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Fleckenbühler Zeitung 1. Ausgabe 2018

4 HAUS UND HOF DIE

4 HAUS UND HOF DIE FLECKENBÜHLERER1. AUSGABE 2018 Baumfällarbeiten Gastbeitrag von „unserem“ Sicherheitsingenieur Ich betreue die Fleckenbühler in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz seit dem Jahr 2001 als sogenannter „Sicherheitsingenieur“. Der Betrieb – also eure Einrichtung, euer „Hof“ – muss gemäß einschlägiger, gesetzlicher Vorschriften sicherheitstechnisch, wie andere Betriebe auch, betreut werden. Das heißt, ich helfe euch, gesetzliche Bestimmungen zum Arbeitsschutz weitgehend einzuhalten. Weitgehend, ich schreibe das ganz offen, weil der Alltag in einem Betrieb mit vielen Menschen, die „plötzlich“ vielleicht etwas ganz anderes als bisher gewohnt arbeiten müssen, natürlich etwas Besonderes ist. Es werden durchaus auch „gefährliche“ Arbeiten durchgeführt, etwa bei der landwirtschaftlichen Produktion mit schweren Maschinen, im Feld. Es gibt sehr viele – berechtigte – Vorschriften, landläufig „UVV-Vorschriften“ genannt, die eingehalten werden sollen, damit kein Unfall passiert. Plötzlich hat ein Fleckenbühler die Verantwortung für einen oder mehrere Kollegen, aber ohne diese Erfahrungen. Trotzdem muss so gear- Die gutgelaunten Holzfäller: Andreas, Kai, Jan und Simon. krachten. Die Straße wurde, soweit notwendig, gesperrt. Metergenaue Arbeit – auch unterstützt durch zielgerichteten Zug per Seil, um ja nichts anbrennen zu lassen. Sauber! Der Nachbar – immerhin ein Jäger – war etwas verblüfft. Der Blick von unserer Terrasse war nun „befreit“. Bäume abzusägen, kann sicher auch etwas Trauriges haben, aber die dunklen Riesennadelbäume direkt am Haus waren keine Freude mehr. ALLE FOTOS: WOLFGANG ZEIDLER Tja, und dann war der ganze Zauber wieder schnell vorbei. Ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft, ein paar Würstchen für die Jungs auf den Grill zu werfen. Ich war dankbar, diese Ak(c)tion so unmittelbar mit der Kamera begleiten zu können! beitet werden, dass alle wieder heil nach Hause kommen. Hier braucht es Verhaltensmuster, die im Zweifelsfall auch ohne exakte Kenntnis einzelner Paragraphen für eine sichere Arbeit sorgen. Für diese Tätigkeiten und Momente gebe ich Tipps, um sicherheitstechnisch den „Überblick“ zu behalten. Allzu leicht kann man sich in der Dokumentation verlieren, ohne einen praktischen Mehrwert dafür zu erhalten. Ohne hierzu weiter zu langweilen: Kern einer guten Vorbeugung ist die Bereitschaft, gefährliche Momente aus dem Bauch heraus sofort zu unterbrechen. Einfach sein lassen, was schiefgehen könnte. Das ist im praktischen Leben oft viel mehr wert, als jeden Paragraphen zu kennen. Naja – fast schon eine kleine Lebensweisheit … So, und dann hatte ich neulich selbst die große Freude, eure Baumtruppe für eine Baumfällung an unserem Haus zu ordern. Kai hat sich absolut professionell vorab und vor Ort über die Bedingungen informiert. So etwas hilft, Verzögerungen, und natürlich auch gefährliche Tücken im Ablauf der Fällung, zu vermeiden. Dann rückte morgens die vier Mann starke Truppe mit schwerem Gerät an. Material auspacken, den Häcksler – der sich auch so nennen darf – mit offenem Hänger aufbauen und los ging‘s. Die Bäume wurden weitgehend entastet und gleich dem Häcksler zum Futtern gegeben. Alles ging fließend Hand in Hand. Sah nicht nach erstem Mal aus. Kai ist zwischendurch immer wieder mit schwerer Technik am Gurt auf die Bäume geklettert und hat quasi halbe Bäume aus mehreren Metern Höhe direkt vor sich durchgesägt. Das sah schon spektakulär aus, wenn die schweren Brocken sich lösten und auf den Boden Jedenfalls hatten wir in den paar Stunden auch Spaß auf beiden Seiten. Ich, als „Sicherheitsmensch“ und die starke Truppe bei ihrem gekonnten Job. Sollte auf den Fotos zu sehen sein ... Ich wünsche mir oft, dass die „übrige“ Welt häufiger einen Einblick in die wertvolle und tolle Arbeit eurer Einrichtung hätte. Es wird so viel geredet – IHR seid die, die was MACHEN. ■ WOLFGANG ZEIDLER

1. AUSGABE 2018ERDIE FLECKENBÜHLER MENSCHEN 5 Lesen Sie selbst wie Spender Fleckenbühl sehen ➜ FORTSETZUNG VON SEITE 1 Als Herr Josef Kovarik 2009 zum ersten Mal Kontakt mit Hermann Schleicher aufnahm, interessierte er sich eigentlich nur für die großflächigen Dächer des Hofguts Fleckenbühl. Diese schienen ihm bestens geeignet, um darauf seine Photovoltaikanlagen zu installieren. Über den Hintergrund unserer Arbeit wusste er nichts. In den Verhandlungen mit Hermann Schleicher erfuhr er, was hinter unserem Bauernhof steckt und er konnte es kaum fassen: All diese Menschen, die nun ganz selbstverständlich in den Büros saßen, durch die Gänge eilten, in Gummistiefeln zu den Ställen liefen oder mit dem Traktor oder Schubkarren über den Hof rumpelten, waren irgendwann in ihrem Leben in großer Not gewesen. Die Photovoltaikanlagen wurden schließlich installiert und die Wartung erforderte regelmäßige Besuche auf dem Hof. So lernte Herr Josef Kovarik nach und nach viele Bewohner und deren Lebensgeschichten kennen und es wurde ihm bewusst, dass die Fleckenbühler wichtige Arbeit leisteten. Menschen, deren Leben durch die Sucht aus der Bahn geraten war, finden hier ein Zuhause und Gemeinschaft und helfen durch ihre Arbeit in den Zweckbetrieben sich selbst und der Gemeinschaft, die sie trägt. Das erinnerte Herrn Kovarik an die Idee der Kibbuzim. Auch dass man in Fleckenbühl großen Wert auf berufliche Qualifizierung legt, um den Bewohnern den Weg in ein nüchternes, selbstverantwortliches „Leben nach Fleckenbühl“ zu ermöglichen, trug dazu bei, dass er und seine Frau Silke Kovarik entschieden, die Fleckenbühler zu unterstützen. „Uns geht es gut. Wir müssen denen helfen, die aus schwierigen Lebenssituationen kommen!“ Wichtig ist Familie Kovarik, dass die Fleckenbühler sich auch für die „Alten“ verantwortlich fühlen, die früher ihren Beitrag zum Aufbau der Häuser und Betriebe geleistet haben und nun ihren Lebensabend in der Gemeinschaft verbringen. Herr Kovarik selbst müsste schon längst nicht mehr arbeiten. Aber ein Leben ohne Engagement kommt für ihn nicht in Betracht. Ihm macht seine Arbeit Spaß. Doch damit nicht genug: Er engagiert sich in der Kommunalpolitik, in seiner christlichen Gemeinde und unterstützt mit seiner Frau weitere soziale und christliche Projekte. Frau Sophie Bonhoff wollte 2004 lernen, wie man Ziegen hält und leckeren Käse macht. Und weil sie es ganz genau wissen wollte, zog sie auf den Hof und lebte ein Jahr in der Gemeinschaft. Extrawürste gab es nicht und Sophie musste, wie jeder Neuankömmling, zunächst Hausdienst versehen. Auch an den Gesprächskreisen, den Spielen, nahm sie teil. „Hart, wie die hier miteinander umgehen!“ Aber Sophie hielt durch und hat viel gelernt, vor allem über wirksame Suchthilfearbeit. Beeindruckt stellte sie fest, wie der Hof mit so vielen Leuten funktioniert. Jeder hat seinen Platz. Jeder hat seine Arbeit. Alles hat seinen Sinn. Die Leute werden durch „echte“ Arbeit nüchtern. Sophie hat auch nach ihrem Auszug den Kontakt zu den Fleckenbühlern nie verloren. Sie hat so manche Verwandlung erlebt: vom missmutigen Neuankömmling, der unwillig das Nötigste tut, zum verantwortlichen Fleckenbühler, der erkannt hat, dass er mit seinem Einsatz für die Gemeinschaft auch sein eigenes Leben gestaltet. Das sei der optimale Weg. Und so unterstützt Sophie seit ihrem Auszug uns Fleckenbühler als Fördermitglied. Frau Margot R. lernte die Fleckenbühler kennen, weil ein naher Verwandter abhängig von Alkohol war. Sie berichtet, dass es intensiver Überzeugung bedurft habe, bis sich der Angehörige schließlich entschlossen habe, zu den Fleckenbühlern zu gehen. Über zwei Jahre sei er geblieben. Was die Familie nicht geschafft habe, sei den Fleckenbühlern gelungen. Ihr Verwandter sei nun stabil, habe Arbeit gefunden und eine eigene kleine Familie gegründet. Frau R. hat sich immer für die Arbeit der Fleckenbühler interessiert, hat Veranstaltungen besucht und in unserem Laden in Niederrad eingekauft. Sie hat viel mit Rolf Sterk gesprochen, der das Haus in Frankfurt leitet, mit Helga Meyer und natürlich mit Stephen Hoppe, der den Laden in Niederrad leitet. „Alles, was ich kennengelernt habe, war folgerichtig, logisch und menschlich! Es ist mir ein Anliegen, diese ehrliche und ordentliche soziale Gemeinschaft zu unterstützen. Alles investieren sie in ihre Arbeit. Nichts wird verschwendet!“ Das sei nicht selbstverständlich, in der heutigen Zeit. Frau R. berichtet, dass die Fleckenbühler immer „ein bisschen Heimat“ gewesen seien. Wenn sie jünger gewesen wäre, hätte sie auch gerne für die Fleckenbühler gearbeitet, sie habe schon immer eine soziale Ader gehabt. Frau R. berichtet, sie sei nun schon 92 Jahre alt und lebe mittlerweile 400 km von Frankfurt entfernt. Aber sie fühle sich den Fleckenbühlern immer noch verbunden und freue sich auf die Zeitungen, die wir ihr zuschicken würden. Nur mit dem Lesen des letzten Jahresberichts der Fleckenbühler habe sie immer noch nicht angefangen und es komme bald der nächste. Frau Steffi Khirdja arbeitet bei der AOK Hessen. Auf einer Weihnachtsfeier im Jahr 1999 rief sie ein Spendenprojekt für Mitarbeiter ins Leben, das auch uns Fleckenbühlern seitdem wiederholt zugutekam. Das Projekt ist so einfach wie effektiv! Die Mitarbeiter, die sich daran beteiligen wollen, verzichten jeden Monat auf 99 Cent ihres Gehalts, die gleich auf ein Spendenkonto gebucht werden. Bis zum Ende des Jahres hat sich dann auf dem Spendenkonto ein erheblicher Betrag angesammelt. Frau Khirdja nimmt dann Kontakt zu den potentiellen Empfängern auf und erkundigt sich, wofür Mittel benötigt werden und wählt eine gemeinnützige Einrichtung aus. Auch bei uns Fleckenbühlern weiß Frau Khirdja die Spenden in guten Händen. Sie war schon mehrfach auf unserem Hof und konnte feststellen, wie z.B. unsere Landwirtschaft oder der Kindergarten gedeihen. Frau Khirdja und ihre Kollegen ziehen vor jedem unserer Bewohner, der den Weg aus der Sucht schafft, den Hut. Sie wissen, dass oftmals schwierige Bedingungen in der Kindheit und Jugend dafür verantwortlich sind, dass Menschen Süchte entwickeln. Welche Anstrengung es bedeutet, sich von einer Sucht zu befreien, können sie ahnen. Besonders freut sich Frau Khirdja, wenn sie später von uns erfährt, welche Projekte wir mit dem gespendeten Geld verwirklichen konnten. Herr Dr. W. lebt und arbeitet in Marburg. Was ihm an den Fleckenbühlern zuerst auffiel, war, dass sie wohlschmeckendes Brot backen können, das er damals in einem der beiden Fleckenbühler Naturkostläden in Marburg kaufte. Herr W. nennt mehrere Gründe für seine langjährige Unterstützung unserer Arbeit. Ihm seien der Selbsthilfegedanke und der genossenschaftliche Charakter unserer Arbeit sympathisch. Die Menschen, die bei den Fleckenbühlern Hilfe suchen, übernehmen Verantwortung für ihr Leben und warten nicht darauf, dass sie Hilfe von außen bekommen. Herr W. schätzt auch, dass unsere Bewohner nicht ausschließlich in Gesprächsgruppen um sich selber kreisen, sondern z.B. mit der Bäckerei, der Käserei und den Umzugsbetrieben produktiv am Wirtschaftsleben teilnehmen. Um wieder auf die Beine zu kommen, reiche es nicht aus, entweder nur über das Leben zu sprechen oder nur an der Werkbank zu stehen. Es sei der Mittelweg, der den Süchtigen einen Neustart ermögliche. Außerdem fördert Herr W. gerne ein Projekt, das quasi vor seiner Haustür liegt. Wenn er durch den Burgwald radele, komme er an den ALLE FOTOS: P. CLAYTON von uns bewirtschafteten Flächen vorbei. Er sei auch schon einmal auf dem Hof gewesen und hätte gerne ein Stück Kuchen gegessen. Leider sei der Hofladen gerade geschlossen gewesen. Der Ausflug habe sich aber trotzdem gelohnt, denn der Hof liege eingebettet in eine zauberhafte Landschaft, für die die Fleckenbühler durch ihre ökologische und nachhaltige Wirtschaftsweise vorbildlich Verantwortung übernehmen würden. Eine vierköpfige Familie aus Niederrad gehört zu unseren „Kunden der ersten Stunde“, wegen der Qualität unserer Backwaren und Käsesorten. Außerdem werde man in einer nahezu familiären Atmosphäre stets freundlich bedient. Unser Konzept habe ihnen gefallen, ebenso wie die Tatsache, dass es ein Projekt aus ihrer Nachbarschaft sei. So begann die Familie, unsere Arbeit in Frankfurt durch regelmäßige Spenden zu fördern. Sie besuchten zu viert unsere „Offenen Häuser“, fuhren auf den Bauernhof, kauften weiter in unserem Ladengeschäft ein, besuchten unsere Feste und Konzerte und lernten dadurch viele Fleckenbühler kennen. Immer wieder sprachen die Eltern mit Helga und Ronald Meyer, mit Rolf Sterk und ließen sich von Stephen Hoppe und seinem Team (und allen Vorgängern) beraten. Sie lasen in unserer Zeitung über das Leben auf dem Hof und in Frankfurt, über Schicksale und Erfolgsgeschichten. Es sei einer unserer ehemaligen Frankfurter Köche gewesen, der sie durch seine Lebensgeschichte und seine Entwicklung dazu bewogen habe, ihre Spenden auf uns Fleckenbühler zu konzentrieren. Leider sei der dann doch gegangen, ebenso wie der Konditor, der die leckeren Zitronen-Törtchen backen konnte. Die Familie sei trotzdem immer näher an uns Fleckenbühler herangerückt und froh, dass es die Fleckenbühler in Niederrad gebe. Die Arbeit der Fleckenbühler und die Philosophie, die dahinter stecke, seien greifbar, weil die Feckenbühler in Niederrad stets präsent seien, z.B. auf Niederräder Festen und Veranstaltungen. „Man sieht, was daraus wird!“ Der Familienvater erzählt, er komme aus einer kleinen Stadt und sei vor den Gefahren, die in Frankfurt lauern würden, gewarnt worden: Drogen und Kriminalität! Als die Kinder geboren wären, habe man gehofft, dass alles gut gehe. Gerade für die Kinder seien die Fleckenbühler ein gutes Beispiel, im positiven wie im negativen Sinne. Das Schicksal unserer Bewohner zeige, wie sehr ein Leben durch eine Drogen- oder Alkoholkarriere beeinträchtigt werden könne und zugleich, dass es immer möglich sei, wieder auf die Beine zu kommen. Die Eltern sind froh, dass ihnen und ihren Kindern ein solches Los erspart geblieben ist und wollen gerade aus diesem Grund denjenigen helfen, die das Leben härter in die Mangel genommen hat. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen und darum schließe ich mit einem schlichten, aber von Herzen kommenden: Danke für Ihre Unterstützung in Wort und Tat! ■ CLAUDIA ZELLER

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