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Jahresbericht 2017

enn Schwester Mechthild

enn Schwester Mechthild Begrifflichkeiten wie etwa Schreibraum, Unterlinie, Eilschrift Woder Obergrenze sagt, dann schaut sie ein wenig anders aus. Dann lacht das eine Auge. Und das andere, das weint. „Ich habe diese Arbeit wirklich so gerne gemacht. Schwester Mechthild, die heute 80-jährige Priorin des Klosters, war viele lange Jahre nicht nur die Fachlehrerin für Maschinenschreiben an der Mädchenschule in Waldsassen. Sondern auch eine die einer ganzen Generation an jungen Frauen die Kurzschrift beigebracht hat – also Stenografie. Da ist bekanntlich die Technik in der Welt der geschriebenen Buchstaben, Worte und Sätze, welche die normal verwendete Langschrift in eine Kurzschrift überträgt. Der Sinn: Der Stenograf kann so im normalen Tempo gesprochene Sprache ohne Verzögerungen mitschreiben – oder eigene Ideen schneller notieren. Das kostet nur halb soviel Zeit. In der Welt der Schreibräume, Unterlinien, Eilschriften oder Obergrenzen etwas zu Papier zu bringen, das muss er können. „Doch die eingesparte Zeit ist das eine, es lehrt die Leute auch ein schöneres Schriftbild, weil es auf jeden kleinen Haken oder jeden Schnörkel ankommt“, sagt Schwester Mechthild. Es erfordere vom Stenografen auch Konzentration, Korrektheit, Sprachkenntnis und sattelfestes Wissen über Wortstämme, Nachsilben, Vorsilben, Endlaute und und und. „Es macht mich ein wenig traurig, dass dies alles verloren geht.“ Dieses ist schon seit fast zwanzig Jahren nicht mehr Teil des Lehrplans in Bayern. Diktiergeräte, später Computer und leistungsfähige Textverarbeitungsprogramme haben die Kurzschrift aus vielen Bereichen der Gesellschaft zurückgedrängt. „Nun, die Welt dreht sich halt weiter“, sagt Schwester Mechthild. Wer heute jemandem etwas freundliches schicken will, sendet einfach ein Smilie. Und schreibt auf Displays. Die Priorin hat recht. Die Welt dreht sich weiter, nur manchmal doch sehr schnell sogar. Dabei kennt Schwester Mechthild die „Rumpelkästen“ noch recht gut, als ob es erst gestern war. Sie meint Schreibmaschinen. Das sind die Dinger – hier ein kleiner Exkurs für die jüngeren Leser – bei denen man wirklich noch mit Kraft auf Tasten schlagen musste, die mit

metallenen Buchstaben über ein Wirrwarr an kleinen, dünnen Stangen verbunden waren und die dann gegen ein Farbband schlugen, welches wiederum den gerade angeschlagenen Buchstaben auf ein weißes Blatt Papier drückte und diesen so sichtbar machte. Die Maschinen waren unhandlich, schwer und wegen des mechanischen Anschlagens auch ziemlich laut. Eben „Rumpelkästen“. Bis dann in den 1980er Jahren die elektronischen Schreibmaschinen auf den Markt kamen. „Ich habe den Mädchen Kurzschrift und Maschinenschreiben bis zur Jahrtausendwende beigebracht, dann bin ich aus dem Schuldienst ausgeschieden“, sagt Schwester Mechthild. Und wie kam es dazu? Es war kein wirklicher Zufall, denn Kurzschrift und Schreibmaschine war ihr Handwerkszeug als junge Bürokraft an der Stadtverwaltung Nürnberg, bevor sie 1959 ins Kloster ging. Dort wollte sie sich aber eigentlich nicht vor Mädchen stellen und Steno sowie Schreibmaschine unterrichten. Doch die Äbtissin hatte es so gewollt, und später war Schwester Mechthild für diese Entscheidung sogar dankbar. Und heute? Nun, sie hat und pflegt noch alles in ihrer Zelle, was sie anderen viele Jahrzehnte beigebracht hat. Wichtige Notizen, die sie keinesfalls vergessen darf, schreibt sie in Steno auf. Diese Zettel mit dieser sonderbar aussehenden Kurzschrift liegen dann auf ihrem Tisch, bis der notierte Termin oder die Aufgabe abgehakt ist. Und eine Schreibmaschine? Oh ja, die hat sie natürlich auch noch. Es ist eine Olympia. Sie sagt es wie ein Geheimnis – um dann mit einem Schalk im Nacken zu sagen: „Also, ich habe natürlich auch einen Computer. Aber ich will sicher gehen, falls doch mal alles zusammenbricht. Dann kann ich weiter schreiben und bin nicht abhängig.“ Passiert ist das freilich noch nicht, aber wer weiß. Jetzt lacht das eine Auge von Schwester Mechthild wieder. Und das andere? Es weint zumindest nicht mehr. „Doch die eingesparte Zeit ist das eine, es lehrt die Leute auch ein schöneres Schriftbild, weil es auf jeden kleinen Haken oder jeden Schnörkel ankommt“

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