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Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)

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Kein Wunder, dass Musik die Geschichte lenkt. Schließlich war schon Molieres Vor lage von 1670 eine Ballettkomödie, be stellt vom Sonnenkönig Ludwig XIV. persönlich. Autor Heinrich Suttrup, der sich hier erstmals an eine kölsche Parodie traut, ist selbst KMGV-Sänger, weiß also, was die Bühnenspielgemeinschaft am besten kann; singen, tanzen und feiern. Bühnenprofis be ten das Spitzen Amateurspiel prachtvoll Bilder von Bettina Neuhaus im Licht von Hans Toelstede verdienen Szenenapplaus, auch die aufwendigen Barockkostüme Gudith Peter, Ulrike Zimmermann). Für zündende Choreografien sorgt Athol Farmer (Oper Köln), er trainierte das Zill chen-Ballett erstmals nach fünfzig Jahren unter Ballettmeister Peter Schnitzler. Im Zentrum der Geschichte steht der rei che Kölner Bürger Aegidius Keldenich, der mit aller Macht und viel Geld in die „hüteren Kreise" aufsteigen will. Nervös und anbiedernd mimt ihn Jürgen Nimptsch, der Zillchen-Leiter. Tochter Luzie (Dirk Pütz) soll einen Grafen heiraten, nicht etwa ihren geliebten Schäng (Uwe Liefgen). Erst spät, fast zu spät, merkt Keldenich, wie ihn der Adelsfimmel in den Ruin treibt. Etliche Lehrer (Henning Jäger, Johannes Stolz) und der seiner Zeit ein Jahrhundert vorausei lende Philosoph Kantus (Hermann-Josef Rummel-Scheschonk) sollen dem Bürger standesgemäßen Benimm und Bildung beibringen. Wie das misjglückt, das war schon bei Moliere ein" Sondersffeß. , Dazu gehört auch das berühmte KufW» gespräch, das im Kölner, Mili^ herrlic» turbulent ausfällt. V\®r allerdings ge spannt war, wie wohl das Divertissement chen anno 2008 den Pariser Adelsfimmel von 1670 in die Gegenwart überträgt, der wird enttäuscht. Was könnte heute so ver lockend sein wie anno 1670 der Adels stand? Diese zentrale Frage böte sich einem Satiriker zur Aktualisierung gera dezu an. Doch die Parodie lässt die Finger davon. Sie bricht hier ab.