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Fleckenbühler Zeitung 1. Ausgabe 2018

6 MENSCHEN DIE

6 MENSCHEN DIE FLECKENBÜHLERER1. AUSGABE 2018 Slow Food Zu Gast im Haus Frankfurt Slow Food versteht sich als weltweite Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten. Die Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. Die Mitglieder fördern die verantwortliche Landwirtschaft und Fischzucht, eine artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt. Sie bringen Produzenten, Händler und Verbraucher miteinander in Kontakt, vermitteln Wissen über die Qualität von Nahrungsmitteln und machen somit den Ernährungsmarkt transparent. Teil des themenbezogenen Informationsabends. Von der Saat bis zu den handwerklich gefertigten Backwaren, von der Milch bis hin zum verkaufsfertigen Fleckenbühler Käsestück – detailliert gewährte er Einblick in unsere tägliche Arbeit. Sodann wurde das Buffet eröffnet: Ein frisch gegrilltes Bio-Spanferkel, für Vegetarier alternativ Grünkernbratlinge, mit Sauerkraut und Kartoffeln wurde geboten. Ein großes Lob ging an die Fleckenbühler Küche für diese Leckerbissen! Danach bot Karsten Spehr noch Fleckenbühler Käse zum Probieren an und bei Nachtisch und Kaffee folgte der zweite Teil des Vortrags. Anschließend war Raum für Fragen und Antworten, einerseits kulinarischer Natur, andererseits hinsichtlich unserer Suchtselbsthilfe und unserer Lebensgemeinschaft. Slow Food ist eine Non-Profit-Organisation, getragen von ehrenamtlichen Mitgliedern. Die lokale Slow Food Gruppe in Frankfurt hat ca. 550 Mitglieder. Diese organisieren regelmäßige Treffen, bei denen nicht nur verkostet, sondern auch informiert und diskutiert wird. „Zusammen mit Freunden essen“ lautet die Devise. Andererseits setzen sich die Mitglieder konkret mit Fragen zur Zukunft des Essens auseinander: Immer mehr Menschen werden durch Großküchen verpflegt – ist auch dort regionales Essen mit frischen Zutaten möglich? Wie gewinnen wir unsere Ernährungssouveränität zurück? So zählt Slow Food Frankfurt auch zu den Gründungsmitgliedern des neu konzipierten Ernährungsrates der Stadt Frankfurt. Ende 2017 hatte sich die Slow Food Gruppe Frankfurt bei uns angemeldet. 18 Mitglieder wollten gerne im Rahmen eines Informations- FOTO: DIE FLECKENBÜHLER abends mehr zu unserer sozialen Landwirtschaft und unseren Produkten erfahren und bei uns essen. Nach der Begrüßung und Informationen zu uns Fleckenbühlern durch unseren Frankfurter Geschäftsführer Ludwig Seidl, eröffnete unser Landwirtschaftsmeister vom Hof, Karsten Spehr, den ersten Ein rundherum gelungener Abend mit sehr zufriedenen Gästen und Gastgebern. Für ihr reges Interesse und ihre Entscheidung, zu uns zu kommen, möchten wir uns bei den Teilnehmern von Slow Food Frankfurt ganz herzlich bedanken. Gerne immer wieder! ■ LUDWIG SEIDL ■ KARSTEN SPEHR Einst Crystal, heute Käse Wie eine Bewährungsstrafe manchmal helfen kann sich jetzt offiziell „Fachagrarwirt Handwerkliche Milchverarbeitung“ nennen! Aber natürlich hat Michael noch weitere Ziele: Am Führerschein ist er dran, vielleicht mal Molkereimeister werden und auf jeden Fall Erfahrungen mit der Käseherstellung auf einer Alpe machen, schwärmt er. In die alte Heimat Sachsen will er nicht zurückziehen, auch wenn er seine Familie gerne besucht, der Respekt vor den Gefahren seiner alten Welt hält ihn davor zurück. In Hessen, und besonders in Marburg, fühlt sich Michael sehr wohl, er hat sich mit seiner Freundin einen neuen Freundeskreis aufgebaut und hat noch viele Ziele und Träume, die es zu realisieren gilt. ■ JOHANNES Michael mit seinem Zertifikat im Käsekeller. Eine beispielhafte Entwicklung hat unser Bewohner Michael vollzogen. Vor gut drei Jahren lebte er noch in der Dresdener Vorstadt und war im Dauerrausch auf Crystal Meth und Marihuana. Heute ist er ein 24-jähriger selbstbewusster junger Mann, zweiter Produktionsleiter in der Fleckenbühler Hofkäserei mit absolvierter Berufsausbildung und er strotzt von Energie und Lebenslust. Trotz guter Familienverhältnisse hat er schon sehr früh angefangen, Erfahrungen mit Drogen zu machen, Rauchen und Kiffen waren der Einstieg. Schnell kamen Amphetamine und Crystal dazu. Sein Traum Kunst zu studieren rückte schnell in weite Ferne, das Fachabitur platzte und Michaels Alltag bestand nur noch aus Dealen und Konsum. Mittlerweile ist er der Justiz dankbar, denn nur seine zweijährige Bewährungsstrafe und die Auflage, FOTO: JOHANNES für ein Jahr bei den Fleckenbühlern zu bleiben, haben ihm dazu verholfen, seinem Leben eine Wendung zu geben: Von Anfang an war Michael sehr engagiert, das Handwerk des Herstellens von Käse mit hofeigener frischer Milch fasziniert ihn bis heute. So manche Eigenkreation, wie rotgeschmierter Weichkäse, Schnittkäse mit Walnüssen und Habanero (Chilisorte) oder veredelter Hartkäse kommen auf den Frühstückstisch der Lebensgemeinschaft. Michael hat im Dezember die Prüfung absolviert und darf VORGESTELLT Hans Müller, Jahrgang 1958, kam im März 2013 in unser Frankfurter Haus zur Aufnahme. In den ersten vier Jahren arbeitete er in unserer Hausküche und kümmerte sich hauptsächlich um den Service. Auf Grund seiner FOTO: STEPHEN HOPPE ruhigen Art und seines hilfsbereiten Umgangs mit neuen Bewohnern wechselte Hans vor einem Jahr in den Bereich der Hausleitung und kümmert sich seitdem um alle Neuankömmlinge. Er weist sie in den ersten drei Monaten in alle Gepflogenheiten im Miteinander ein und bringt sie auf den richtigen „Fleckenbühler Weg“. In seiner Freizeit geht Hans regelmäßig zum Fitness- Training. Einen tollen Kontakt hat Hans zu seinen fünf heranwachsenden, bzw. erwachsenen Kindern. Kurz vor seinem 60. Geburtstag hat Hans das erste Mal in seinem Leben den Führerschein gemacht.

1. AUSGABE 2018ERDIE FLECKENBÜHLER MENSCHEN 7 22 Jahre Arbeit für Fleckenbühl Unsere Hausärztin Erika Richter Frau Richter ist seit 34 Jahren Ärztin. Sie stammt aus einem kleinen Dorf im Hohen Westerwald, wo sie mit fünf Geschwistern aufwächst und schon früh in die landwirtschaftliche Arbeit eingebunden wird. Es wird ausschließlich Westerwälder Platt gesprochen, erst in der Volksschule lernt sie hochdeutsch. Nach acht Jahren Volksschule besucht sie die Handelsschule, entscheidet sich im Alter von 16 Jahren jedoch, Krankenschwester zu werden. Nach Beendigung ihrer Ausbildung im Jung-Stilling-Krankenhaus, geht sie nach West-Berlin. Dort fasst sie den Entschluss, auf dem zweiten Bildungsweg Abitur zu machen. Anschließend studiert sie in Marburg zunächst Politik, Germanistik und Philosophie. Sie stellt jedoch bald fest, dass sie Ärztin werden will und beginnt 1975 das Medizinstudium. Sie bekommt während des Studiums vier Kinder, eines stirbt unmittelbar nach der Geburt. Ihre drei Töchter sind inzwischen erwachsen. Nach sieben Jahren Krankenhaustätigkeit lässt sich Frau Richter 1993 in Marburg-Cappel als Allgemeinärztin nieder. Bereits im Studium beginnt sie Weiterbildungen in homöopathischer und anthroposophischer Medizin, wodurch ihr Behandlungsspektrum ergänzt und erweitert wird. 1995 wird sie Schulärztin an der Waldorfschule Marburg und lernt über diese Tätigkeit Fleckenbühl kennen. Die damalige Leiterin, Maritta Zeymer, bittet sie, hausärztlich auf dem Hof tätig zu werden. Seit nunmehr 22 Jahren hält Frau Richter im 14-tägigen Rhythmus ihre Sprechstunde für Fleckenbühler Bewohner auf dem Hof ab. Außer in den Urlaubszeiten ist die Sprechstunde bisher nur ein einziges Mal wegen eines internen Termins ausgefallen! Frau Richter versucht möglichst auf allopathische Medikamente zu verzichten und die Menschen in Fleckenbühl naturheilkundlich und homöopathisch zu behandeln, da wir in Fleckenbühl – außer in ganz besonderen Fällen – keine Schmerzmittel und Psychopharmaka anwenden. Besonders am Herzen liegen Frau Richter die Kinder der Bewohner. Erika Richter während ihrer Sprechstunde auf Hof Fleckenbühl. In Gesprächen mit den Eltern betont sie, wie wichtig es ist, die Entwicklungsbedingungen der Kinder günstig zu beeinflussen. Sie vermittelt, dass es ganz besonders im Krankheitsfall wichtig ist, die Kinder gut zu umsorgen und zu pflegen. Die Eltern werden angeleitet, wie sie mit pflegerischen Maßnahmen, wie zum Beispiel durch Wickel und Auflagen, den Erkrankungsverlauf günstig beeinflussen können. Die Selbstheilungskräfte können durch Einreibungen und homöopathische Mittel unterstützt werden. Die Zuwendung durch die Eltern sorgt für Geborgenheit und Sicherheit und stärkt so das Vertrauen des Kindes in sich selbst. FOTO: JOHANNES „Durch meine eigenen Kinder wurde ich sensibilisiert für die Widersprüche unseres Gesundheitssystems, mit all den oft unangebrachten antibiotischen Behandlungen und ständigen fiebersenkenden Maßnahmen“ sagt sie. „Mein Leben mit Studium und Kindern ließ mir wenig Zeit für Hobbys. Aber ich habe immer viel gelesen.“ Seit ihre Kinder erwachsen sind, hat sie mehr Zeit für sich. Mittlerweile singt sie in zwei Chören, engagiert sich politisch und wandert gerne. In Norwegen, Schweden, aber auch in der Uckermark macht sie gerne Camping am See und genießt die Stille. Außerdem hat sich die Familie vergrößert. Sie hat fünf Enkelkinder, für die sie und ihr Mann immer da sind, wenn sie gebraucht werden. „Durch die Arbeit in Fleckenbühl habe ich intensiven Kontakt zu besonderen Menschen, zu Menschen die süchtig waren und aus eigenem inneren Entschluss ein nüchternes Leben wählen. Dass ich die Entwicklung, in ein selbstbestimmtes Leben zu gehen, verfolgen kann, ist für mich immer wieder ein großes Geschenk.“ Mittlerweile hat Frau Richter ihre Praxis an eine ihrer Töchter übergeben, unterstützt diese jedoch noch als angestellte Ärztin. Der Beruf als Ärztin ist für sie Berufung – ans Aufhören denkt sie nicht! ■ DAGMAR FEIST Lebendig sein Das Leben ist ein langer, nicht immer ruhiger Fluss Wenn man sich entschließt, seinen Weg nicht mehr betäubt zu gehen, kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass das Leben, wer hätte es gedacht, lebendig ist. Betäuben heißt, seine Realität zu dämpfen, sie so zu manipulieren, dass sie einfacher wird. Lebendigkeit ist vergleichbar mit einer Wasserquelle. Scheinbar chaotisch tritt etwas aus dem Nichts zutage und bahnt sich seinen Weg durch die Welt. REZEPT AUS DER FLECKENBÜHLER KÜCHE Andys Kaiserschmarrn Fleckenbühl hilft fürs Erste, sich mit dem Strom zu bewegen, um sich von seiner Betäubung lösen zu können. Die Leute, die sich in dem Strom bewegen, sind natürlich sehr unterschiedlich. Manch einer ist schon Seefahrer und kennt sich mit ähnlichen Gewässern aus, andere sind Matrosen, die die Kommandos des Kapitäns befolgen und wieder andere sind Frei- oder sogar Nichtschwimmer. Dann gibt es noch Rettungsbootfahrer, Treibgut, Fischer, Kanuten, Apnoe-Taucher, Surfer und ähnliches Aquatisches … Fleckenbühl bietet Zeiten und Gelegenheiten, seine Individualität zu erkunden, sich selbst wahrzunehmen, seine Horizonte zu erweitern. Eine jede „Lebenskarte“ ist einzigartig und sollte auch eigenständig erkundet werden können. Nicht in Abhängigkeit von jemandem oder etwas. Nur so kann man seine Ängste überwinden, um die weißen Flecken auf seiner Karte zu erkunden. Das sind Grenzbereiche, zu denen man navigieren sollte, um für sich selbst Transparenz zu schaffen. So lernt man sich selbst kennen. Natürlich kann man diese Bereiche auch umschiffen, Unbekanntes flößt schließlich Respekt ein und das geht heutzutage oft mit Angst einher. Da ist es auf den ersten Blick einfacher, schnell zurückzurudern, gegen den lebendigen Strom, zurück zu einer bekannteren, scheinbar ruhigeren Stelle. Daran ist auch nichts verwerflich, solange man sich bewusst ist, dass der Strom des Lebens weiterfließt. Wenn man aber immer wieder gegen diesen Strom rudert, kostet das auf Dauer sehr viel Kraft und dann verlässt man den Fluss lieber. Zurück auf den Weg, der einen hergebracht hat ... Überschreitet man allerdings diese Grenzen, bleibt man natürlich und lebhaft. Man wird frei von Abhängigkeit und es entwickeln sich neue Lebensbahnen. Vertraut man darin, kann man vom Mitschwimmer zu einem eigenständigen Fluss werden, der richtungsweisend ist für andere und der das vermeintliche Chaos mit Ufern begrenzt, in denen Lebendigkeit strömen kann. ■ MARC ANDRÉ Marc André ist 30 Jahre alt, seit einem Jahr und zwei Monaten ist er nüchtern. ZUBEREITUNG j Zuerst in einer Schüssel Mehl, Zucker, Salz und Eigelb mit der Milch zu einem glatten, dickflüssigen Teig verrühren. In einer anderen Schüssel das Eiweiß zu einem steifen Schnee schlagen und danach unter den dickflüssigen Teig heben. Die Butter in einer großen, flachen Pfanne aufschäumen lassen, den Teig langsam eingießen und auf beiden Seiten anbacken. ZUTATEN FÜR 2-3 PERSONEN 200 g Mehl 30 g Zucker 1 Prise Salz 4 Eier (Größe M) 300 ml Milch 40 g Butter 20 g Rosinen Staubzucker zum Bestäuben j Anschließend die Pfanne in ein vorgeheiztes Backrohr bei mäßiger Hitze (Heißluft ca. 180°C) für 10-12 Min. fertig backen, bis der Kaiserschmarrn leicht goldbraun ist. Danach die Pfanne aus dem Backrohr nehmen und den fertigen Teig mit zwei Gabeln in unregelmäßige Stücke zerreißen. Nun die Rosinen hinzufügen, gut verrühren und die Pfanne nochmals für ca. 1 Minute in den noch heißen Backofen. Den Schmarrn auf Tellern anrichten, mit dem Staubzucker bestreuen und mit beliebigem Kompott, Vanillesauce oder auch Apfelmus servieren. j In Österreich ist die klassische Zugabe zum Kaiserschmarrn „Zwetschgenröster“ (Zwetschgenkompott). ■ Rezept aus der Fleckenbühler Küche von ANDREAS BRODRECHT

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