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Dezember2017

Liebe Pfarrbewohnerinnen

Liebe Pfarrbewohnerinnen und liebe Pfarrbewohner! In einem Wallfahrtslied heißt es: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: woher kommt meine Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Psalm 121,2.) Wir Menschen suchen zu allen Zeiten Hilfe in unseren Anliegen und Sorgen. Seit jeher wird Gastfreundschaft in Klöstern groß geschrieben und auch die österreichischen Klöster bieten zahlreiche Formen gastfreundlicher Aufnahme an. Jeder kann am Leben einer solchen Gemeinschaft teilnehmen und sich weiterbilden oder sich in Spiritualität einüben. In einem Kloster zu Gast zu sein, ist aber kein Wellnessurlaub. Dieser Aufenthalt fördert die Beziehung zu Gott und stärkt den Glauben. Die Zeit in einem Kloster ist keine verlorene Zeit, sondern eine Zeit für die Seele, die heute oft vernachlässigt wird. Als Ort der religiösen Kraft versteht sich ein Kloster als Gegenprogramm zum stressanfälligen Alltag. Eingebettet in den Tagesrhythmus von Ordensfrauen, Mönchen oder Chorherren kann ich als Gast die Kraft entdecken, die in einem Kloster seit Jahrhunderten ruht. Jedes Mal vor Beginn des neuen Kirchenjahres ziehe ich mich in ein Kloster zurück, um mein Gespräch mit Gott zu vertiefen. Es ist eine „Auszeit“, die ich gut nutzen kann, um wieder meinen Lebensweg zu überprüfen und in der ich mir die Kraft für das neue Kirchenjahr hole, das mit dem Advent beginnt. Es ist vergleichbar mit dem Aufladen von einer Batterie oder eines Akkus, der für das ganze Jahr reichen soll. Das Wort „Exerzitien“ bedeutet nichts anderes als Übung. Es ist gut, sich als Erwachsener einzugestehen, dass auch ich nie aus der Übung kommen soll. Einüben kann ich mich in vielen Dingen, vor allem in der Haltung der Aufmerksamkeit Gott und dem Nächsten gegenüber. Ich wünsche Ihnen viele Gelegenheiten, aufmerksam zu sein in dieser Zeit, in der Gott sich als kleines Kind im Lärm der Welt ankündigt. Gesegnete Tage wünscht Ihr Pfarrer Was ich dir wünsche? Nicht, dass du dein Leben verbringen sollst unberührt von den Menschen, irgendwo in der Stille an einem See, als wären alle Tage Ferien. Aber ich wünsche dir, dass du hin und wieder eine Stunde hast, in der deine Seele still liegt wie Wasser und das Licht sich in ihr spiegelt. Ich wünsche dir, dass du absehen lernst von deiner eigenen Kraft und stehen, zart und biegsam wie ein Wollgras, das in dem Seegrund Halt hat, in dem es steht. Jörg Zink Der Kapellenverein Lichendorf lädt recht herzlich zur Eröffnung des Lichendorfer Advents mit Adventkranzsegnung ein. 2. Dezember, 17:00 Uhr bei der Kapelle Lichendorf Es werden besinnliche Texte und Lieder, passend zur Adventzeit, vorgetragen. Musikalische Umrahmung: Gruppe Kleeblatt BEGEGNUNG 2

Aufgescheuchte Hühner oder fliegende Adler? Wer ein spirituelles Leben führen möchte, braucht dazu Stille. Ohne Stille keine Verinnerlichung. Stille filtert unsere Emotionen und klärt unsere Gedanken. Stille ist kein Selbstzweck, aber ein notwendiges Mittel, um zu sich selbst, zum Mitmenschen und zu Gott zu finden. Alle Meister des geistlichen Lebens raten zu ihr. Doch hilft uns eine bloße Romantik der Stille nicht weiter, denn wer sich ihr stellt, merkt rasch, dass Schweigen auch eine mühsame Angelegenheit sein kann. Wir sehnen uns nach Stille und zugleich macht sie uns Angst. Wie nehmen wir Stille wahr? Als etwas Beruhigendes? Erholsames? Ungewohntes? Schwieriges? Als große Leere, die Angst macht? Vielleicht haben wir bereits ihr Janusgesicht, sanft und rau zugleich, erfahren? Eines ist gewiss: im Handyzeitalter wächst die Sehnsucht nach innerer Stille. In die Stille gehen ist schwer. Es gibt sicher Momente, wo sie als angenehmes, erholsames Abschalten erfahren wird, als freudiges Bei-sich-sein, vielleicht sogar als tiefe Empfindung der liebenden Gegenwart Gottes. Doch in der Regel ist die Stille für den, der sich ihr stellt, mühsam. Nur wenige halten es vor lauter Unrast aus. Soviel Lärm ist in uns. Manchmal tobt es regelrecht. Es läuft ein inneres Kino. Man freut sich auf einen ruhigen Moment und man ist mit genau seinem Gegenteil konfrontiert: mit dem inneren Chaos. Unerledigte Dinge, ungeordnete Begierde, belastende Schuld, lähmende Ängste, bedrückendes Leid, unruhige Phantasien und vieles mehr springen uns an wie Raubtiere. Auf einmal befinden wir uns mitten in einem inneren Kampf. Darum fliehen wir vor der Stille. Es ist wie beim Propheten Elija am Gottesberg Horeb: „Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer“ (1 Kön 19,11-12). Die kosmischen Bilder der Bibel bringen zur Sprache, was in unserer Seele vor sich geht. Der Sturm bedeutet das Chaotische, Entwurzelte, Unbändigende, das Erdbeben das Erschütterte und das Feuer das Ausgebrannte in uns. Wer in die Stille geht, wird in irgendeiner Form so eine Erfahrung machen und gleichsam durch Sturm, Erdbeben und Feuer gehen. Die Stille ist ein Moment der Wahrheit. Man begegnet sich selbst ungeschminkt. Man sieht sein wahres, inneres Antlitz. Die Stille führt uns zu uns selbst zurück, zu unserem wahren Selbst. Wer Gott begegnen möchte, muss sich auf die Begegnung mit seinem wahren Selbst gefasst machen. Wir können davor fliehen. Doch was wir unaufgearbeitet in uns tragen, das strahlen wir auch nach außen aus, das wirkt in unsere Beziehungen hinein. Unsere innere Welt holt uns immer wieder ein. Flucht ist sinnlos. Besser ist es, sich all dem bewusst und mutig zu stellen. Uns aushalten in dem, was vielleicht nicht unserem Idealbild entspricht. Der erste Schritt des Schweigens ist das Annehmen dessen, was in uns ist. Dann klären sich die Dinge Schritt für Schritt, man kann loslassen und neu hinhören und unterscheiden. Je stiller du bist, desto mehr kannst du hören, sagt ein chinesisches Sprichwort. Genau hier beginnt die Wahrnehmung von Gottes Gegenwart. Hier wird seine sanfte Stimme hörbar. Erst müssen wir durch den unangenehmen Moment der Konfrontation mit dem eigenen Tohuwabohu gehen. Es ist ein notwendiger Durchgang. Die innere Stille, das erfüllte Schweigen, der innere Friede stellt sich danach ein. Es ist wie ein Durchzug durch die Wüste vor dem Eintritt in das gelobte Land. Bei Elija heißt es: „Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln“ (1 Kön 19,12). Gott zeigt sich ihm in Sanftheit und Stille. Solche Zeiten der Stille brauchen wir alle. Stille kann man einüben. Zehn Minuten pro Tag. Meine Erfahrung ist es, dass es oft eine ganze Stunde braucht um zur inneren, von der Gegenwart Gottes erfüllten Stille zu gelangen. Manchmal ist dazu auch ein ganzen Tag nötig. Das ist der Sinn von Einkehrtagen oder Exerzitien. Die Frucht der Stille ist heitere Gelassenheit. Ohne Stille sind wir wie aufgescheuchte Hühner, die viel Lärm um nichts machen (auch wenn man medial über Twitter gackert). Die Stille macht aus uns fliegende Adler mit einer klaren Sicht und einem scharfen Weitblick. Also Menschen, die dann auch etwas zu sagen haben. Aufgescheuchte Hühner oder fliegende Adler: Das ist hier die Frage! P. Johannes Lechner Der Schwerpunkt dieses Pfarrblattes ist dem Thema „Stille“ gewidmet. Pater Johannes Lechner, derzeit in Rom, hat uns dazu einen Text geschickt. 3 Pfarrblatt St. Stefan im Rosental

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