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März 2018 - Büchenbacher Anzeiger

Büchenbacher Reiseclub Der BRC im Weihnachtsland Dezember 2017 So manche Büchenbacher Familie hat sie in der Adventszeit auf der Fensterbank stehen: Die „Weihnachtsmännel“. Und den „Schwibbogen“. Den „Büchenbacher Reiseclub e.V.“ packte wieder einmal die Reiselust, nachzuschauen, wo dieses „Weihnachtszeich“ herkommt. Im Erzgebirge mag der eine oder andere schon gewesen sein. Aber zur Adventszeit im „Deutschen Weihnachtslande“? Oder gar bei einer „Großen Bergparade“, wie sie jedes Jahr im Advent stattfinden, zur Erinnerung an über 500 jährige Bergbautradition da oben zur Böhmischen Grenze hin? Wir wollten die geschnitzten „Bargmännel“ und dieselbigen lebendig „live“ erleben! Also rein in den Bus am 3.Advent a.D. 2017 früh morgens 6:00Uhr. Die A9 hoch bis ans Autobahndreieck „Bayerisches Vogtland“, weiter auf der A72 durch Fichtelgebirge und das Sächsische Vogtland bis nach Chemnitz, dem früheren „Sächsischen Manchester“. Außen herum den Chemnitzer Südring entlang hoch zur B174, der Straße nach Zschopau, Marienberg, Reitzenhain, Komotau, Prag. Unsere Unterkunft war das Landhotel Wemmer in Großrückerswalde, 4km südwestlich von Marienberg. Schnell das Mittagessen verzehrt, unser Zeitplan war eng an diesem Tage. Einige von uns machten hier eine neue Erfahrung: Der „Lauterbacher Tropfen“, ein grüner Kräuterbitter aus dieser Gegend. Manch einer nahm später noch einen… Nach dem Mittag zurück nach Marienberg. Dort war für 14:00 Uhr die „Große Bergparade“ angesagt mit ca. 500 Teilnehmern. Wie es sich dort oben für Mitte Dezember gehört, begann es zu schneien als wir am Marienberger Markplatze den Bus verließen. Es war noch ein bißchen Zeit bis zur Parade, also war auf dem Weihnachtsmarkte ein Glühwein an der Reihe… Und als ein jeder seine Tasse hatte, wurde aus dem Schneefall ein Blizzard erster Güte! Mit Blitz, Donner und Schneesturm! Mitten auf dem Marktplatze blickt der Gründer von Marienberg (1521), Herzog Heinrich der Fromme als erzenes Standbild auf seine Stadt. Hatte er Blitz und Donner angezogen? Da war doch einer der Unsrigen barhäuptig bei diesem Wetter! Nur gut, es gab auf dem Markte auch einen Mützenstand… Kurz vor 14:00Uhr war das Unwetter durch und die Sonne kam heraus. Der Paradezug setzte sich in Marsch. „Etwa 350 Trachtenträger sächsischer Knapp- und Bergbrüderschaften sowie 160 Bergmusiker“ [MDR-Bericht] zogen vom Bergmagazin (Museum sächsisch-böhmisches Erzgebirge) durch Poststraße und Wolkensteiner Straße (Bild links unten) einmal um den Marktplatz und nahmen in breiter Front vor dem Rathause Aufstellung (Bild ganz unten). Das Standkonzert dirigierte Landesbergmusikdirektor Jens Bretschneider. So etwas hatten die Reiseclub-Mitglieder noch nicht erlebt! Manch einer / eine hatte da ein Tränchen im Augenwinkel (wohl kaum vom frischen Wind da oben…). Es war eine einmalige, bewegende gute Stunde dort. Als diese vorüber war, hatten wir noch etwas Muse, für noch ein Glühweinchen usw. Dann ging es zurück ins Quartier, es war genug Zeit, „den Tacho zurückzustellen“. Nach dem Abendmahl im weihnachtlich dekorierten Wintergarten erlebten wir in einer „besinnlichen Stunde“ unsere selbstgestaltete Weihnachtsfeier, eingeleitet mit dem „Einläuten“ der Häuerglocke der alten Fundgrube „Weißer Hirsch“ in Schneeberg und der „Kuttengrüner Mettenschicht“ mit Russischen Hörnern und Orgel des Erzgebirgs-Ensembles (von einer guten, alten ETERNA-Schallplatte aus den 70er Jahren). Unser 1.Vorstand hielt seine Eröffnungsrede und wünschte uns allen eine schöne Feier. Danach spielte das Erzgebirgs-Ensemble mit einem Meißner Porzellanglockenspiel eine Folge erzgebirgischer Weihnachtslieder. Es folgte ein Vortrag über die Brauchtumspflege im Deutschen Weihnachtslande, dem Erzgebirge „Zwischen Männelwecken und Mettenschicht“. Und dann wurde gemeinsam gesungen („Leise rieselt der Schnee“, „Oh Tannenbaum“, „Alle Jahre wieder“, „Süßer die Glocken nie klingen“ und – natürlich – „Oh du fröhliche“), dazwischen wurden Texte vorgetragen („Der Baum“, „Es Weihnachtsg´schenkla“, „I mechat amol a Christkindl sei“, „Apfent, Apfent“). Zum Abschluß sangen die „Crottendorfer Spatzen“ als eine Art Absichtserklärung unserer Reisegruppe „Bleibn mer noch e wing do“ (es wollte noch keiner ins Bett). Das „Ausläuten“ der alten Häuerglocke beendete unsere besinnliche Stunde. Schön war diese wieder einmal. Mit dem einen oder anderen Schlummertrunk ließen wir den Abend ausklingen. Für den Montagmorgen war zeitiges Frühstück angesagt… 22 Büchenbacher Anzeiger

Büchenbacher Reiseclub Zuerst ging es dann ins Spielzeugdorf Seiffen, via Marienberg, Zöblitz, Olbernhau entlang der alten „Sächsischen Silberstraße“. Diese erstreckt sich vom westsächsischen Zwickau über alle Orte des damaligen Silberbergbaus bis Marienberg, wo zu damaliger Zeit die Sächsisch-Kurfürstliche Münze stand, und weiter bis in die Resídenz an der Elbe, nach Dresden. Das war damals der Weg des Reichtums Sachsens. Seit dem 12. und 13. Jahrhundert besiedelten fränkische Bauern in diesem Gebirge den damaligen Urwald – den „Miriquidi“. Reiche Silberfunde führten zur Gründung vieler Bergstädte und –städtchen: 1168 Freiberg, 1496 Annaberg, 1521 Marienberg, und viele mehr. Neben Silber trugen auch reiche Funde von Zinnerz zum Reichtum des Landes bei. So ist 1324 erstmals ein „Cynsifen“ urkundlich erwähnt. Zinn wurde aus dem Gestein herausgewaschen – altdeutsch für waschen: „seiffen“. Für 1650 sind erste Holzdrechsler dokumentiert, die Spielwarenherstellung begann um 1730. Eine Seiffener Spezialität ist das Reifendrehen. In einen Holzring werden von allen vier Seiten Profile hineingearbeitet. Nachfolgendes scheibchenweises Aufspalten ergibt Tierkörper, deren Glieder feinschnitzend fertiggestellt und farblich gestaltet entsteht so ziemlich alles, was Noah damals mit auf seiner Arche hatte. Und die großen gedrechselten Nußknacker haben auch in Seiffen ihren Ursprung. Ein Besuch dort lohnt sich allezeit, aber am schönsten ist es dort in der Adventszeit – alles verschneit, Dachtraufen eiszapfenverziert, Lichter in allen Fenstern. Und natürlich das Seiffener Kirchlein! Achteckig im Grundriß wie ihr großes Vorbild – die Dresdener Frauenkirche. Aber auch die Zeit in Seiffen ging für uns zu Ende. Auf der „Silberstraße“ zunächst zurück bis nach Marienberg und dann via Großrückerswalde, Mauersberg, Mildenau und Geyersdorf nach Annaberg-Buchholz. Gegründet wurde diese Stadt 1496 auf Geheiß von Georg dem Bärtigem, damaliger Landesherr Sachsens. Reiche Silberfunde im nahen Schreckenberg lockten viele Menschen zu diesem Orte. Bis 1558 war in Annaberg die Sächsisch-Kurfürstliche Münze ansässig, dann kam diese nach Dresden. Unser Anlaß, dort Station zu machen, war recht profaner Natur: Mittagspause im Ratskeller, genannt „Neinerlaa“. Was hat es mit diesem Namen auf sich? „Das Neunerlei ist ein alter Weihnachtsbrauch, der im Erzgebirge sowie teilweise auch im Vogtland und im früher sudetendeutschen Egerland am Heiligabend gepflegt wird. Kern des Neunerlei (mundartlich Neinerlaa) ist ein Weihnachtsessen aus neun Gerichten oder deren Bestandteilen, wobei diese stark variieren können. Ein Beispiel für solch ein Essen wäre Bratwurst mit gekochten Kartoffelklößen, Sauerkraut und darüber zerlassene Butter. Als Nachtisch gibt es Sellerie, dann eine Linsensuppe und zum Schluß Heidelbeerkompott. Brot und Salz stehen immer auf dem Tisch bereit. Die einzelne Gänge und Zutaten des Menüs haben jeweils eine bestimmte Bedeutung: Bratwurst steht zum Erhalt von Herzlichkeit und Kraft („doß mr Harzhaftigkeit un Kraft bewohrt“), Sauerkraut steht dafür, daß einem das Leben nicht sauer wird („damit ens Labn net sauer wird“), Linsen stehen dafür, daß einem das Kleingeld nicht ausgeht („doß ens kleene Gald net ausgieht“), Klöße, Karpfen und Hering stehen dafür, daß das große Geld nicht ausgeht („doß es net an grußen Gald fahlt“), Gans, Schweinebraten und Kuhhase stehen dafür, daß einem das Glück treu bleibt („doß ens Gelick trei bleibt“), Kompott steht dafür, daß man sich des Lebens erfreuen kann („doß man sischs ganze Labn free kah“), Semmelmilch steht dafür, daß man nicht erkrankt („doß en de Nos net truppt in neie Gahr“ oder Buttermilch, „doß mr ka Koppwiting (Kopfschmerzen) hat“), Nüsse oder Mandeln stehen dafür, daß der Lebensalltag im nächsten Jahr gut abläuft („doß dr Labnswogn gut geölt dorchs neie Gahr fährt“) und Pilze oder rote Rüben schließlich sollen Freude und Glück bringen („Freid un Gelick un rute Backen“)“. [wikipedia] Wir bedienten uns aus der Speisekarte (es war ja noch kein Heiligabend). Danach noch schnell einen kurzen Bummel über den Weihnachtsmarkt, rein in den Bus und auf und davon. Durch Schwarzenberg (früher Herkunft der privileg-Waschmaschinen) und Aue (wo die „Veilchen“ herkommen – die Fußballer von Erzgebirge Aue) hinter Zwickau auf die A72. Nach Hause! Wo wir müde, aber froh über das Erlebte, gegen 20:00Uhr ankamen. Es war wunderschön dort oben im Erzgebirge zur böhmischen Grenze hin, im Deutschen Weihnachtslande. Zur Nachahmung empfohlen! Text & Bilder (5): Dr.-Ing. Wolfgang Schumann / BRC , Bild (1): Barbara Raaf / BRC Verteilung April-Ausgabe: ab 30. März 2018 Redaktionsschluss nächste Ausgabe: 15. März 2018 Ausgabe März 2018 23