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SHE works! - MINT-Special: Frauen und Technik

Die Vorurteile, die beim Thema Frauen und Technik durch die Köpfe geistern gehören endlich abgeschafft. Denn sie sind schlichtweg falsch. Wir zeigen, dass Frauen sehr wohl technisch affin sind

Thema Gleichstellung:

Thema Gleichstellung: Was muss von Seiten der Politik weiter unternommen werden, um hier in Deutschland voranzukommen? Wir alle wissen, dass der Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung eine Schnecke ist. Zwar hat sich viel zum Positiven verändert, so haben junge Frauen in Sachen Bildung mittlerweile aufgeholt und haben in manchen Bereichen die jungen Männer sogar überholt. Doch diese Entwicklung setzt sich im Beruf nicht fort, Frauen haben die schlechteren Aufstiegschancen, verdienen weniger, tragen die Hauptlast der Familien- und Sorgeverpflichtungen und sind überdurchschnittlich häufig von Altersarmut betroffen. Es ist Aufgabe der Politik, dem Verfassungsauftrag, „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“ (Art.3, Absatz 2 GG) gerecht zu werden und mit Hilfe von Gesetzen auch durchzusetzen. Erste Ansätze wie das Entgelttransparenzgesetz oder die Quote für mehr Frauen in Aufsichtsräten sind ein Fortschritt, weitere Gesetze u.a. für ein Rückkehrrecht aus Teilzeit in Vollzeit müssen folgen. Können Sie sich vorstellen, dass andere Bundesländer nachziehen, was Ihre Idee betrifft? In der Hamburgischen Bürgerschaft, im Landtag in Schleswig-Holstein und auch in der Bremischen Bürgerschaft wurde der Internationale Frauentag von Abgeordneten in die Debatte um einen zusätzlichen Feiertag eingebracht, die Mehrheit hat sich jedoch für den Reformationstag als Feiertag entschieden. Sie haben in Niedersachsen als Landtagspräsidentin angeschoben, dass es im laufenden Jahr einige Veranstaltungen zum Thema Frauen und Gleichberechtigung geben soll. Was planen Sie? 2018, das erste Jahr meiner Präsidentschaft habe ich unter das Leitbild „Starke Frauen“ gestellt. Mit einem frauenpolitischen Empfang zum Internationalen Frauentag am 8. März möchte ich an den Kampf um diesen Meilenstein staatsbürgerlicher Gleichberechtigung erinnern. Eine weitere Diskussionsveranstaltung ist im August zum Thema „Ein Parité-Gesetz für Niedersachsen?“ geplant. Mit dem Rückgang der Frauenanteile in Parlamenten hat die Idee eines Parité-Gesetzes nach französischem Vorbild neue Aktualität erlangt. Verschiedene Initiativen, u.a. Landesfrauenräte, der Deutsche Juristinnenbund und Gleichstellungs- beauftragte fordern eine Initiative auch für Deutschland. Im November lade ich zu einem Festakt anlässlich des Inkrafttretens des Reichswahlgesetzes vor 100 Jahren ein. Mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht wird der Beginn der ersten Demokratie in Deutschland markiert. Ein erinnerungswürdiges Datum. Um den Landtag auch für junge Menschen zu öffnen, wird ein Poetry Slam stattfinden, das Motto: Frauen an die Macht! Es soll der 1913 in Berlin uraufgeführten Stummfilm "Die Suffragette" im Landtag gezeigt werden und im November wird die erweiterte Ausstellung „Frauenorte“ des Landesfrauenrates im Landtag eröffnet werden. Ich freue mich sehr auf einen regen Austausch. 30

Sie sind die erste weibliche Landtagspräsidentin. Frauen sind jedoch in Wirtschaft und Politik nach wie vor in Führungspositionen unterpräsentiert. Was ist zu tun, um dem entgegenzutreten? Frauen heute sind gut ausgebildet, hochqualifiziert und bereit, Führungspositionen zu übernehmen. Trotzdem haben Frauen nicht die gleichen Aufstiegschancen. In den Vorstandsetagen der 500 größten deutschen Konzerne beträgt der Frauenanteil weniger als 5 Prozent. Die Gründe sind vielfältig: Männer sind besser im Netzwerken; sie werden eher gefördert, da von Frauen angenommen wird, dass sie sich im Falle der Familiengründung um die Kinder kümmern, Männer dagegen weiter dem Unternehmen unbegrenzt zur Verfügung stehen. Traditionelle Geschlechtsrollenzuschreibungen sind nach wie vor fest in den Köpfen verankert. Vereinzelte Förder- und Mentoringprogramme helfen wenig, auch eine Frauenquote allein reicht nicht aus. Wir brauchen einen Kulturwandel in den Unternehmen, der die Karriereförderung von Frauen als strategischen Veränderungsprozess in den Unternehmen begreift. Dazu gehören lebensphasensensible Karrierekonzepte, klare Zielvorgaben und größere Transparenz über Aufstiegsmöglichkeiten. Das Problem der Unterrepräsentanz von weiblichen Führungskräften liegt nicht bei den Frauen, es liegt bei den Unternehmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir zwar gesetzliche Instrumente brauchen, vor allem jedoch muss auch in der Politik ein Kulturwandel stattfinden. Wir brauchen eine neue Kultur der Gleichberechtigung und Familienfreundlichkeit. Das Bild eines Politikers, der von Termin zu Termin rast, in Hinterzimmern kungelt, die Abende am Stammtisch verbringt, und in dem Zeit für Familie, Babypausen oder Sorgeverpflichtungen nicht vorkommt, entspricht weder der Lebenswirklichkeit von Männern und Frauen noch ist es für Frauen sonderlich attraktiv. Auch in der Politik müssen wir uns eingestehen, dass die bisherigen Förderprogramme und Quotenbeschlüsse, die Chancen von Frauen, in Führungspositionen aufzusteigen und Mandate zu erringen, nicht so verbessert haben, wie wir es uns erhofft haben und der Verfassungsauftrag es gebietet. 31