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Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)

Mein Vertrag geht

Mein Vertrag geht zunächst über 3 Jahre Interview mit Phiiipp Ahmann Im Jahr 2005 haben wir uns schon ein mal zum Gespräch getroffen, damals stand ebenfalls ein Stadtortwechsel an, nur diesmal verlassen Sie Köin verlassen? Ja, absolut sicher - Ich habe bereits mei nen Vertrag in Hamburg unterzeichnet. 2005 hatte ich ein Angebot, als Chordirektor an das Theater Osnabrück zu gehen. Das habe ich aus heutiger Sicht glücklicher Weise abgelehnt und mich dafür entschieden, als freiberuflicher Diri gent mit meinen Chören zu arbeiten mit der Aussicht, beim Rundfunk arbeiten zu können. Sie verlagern Ihren Lebensmittelpunkt nach Hamburg? Nein. Ich bin vor einem Jahr mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter umge zogen an den Kölner Stadtwald - das reicht uns erstmal. Ich nehme in Ham burg eine kleine Wohnung für die Zeit, die ich dort bin. Wir wollen es erstmal ein Jahr lang so versuchen. Welche neue Aufgabe erwartet Sie? Ich werde dort als Chef des NDR Chores arbeiten, das heißt, eigene Produktionen leiten, aber auch für Produktionen den Chor einstudieren. Ich war bereits fünfmal dort in der vergangenen Saison. Dass der Chor, der mich gewählt hat, hinter mir steht, ist erstmal eine gute Basis. Ist es ein langfristiges Engagement? Ich hoffe natürlich ja. Aber Verträge sind in diesem Bereich wie am Theater auch zeitlich begrenzt. Mein Vertrag geht zu nächst über drei Jahre und umfasst etwa 100 Tage pro Jahr. Wie ist die Struktur des neuen Chores? Der Chor ist ein gemischter Chor, beste hend aus 35 professionellen Sängerinnen, die jeden Tag von morgens bis mittags proben, manchmal auch nachmittags. Konzerte finden in der Regel abends statt. Die Aufgabe des Chores ist es, ganz un terschiedliches Repertoire für den Rund funk einzuspielen. Das können Live- Konzerte sein, aber auch Studioproduk tionen. Das Repertoire umfasst A-cappella-Musik, Oratorium bis hin zu Opern aller Epochen. Das verlangt von den Sän gerinnen große Flexibilität. Welche Schwerpunkte sehen Sie in Ihrer neuen Aufgabe? Ich möchte versuchen, dem Chor wieder ein schärferes Profil zu geben - eventuell mit einer eigenen Konzertreihe in 2009/10. Der Chor hatte vier Jahre lang keinen Chef. Ich möchte versuchen, wie der verstärkt A-cappella-Programme zu etablieren, die Arbeit im Bereich der Alten und Neuen Musik auszubauen, um da durch den Chor als eigenständigen Klang körper wieder zu stärken. Was machen die Kantorei und der Bonner Chor ohne Sie? Die Kartäuserkantorei und der Bonner Kammerchor werden erstmal nicht ohne mich sein - ich will versuchen, diese beiden Chöre in der Zeit, in der ich in Köln bin, weiter zu leiten. Dafür brauchen wir aber einen Assistenten, der proben kann, wenn ich nicht da bin. Ähnlich wie beim KMGV... Sie sind jetzt rund S Jahre bei uns, was nehmen Sie mit? Ich habe viel gelernt, beispielsweise wie man einen so großen Chor mit 110 bis 150 Sängern in den Griff bekommt, welche 46

Art man benötigt, um wirklich effektiv voran zu kommen, ohne bei den Sängern das Gefühl zu erzeugen, sie seien nur des Schuftens Willen in der Probe. Die Begei sterung für die Cacilia hat mich immer wieder in Staunen versetzt, überhaupt die Einsatzbereitschaft und Leidenschaft, die viele Sänger für ihre Sache an den Tag legen. Darüber hinaus ist auch die Arbeit als „zweiter" Chorleiter eine, die spezielle Anforderungen stellt, denn man muss sich in den Dienst des „ersten" stellen, versu chen, auch vorausschauend mitzudenken, unterstützend arbeiten - ähnlich, wie wenn man eine Choreinstudierung für einen anderen Dirigenten übernimmt. Die Arbeit mit Bernhard Steiner war sehr an genehm und ich denke, dass wir ein sehr gut eingespieltes Team geworden sind. Wo steht der KMCV aus Ihrer Sicht? Der KMCV hat eine hervorragende Orga nisationsstruktur, die ich in dieser Form von anderen Chören nicht kenne. Er ist fi nanziell sehr stark aufgestellt, was es ihm ermöglicht, große Projekte in Angriff zu nehmen und eine Sekretärin und zwei Chorleiter dauerhaft zu beschäftigen. Das ist ein großer Vorteil. Der Chor hat sich aus meiner Sicht in den letzten jähren gesteigert. Dazu haben die disziplinierte Probenarbeit, das stimmbildnerische An gebot, die Einrichtung des sogenannten „kleinen Projektchores" und die Reper toireauswahl beigetragen. Wie beurteilen Sie die Zukunft des KMCV? Der KMCV hat im Vergleich zu anderen Männerchören den Vorteil, die Cäcilia im Rücken zu haben - dadurch melden sich jedes jähr ungefähr zehn neue Sänger, die Interesse haben mitzusingen. Nachwuchs ist natürlich ein großes Thema für einen solchen Chor, und den kann man nur be kommen, wenn das Angebot attraktiv ist. Dazu gehört beispielsweise die Repertoi reauswahl, die unbedingt auch den Be reich der in gewisser Weise zeitlosen, klas sischen „ernsten" Musik beinhalten muss, und sich nicht nur auf den Bereich der leichten Muse beschränken darf mit Tex ten und musikalischer Richtung, die heut zutage junge Leute nicht mehr anlocken. Hier geht der KMCV auch im Vergleich zum großen Konkurrenzchor aus Deutz aus meiner Sicht den richtigen Weg - der Männerchorgesang darf nicht in einer Ni sche verstauben, sondern sollte das klassi sche und das neue Repertoire, das es gibt, pflegen. Ein anderes Thema ist soziales Miteinander und musikalische Qualität: leistungsbereite, gute junge Sänger be kommt und hält man nur, wenn ihnen etwas geboten wird, wenn man musika lisch etwas erreichen will und kann - dafür halte ich die Einrichtung „kleiner Chor" beispielsweise für sehr wichtig. Viele Män nerchöre in der Region haben es sehr schwer, in der Zukunft zu bestehen - der KMCV hat gute Voraussetzungen, die Zu kunft erfolgreich zu meistern. Herr Ahmann, ich danke ihnen für das Gespräch und wünsche ihnen und ihrer Familie für die Zukunft aiies Gute. Das interview führte Hans-jürgen Fidler. 47