5 Monaten

Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)

Warum tue ich mir das

Warum tue ich mir das eigentlich an ??? Von Manfred Schubert Ab Mitte September jeden Sonntagvor mittag und jeden Montagabend zur Chorprobe gehen und auf Sonntagswan derungen und Fernsehunterhaltung ver zichten, das ist das Los eines einfachen Chormitgliedes, ohne größere Soloambitionen, beim Diver tissementchen der „Cacilia Wolkenburg". Hat man die manchmal knochenharte Proben zeit gut hinter sich gebracht, geht es ja weiter. Falls einem der Zillchenausschuss. oder wer auch immer aus optischen oder darstellerischen Gründen eine Frauenrolle zuweist, vielleicht weil man privat keinen Bart trägt, darf man bei den Aufführun gen gern mal eine gute Stunde vor Auf führungsbeginn in der Maske erscheinen, weil das Schminken halt länger dauert. Das gilt auch für das An- und Umziehen. Dass mit Bühnenhauptproben und Gene ralproben und Aufführungen noch einmal locker 25 Abende neben 5 Sonntagen aus dem Privatleben zu streichen sind, unter streicht die Frage: Warum tue ich mir das eigentlich an ??? tWarum überfällt einej die Lust sich das immer wieder wie ein Virus? Nachdem ich zum Beispiel vor nun mehr 40 jähren beim Stück „Ne köl sche Opstand" erste Schritte auf den Bret fern, die die Welt be deuten, machen konnte und danach noch weitere 7 jähre mit- 7

gespielt hatte, musste ich aus privaten Gründen einmal aussetzen. Natürlich habe ich mir die Aufführung von „In d'r Kayjass" im Opernhaus angesehen, war aber doppelt so aufgeregt, als wenn ich mitgespielt hätte, hatte Herzklopfen und schweißnasse Hände. Das Virus hatte mich mit aller Macht gepackt. Damals gab das Zillche nur 13 Aulführungen pro Saison, dann über 20 und schließlich wurden daraus bis zu 28. Warum macht das Mitspielen soviel Spaß, daß man dafür alle Belastungen in Kauf nimmt? Natürlich ist es die Freude am Verkleiden, hier sogar mit professioneller Unterstüzung. Es ist die Anspannung vor den Auftritten, die sich in einer gewissen Befriedigung löst, wenn die Chöre geklappt haben und Dirigent und Regisseur zufrieden reagie ren. Aber das wichtigste ist der Zusam menhalt in der Truppe der Mitspieler, auf die man sich freut, wenn man das Opern haus betritt, auf die „Grielächerei" wenn man zusammen in der Garderobe auf den Auftritt wartet, aber auch die so selbst verständliche Hilfe beim Umkleiden, wenn die professionellen Helfer oder Hel ferinnen manchmal überfordert sind. Ein großer Schatz an Erinnerungen verbindet sich bei mir mit den vielen „Zillchen" der Vergangenheit. Ein ganz besonders ge lungenes Stück war 1972 „En Scheffstour noh Königswinter" wo wir als Frauen gruppe mit Wagners „Walkürenritt" auf die Bühne gestürmt sind. Herrlich auch 5 Jahre später „Kirmes im Veedel" mit der Darstellung einer Prozession, die unser verehrter Josef Pering mit den Worten kommentierte: „Ich wusst nit ov ich laache oder kriesche sullt". Danach setzte das Stück „Die Globetrotter" neue Maß stäbe und führte über die Rolle einer Pari ser Soubrette Günter Roggendorf zu seiner Glanzrolle im nächsten Jahr, zur „Carmen vun dr Bottmüll". In dieser Rolle überzeugte er dermaßen, zusammen mit dem damaligen „Heldentenor" Albert Krautz, dass viele Zuschauer die Meinung äußerten: Das waren aber Profis! f'