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musiktipps savoy brown

musiktipps savoy brown Witchy Feeling RUF Records shame Songs Of Praise Dead Oceans Er ist ein echter „Vintage Man“, dieser Kim Sommonds, Frontmann, Gitarrist und Sänger der legendären Sixties-Blues-Rock-Band Savoy Brown. Als Gründungsmitglied ist er seit 1965 dabei, sich stets treu geblieben und stilistisch resistent gegenüber allen Modeerscheinungen. Der Tipp von Promoter Peter Harasim (CBF), sich nach einem Durchhänger der Plattenfirma RUF anzuvertrauen, hat sich offensichtlich in jeder Hinsicht gelohnt. Zwar ist der Blues-Rock nicht immer etwas für schwache Nerven und auch auf diesem Werk ist die Rede von Dunkelheit, Not und Tod bis hin zu höllischen Wesen, wie auch das Plattencover verdeutlicht. Außerdem bestätigt die CD Kims Tendenz zum Makabren. Die Frage nach dem „Hoodoo“ wird gleich beim ersten Song gestellt. Anscheinend hält der „Teufel“ immer noch die besten Blues-Vibes bereit, besonders „Close To Midnight“ – ein echter Smooth Blues Treffer! Im Trio mit Pat DeSalvo (bass), Garnet Grimm (drums) und Ben Elliots (technics) beamt uns Kim Simmonds in eine Welt dunkler Ritter, wilder Stürme, witchy Women und Whisky. Dies gibt es alles am 23. März auch live zu erleben bei den Rother Bluestagen 2018! Helmut Ölschlegel Brexit, Dementia Tax, Carillion... Alleine 2017 hat die Tiefe des Loches anschaulich offenbart, in das sich das britische Königreich von Thatcher über New Labour bis heute in seiner hemmungslosen Langzeitaffäre mit dem Neoliberalismus gegraben hat: So weit ist es mit der Bürokratisierung der sozialen Kälte (Filmtipp: I, Daniel Blake) gekommen, dass man die Entsolidarisierung der Gesellschaft nun mit einem „Ministry of Loneliness“ zu kompensieren gedenkt. Letzteres wäre in seinem Zynismus auch ein schöner Titel für das Debüt der jungen Londoner von Shame gewesen, denn von Gotteslob ist „Songs of Praise“ denkbar weit entfernt. In der Tradition von The Fall und in bester Gesellschaft aktueller Grantler wie Idles oder Sleaford Mods spucken sie von der Schnittstelle zwischen Indie, Noise und Punk aus mit Gift und Galle so raumgreifend um sich, dass auf Festivals selbst die „Jeremy Corbyn“- Chöre kurz verstummen. Wie Charlie Steen dem Ganzen mit seiner Mischung aus Spoken Word-Einlagen (Mark E. Smith lässt sicher nicht grüßen) und Doherty‘scher Schnodderigkeit dennoch zu so ungeahnter Catchiness verhilft, bleibt dabei ebenso rätselhaft wie Maybots verbleibende Tage im Amt. Maximilian Beer P!nk Beautiful Trauma Sony Music the go! Team Semicircle Memphis Industries/Indigo Es ist wie bei fast allen Künstlern: Große Krisen bringen große Musik hervor. So war „Funhouse“, in welchem P!nk die Trennung von Ehemann Carey Hart verarbeitete, eines ihrer besten Werke. Längstens haben die beiden wieder zueinander gefunden und ihr Eheglück im letzten Jahr mit der Geburt ihres zweiten Kindes komplettiert. P!nk scheint privat also angekommen und inzwischen regelrecht bodenständig zu sein. Das spiegelt auch in ihrer Musik: „Beautiful Trauma“ ist ein solides Album. Zwar in typischer P!nk-Manier, aber es fehlt ein wenig das Feuer zwischen den Zeilen, denn sowohl musikalisch als auch textlich sind die Songs wenig innovativ. Das kann P!nk jedoch mit ihrer perfekten Stimme ausgleichen. Zum einen scheint diese mit jedem Lebensjahr besser zu werden und zum anderen klingt die Enddreißigerin beim Singen so energetisch wie eh und je. Innerhalb des P!nk-Kosmos bekommt „Beautiful Trauma“ also nur eine zwei minus, im Vergleich zu anderen Alben und Künstlern bleibt es aber selbstverständlich ein super Album von einer sensationellen Künstlerin. Sabine Mahler Dass The Go! Team für das Covershooting zu „Semicircle“ in einer Schulturnhalle posieren, ist nur konsequent – schließlich war die Musik des Kollektivs aus dem englischen Seebad Brighton schon immer extrem Cheerleader-kompatibel. Auch Album Nummer fünf hält sich an das bewährte Konzept von Mastermind Ian Parton, der diesmal wieder Rapperin Ninja und Gitarrist Sam Dook in seine Rasselbande zurückgeholt hat: Old- School-HipHop, Seventies-Funk, Garagen- Soul und Bubblegum-Pop fusionieren mit naiv-fröhlichen Kinderliedmelodien, obskuren Samples und coolen Instrumentals, die auch aus einer alten amerikanischen TV-Serie stammen könnten. Es scheppert und trötet und rumpelt und flötet an allen Ecken und Enden, der Feelgood-Faktor bleibt hoch, im Hintergrund shoutet der Detroit Youth Choir. „The Semicircle Song“ schließlich vereint eine außer Kontrolle geratene Marching Band mit Steeldrums und „Uhuhuh“-Chören. Bei allem Retro-Charme versprüht „Semicircle“ aber stets eine überbordende Euphorie und Vitalität, der sich selbst notorische Turnbeutelvergesser kaum dürften entziehen können. Uli Digmayer KURZ &GUT Die aus dem Südwesten der USA stammende Indierockkapelle Calexico seht nicht im Ruf, sich von Album zu Album neu zu erfinden. Bei neun LPs in über 20 Jahren Bandgeschichte lauert da die Gefahr der Selbstkopie. Nun ist das eben erschienene „The Thread That Keep Us“ zwar keine Neugeburt der Band aus Arizona und dennoch viel mehr als einfach die nächste Platte. Das Album erscheint als Essenz des Schaffens des Musikerkollektivs um Joey Burns und John Convertino. Noch nie war so komprimiert und explizit zu hören, wofür Calexico steht: Empathie, Freiheit, Liebe und den besten Americana-Sound westlich von Whiskeytown. cro Rein optisch bedienen die Mitglieder von Special Explosion das Stereotyp der Seattle- Band vollkommen. Der Träumer, der Dicke, der Streber, der Freak und das Freak-Girl. Ein wahres Außenseiter-Grunge-Klischee aus einem 90er-Jahre Teeniefilm. Musikalisch sollte man die Sache differenzierter betrachten: Ob das Debüt der fünf jungen Musiker „To Infinity“ wirklich für die Ewigkeit gemacht ist, wird sich zeigen. In jedem Fall dienen baumfällerbehemdete Seattle-Stereotypen kaum zum Vergleich für dieses großartige, mal durchdachte, mal entrückte und aus Archetypen wie Built To Spill, Death Cab for Cuties oder Pavement deduzierte Stück Indiepop. cro DJ-Toplist > Februar The Log Lady 1. The Fall - Totally Wired 2. This Is The Kit - Moonshine Freeze 3. C. Barnett & K. Vile - Fear is Like a Forest 4. John Cale & Terry Riley - The Soul of Patrick Lee 5. Beck - Debra 6. Dave Brubeck Quartet - Unsquare Dance 7. Bob & Earl - Harlem Shuffle 8. The Damned - Neat Neat Neat 9. Patsy’s Rat – Burnin‘ Honey 10. Lee Rogers - You‘re the Cream of the Crop 34 www.fraenkische-nacht.de

konzerttipps überregional von sabine Mahler Sofern nicht anders angegeben, alle Fotos von Helmut Ölschlegel So langsam sind wir wohl alle im neuen Jahr angekommen, rauchen endlich wieder und haben die meisten Diäten über Bord geworfen – das muss gefeiert werden! In diesem „Faschingsmonat“ Februar ist für jeden was dabei Blues Caravan 2018 feat. Bernard Allison u.a. 6.2.Nürnberg, Hirsch 7.2. Aschaffenburg, ColosSaal Beim Blues Caravan hatten Fans seit jeher die Chance, neue aufstrebende Künstler live zu sehen, bevor sie die großen Bluesbühnen der Welt erobern. Doch 2018 wird es zwei Schwergewichtler geben, denen ihr RUF (im doppelten Sinne) vorauseilt: Bernard Allison und Mike Zito (Royal Southern Brotherhood), wozu sich sich noch Vanja Sky gesellt. Monika Gruber 1.2. Lichtenfels, Stadthalle 2.2. Hof, Freiheitshalle „Wahsinn“, die Gruber war nahezu überall sofort ausverkauft! Es gibt nur noch Restkarten an der Abendkasse. Daniel Geck 1.2. Erlangen, E-Werk - Kellerbühne Daniel Geck ist ein deutschsprachiger Liedermacher, Sänger und Gitarrist aus Schweinfurt. In seinen Geschichten erzählt er von den kleinen unerwarteten Besonderheiten des Alltags, vom Leben in all seinen Facetten und der immerwährenden Suche nach kreativer Zufriedenheit. Cara 2.2. Haßfurt, Rathaushalle Cara zählen international zu den bekanntesten Vertretern des ‚New Irish Folk‘ und verweben moderne Einflüsse und eigenes Songwriting mit traditionellen Wurzeln. Das Programm enthält Stücke aus allen Schaffensphasen, sowie brandneue Songs. Che Sudaka 2.2. Erlangen, E-Werk - Clubbühne Drei Jahre sind ins Land gegangen seit der Veröffentlichung von “Hoy”, dem letzten Studioalbum von Che Sudaka, das die Band als unumstrittene Referenz des Cumbia-Ska-Punk weltweit konsolidiert hat. Jetzt gibt es ein neues Album und eine neue Tour. A-ha 3.2. München, Olympiahalle 22.8. Coburg, Schlossplatz Das legendäre norwegische Pop-Trio A-ha hat auf der malerischen Insel Giske vor der Küste Norwegens einen neuen Sound erklingen lassen: Im Rahmen der bekannten Konzertreihe MTV Unplugged gab A-ha, am 3.2. in München Lina, am 25. Februar in Nürnberg/Löwensaal die Band um Morten Harket mit Gästen zwei exklusive Akustik-Konzerte, die vor einem kleinen Publikum in Ton und Bild aufgezeichnet wurden. Es ist eine Premiere, denn A-ha spielten zum ersten Mal akustisch auf Tour. Fler x Jalil 4.2.Nürnberg, Hirsch Mit seinem aktuellen Album „Epic“, das der Berliner Rapper Fler mit Label-Partner Jalil als Kollaboalbum veröffentlicht hat, schafft der visionäre Rapper der Stunde erneut die Sensation. Nach dem großen Erfolg von „Vibe“ steigt auch „Epic“ auf Platz 1 ein. Begleitend zur Albumveröffentlichung gehen Fler und Jalil gemeinsam auf große Epic Tour. SDP 4.2. München, Zenith 23.2. Regensburg, Donauarena Man sollte meinen, wenn man bereits mit Den Ärzten verglichen wird, hätte man schon alles erreicht. Aber Vincent und Dag wollen mehr und bleiben ein Phänomen in der deutschsprachigen Musiklandschaft. Foto: ARGO Jake Bugg 5.2. München, Technikum Es ist nicht übertrieben, Jake Bugg als Wunderkind zu bezeichnen. Gerade einmal 23 Jahre alt, veröffentlichte er bereits sein viertes Album „Hearts That Strain“, auf dem der begnadete Songwriter sich und seine Musik ein weiteres Mal neu definiert. Kakkmaddafakka 6.2. Erlangen, E-Werk - Saal Im vergangenen Jahr erschien mit „KMF“ eine Platte, mit der sich die norwegische Partyband gereift zeigt. Die alte Unverfrorenheit, mit der da alles Tanzbare zusammengemischt wurde, zeichnet die Band mit dem missverständlichen, unaussprechlichen Namen aus: Kein Metal – Pop! The High Kings 6.2. München, Ampere Seit zehn Jahren nun spielen The High Kings schon zusammen und touren rund um den Globus mit stets zunehmendem Erfolg. Mit ihrer Idee, die Jahrhunderte alte Tradition der Irischen Folksongs wieder mit neuem Leben zu füllen und das Repertoire auch um neue, eigene Songs zu erweitern, trifft nicht nur in ihrer Heimat Irland den Nerv und das Herz ihrer wachsenden Zuhörerzahl. DCVDNS 7.2.Nürnberg, Hirsch Der musikalische Meta-Mummenschatz ließ die HipHop-Polizei allerorts die Wände hochgehen. Was soll das? Meint der Typ das ernst? Ist das Ironie? DCVDNS ließ sich von dieser Echthalter-Entrüstung nicht beeindrucken und machte weiter unbeirrt sein Ding und ist vier Jahre später zurück. Ohne Maske oder doppelten Boden. Cradle of Filth 8.2.Nürnberg, Hirsch Über das letzte Vierteljahrhundert hinweg haben Cradle of Filth die Rolle der düsteren Tagebuchschreiber des Metals übernommen, die die gestaltlosen Schrecken erforschen, die versteckt in den Schatten unserer Menschheit lauern. We Invented Paris 9.2. Würzburg, Café Cairo We Invented Paris ist das Kollektiv um den Basler Sänger und Songwriter Flavian Graber. Es vereint Musiker, Designer und Filmemacher und erfindet seine Architektur und sein Klangbild seit dem Startschuss vor sieben Jahren immer wieder neu. Das frische Songmaterial markiert einen Einschnitt in das bisherige Folk-Pop-Gewand Mike Zito & Blues Caravan, am 6.2. in Nürnberg 35

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