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Diplomarbeit_Hermann_Grab

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Seite -28- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität 5 Integrales Risikomanagement zur Sicherung eines funktionierenden Wirtschaftsplatzes Einige Instrumente des modernen Risikomanagements und der Unternehmenswertschaffung sowie verschiedene gedankliche Auseinandersetzungen mit finanzwirtschaftlichen wie auch gesetzlichen Aspekten wurden auf den vorangehenden Seiten eingehend aufgezeigt. Nun geht es in einem nächsten Schritt darum, diese gewonnenen Erkenntnisse in einem ganzheitlichen, integralen System insofern zu verknüpfen, dass durch präventive oder repressive Massnahmen wirtschaftskriminelles Verhalten in Unternehmungen reduziert, bestenfalls sogar verhindert werden kann. 5.1 Firmenzusammenbrüche mit “kriminellem” Charakter An prominenten Beispielen von Unternehmenszusammenbrüchen fehlt es heute keineswegs. Viele Einzelfälle wurden bereits angesprochen, sodass hier einzig nochmals die Phasen, welche einem Unternehmenszusammenbruch meist vorausgehen, aufgezeigt werden. 41 Abbildung 15: Phasen eines Unternehmenszusammenbruchs Phase 1 Normalbetrieb Phase 2 Strategische Krise Phase 3 Rentabilitätskrise Phase 4 Ertragskrise Phase 5 Liquiditätskrise / Zusammenbruch Firma rentiert, gute bzw. branchenübliche Kennzahlen Erfolgspotentiale sinken, Verschlechterung der Kundenorientierung, evtl. Verlust techn. Führerschaft, Mitbewerber wachsen schneller, Gewinne bleiben vorerst stabil Strategische Fehlentscheide führen zu tieferer Rentabilität, allenfalls Vertuschung mittels kreativer Buchführung oder erste deliktische Handlungen (z.B. Urkundendelikte) Es treten erstmals Verluste auf. Krise wird evtl. erst jetzt erkannt, allenfalls Vertuschung mittels kreativer Buchführung, Risiko deliktischer Handlungen steigt stark an (z.B. Vermögensdelikte) Verluste führen zu Liquiditätsengpässen und zu Zahlungsunfähigkeit, schwierige Lage wird teilweise auch für Dritte ersichtlich; Risiko für deliktische Handlungen in dieser Phase sehr hoch Quelle: Vgl. Semesterarbeit "Unternehmenszusammenbrüche", NDS-BWK 1, Hochschule für Wirtschaft Luzern, 2002, Präventionsteil, Seite 57 Es wird offensichtlich, dass vor allem in den Phasen 4 und 5 das Risiko für deliktische Handlungen hoch ist, wo noch alles versucht wird, um den drohenden Konkurs abzuwenden bzw. sich noch schnell einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Für detailliertere Ausführungen wird auf die angegebene Semesterarbeit verwiesen. 42 Anzufügen im Rahmen dieser Arbeit bleibt einzig, dass sich das operative Risiko im Gegensatz zum strategischen und finanziellen Risiko im Zeitraum einer Krise erheblich erhöht. Daher erscheint es als kriminalpräventiv sinnvoll, durch ein effizientes und umfassendes Management der operationellen Risiken in den Anfangsphasen wirtschaftskriminelles Verhalten zu verhindern. Primär sollte unter allen Umständen verhindert werden, dass ein Unternehmen überhaupt in eine Krisenphase gerät. Hierzu bieten sich im Rahmen der in dieser Arbeit dargestellten Eigenmittelüberlegungen zu den operationellen Risiken zwei Hauptlösungen an. Die Unterlegung des unternehmensspezifischen Risikoexpsure durch eine genügende Eigenmittel- und Liquiditätausstattung oder eine Versicherungslösung durch Dritte. 5.2 Die Verhinderung wirtschafskriminellem Verhalten bzw. von Unternehmenszusammenbrüchen Eine ausreichende Eigenmittel- und Liquidtätsausstattung sollte die Gefahr von Unternehmenskrisen und somit die Schaffung von Situationen für wirtschaftskriminelles Verhalten verhindern. Natürlich gibt es zusätzliche Deliktsarten in Unternehmungen, wie beispielsweise die Veruntreuung, welche keineswegs im Zusammenhang mit einem Unternehmenszusammenbruch stehen müssen, doch dürften diese für existenzbedrohende Unternehmenssituationen weniger massgebend sein. Das Vorgehen zur risikoadäquaten Mittelunterlegung könnte wie folgt aussehen:

Seite -29- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität 1. Vorerst ist Bedingung, dass die Unternehmung ihren Markt, ihre Branche, ihre Tätigkeiten, ihre Strategie, ihre Assets (Aktiven und Human Capital) und ihren Wert kennt. 2. In einem zweiten Schritt muss die Unternehmung ihre finanziellen und operationellen Risiken - unter Berücksichtigung des Entdeckungsrisikos - erkennen bzw. identifizieren. 3. Schliesslich geht es noch darum, diese Risiken - in welcher Form auch immer - zu bewerten bzw. zu quantifizieren, also die Feststellung des Risikoexposure. 4. Nun müssen die entsprechenden Risikoexposure mit entsprechenden Eigenmittel und Liquidität unterlegt oder allenfalls zur Abdeckung an Dritte weitertransferiert werden. 5.2.1 Eigenmittelunterlegung Die entsprechenden Eigenmittel werden im Eigenkapital entsprechend verbucht und zusätzlich muss ein genügendes Liquiditätspolster angelegt werden (vgl. hierzu 4.4 "Allokation von ökonomischem Eigenkapital", Seite 24). 5.2.2 Versicherungslösung / Abwälzung auf Dritte Die Abwälzung operationeller Risiken auf Dritte (Kapitalmarkt, Versicherungen, Banken oder andere Unternehmungen) ist heute zwar ein Thema, jedoch noch kein ernsthaftes. Die "normalen" externen Risiken (Katastrophen, Feuer, Einbruch, usw.), also Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit aber hohem Schadensausmass, werden heute vielfach gegen ein Prämienentgelt an Versicherungen übertragen. Wieso sollte es für weitere operationelle Risikoarten (wie Reputationsschäden, Delikte, Fehlinvestitionen oder gar Konkurs) keinen Markt geben, an den man diese Risiken gegen ein Entgelt übertragen bzw. versichern könnte? Diese Idee wird nachhfolgend noch etwas verfeinert indem zwei konkrete Möglichkeiten veranschaulicht werden. 1. Ein Risiko ist ja grundsätzlich ein möglicher Schadenseintritt. Wie wäre es nun, wenn sich ein Unternehmen - analog zu den Finanzmärkten - diesen Verlust quasi durch den Erwerb eines Puts absichern könnte? Das Unternehmen erwirbt auf dem Kapitalmarkt einen Put 43 gegen Entgelt (Prämie), der sozusagen einen Schadenfall durch Delikte vollständig - oder allenfalls nach oben limitiert - abdeckt. 2. Dem könnte entgegengebracht werden, dass man hierfür keinen Gegenpart auf dem Kapitalmarkt finden würde. Also gehen wir noch einen Schritt weiter. In Anknüpfung an die Idee der Errichtung einer Eidgenössischen Unternehmenskommission (EUK) in unserer Semesterarbeit 44 , könnte diese einen entsprechenden Risikopool für die von ihr überwachten Unternehmungen bilden, wie uns dies in einer ähnlichen Art einer Versicherungslösung bereits im Bereich des BVG-Sicherungsfonds bekannt ist. Dies würde sich wie folgt gestalten: Die Unternehmungen könnten wiederum ihre operationellen - also nicht unternehmensspezifischen und somit marktgängigen - Risiken durch den Kauf eines Puts bei der EUK absichern. Das Entgelt für den Put wird quasi als Versicherungsprämie durch die EUK verwendet, woraus schliesslich allfällige existenbedrohende Schadenfälle ihrer überwachten Unternehmungen getragen würden. In diesem Sinne fände zugleich auch ein Risikoausgleich auf dem Markt statt, da Unternehmungen, welche mehr Risiken tragen, sich auch durch höhere Put-Prämien absichern müssten. Da dies aufgrund einer täglichen Bewertungsbasis des Ausfallrisikos geschieht, müssten risikoorientiertere Unternehmungen laufend ihre höheren offenen Positionen mit entsprechenden Nachschüssen abdecken. Womit auch das bereits mehrfach beschriebene Problem der Haltung liquider Mittel gelöst wäre. Mit dieser Nachschusspflicht würde ein nicht risikoadäquates Wachstums- bzw. Expansionsstreben gebremst und somit die gesamte Volkswirtschaft stabilisiert. Nebst dem wird durch die Höhe der bezahlten Put-Prämien auch ersichtlich, welche Firmen risikoreichere Investments für Aktionäre darstellen als andere und dient aufgrund der täglichen Bewertungsbasis des Ausfallrisikos als eine Art Frühwarnsystem.

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