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Diplomarbeit_Hermann_Grab

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Seite -24- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität 4.3 Quantifizierung des Operational Risk Das wohl schwierigste an der Bewältigung operationeller Risiken ist die Quantifizierung der Eintretenswahrscheinlichkeit sowie des allfälligen Schadenausmasses. Infolge der Zukunftsbezogenheit und Unsicherheit bezüglich des Eintritts von Risiken, müssen die beiden Risikodeterminanten mit geeigneten Verfahren ermittelt werden. Zur Risikobewertung sind in der Mehrzahl der Fälle Schätzungen erforderlich, wozu verschiedene Methoden aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Finanzmathematik herangezogen werden. Somit wird das Vorliegen risikorelevanter Daten zu einer wichtigen Voraussetzung der Risikobewertung. Die Aussagekraft der eingesetzten Bewertungsmodelle hängt daher entscheidend von der Datenqualität ab. Wie wir bereits bei der möglichen Risikobewirtschaftung operationeller Risiken bei Finanzinstituten gesehen haben, stehen hierbei auch die meisten Banken noch vor einer immensen Aufgabe. Die Risikobewertung soll es inbesondere auch ermöglichen, Überlegungen anzustellen, inwiefern der durch das Eingehen entsprechender Risiken erzielte Mehrwert die Kosten (Eigenmittel-Haltung) für die Risikoübernahme rechtfertigt. In erster Linie geht es darum, operationell Risikoinformationen zu sammeln sowie Risikotreiber zu identifizieren, damit diese für die Zukunft - mit welchem Modell auch immer - bewertet bzw. prognostiziert werden können. Eine erste Möglichkeit besteht darin, die Bewertung anhand historischer Verlustverteilungen vorzunehmen, was das Vorhandensein solcher Daten interner oder externer Art bedingt. Die zweite Möglichkeit innerhalb der quantitativen Bewertungsansätze besteht darin, den gesamten Geschäftsablauf zu modellieren. Dabei werden die wichtigsten Geschäftsprozesse mit allen Verknüpfungen und potentiellen Schwierigkeiten mittels eines Modells simuliert. Im Anhang werden einige Instrumente zur Bewertung operationeller Risiken grob aufgezeigt (vgl. 9.2 "Anhang 2: Instrumente zur Bewertung operationeller Risiken",). Eine vertiefte Befassung mit dieser Thematik wäre sicherlich von Interesse, würde jedoch den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit sprengen, sodass auf die weiterführende Literatur gemäss Literaturverzeichnis verwiesen werden muss. Abschliessend kann gesagt werden, dass wenn genügend Informationen zum operationellen Risiko vorhanden sind, quantitative Bewertungsmethoden den qualitativen vorzuziehen sind. Die Qualität der Analyse steigt, je mehr interne, unternehmensspezifische Daten verfügbar sind (vgl. hierzu auch 9.3 "Anhang 3: Schlüsselkomponenten operationeller Risiken"). Allgemein ist festzustellen, dass die ganze Entwicklung im Bereich der Bewertungsinstrumente noch am Anfang steht und vermehrt Methoden auch aus anderen Wissenschaftsdisziplinen herangezogen werden. 4.4 Allokation von ökonomischem Eigenkapital Je grösser das Gesamtrisiko in einem Unternehmen ist, desto höher muss das Eigenkapital im Verhältnis zum Fremdkapital sein. Nur Unternehmen mit einem entsprechenden Eigenkapital sollten grössere Gesamt- oder Einzelrisiken eingehen. Dass mit Fremdkapital bzw. ungenügender Eigenkapitalausstattung keine unangemessenen oder schwer überschaubaren Risiken übernommen werden sollten, ist ein Grundsatz, der leider immer wieder missachtet wird, was heute prominente Beispiele bestätigen. Zwischen Eigenkapital und Anlagevermögen hat eine Korrelation zu bestehen: Höheres Anlagevermögen fordert in der Regel höheres Eigenkapital 38 . Im Gegenzug erfordert hohes Eigenkapital hohe, dem Risiko angepasste Gewinne. Die Zusammensetzung eines riskoadäquaten Eigenkapitals einer Unternehmung sollte sich auf verschiedene Stufen verteilen. Das gesamte durch das Unternehmen eingegangene Risiko bzw. die daraus allenfalls resultierenden Verlustpotenziale sollten durch eine entsprechende Risikomasse (Eigenkapital) abgedeckt sein. Das Eigenkapital trägt die aus der allgemeinen Unternehmungstätigkeiten anfallenden Risiken und dient der Entsorgung nicht diversifizierbarer Risiken und daher den Gläubigern als Sicherheitspolster.

Seite -25- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität Als beliebtes Mittel zur Bildung von finanziellen Sicherheitspolstern diente den Unternehmern - insbesondere in der Schweiz - das Instrument der stillen Reserven. Die Bewertungsgrundsätze nach Obligationenrecht lassen es zu, Aktiven unter- bzw. Passiven überzubewerten. Im Zuge der Globalisierung rückten neuere Rechnungslegungsstandards wie FER, IAS und US-GAAP in den Mittelpunkt und wurden zum Muss für jede grössere Unternehmung. Abschlüsse nach IAS oder US-GAAP gelten unter dem Aspekt der "true and fair view" als besonders transparent und aufschlussreich für den Bilanzleser. Viele aktuelle Beispiele schwächen nun dieses "Label" merklich ab. Man stellt fest, dass auch diese angeblich strengeren Bestimmungen dem Bilanzersteller - durch diverse Wahlrechte - noch genügend Spielraum zur Gestaltung des Abschlusses lassen. Die verschiedenen Rechnungslegungsnormen verfolgen teilweise andere Ziele. Insbesondere das OR verfolgt klar den Ansatz des Gläubigerschutzes. Das heisst, es wird dem Unternehmen ermöglicht, stille Reserven zu bilden. Somit ist der Abschluss in guten Zeiten oft schlechter dargestellt, als er in Wirklichkeit ist. Es hilft also, Gewinne zu verstecken. Ganz anders die "true and fair view", welche vor allem den Aktionär im Mittelpunkt sieht. Im Zuge der Shareholder-Epoche will der Aktionär möglichst hohe Transparenz über sein Unternehmen. Das Ziel des Aktionärs liegt darin, seine Eigenkapitalrendite bzw. seine Investitionsrendite zu maximieren. Dadurch stellt er den Anspruch, sämtliche nicht benötigten Mittel aus der Unternehmung zu ziehen und an sich auszuschütten. Das Management versucht, diesen Forderungen des steten Gewinnstrebens gerecht zu werden und ist bestrebt, möglichst hohe Gewinne in den Jahresrechnungen darzustellen. Somit werden aus dieser Sichtweise eher Verluste kaschiert, was uns die jüngste Zeit - insbesondere im "true and fair view"-Land USA - zeigt. Die Bedeutung freier Ermessensreserven nach Obligationenrecht darf im Rahmen der Sicherheitsüberlegungen einer Unternehmung nicht unterschätzt werden. Er wird dem Unternehmer ein Instrument zur Abfederung von Gewinn- und Verlustspitzen gegeben, was im Rahmen internationaler Rechnungslegungsvorschriften - zugunsten vermehrter Transparenz - nicht mehr möglich ist. Währenddem man nach Obligationenrecht die stillen Reserven ohne Publizitätswirkung gestalten kann, hat man nach IAS oder US-GAAP alles offen zu legen. So bleiben schliesslich zur buchhalterischen Gestaltung nur noch die kreativen Wahlrechte oder die kriminellen Machenschaften. Die Schaffung von stillen Reserven - und somit Eigenkapital - wurde lange Zeit auch durch die eidgenössischen und kantonalen Steuergesetzgebungen begünstigt. Der Gewinnsteuersatz nahm überproportional zur Eigenkapitalrendite (Gewinn * 100) Eigenkapital zu. Das heisst, die Unternehmung war bestrebt, möglichst wenig Gewinn auszuweisen oder möglichst viel Eigenkapital zu halten, damit die Eigenkapitalrendite und damit auch die Steuerbelastung möglichst tief ausfiel. Heute gilt einfach ein proportionaler einheitlicher Steuersatz ohne Progressionswirkung. Als Argument gegen die stillen Reserven wird vielfach auch der Einwand aus Unternehmersicht erfolgen, dass die Haltung von Eigenkapital sehr teuer sei, da der Aktionär eine risikoadäquate Rendite auf seinem Investment erwartet. Dies stimmt natürlich nur insofern, als der Aktionär überhaupt vom Umfang der stillen Reserven Kenntnis hat, also die stillen Reserven transparent sind. Ansonsten stellen diese für die Unternehmung "stilles Eigenkapital" dar, worauf niemand explizit Anspruch erhebt und somit für das Unternehmen "gratis" zur Verfügung stehen. Ebenso sollte das Eigenkapital parallel zu allfälligen Expansionsbestrebungen mitwachsen und mit zunehmender Grösse sollte man den vermehrten Risiken (Agency-Problematik) 39 , welche meist überproportional zunehmen, entsprechende Beachtung schenken. Hierbei erfüllen die Kapital-Deckungsbestimmungen nach Art. 725 OR ihre Gläubigerschutzfunktion noch nicht vollständig, da diese erst bei einer Unterbilanz zum Tragen kommen. Insbesondere die Benachrichtigung des Richters bei einer Überschuldung nach Art. 725 Absatz 2 OR setzt meist sehr spät - oft zu spät ein. Es wäre zu prüfen, ob nicht aufgrund eines Finanz-Kennzahlensystems frühere Meldepflichten

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