Aufrufe
vor 9 Monaten

Berliner Stimme Nr. 2 2018

Fragen Christina

Fragen Christina Bauermeister Foto Nico Roicke Kein Grundrecht ist selbstverständlich Zwei Frauen, 64 Jahre Altersunterschied: Maria Schmidt (82) und Emma Sheyman (18) sind erst im Januar in die Berliner SPD eingetreten. Ein Generationen-Gespräch über Frauenrechte, verpasste Chancen und Diskriminierung im Alltag. N E U M I T G L I E D E R 16 BERLINER STIMME

Liebe Maria, liebe Emma, ihr seid erst vor kurzem in die SPD eingetreten. War es das Mitgliedervotum, das euch letztlich dazu bewogen hat, das Beitrittsformular auszufüllen? Maria: Ich habe schon länger überlegt, ob ich nicht eintreten soll. Ich stand der SPD schon immer nahe. Noch heute berührt mich eine Begegnung mit Willy Brandt sehr. Ich traf ihn in der Wiedervereinigungs-Nacht zum 3. Oktober 1990 auf den Stufen des Reichstages. Ich war damals im Potsdamer Frauenchor, der zusammen mit drei weiteren Chören die Nationalhymne sang. Ich ging nach draußen, traf dort auf Brandt, gratulierte ihm und gab ihm einen Strauß Blumen. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Das Mitgliedervotum gab mir den letzten Ruck, endlich Mitglied zu werden; auch weil ich gehört hatte, dass gerade so viele junge Leute eintreten. Da wollte ich als älterer Mensch etwas entgegensetzen. Emma, du durftest im vergangenen Jahr bei der Bundestagswahl noch nicht wählen. Jetzt hattest du beim Basisvotum eine Stimme. Wie wichtig war das für dich? Emma: Es war mir sehr wichtig, eine Stimme zu haben. Ich war im September letzten Jahres zur Bundestagswahl noch nicht volljährig. Ich hätte aber auch sonst nicht wählen dürfen, da ich noch einen russischen Pass habe, weil meine Mutter „Ich komme aus einem gebürtige Russin ist. Ich komme aus einem Haushalt, in dem Politik keine Rolle spielt. Auch mit meinen Haushalt, in dem Politik Freunden konnte ich nicht über Politik sprechen. keine Rolle spielt.“ (Emma) Ich habe mich darüber geärgert, dass einige meiner Freunde nicht wählen gegangen sind und sich nun über das Ergebnis beschweren. Deshalb bin ich 2017 bei den Jusos eingetreten und eben jetzt auch in die SPD. Vor 100 Jahren konnten in Deutschland zum ersten Mal Frauen wählen. Was bedeutet euch das? Maria: Ich habe bis 1987 in der DDR gelebt, bevor ich mit meinen drei Kindern ausgereist bin. Ich erinnere mich noch an die Angst, die meine Tochter und ich hatten, wenn wir bei der Volkskammerwahl von den Wahlhelfern verlangt haben, dass sie für uns eine Wahlkabine aufstellen sollen. Da sind wir dann rein und haben den Stimmzettel durchgestrichen. Als wir endlich im Westen waren und frei wählen konnten, war das ein unglaublich tolles Erlebnis. N E U M I T G L I E D E R BERLINER STIMME 17