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Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)

Rezensionen Bergische

Rezensionen Bergische Morgenpost - Kultur 09.09.2008 Antigone mit großer Intensität Die Bergischen Symphoniker und der Kölner Männer-Gesang-Verein sorgten für ein Musikerlebnis der besonderen Art. Im Teo Otto Theater erlebten die Zuhörer die strenge Sprache des Sophokles, dage gen lautmalerisch und schmeichelnd die Musik von Mendelssohn Barthoidy. Von Gisela Schmoeckel Allein vor der instrumentalen Macht des großen Orchesters der Bergischen Symphoniker und einem 160 Stimmen starken Männerchor steht Antigone. Im schlichten, weiß und weich fallenden Kleid erhebt sie ihre Stimme gegen den mächtigsten Mann im Staat, gegen König Kreon, der ihren im Kampf getöteten Bruder Polyneikes nicht begraben lassen will. Der Hybris des Kreon, und der Furcht seines Volks setzt sie die klare Stirn ihrer eigenen Sprache entgegen und kämpft bis zum Tod um die Erfüllung göttlicher Lebensgesetze. Schmeichelnde Melodik Streng ist die Sprache des griechischen Dichters Sophokles, klar, deutlich, unab weisbar-schwelgerische Farben, lautma lerische Vielfalt und von schmeichelnder Melodik durchdrungen ist dagegen die Musik des romantischen Komponisten Felix Mendelssohn Barthoidy. 1841 erhielt er den Auftrag durch den ebenfalls tief dem romantischen Lebensgefühl verfalle nen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Während Mendelssohns Schauspiel musik zum „Sommernachtstraum" bis heute beliebt ist, wurde das Werk zur „Antigone" nur höchst selten aufgeführt. Der Kölner Männer-Gesang-Verein stellte 90

es jetzt im Teo Otto Theater vor - und hier war es in großer Nähe und Intensität zu erleben. 17 mal in dieser gerade begonnenen Konzertsaison spielen die Bergischen Symphoniker nicht in den heimischen Städten Solingen und Remscheid, son dern als gefragtes Gastorchester in der weiteren Region. Tradition hat schon die Zusammenarbeit mit Dirigent Bernhard Steiner in den jährlichen Divertissement chen der Kölner „Cäcilia Wolkenburg". Der Dirigent des Kölner Männer-Gesang- Vereins ließ in dieser Aufführung eine vielfarbene Musik entstehen, die den tragischen Handlungsgang reich kom mentiert. Ghor und Orchester bilden eine harmonische Gemeinschaft; grandios und doppelbödig steigern sich Musik und Ge sang in der voreiligen bacchantischen Ausgelassenheit, bevor die unabwend bare Tragödie eintritt. Diese prägt die düster gerufenen Weh-Rufe des zusam menbrechenden Kreon, dem Franz Mazuras in opernhafter Sprache gerecht wurde. Bernd Rieser als Bote und tief lei dender Haimon gibt seiner Stimme le bendige Beteiligung. Elmira Rafizadeh erfüllte den Part von Ismene und Euridike mit sanfter Stärke, und Bassbariton Frank Blees singt überzeugend konturierend die Rolle des Chorsprechers. Göttliche Gesetzessprache Maria Schräder entfaltet ihre so wunder bar akzentuierende Sprachkunst in dieser Antigone-Rolle kongenial. Erschütternde Übereinstimmung zwischen gesproche ner Sprache und Musik entsteht, wenn zum Schluss ihre Stimme sich dem alles individuelle übersteigernden Rhythmus der göttlichen Gesetzessprache beugt. Die Zuhörer standen auf und spendeten minutenlang Beifall. Remscheider Generalanzeiger - Kultur 09.09.2008 Wehklagen von antiker Wucht füllte das Theater TEO OTTO THEATER Musiker, Chor und Sprecher machten Mendelssohns Schau spiel zu „Antigone" zum hochdramati schen Ereignis. Von Anne-Kathrin Reif Remscheid. Lange Sekunden der Stille mussten die Akteure am Ende auf den ver dienten Applaus warten. So lange viel leicht, wie nach dem sachten Abebben der Musik Kreons markerschütterndes Wehklagen in den Ohren nachhallte. Dann aber zollte das Publikum im leider mäßig gefüllten Teo Otto Theater allen Be teiligten minutenlang stehend den ver dienten Respekt für ihre grandiose Leistung. „Antigone - Lesung der Tragödie von Sophokles zur vollständigen Schauspiel musik von Felix Mendelssohn Bartholdy" was die Programmankündigung so trocken knisterte, erwies sich als hochdra matisches, mitreißendes Stück Musik- Theater. Freilich eines, das dem Zuhörer die Aufgabe zuteilt, die zugehörigen Bilder selbst zu generieren. Und das fällt leicht. Mendelssohn Musik ist so roman tisch-schweigend, so malerisch, dass sie wie von selbst entstehen. Schon die Ouvertüre pinselt mit sanften Geigen, perlenden Harfen und trillernden Flöten das Landschaftsgemälde eines antiken Arkadien hin, in dem freilich auch schon Unheil grollt. Bernhard Steiner arbeitet die vielfach schillernden Klangfarben mit den Bergischen Symphonikern durchgängig differenziert heraus. 91