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Diplomarbeit_Hermann_Grab

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Seite -6- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität 2 Unternehmung und Risiko 2.1 Wieso Risiko E.J. Smith schrieb im Jahre 1907 auszugsweise Folgendes 1 : Wenn mich jemand fragt, wie ich am besten meine Erfahrungen aus 40 Jahren auf hoher See beschreiben würde, so könnte ich diese Frage lediglich mit 'unspektakulär' beantworten. Natürlich gab es schwere Stürme, Gewitter und Nebel, jedoch war ich nie in einen Unfall jeglicher Art verwickelt, der es wert wäre, über ihn zu berichten. Ich habe während dieser langen Zeit kaum ein Schiff in Seenot erlebt ... Ich habe weder ein Wrack gesehen noch bin ich selbst in Seenot geraten oder habe mich sonst in einer misslichen Lage befunden, die in irgendeiner Form drohte zum Desaster zu werden. Am 14. April 1912 lief der britische Luxusdampfer Titanic kurz vor Mitternacht auf der Jungfernfahrt von Liverpool nach New York auf einen Eisberg auf und sank. Das Schiff galt wegen seiner 16 wasserdichten Abteilungen als unsinkbar, unglücklicherweise durchbohrte der Eisberg fünf davon. Von den 2220 Personen kamen 1513 ums Leben ... einer davon war der Kapitän. Sein Name: E.J. Smith. Dieses eindrückliche Beispiel veranschaulicht die Problematik beim Umgang mit Risiken eindrücklich. Sie sind jedem menschlichen Vorhaben inhärent, so auch der unternehmerischen Tätigkeit. Es ist eine Binsenwahrheit, dass man ohne den Eingang von Risiken keinen Ertrag erzielen kann. Jeder Unternehmer geht mit seiner Tätigkeit Ungewissheiten bzw. eben Risiken ein, denn er weiss nicht, ob er seine Ziele in der Zukunft auch tatsächlich verwirklichen kann. Für das Tragen dieses Risikos wird er bzw. sein Aktionär mit einer entsprechenden Risikoprämie entschädigt. Würden nämlich sämtliche Personen einer Volkswirtschaft ihr Vermögen nur noch in risikolose Staatsanleihen investieren und niemand wäre mehr bereit sich als Aktionär oder Unternehmer zu betätigen, käme die Wirtschaft des Landes zum Erliegen. Auf solchen Überlegungen beruht das von Sharpe, Lintner und Mossin im Jahre 1964 entwickelte Capital Asset Pricing Model (CAPM), welches theoretisch den Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko aufzeigt. Mit dem CAPM kann der risikoadäquate Preis eines Anlageinstrumentes modellartig bestimmt werden 2 . Dieses Modell hat heute sehr stark an Bedeutung gewonnen. Investitionsentscheide werden nicht mehr nur auschliesslich anhand des zu erwartenden Ertrages sondern auch unter Berücksichtigung des einzugehenden Risikos gefällt. Dies bedingt, dass man nicht nur den künftigen Ertrag sondern parallel dazu das zu tragende Risiko bewerten muss, was je nach Anlageart nicht immer einfach ist. Im Rahmen der Semesterarbeit "Unternehmenszusammenbrüche" 3 wurde festgestellt, dass dem richtigen Management der Eigenmittel eines Unternehmens, wie auch einem funktionierenden Risikomanagement im Rahmen eines Frühwarnsystemes existenzielle Bedeutung zukommt. Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit befasst sich intensiv mit Ausgestaltungsmöglichkeiten von Eigenmittelunterlegungen, nachdem wir uns in einem ersten Schritt dem Risikomanagement an sich zu wenden wollen. Das Risikomanagement beschäftigt sich vorerst mit der Prognose, Bewertung und Steuerung zukünftiger Ereignisse und damit mit einer Kernfrage der Betriebswirtschaftslehre überhaupt. Was kann alles passieren bzw. welche Risiken geht die Unternehmung mit ihrem Entscheid ein? Wie kann sie dieses Risiko identifizieren, bewerten und steuern? Hiermit befinden wir uns bereits inmitten der Thematik des Risk-Managements. Nebst dem Versicherungswesen, befasst sich insbesondere die Bankenwelt bereits seit einigen Jahren mit solchen Fragestelllungen, ist doch das Tragen und Umgehen mit Risiken geradezu ihr klassisches Geschäft.

Seite -7- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität 2.2 Ein funktionierender Finanzplatz Die Ansprüche an die grösseren Teilnehmer - und indirekt auch an die kleineren KMU's - auf einem Finanz- und Wirtschaftsplatz nehmen stetig zu. Eine der wichtigsten Neuerungen sind die Bestrebungen im Zusammenhang mit der Corporate Governance 4 , wonach unter vielem auch die Thematik des Risk-Managements geregelt wird. Diese Bemühungen erhalten aufgrund der argen Schieflage vieler grosser Unternehmungen heute besonders an Bedeutung. Ausserdem fordern Gesetzgeber, Selbstregulierungsorganisationen sowie aus aktuellen Anlässen auch die Öffentlichkeit (Medien, Kleinaktionäre, Mitarbeiter) von den Publikumsgesellschaften erhöhte Transparenz sowie eine effizientere Unternehmensorganisation und -kontrolle. Dabei geht es auch um die Frage, wie der Verwaltungsrat seine unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben im Sinne von Art. 716a OR wahrnimmt (u.a. die Definition adäquaten Risiko-Managements) und welche Verantwortung und schliesslich Haftung daraus abgeleitet werden kann. Es werden Forderungen vergleichbar mit dem KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich vom April 1998) in Deutschland laut, wonach von Unternehmungen verlangt wird, gemäss § 91 II AktG (Aktiengesetz) Risikoüberwachungssysteme einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen frühzeitig erkannt werden. Ein angemessenes Risiko-Management ist somit Bestandteil der Sorgfaltspflichten eines Vorstandes oder GmbH-Geschäftsführers. Im Falle einer Unternehmenskrise hat der Vorstand basierend auf § 93 II AktG zu beweisen, dass er sich objektiv und subjektiv pflichtgemäss verhalten hat. Konkret heisst dies, dass er nachweisen muss, Massnahmen zur Risikofrüherkennung und zur Risikoabwehr getroffen zu haben 5 . Risiken tragen alle Unternehmungen eines Finanzplatzes. Eine besondere Rolle aber kommt den Banken zu. Die seit langem bestehende Regulierung der Banken, die in allen Industrienationen ausgeprägt ist, spiegelt die enorme gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Finanzplatzes und seine Risikoanfälligkeit wider. Neben den aktienrechtlichen oder standesrechtlichen Vorschriften spielen auch bankengesetzliche Bestimmungen wie beispielsweise Art. 9 BankV 6 für das Risiko- Management eine zentrale Rolle. Vielfach gehen erhebliche volkswirtschaftliche Krisen vom Bankensystem aus. So zeigte die Japankrise oder der Zusammenbruch der Long Term Capital Management Fonds 7 im Zusammenhang mit den Unsicherheiten an den Kapitalmärkten 1998, dass sich auch in banknahen Branchen grosse systemische Risikopotenziale bilden können. Risikomanagement in Banken ist zum einen eine Auflage, die aufgrund von bankaufsichtsrechtlichen Normen und Verordnungen zu erfüllen ist, und zum anderen eine unverzichtbare Kernkompetenz. Risikomanagement ist die erfolgskritische Grundlage des bankwirtschaftlichen Handelns. Dies wird auch dadurch gekennzeichnet, dass sich die volkswirtschaftliche Funktion der Banken in den vergangenen Jahren von der traditionellen Rolle als Finanzintermediär zu der eines Risikointermediärs gewandelt hat. Die Banken sind bemüht, Risiken zu evaluieren und allenfalls an Dritte weiterzugeben. Bei aller Risikooptimierung kann es jedoch nicht Ziel bankbetrieblichen Handelns sein, sich sämtlicher Risiken zu entledigen. Vielmehr müssen zur Generierung einer adäquaten unternehmerischen Rendite Risiken in den Büchern der Bank verbleiben. Der Wettbewerbsvorteil der einzelnen Bank besteht dann darin, Einzelrisiken besser schätzen und bewerten zu können als die übrigen Marktteilnehmer und darüber hinaus Portfolioeffekte 8 bei der Risikonahme nutzen zu können. Die in den Büchern der Bank verbleibenden Risiken sind mit Eigenkapital zu unterlegen. Dies stellt einerseits ein betriebswirtschaftliches Bedürfnis, andererseits auch eine regulatorische Notwendigkeit dar, worin die Haftungs- und Geschäftsbegrenzungsfunktion des Eigenkapitals zum Ausdruck kommt. Das Eigenkapital stellt im bankbetrieblichen Wachstumsprozess einen entscheidenden Knappheitsfaktor dar, auf dem die gesamte Führungssystematik aufbauen sollte. Zu bemerken ist noch, dass es nicht von ungefähr kommt, dass der Finanzsektor - insbesondere die Banken - einer enormen Regelungsdichte untersteht. Von einem intakten und sicheren Finanzsystem hängt die gesamte Volkswirtschaft ab. In diesem Sinne übernehmen die Banken zugleich eine indirekte Regelungsfunktion für alle wirtschaftenden Unternehmen, egal welcher Grösse.

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