... der steirer land... 2018 / 1. AUSGABE

stil2016

01018

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44. Ausgabe Nr. 01/ 2018 I EUR 5,00

5 JEDER MENSCH HAT SEINE ZEIT 5

Es gibt a Gschicht

im Steirerland

Seite 4

Untrennbar

verbunden

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Einfach

anschieben

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Woaßt,

wo du woarst?

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Sehr geehrte

INHALT 5

Leserinnen und Leser

von ...der steirer land..., „Es gibt a Gschicht im Steirerland“ 4

ein neues Jahr, neues Glück

und neue Aufgaben liegen vor

uns. Langsam aber sicher zeigt

uns die Natur, dass es Zeit wird

aufzuwachen, nach vorne zu streben, Neues zu schaffen

und die Energie des Frühlings dafür zu nutzen, jene

Früchte zu pflanzen, die uns über den nächsten Winter,

die nächste Ruhephase bringen sollen. Ostern steht vor

der Tür, jenes Fest, an dem wir den Tod unseres Herren

betrauern und seine Auferstehung preisen. Eine Zeit, die

uns auch daran erinnern soll, dass nach jedem Ende ein

Neubeginn steht. Auferstehung – ein Wort voll Hoffnung

und Kraft, ein Akt, der uns beständig zeigt, dass das

„Danach“ immer besser, heller und stärker ist als jener

Tiefpunkt, an dem wir uns gerade zu befinden glauben.

Das Osterfest ist ein symbolisches Abschließen mit Festgefahrenem,

mit Althergebrachtem und, nach dem Vorbild

unseres Glaubens, die Zeit, in der man gestärkt und

gefestigt aus Krisen hervorgeht.

Aufstehen, wenn man gefallen ist, um aufs Neue seinen

Weg zu gehen, nicht mit dem „Sumpf“ jammern, sondern

so, wie in der Sage von Baron Münchhausen, sich

selbst am Schopf packen und herausziehen. Festgefahrene

Gleise verlassen, alte Leiden ablegen, vergangene

Probleme loslassen, um gleich dem Phönix aus der Asche

neu, besser und stärker zu erstehen. Warum schreibe ich

das? Ganz einfach: Viel zu sehr sind wir auf unsere Probleme

fixiert, darauf, dem Getriebe der Zeit Folge zu leisten,

bei all dieser Hektik mitzukönnen und den Anforderungen

anderer zu entsprechen. Viel zu stark sind unsere

Gedanken auf Dinge fixiert, die nichts mit tatsächlichem

Lebensglück, innerer Freude und innerem Frieden zu tun

haben. Und dann ist es vorbei: In einem Augenblick werden

alle unsere Sorgen bedeutungslos, werden auf das

Wesentliche gelenkt und es beginnt die Reue darüber,

nicht doch gelebt, geliebt und gelacht zu haben. Leider

kommen wir oft nicht von selber darauf; schlimm, wenn

uns der Tod eines Freundes daran erinnern muss. Jesus

ließ sich für die Sünden der Welt ans Kreuz schlagen. Wir

sollten zumindest bereit sein, unsere eigenen zu tragen,

abzulegen, zu vergeben um dann daraus gestärkt wieder

aufzuerstehen.

Wie der Palmwedel seine

„Kätzchen“ verlor 6

Vom Binden & Wirken der Palmzweige 8

Landwirtschaft im Fokus 10

Mundart 12

Untrennbar verbunden 15

Woaßt es noch? 18

Bauen in der Steiermark 20

Naturpark Südsteiermark 23

Einfach anschieben 27

Wer glauben kann – kann fliegen 30

Wiesen abrechen 32

Kräuter Rath 34

Einfach lachen 37

Gottes Perlen 40

Steiermärkische Berg- und Naturwacht 44

„Die Pöls-Müllerin“ 47

Von Generation zu Generation 53

Woaßt, wo du woarst? 57

Heimatkunde 60

Omas Karfreitags-Menü 62

Buschenschänker 64

Veranstaltungen 67

Die nächste Ausgabe von

Ihr Karl Oswald

erscheint am 1. Juni 2018.

5


„ES GIBT A GSCHICHT

IM STEIRERLAND“

Im Vorjahr erzählte ich in meinen Titelgeschichten davon, welche kleinen und

großen, welche heiteren und traurigen Ereignisse meine Arbeit mit dem „Steirerland

beeinflussten. Das alles sollte im Rahmen unseres zehnjährigen Jubiläums erfolgen

und fand dermaßen viel Anklang, dass mich viele Menschen anlässlich meiner

Weihnachtslesungen gebeten haben, diese Geschichtenreihe doch fortzuführen.

Heute erzähle ich Ihnen, wie die ersten Mundartgedichte

in das damals noch junge „Steirerland

kamen und wie ein Philosoph namens S. Taler das

Licht der Welt erblickte. Von der ersten Ausgabe an

war klar, dass Gedichte natürlich wunderbar zur

inhaltlichen Philosophie vom „Steirerland“ passen

würden. Bereits in der ersten Nummer (Dezember

2007) haben wir unsere Leser eingeladen, uns welche

zu schicken. Das geschah auch und es waren

wirklich viele, die daheim in ihrem Kämmerlein

Geschichten schrieben; etliche lagen damals auf

dem Schreibtisch vor mir. Das größte Problem war:

Welche sollte ich auswählen? Von zehn Geschichten

waren acht für den Hausgebrauch gut genug,

aber für eine Veröffentlichung weniger brauchbar.

Entweder reimten sie sich mehr als kläglich oder die

Inhalte erzählten Dinge, die oft wirklich niemand

wissen sollte. Einiges hätte vielleicht funktionieren

können, wenn ich es ein wenig umgeschrieben

hätte, was man natürlich nicht tut, und eine einzige

von zehn wäre wirklich gut genug gewesen, um

sie zu drucken. Bereits wenige Tage, nachdem die

ersten Einsendungen eingetroffen waren, begann

auch schon das Telefon zu klingeln und die Leute

fragten nach, wie gut mir ihre Geschichten gefallen

und wann diese denn im Steirerland abgedruckt

werden. Jedes einzelne Gedicht war wertvoll für

denjenigen, der es geschrieben hatte. Das wusste

ich auch, aber mein Dilemma wurde immer größer,

denn drucke ich eine Einsendung im Steirerland ab,

habe ich neun andere, die sauer auf mich sind. Die

Zeit verging und die nächste Ausgabe stand vor der

Tür. Ich verdrängte meine Mundartprobleme, aber

es kam die Zeit, in der ich mein Versprechen einlösen

und ein Mundartgedicht für das „Steirerland

auswählen musste. Mitten in all dem Kopfzerbrechen

fiel mir ein, dass ich selber ja bereits von frühester

Jugend an Geschichten in Mundart geschrieben

hatte; irgendwie erinnerte ich mich daran, dass

da doch ein Heft schon über 25 Jahre in einer Lade

verstaubt, in dem ich etliche Sachen aufgeschrieben

hatte. Das erste Gedicht, das ich niederschrieb,

hieß: „s’Kloaschneidn“. Es entstand, als ich meinem

Vater bei jener Tätigkeit helfen musste und eine

Kuh mit ihrem gesamten Gewicht auf meinem Fuß

zu stehen kam. Ich war damals 15 Jahre alt, hatte

fürchterliche Schmerzen und verspürte, während

ich unsere Kuh und ihre Klauen verfluchte, das Bedürfnis,

genau diese Geschichte in gereimter Form

aufzuschreiben. Ich tat es, weitere folgten. Tatsächlich

habe ich jenes alte Heft gefunden und beschlossen,

damit ich ja niemanden vor den Kopf stoßen

muss, meine eigenen Geschichten abzudrucken. Die

Zeitschrift war beinahe druckfertig, als meine Grafikerin

mir jene Seite mit „s’Kloaschneidn“ zeigte;

darunter stand: von Karl Oswald! Das geht nicht!

Meine Geschichten – ja, aber niemand muss wissen,

dass diese Dinge von mir sind. Wir diskutierten

6


herum und letztendlich wies meine Kollegin drauf

hin, dass wir wohl kaum ein Gedicht abdrucken

können, ohne einen Autor anzugeben. Der Diskussion

müde, gab ich nach und sagte: Schreib einfach

darunter, dass es von einem Sulmtaler ist. Sie tat

wie ihr geheißen, doch statt Sulmtaler schrieb sie

S. Taler unter das Gedicht. So wurde jener Name geboren,

unter dem die nächsten Jahre Gedichte und

Philosophie erschienen sind. Immer, wenn mich jemand

fragte, ob ich denn auch von anderen Autoren

Texte abdrucke, konnte ich mit ruhigem Gewissen

sagen, dass nur unser Hausphilosoph S. Taler bei uns

drankommt, sodass kein anderer beleidigt ist. Gespannt

wartete ich auf die ersten Reaktionen und

jedes Mal war ich peinlich berührt, wenn die Menschen

diesen Herrn Taler mit Lob bedachten. Einige

Zeit später ließ ich ihn nicht nur Mundart, sondern

auch schwerere Texte, die einen sehr tiefgründigen

Hintergrund hatten, schreiben; auch dafür erntete

er Anerkennung.

Was aus Jux und Tollerei begann, wurde immer stärker

nachgefragt und gipfelte wenige Jahre später in

meinem zweiten Buch „N’Herrgott sei Binkerl“, in

dem ich Mundart und Philosophie verband. Immer

noch verstand ich nicht wirklich, wieso jene geistigen

Ergüsse aus meiner Jugend die Menschen interessieren

und berühren, aber ich fand wieder Freude

daran, neue Geschichten zu schreiben. Langsam

kristallisierte sich auch heraus, dass diese Texte

von mir sind und im Laufe der Zeit war meinen Lesern

klar: S. Taler ist unser Karli. Gut erinnere ich

mich auch noch daran, wie ich im Gasthaus eines

Freundes war, der ein „Binkerl-Buch“ an deutsche

Urlaubsgäste verkaufte. Eine Dame, ein etwas älteres

Semester, schwärmte von diesen Texten und

mein Freund meinte, dass ja der Autor da vorne

sitzt und wenn sie möchte, bekommt sie eine Widmung.

Gesagt – getan, er hielt mir das Buch hin,

ich schrieb ein paar Zeilen hinein und setzte meine

Unterschrift darunter. Zwei Minuten später schoss

die Dame zu mir, schimpfte mich ordentlich zusammen

und wollte mich dazu zwingen, ihr ein

neues Buch zu kaufen, denn sie ist ja nicht dumm

und sieht, dass Herr Taler dieses Buch verfasst hat

und es ist eine Frechheit, wenn ein Herr Oswald da

einfach so etwas hineinkritzelt. Nach kurzem Gelächter

erzählte ich ihr genau jene Geschichte, die

ich euch hier erzählt habe. Sie verzichtete darauf,

ein neues Buch von mir zu bekommen.

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7


W ie der Palmwedel

seine„Kätzchen“ verlor

Mag. Helmut Kirchengast

Ombudsmann der steirischen Katholischen Kirche

Noch gut kann ich mich daran erinnern,

wie am Palmsamstag – so nannten wir

den Samstag vor dem Palmsonntag –

mein Vater am späten Nachmittag sich

daranmachte, die Palmbuschen zu binden.

Als kleiner Bub beobachtete ich, während ich

über die flauschig weichen „Kätzchen“, die ich

liebte, strich, wie er mit geschickten Händen

die Weidenzweige – wir sagten damals „Polmkatzerl“

dazu – zusammenhielt, ein paar Buchsbaumzweige

dazusteckte und das Ganze mit

einer abgeschälten Weidenrinde umwickelte und

fixierte. Je nach Größe des Buschens gab es ein,

zwei oder drei „Weidenrinden-Bänder“. Da wir

damals eine große Familie waren (ich hatte drei

Brüder und meine Oma wohnte auch bei uns zu

Hause), wurden immer mindestens sechs Buschen

gebunden: vier für uns Buben, einer für die Oma

und einer für die Eltern. Die Buschen waren unterschiedlich

groß – der größte für die Eltern, für

mich der kleinste. Jedes Jahr war ich aufs Neue

gespannt, wie es meinem Vater wohl gelingen

würde, so unterschiedliche und doch immer

gleich schöne Buschen zu binden. Und jedes Jahr

gelang die Übung. Am Palmsonntag trug ich dann

stolz „meinen“ Buschen zur Palmweihe und ließ

ihn erst los, als ich ihn nach der Messe zu Hause

in meinem Zimmer über dem Bett an einem Nagel

an der Wand aufhängte. Der alte wurde meiner

Mutter übergeben, die ihn mit den anderen alten

Palmbuschen am Karsamstag im damals noch

vorhandenen Tischherd „einheizte“, um mit dem

geweihten Feuer – dessen Weihe sich durch die

„Weichfeuerträger“ noch erhöhte, wenn sie ihren

glosenden „Zunder“ ins Ofentürl schmissen – das

Osterfleisch, auch „Weichfleisch“ genannt, zu

kochen.

Jahr für Jahr wiederholte sich dieses Ritual, das

mir sehr viel bedeutete. Und wenn ich bei der

Palmweihe das Evangelium hörte, in dem erzählt

wurde, dass die Leute Jesus mit Palmzweigen

begrüßten, und wir dann in einer feierlichen Prozession

in die Kirche einzogen, war ich der festen

Überzeugung, es konnte vor 2.000 Jahren nicht

anders gewesen sein – nur der Esel ging mir etwas

ab. Dass die Palmwedel, von denen im Johannesevangelium

berichtet wird, vom Aussehen

8


her nichts mit unseren Palmbuschen zu tun hatten,

entdeckte ich erst Jahre später, als ich in der

letzten Schulwoche vor den Osterferien im Religionsunterricht

Bilder von echten Palmen zu sehen

bekam. Ich gebe zu, ich war ein wenig enttäuscht,

dass es sich dabei nur um einfache grüne Blätter

handelte. Und weiche „Kätzchen“ hatten sie auch

nicht. Mir kamen sie in ihrer Schlichtheit fast ein

wenig unwürdig vor in Anbetracht der Tatsache,

dass mit ihnen ein König begrüßt wurde.

Die Enttäuschung hielt allerdings nicht lange an.

Schon bei der Palmweihe ein paar Tage später wurde

ich von der festlichen Stimmung – wie schon

die Jahre davor – in das Palästina von vor 2.000

Jahren getragen, wo Menschen aus Freude über

die Begegnung mit dem König ihre Kleider auf

den staubigen Boden warfen und ihn mit Palmwedeln

begrüßten – natürlich mit solchen, wie

wir sie hatten. Und meinen hängte ich wie jedes

Jahr voll Stolz über mein Bett. Er war „geweiht“

und etwas Heiliges war an ihm. Er begleitete mich

durchs Jahr und ich spürte, wie Segen von ihm

ausging. Intuitiv erlebte ich damals ohne große

Erklärungen, warum die Kirche Jahr für Jahr den

Palmsonntag feiert und die Palmzweige segnet.

Wir erfahren, dass Gott für uns Mensch geworden

ist und er ganz bei uns sein möchte – als

König in unseren Herzen. Der Segen des Palmbuschens

besteht darin, dass er das ganze Jahr über

ein Erinnerungszeichen an die Gegenwart Gottes

in unserem Leben ist. Er zeigt: Gott ist immer da

und geht mit uns. Gott möchte, dass wir Mut finden,

immer wieder neu zu beginnen und lebendig

zu werden, wie die Weidenzweige im Frühling. Er

möchte, dass wir kraftvoll sind wie das Grün des

Buchsbaums und voll Freude und Lebenslust, die

sich in bunten Bändern oder verzierten Ostereiern

ausdrücken.

Noch heute ist es mir unmöglich, den alten Palmbuschen

zum Biomüll zu geben oder ihn auf den

Komposthaufen zu werfen. Mangels eines Tischherdes

ist der würdigste Ort für mich das eigene

Osterfeuer. Und der neue kommt jedes Jahr in der

Küche über die Eingangstür, wo die ganze Familie

und unsere Gäste am Öftesten aus- und eingehen.

Da hat er uns gut im Blick.

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9


ALTES

BRAUCHTUM

Vom Binden und Wirken

DER PALMZWEIGE

Der Palmsonntag ist der letzte Sonntag der Fastenzeit, mit ihm wird die Karwoche

eingeleitet. Traditionellerweise wird mit der Segnung der Palmbuschen an den Einzug

Jesu in Jerusalem gedacht. In unseren Breiten ist die Palmweihe eine Segenshandlung im

Frühjahr, die Schutz vor Gefahren für Haus und Hof bringen soll.

In Schönegg durfte ich mich mit Franz

Poschgan, geboren 1946, über die hohe

Kunst des Palmbuschenbindens unterhalten und

auch darüber, wie wichtig es dabei ist, die spirituellen

und religiösen Grundregeln einzuhalten.

Franz besuchte, obwohl er zur Gemeinde Seggauberg

gehörte, die ersten beiden Klassen der Volksschule

in Heimschuh. Hier begann er auch seinen

Dienst an der Kirche, indem er als Ministrant beim

legendären Heimschuher Pfarrer Franz Schuster

wirkte. Damals war es ganz selbstverständlich,

dass der Priester auch den Religionsunterreicht in

der Schule abhielt und so lernte Franz vor beinahe

65 Jahren, worauf es beim Binden der Palmzweige

ankommt. Das Abschneiden der Palmzweige sollte

traditionsgemäß um den Schmerzen-Freitag herum

passieren, das ist der Freitag vor dem Palmsonntag.

Früher, erinnert sich Franz an eine Geschichte des

Pfarrers, war es üblich, dass die Knechte für ihre

Bauern die Palmbuschen banden. Die schönsten

trug der Bauer selbst bei der Palmprozession und

der Knecht bekam für seine Arbeit pro gebundenem

„Kranzl“ ein Ei. Da die Palmbuschen meist

eine Länge von gut einem Meter und mehr hatten,

bekam der fleißige Knecht gut und gerne fünf bis

sieben Eier, was zur damaligen Zeit ein wirklich

großer Wert war. Oft gab es noch ein paar blaue

Flecken dazu, denn natürlich waren die anderen

Knechte neidisch. Gut und gerne, so erzählte der

Pfarrer, wurde der eine oder andere Palmbuschen

umgedreht und als wirksamer Prügelstock gegen

den Eiergewinner eingesetzt. Alles, so erzählt

10


Franz, hat seine Bedeutung. Zehn oder zwölf Weidenruten

werden für den Palmbuschen ausgewählt,

je nachdem, wie lange er werden soll. Die zehn Ruten

stehen für die Gebote Gottes, die zwölf Ruten

symbolisieren die Apostel des Herrn. Für das Binden

der Kranzln verwendet Franz dünne Weidenruten,

die sich leicht biegen lassen. Diese können auch

aufgespalten oder eingeweicht werden, damit sie

sich leichter binden lassen. Einen kleinen Holzstab

bindet er mit ein und entfernt diesen wieder, sobald

das Kranzl festgezogen ist. Damit schafft er genügend

Spielraum, um später die Dekorationshölzer

hineinstecken zu können. Ein gebundenes Kranzl

bei einem kleinen Buschen steht für Jesus Christus,

drei Bindestellen symbolisieren das Kreuzzeichen

oder die Heilige Dreifaltigkeit. Wird der Buschen

länger und bekommt fünf Kranzln, so symbolisieren

diese die fünf Wundmale Christi, sieben stehen

für die Sakramente oder die sieben Schmerzen Mariens

und so geht es nach oben hin weiter bis zu den

40 Märtyrern. Dann geht es an die Verzierungen;

hierbei kommen Buchsbaum und Segenbaum zum

Einsatz. Beiden immergrünen Bäumen wurden

bereits in vorchristlicher Zeit besondere Schutzeigenschaften

für Haus und Hof zugeschrieben; viele

Jahrhunderte hindurch wurde, bevor ein neues Haus

errichtet wurde, zuerst ein Buchs- oder Segenbaum

gepflanzt. Diese Zweige werden nun in die Kranzln

gesteckt, mancherorts gibt man noch Reisig dazu

und auch die „Kranawitstaude“ (Wacholderstaude)

findet hier ihren Platz. Jetzt steht dem Segen nichts

mehr im Wege. Nach der Weihe beginnt die eigentliche

Aufgabe unserer Palmbuschen. Einen Buschen

steckte man früher am Palmsonntag in die Ackererde,

um so um ein fruchtbares Jahr und eine gute

Ernte zu bitten. In der Stube fand der Palmbuschen

im Herrgottswinkel seinen Platz, über der Stalltür

beschützte er das Vieh und waren noch welche

übrig, wurden sie am Dachboden zum Trocknen

aufgehängt. Die besten Dienste leisteten sie aber,

wenn ein Unwetter nahte. Sofort wurde im Stubenherd

ein Feuer mit dem Palmholz entzündet und so

manche Naturkatastrophe wurde damit wohl abgewendet.

Nach Weihnachten wurde der Palmbuschen

mit den dicksten Weiden geöffnet; aus seinen

Ruten fertigte man die Heiligen Drei Königskreuze

an. Bevor es wieder auf Ostern zuging, hatten die

Palmbuschen ihre letzte Aufgabe zu verrichten.

Jenes Feuer, das den Backofen aufheizte, um das

Osterbrot zu backen, wurde mit Palmholz entzündet.

Da am Karfreitag ja bereits wieder die neuen

Palmzweige im Haus waren, verwendete man die

alten dazu, das Herdfeuer anzuheizen, auf dem das

Osterfleisch gekocht wurde.

Franz Poschgan teilt sein Wissen nicht nur mit unseren

Lesern, sondern ist darum bemüht, seine

Traditionen an die jüngeren Generationen weiterzugeben.

So bringt er auch gerne den Kindern in

der Gemeinde die Kunst des Palmbuschenbindens

bei. Im Schnitt, so erzählte er mir, macht er an

die 200 Buschen pro Jahr für sich, seine Familie,

Freunde, die Kommunionkinder und jeden, der ihn

darum bittet. Bei seiner langen Karriere kommen

da sage und schreibe an die 13.000 Palmbuschen

zusammen. Danke Franz, dass du dein Wissen um

die hohe Kunst, Glück und Segen für unser Heim zu

erbitten, mit uns geteilt hast.

Wir starten

ab dem 16.3.

ab 13.00 Uhr

wieder durch ...

11


Daniela Posch

Landwirtschaft

im Fokus

Muss die Landwirtschaft ihre Kritiker ernst nehmen? Ja, muss sie!

Aber bevor wir uns damit beschäftigen, sollten wir über einige grundlegende Dinge

in punkto Landwirtschaft und deren Bäuerinnen und Bauern sprechen. Denn wer

kritisiert – der sollte auch Wissen haben und wer alles besser weiß, sollte

zumindest einiges an Hintergrundinformationen besitzen.

Aber warum wird die Landwirtschaft in der Gesellschaft

oftmals so stark thematisiert? Durch die

Abhängigkeit der Menschen vom täglichen Brot,

Gemüse, Fleisch, Milch und Obst sind die Erzeugnisse

der heimischen Bauern Tag für Tag „in aller

Munde“. Landwirtschaft ist ein „In-Thema“ geworden.

Jeder weiß etwas, jeder ist Fachmann und zugleich

Richter darüber, was Bauern machen; kaum jemand

hinterfragt jedoch, warum sie etwas tun. Hier ein

paar Zahlen und Fakten: Im Jahr 1937 wurden ca.

37% des Haushaltseinkommens für Lebensmittel

und Getränke ausgegeben. 1976 waren es nur

mehr 16% und aktuell stehen wir bei 10%. Massiv

dem Wandel der Zeiten unterworfen ist auch,

was der Landwirt für seine Produkte bekommt. Ein

kleines Beispiel: Im Jahr 1960 musste ein Bauer für

den Erwerb einer Zeitung 1 Ei oder ½ l Milch oder

½ kg Weizen verkaufen. Heute muss der Bauer

dafür 9 Eier oder 4 l Milch oder 9 kg Weizen an

den Mann oder die Frau bringen. Die Gründe dafür

sind, dass die Erlöse für die Produkte vielfach

gleichgeblieben sind oder sich sogar verringert

haben, die Ausgaben für die Produktion und die

gesetzlichen Auflagen haben sich jedoch massiv

erhöht. Dass etliche Landwirte ihre Höfe aus genau

diesen Gründen zusperren mussten, dürfte vielen

nicht entgangen sein. Kritisiert wird der Bauer;

niemand übt Kritik am Konsumentenverhalten.

Keiner spricht über die mangelnde Wertschätzung

gegenüber den Produkten, niemand verurteilt die

Bequemlichkeit, lieber im Regal zu „wühlen“ als

beim Landwirt zu kaufen. Erst recht kritisiert kein

Mensch unser Einkaufsverhalten, bei dem der billigste

Preis, egal von wo das Produkt stammt, oft

12


wichtiger ist als die beste Qualität aus heimischer

Erzeugung. Nur durch gutes, wirtschaftliches Arbeiten,

eine entsprechende Größe und ständige

Modernisierungen kann man wettbewerbsfähig

bleiben und damit die Lebensmittelversorgung zu

einem großen Teil im eigenen Land sicherstellen.

Dennoch wollen wir nicht jammern oder uns in

eine Ecke stellen lassen.

Grundsätzlich ist die Stimmung der Bevölkerung

unserer Berufssparte gegenüber sehr positiv. Unser

Bestreben ist es, hochwertige heimische Produkte

zu produzieren, nicht nur, um unseren Lebensunterhalt

damit zu verdienen, sondern zum

Wohle der Menschen. Unsere Lebensmittel sind

unser größtes Gut. Ein Thema, das jeden betrifft

und jeder darf und soll sich Gedanken darüber

machen. Was meinen Sie, wie schwierig es ist, in

der heutigen Zeit eine Landwirtschaft zu führen?

Wer würde sich trauen, den Job zu übernehmen?

Jemand, der die nötigen Fachkenntnisse und das

Wissen dazu ebenso besitzt wie Wertschätzung

für den eigenen Grund und Boden und eine dementsprechende

Liebe zu den Tieren.

Jeder möchte in seinem Beruf Wertschätzung,

Verständnis und Anerkennung entgegengebracht

bekommen. Nur so ist man motiviert und schafft

Großes! Wir alle leisten einen Beitrag für die Gesellschaft.

Darauf können wir stolz sein, so wie

unsere Bevölkerung auf die Leistungen und Qualitäten

unserer Bauern stolz sein kann.

13


Unsere Sprache - unsere Seele

kluag wenig, rar Es Fleisch wird schon kluag, höchste Zeit,

dass da Schlochttog kummt.

doutzi jener/dieses Da Doutzi hot doutzi Werkzeig liegen lassen.

blah leer/hohl Heuer ist koa guate Ernte, die meisten Ähren san blah.

Dreidudla dreistimmiger Jodler Wenn sie a bissal rauschig san, dann singen die

Briada den scheansten Dreidudla.

Feichtn Fichte Da letzti Schee hot ums etliche Feichtn umdruckt.

zniacht schwächlich Fia dei Oarbat bist du wirklich noch a bissal zniacht.

Foschntog Faschingdienstag Am Foschntog wird noch ordentlich g‘feiert,

wal dann is eh lang nix.

wolgn rollen Her auf im Bett zan wolgn, neben dir kau koana schlofn.

Oaletz Einschicht So wia der red, kummt er von da Oaletz.

Traigl kleiner Trog Geh die Heahna fuattan, des Traigl steht im Stoll.

Gigaritzpotschn abgeschiedener Ort

Wennst weita so saufst, kaust bold noch

Gigaritzpotschn ziachn.

wassan tränken Es Kaibl und du san ban wassan gamz gleich!

Schoatn Späne Tua die Schoatn schea zamm, die san kamott

beim Einheizen.

Sauzeachn Klarinette A Harmonika und a Geigen homa scho,

jetzt föhlt nur noch a Musikant, der Sauzeachn spült.

plaidern flattern, schnell fahren Er is mit sein Radl so schnöll daher plaidert,

dass die Heahna glei so plaidert hom.

Bischlan Blumen/Blumenstrauß Die Bischlan am Friedhof san schon ganz diar.

Pfingsti Donnerstag Tuast wiast wüllst, oba Pfingsti musst fertig sein.

ohoabln liebevoll umarmen Mei Enkal is so liab, i kinnat eam den ganzn Tog

nur ohoabln.

moarb zart/mürbe Der Rindsbrotn is so moarb, dass er auf der

Zungen zergeht.

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GESCHICHTSTRACHTIG

A steirischer Bua

Die Tracht ist keine modische Erscheinung, sie verkörpert vielmehr unsere

Tradition, unsere Vergangenheit und unseren Stolz darauf. So trägt „a

steirischer Bua“ nicht nur ein sauberes Gewand, sondern auch ein Stück

Geschichte und Heimatverbundenheit, wenn er seinen Steireranzug anzieht.

Der Steireranzug entstand Mitte des 19. Jahrhunderts

aus der Tracht der Jäger im Salzkammergut,

der Eisenwurzen und im Mürztaler Oberland.

Erzherzog Johann sorgte für seine Verbreitung

und machte ihn populär, da er dessen Schlichtheit

und Zweckmäßigkeit zu schätzen wusste. Durch

die Verwicklung Johanns in die Alpenbundaffäre,

als deren Konsequenz er Tirol nicht mehr betreten

durfte, betrachtete das kaiserliche Wien auch den

Steireranzug als Indiz für eine aufrührerische Gesinnung

und untersagte allen Staatsbeamten bei

Strafandrohung dessen Tragen. Einige Jahrzehnte

später sah die Welt schon wieder ganz anders aus

und selbst Kaiser Franz Joseph I. trug bei seinen

Jagdausflügen nach Mürzsteg gerne den Anzug

der Steirer.

Rasch fand der Steireranzug als Freizeitkleidung

der Adeligen und in weiterer Folge auch des gehobenen

Bürgertums weite Verbreitung. Nach dem

Ersten Weltkrieg führte die Trachtenbegeisterung

zu einer raschen Verbreitung in ganz Österreich.

Neben vielen landschaftsgebundenen Formen

des Steireranzugs werden heute vor allem zwei

Arten im ganzen Land getragen: Der Altsteirer-

Anzug mit grünem Revers und Achselspangen (er

schließt mit vier Knöpfen) und der Leobner oder

Jägerrock, der über einen Stehkragen verfügt und

mit fünf Knöpfen geschlossen wird. Unsere Tracht

ist fixer Bestandteil des Brauchtums

der Steiermark. Die Palette reicht

von der Alltags- bis zur Festtagstracht.

Allein bei den Frauentrachten

gibt es in der Steiermark

rund 270 offizielle Varianten

des Dirndls. Der Klassiker der

Männertracht ist der Steireranzug.

Aber auch die Lederhose für

den Herrn ist nicht zu verachten.

Die Vereinskultur, mit allen ihren

gesellschaftlichen Funktionen,

schafft über die Tracht bereits seit jeher

Zusammengehörigkeitsgefühl und

Identität. Und da unser „Steirer-Gwand“

eine sehr persönliche Angelegenheit für

jeden Einzelnen ist, braucht man Spezialisten,

die die Wünsche, Anliegen, regionalen

Besonderheiten und traditionellen Ansprüche

mit handwerklichem Geschick umsetzen. Dabei

geht es nicht nur ums „Können“, sondern

vor allem ums Verstehen der steirischen Seele

und um den Wunsch, diese in Stoff zu kleiden.

„Wir freuen uns, wenn sich die Menschen für

echte Trachten und Trachtenmode interessieren.

Getreu unserem Motto: Unser Trumpf ist die

Vielfalt, führen wir alles, was Tracht und Land

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15


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Vom Buchen- ins Weinland!

Untrennbar verbunden

Die Bukowina, zu Deutsch Buchenland, ist eine historische Landschaft im

Grenzraum zwischen Mittel-, Südost- und Osteuropa. Die nördliche Hälfte

gehört zur Ukraine, die südliche Hälfte zu Rumänien. Hier, in Rumänien,

wurde im Jahre 1934 Frau Gerlinde Armbrüster geboren, die mir in

Afram bei Wildon ihre bewegte Geschichte erzählte.

17


18

Ich kam in der Deutsch-Bukowina zur Welt.

Meine Eltern hatten eine Landwirtschaft und unser

Dorf war, so wie alle unsere Nachbarorte, deutschsprachig.

Viele Erinnerungen sind mir an meinen

Geburtsort nicht

geblieben, denn als

ich gerade einmal

fünf Jahre alt war,

wurde die gesamte

deutschstämmige

Bevölkerung umgesiedelt. Am 5. September 1940

unterzeichneten, wie ich später erfuhr, in Moskau

eine deutsche Kommission und der Beauftragte des

Außenkommissariats der UdSSR die „Vereinbarung

über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung

aus den Gebieten Bessarabiens und der

nördlichen Bukowina in das Deutsche Reich“. Sie

vereinbarten eine Umsiedlung vom 15. September

bis 15. November 1940. Unser Ziel war das ehemalige

Polen. Während Mutter mit mir und meinen drei

Schwestern mit der Eisenbahn fuhr, machte sich der

Vater, wie viele andere auch, mit dem Planwagen

und unserem Pferdegespann auf den Weg. Unsere

wertvolleren Habseligkeiten wie Wäsche, Geschirr

und so manches Porzellan wurden in große, schwere

Kisten verpackt und ebenfalls mit der Bahn

transportiert, während Vater alles für den täglichen

Gebrauch auf seinem Wagen hatte. Unsere Reise

führte uns zu allererst in ein Lager. Gut erinnere ich

mich noch daran, dass alles voller Wanzen und Flöhe

war und wie meine Schwester weinte, weil sie

komplett zerbissen und zerstochen war. Zum Glück

dauerte dieses Martyrium nicht allzu lange und wir

reisten weiter. In Polen bekamen wir ein Haus und

Grund zugewiesen. Die Familie, der dies gehört hatte,

wurde einfach in eine Baracke gesteckt. Sogar

eine polnische Magd teilte man uns zu.

Es ging uns nicht schlecht, wir bewirtschafteten

Grund und Boden und auch mit den Einheimischen


freundeten wir uns alsbald an. Unsere wertvollen

Kisten aus der Heimat kamen erst viel später an. Gut

weiß ich noch, wie sehr Mutter sich darauf freute,

endlich wieder ihr schönes Geschirr benutzen zu

können, frische Wäsche anzuziehen und auf viele

weitere Schätze, die da gut vernagelt am Bahnhof

zur Abholung bereitstanden. Noch heute sehe ich

sie vor mir, wie sie mit erwartungsvollen Blicken

den Weg hinunterschaute, wann denn der Vater mit

dem Pferdefuhrwerk endlich kommt, und wie sie

ihm freudestrahlend entgegenlief, als er kam. Doch

ebenso groß wie die Vorfreude war ihre Enttäuschung,

als der Vater ihr erzählte, dass alle Kisten

aufgebrochen und unser Hab und Gut gestohlen

worden war. Vier Jahre vergingen, wir fingen gerade

an, uns in Polen heimisch zu fühlen, als der Krieg

uns ein zweites Mal dazu zwang, alle Zelte abzubrechen

und eine neue Heimat zu suchen. Dieses Mal

mussten der Vater und die Männer noch bleiben, nur

die Frauen mit ihren Kindern machten sich in Eisenbahnwaggons

auf den Weg. Ich war damals 9 Jahre

alt und verstand nicht wirklich, was hier geschah.

Unsere Reise führte uns ins heutige Tschechien; von

einem großen Bahnhof zum nächsten wurden wir

transportiert, immer mehr Soldaten waren im Zug

und ängstlich klammerten wir drei uns an Mutters

Rockzipfel, um ja nicht getrennt zu werden.

Irgendwo auf unserer Route wurden wir an einem

Bahnhof von Rotkreuzschwestern versorgt. Wir

stiegen aus, holten uns Suppe und Milch, als bereits

wieder der Befehl zur Abfahrt kam. Was diese Hast

hervorrief, weiß ich nicht mehr, ich erinnere mich

nur daran, wie der Zug sich langsam in Bewegung

setzte und Mutter verzweifelt eine nach der anderen

von uns in die offene Waggontür hob. Zum Glück

streckten uns Soldaten ihre Hände entgegen. Nur

Mutter war noch draußen und die Lok nahm langsam

Fahrt auf. Soldaten, die unsere Aktion beobachtet

hatten, erkannten, dass wir getrennt wurden.

Sie rannten zur Mutter und hievten sie durch ein offenes

Fenster in den fahrenden Waggon. So waren

wir alle im Zug, aber es dauerte einige Zeit, bis wir

uns wiedergefunden hatten. Irgendwann während

unserer Fahrt, ein Ziel wurde uns nie genannt, hieß

es dann plötzlich, dass der Zug nicht mehr weiterfährt.

So standen wir am Bahnhof, es war kalt und

der Schneefall sorgte dafür, dass wir langsam aber

sicher bis auf die Knochen durchnässt waren. Unser

einziges Glück war, dass es in diesem Ort Verwandte

gab, bei denen wir unterkommen konnten. Einige

Wochen vergingen – Wochen, in denen wir bei

Tag und Nacht auf die Straße liefen, wenn ein neuer

Treck mit seinen Pferdefuhrwerken durchzog. Und

eines Abends war es so weit, der Vater war bei einer

Kolonne dabei und die Wiedersehensfreude war

übergroß, wusste er doch gar nicht, wo wir waren.

Einige Zeit später, es muss 1944 gewesen sein, kamen

wir nach Oberösterreich, zuerst in ein Lager

und später wohnten wir bei einem Keuschler, dessen

Haus zum Besitz eines großen Vierkanthofs

gehörte. Gut ist mir noch im Gedächtnis geblieben,

wie wir im November 1944 von einem Hügel aus

sahen, wie in der Ferne der Bahnhof von Amstetten

bombardiert wurde. Vater begann dort in einer

Mühle zu arbeiten, so hatten wir Mehl, um Brot zu

backen. Mutter arbeitete am Hof als Melkerin, bekam

dafür Milch, diese wurde zu Butter verarbeitet

und verkauft. Auch meine Geschwister und ich trugen

zu unserem Unterhalt bei. Wir webten Fleckerlteppiche,

knüpften aus Spagat Einkaufstaschen, sogenannte

Zegger, und stellten Haarnetze her, die

ebenfalls verkauft wurden. Der Krieg war vorüber

und wir hatten in der Zwischenzeit unsere Bleibe in

einer Kammer des Vierkanthofs gefunden. Das Auffanglager

in Amstetten, in dem auch wir kurze Zeit

waren, wurde zum Gefangenenlager. Ein Soldat, der

von dort floh, versteckte sich bei uns am Hof vor

den Besatzern. Er brachte meiner großen Schwester

bei, wie man aus einfachen Utensilien Stoffschuhe

und Patschen herstellt.

Viele unserer Verwandten siedelten sich in der Steiermark,

im Raum Wolfsberg, an und im Jahre 1948

entschlossen auch wir uns dazu, unsere – Gott sei

Dank – letzte Übersiedelung anzutreten. So kamen

wir nach Lebring. Ausländer waren nicht gerade

sehr beliebt, weil die Bevölkerung selbst sehr um ihr

wirtschaftliches Überleben kämpfen musste, aber

mit Fleiß und Arbeit haben wir uns bald den Respekt

und die Freundschaft der Menschen erworben.

Unsere Kunst des Stoffpatschenmachens half dabei

sehr. Aus alten Autoreifen wurde das Gewebe herausgeschnitten,

dieses diente als Sohle. Im Dorotheum

kaufte Mutter billig alte Mäntel und andere

Stoffe, die wir mit unseren Holzleisten zu Schuhen

verarbeiteten. Ich absolvierte mein letztes Schuljahr

in Lebring und durfte dann mit 14 Jahren in Leibnitz

eine Lehre als Verkäuferin beginnen. 1952 habe ich

geheiratet und war von da an untrennbar mit meiner

neuen Heimat verbunden.

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1

2

Woaßt as noch?

Über hunderte, ja sogar tausende von Jahren erfuhren die Werkzeuge des täglichen

Gebrauchs zwar eine ständige Weiterentwicklung, aber kaum eine entscheidende

Veränderung. Erst im letzten Jahrhundert wurden viele unserer Hilfsmittel durch

technische Errungenschaften abgelöst und beginnen seitdem langsam in Vergessenheit

zu geraten. Erinnern Sie sich noch an den Verwendungszweck

nachstehender Werkzeuge?

3

4

Die Exponate wurden uns von www.erinnerungshof-hermann.at zur Verfügung gestellt.

1) Schreibtafel

Bereits aus der Antike sind verschiedene Formen

von Tafeln zum Festhalten von Informationen bekannt.

Je nach Kultur und örtlichen Gegebenheiten

benutzte man Stein, Ton oder Wachs. Noch bis

in die 1960er Jahre wurden zum Schreiben- und

Rechnen-Lernen von Volksschülern Schreibtafeln

benutzt. Diese waren aus Schiefer gefertigt, sogenannte

Schiefertafeln.

2) Schreibfeder

Vogelfedern ersetzten in Europa seit dem 4. Jahrhundert

n. Chr. zum Schreiben auf Pergament das

Schilfrohr. Die erste stählerne Schreibfeder erfand

1748 Johannes Janssen; doch erst 100 Jahre später

fand sie weite Verbreitung. Mit der Feder wird

zumeist Tinte auf Papier oder andere Beschreibstoffe

aufgetragen. Die Feder wird zur besseren

Handhabung von einem Federhalter gehalten.

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AKAZIENHOF

St. Andrä / Höch

5

6

3) Holzfederschachtel

Holzfederschachteln dienten der Aufbewahrung

des Schreibmaterials. Unser spezielles Modell ist

sogar mit dem Vorläufer des Taschenrechners, einem

Abakus, ausgestattet.

4) Zeigerschreibmaschine

Bei dieser Art von Schreibmaschine wird mit einem

Zeiger auf einem Index der Buchstabe ausgewählt

und anschließend mit einer eigenen Taste

oder einem Hebel angeschlagen. Konstruktionsbedingt

hatten die meisten Zeigermaschinen als Typenträger

einen Typenzylinder. Durch den Wegfall

der aufwendigen Hebelmechanik konnten diese

Maschinen sehr günstig angeboten werden und

wurden vor allem im privaten Bereich eingesetzt.

5) Typenhebelschreibmaschine

Typenhebel sind erstmals von einer Schreibmaschine

von 1832 bekannt. Sie waren gemeinsam

in einem sogenannten Hebelkorb angebracht und

druckten wie Stempel auf das flach liegende Papier.

Zur Auswahl und zum Abdruck der Zeichen wird

vorrangig eine Tastatur benutzt. Die Einfärbung der

Typen erfolgt durch ein zwischen zwei Spulen laufendes

Farbband.

6) Anschlaghammer

Der Anschlaghammer diente zur Qualifizierung

abgeholzter Bäume. Mit ihm wurden Buchstaben

und Zahlen in die Schnittfläche der Stämme eingeschlagen.

Daheim in Neudorf im Sausal

Der Akazienhof steht für Plege und

Betreuung mit Herz und Qualität und

bietet seinen Bewohnerinnen und

Bewohnern ein familiäres Umfeld

sowie individuelle Betreuung.

Unser Angebot:

• Langzeitplege

• Betreuung für Menschen mit psychiatrischer

Beeinträchtigung

• Kurzzeitplege

• Einzel und Doppelzimmer

• Modernst ausgestattete Zimmer mit Bad,

WC und TV

• Individuelle Gestaltung der Zimmer

gemäß den Wünschen der BewohnerInnen

• Gemütliches Café mit Terrasse

• Zuzahlung durch die öffentliche Hand

möglich

mit Herz

Plege

u n d Q ualität

Infos: Frau Ilse Masser

0664 881 25 463

www.plegemitherz.co.at

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HEIMATKUNDE

Vom Namen und

Wappen der Steirer

Erinnern Sie sich noch an den Unterrichtsgegenstand

„Heimatkunde“? Viele Angehörige

der älteren Generationen lernten unter diesem

Titel die wichtigsten und grundlegendsten

Dinge, die es über die eigene Heimat zu

wissen gibt. Vieles davon blieb im Laufe der

Jahre auf der Strecke; dabei ist es durchaus

spannend zu wissen, welche Kunde

unsere Heimat uns zu vermitteln hat.

Wussten Sie eigentlich, dass der Name Steiermark

sich von der Stadt Steyr (Oberösterreich)

ableitet bzw. von der dort erstmals 985 erwähnten

Styraburg, dem heutigen Schloss Lamberg?

Die Traungauer Grafen hatten damals dort ihren

Sitz. Die aus der Familie der Traungauer stammenden

Markgrafen von Steyr haben entscheidend

zur Entstehung der Steiermark beigetragen. Der

Wortteil „-mark“ weist auf die Eigenschaft als

Grenzgebiet (Mark) hin, was sich aus der Mark an

der Mur erklärt. 1180 wurde die Steiermark unter

den Traungauern zum Herzogtum erhoben und

die lehnsrechtlichen Bindungen an die Herzogtümer

Bayern und Kärnten gelöst.

Aufgrund eines Erbvertrages wurden die Herzöge

von Österreich aus der Dynastie der Babenberger

1192 Herzöge der Steiermark (bis 1246). Nach

dem Aussterben der Babenberger gelangte die

Steiermark zunächst an Ungarn, dann an Böhmen.

1282 ging das Herzogtum Steiermark gemeinsam

mit dem Herzogtum Österreich an das Geschlecht

der Habsburger über. Im Zuge der habsburgischen

Erbteilungen wurde die Steiermark der zentrale

Teil Innerösterreichs mit Graz als Residenz.

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DER STEIRISCHE PANTHER

Der Panther, das Wappentier der Steiermark, ist

erstmalig im Jahr 1160 im Siegel des Markgrafen

Ottokar III. aus dem Geschlecht der Traungauer

dokumentiert. Als die Steiermark zum Herzogtum

erhoben wurde, übertrug man das Familienwappen

auf das Land. Erstmals genau beschrieben

wird das Wappen beim Chronisten Ottokar aus der

Gaal, der um 1315 dokumentierte, wie der steirische

Adel an der Seite des Böhmenkönigs Ottokar

II. Przemysl gegen die Ungarn gekämpft hatte. Herrand

von Wildon trug als Landesmarschall die Fahne.

Diese war grün/weiß, so wie wir sie heute noch

kennen, und darauf „schwebte“ der steirische Panther.

Das steirische Wappen zeigt einen silbernen,

rotgehörnten und rotbewehrten, flammenspeienden

Panther auf Grün, den Steirischen Panther.

Der Schild ist mit dem Herzogshut der Steiermark

bekrönt. In der heutigen Form ist das Wappen seit

1926 gültig – die damalige Abänderung betraf die

Flammen. Das Wappentier in der alten Form findet

sich heute noch im Wappen der steirischen Landeshauptstadt

Graz.

In der heraldischen Forschung wird auch auf die

starke symbolische Wirkung und die Tradition des

steirischen Wappens hingewiesen: Das Wappentier

der Steiermark ist zum Symbol steirischer Eigenständigkeit

geworden. Das steirische Landeswappen

ist seit mehr als 750 Jahren in praktisch unveränderter

Form in Gebrauch. Zusammen mit dem

rot-weiß-roten Bindenschild ist es eines der ältesten

und ehrwürdigsten Staatssymbole Europas.

Bild aus dem Wappenbuch der österreichischen

Herzöge (um 1445/48)

Farbige Darstellung in der

Züricher Wappenrolle (um 1340)

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Die Oma hot’s gwisst!

Omas Karfreitags-Menü

Fastensuppe

5 dag Bohnen

4 dag Schwarzbrot

5 dag Rollgerste

5 dag Fett

30 dag geschälte Erdäpfel

Petersilie, Zwiebel, Salz

Die Bohnen weicht man am Vorabend ein und

kocht dann in 2 Liter Wasser die Bohnen, die Rollgerste

und die Erdäpfel weich. Das Schwarzbrot wird feinwürfelig

geschnitten, mit Zwiebel und Petersilie in Fett

angeröstet und zur Suppe gegeben, die danach mit

Salz abgeschmeckt wird.

Mostboggerl

Sterzmehl und Süßmost abrühren, salzen und in ein

eingefettetes Reindl geben. Dann kommen grob

geraspelte Äpfel darüber, diese leicht eindrücken.

Mit Zucker und Zimt bestreuen und im

Rohr backen.

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Karfiolauflauf

2 Eier

1 Karfiol

0,5 kg Erdäpfel

150 g Käse gerieben

1 EL Margarine zum Einfetten

1 Schuss Milch

1 Prise Salz und Pfeffer

250 g Sauerrahm

60 g Semmelbrösel

Den Karfiol in Röschen teilen und in einem möglichst

großen Topf circa 8 Minuten in Salzwasser

mit einem Schuss Milch kochen. Den Karfiol erst

ins kochende Wasser geben, sonst wird er matschig.

Die Erdäpfel mit der Schale in Salzwasser

bissfest kochen und anschließend heiß schälen.

Die Auflaufform gut einfetten und abwechselnd

Erdäpfel (in Scheibchen geschnitten) und Karfiol

einschichten. Eier trennen, Schnee schlagen,

Dotter mit Sauerrahm verrühren. Mit einer Prise

Salz und Pfeffer würzen. Schnee und geriebenen

Käse unterheben. Die Masse über den Karfiol

und die Kartoffeln gießen.

Etwas Käse und Semmelbrösel darüber streuen.

Im vorgeheizten Backrohr bei 200 Grad

etwa 20 Minuten backen.

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