01.02 - WILD AUSTRIA - Externe Evaluierung - Prof. Dr. Kallus - UNI Graz

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Evaluation

Wild. Gesunder Vorsprung

Univ.-Prof. Dr. K.W. KALLUS

Mag. H. LANGMANN

unter der Mitarbeit von A. Blattner

Graz, Februar 2006

1


Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung ………………………………………..…………………………..…… 3

2 Einführung ………………………………………………………………………………...… 5

3 Strukturevaluation…………………………………………………………. ……..……… 6

3.1 Bewertung des Projektplans nach den Qualitätskriterien des FGÖ…………………… 6

3.1.1 Gesetzliche Grundlage/Fondszweck……………………………………………………… 6

3.1.2 Aufgaben und Ziele des Fonds……………………………………………………………. 7

3.1.3 Förderphilosophie…………………………………………………………………………… 7

3.1.4 Bewertung des Projektplans……………………………………………..………………… 8

3.2 Bewertung der Protokolle über Interventionen und Projektmeetings der Interventionspartner…………..…………………………………………………………….………

12

3.3 Vergleich der Projektschritte mit der Planung, insbesondere im Hinblick auf die Beteiligung

an Veranstaltungen im Jahr 2004/2005…….……… …….………..…………. 13

3.4 Interviews mit InterventionspartnerInnen und Verantwortlichen vor Ort…..…………. 16

4 Prozessevaluation………………………………………………………..………………… 22

4.1 Durchführung von Kurzbefragungen (Internet) ………..……………………………….. 22

4.2 Methoden…………………………………………………………………………………….. 22

4.2.1 Erholungs-Belastungs-Fragebogen………………………………………………………. 22

4.2.2 Teamqualitätsfragebogen………………….………………………………………………. 23

4.3 Ergebnisse…………………………………………………………………………………… 23

4.3.1 Ergebnisse Erholungs-Belastungs-Fragebogen………………………………………… 23

4.3.2 Ergebnisse Teamqualitätsfragebogen……………………………………………………. 27

4.4 Analyse des Datenpools und Vergleich der Testmethoden Autochrones Bild, Clinical

Stress Assessment und Meaningful Occupation Assessment………………. 29

4.5 Beurteilerübereinstimmung…………………………………………………………...…. 38

4.5.1 Methodik…………………………………………………………………………………… 39

4.5.2 Aufbereitung der Daten…………………………………………………………………... 40

4.5.3 Ergebnisse…………………………………………………………………………………… 40

5 Ergebnisevaluation……….………………………………………………………………… 43

5.1 Analyse objektiver Daten………………………………………………………………… 43

5.1.1 Fluktuation…………………………………………………………………………………. 43

5.1.2 Krankenstände………………………………………………………………………………. 43

5.2 Arbeitsanalysen …………………………………………………………………………….. 45

5.2.1 REBA_AS …………………………………………………………………………………. 45

5.2.2 Durchführung der Arbeitsanalysen……………………………………………………… 46

5.2.3 Ergebnisse…………………………………………………………………………………… 47

5.2.3.1 Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik 3 Galvanik………………………….. 48

5.2.3.2 Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik 2 CNC………………………………. 50

5.2.3.3 Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Montage Singulus Kathoden…………………. 52

5.2.3.4 Veränderungsmaßnahmen………………………………………………………………. 54

5.3 Vergleich der Ergebnisse mit einem Referenzbetrieb………………………………… 55

6 Abschliessende Bewertung…… ………………………………………………………… 60

7 Literaturverzeichnis ………………………………………………………………………… 61

8 Anhang

2


1 Zusammenfassung

Die öffentlich ausgeschriebene Evaluation des Projekts Wild. Gesunder Vorsprung (WGV) wurde

beim Institut für Begleitforschung (IfB) in Auftrag gegeben.

Diese Evaluation umfasst die Struktur-, Prozess- und Ergebnisevaluation. Die Evaluation basiert

auf einem Bündel unterschiedlicher Methoden, das von unterschiedlichen Analysen, über

Besuche vor Ort und qualitativen Interviews bis zur Durchführung internetgestützter Befragungen

der MitarbeiterInnen reicht.

Basis der Bewertung ist die Analyse des Projektplans, in dem die Projektschritte und die zu

erreichenden Ziele - auch im Sinne zu erreichender Prozessziele - formuliert sind. Es folgt eine

Bestandsaufnahme und partielle Bewertung, die in eine abschließende Bewertung des Projekts

„Wild Gesunder Vorsprung“ unter Nutzung der eingesetzten Methoden und der dabei

erzielten Ergebnisse führt.

Das Programm entspricht in allen Punkten dem state of the art einer effektiven und effizienten

Ziel- und Maßnahmenplanung und darf als ambitioniert bezeichnet werden. Die im Programm

formulierten Prozessziele dienen der qualitätssichernden Orientierung des Projekts.

Deutlich wird das Bemühen um eine sorgfältige Herangehensweise. Durch die Kooperation

mit wissenschaftlichen Instituten wird die Gesundheitsförderung eng am Stand der Fo r-

schung vorgenommen.

Das Thema Nachhaltigkeit wird zu Projektbeginn nicht nur thematisiert, sondern in vorbildhafter

Weise durch Maßnahmen und Beschlüsse (z.B. bestehender Gesellschafterbeschluss

zu kontinuierlichen WGV Maßnahmen; Wild-Charta, Unternehmensleitbild und

Führungsgrundsätze haben Grundsätze der Betrieblichen Gesundheitsförderung als Bestandteil)

schon im Vorfeld zu sichern gesucht. Nachhaltige Änderungen im Unternehmen

gibt es darüber hinaus durch eine Reihe bereits umgesetzter baulicher Maßnahmen und der

bereits ebenso erfolgten, Umgestaltung von Arbeitsplätzen.

Der vom Fonds Gesundes Österreich formulierten Förderphilosophie, Arbeitsgrundsätze

und Kriterien wird, soweit aufgrund der vorliegenden Unterlagen beurteilbar, in ausg e-

zeichneter Weise entsprochen. Die selbst definierten Ziele wurden in großer Mehrheit in

hohem Maße erreicht. Schwächen sind nicht typisch für Wild Austria, sondern decken sich

mit den Erfahrungen aus anderen Projekten. Die Kriterien professionellen Projektmanagements

werden, von kleineren Schwächen bei der Dokumentation abgesehen, in sehr guter

Art und Weise erfüllt.

Lobend zu erwähnen ist aus Sicht des Evaluationsteams der Einsatz für ein modernes Konzept,

welches neue Methoden und Messmethoden nutzbar macht. An derartig neue Verfahren

können harte Kriterien wie z.B. ÖNORM EN ISO 10075-3 auch bedingt angelegt werden.

Die Beurteilung und Rückmeldung der Ergebnisse der Beanspruchungsmessungen erfordert

eine Integration von Daten, die - wie die im Rahmen der Evaluation durchgeführten Analysen

bestätigen - keine wesentlich linearen Beziehungen zueinander haben. Von den BeurteilerInnen

dieser Befunde ist daher eine qualitative Integrationsleistung zu erbringen. Vor diesem

Hintergrund sind auch die Ergebnisse der BeurteilerInnenübereinstimmung zu sehen,

die stark variiert.

Ein Teil der Messungen und Messmethoden ist bei den MitarbeiterInnen gut aufgenommen

worden. Aufgrund der Beanspruchungsmessungen kann, trotz geringer Beteiligung seitens

der MitarbeiterInnen, gesagt werden, dass ein professioneller Umgang mit Belastungen und

3


Stressoren angestossen wurde. Durch den Vergleich mit einem Referenzunternehmen, welches

bis zum Berichtszeitpunkt keine Projekte im Bereich betrieblicher Gesundheitsförderung

geplant oder umgesetzt hat, lässt sich in einer Vielzahl von Bereichen der deutliche

Vorsprung von Wild Austria ausmachen.

Die arbeitspsychologische Fortführung des Projekts scheint vielversprechend zu sein. Die

Tendenz zu steigender Teamqualität sollte genutzt werden, um die zu erwartende wachsende

Beanspruchung puffern zu können.

Das Projekt hat Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden, was nicht zuletzt daran gezeigt

werden kann, dass es beim 10. Informationstag zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (6.

10. 2005, Kunstmuseum Lentos, Linz) einschließlich der Verleihung des Österreichischen

Preises für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF-Oskar 2005) in der Kategorie der größeren

Unternehmen den 1. Preis und zusätzlich den Sonderpreis „Vorbildliche Beteiligung

der ArbeitnehmerInnen und Belegschaftsorgane“ der Bundesarbeitskammer erhielt.

Die Evaluation eines derartigen Projekts ist hinsichtlich der Ergebnisse grundsätzlich abhängig

von der Bereitschaft des Unternehmens, seiner MitarbeiterInnen, sowie der Projektpartner,

an der Evaluation aktiv mitzuwirken. Dies war in sehr hohem Maße der Fall. Die

MitarbeiterInnen standen für entsprechende Gespräche zur Verfügung und die Unterlagen wurden

bereitgestellt oder bei Bedarf nachgereicht. Das Evaluationsklima war durch Offenheit und

hohes Interesse gekennzeichnet. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.

Univ.-Prof. Dr. K. W. Kallus

Leiter des Instituts für Begleitforschung

4


2 Einleitung

Das Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung. Betriebliche Gesundheitsförderung durch biopsycho-soziales

Gesundheitsmanagement“ wird vom Fonds Gesundes Österreich gefördert

und auf Grund der Intensität und vor allem wegen des interdisziplinären und ganzheitlichen

Ansatzes als Pilotprojekt gewertet. Der Fördergeber hat daher an einer wissenschaftlichen

Evaluierung ein besonderes Interesse.

Bei der öffentlichen Ausschreibung der externen Evaluierung wurde aus dem Kreis der Interessenten

das Institut für Begleitforschung, Univ. Prof. Dr. K. W. Kallus (Würzburg / Graz), von

der Firma Wild Austria mit der Durchführung der Evaluation beauftragt.

Die EvaluatorInnen begannen ihre Tätigkeit in der zweiten Projektphase am 8. 6. 2004. Sie

führten zahlreiche Gespräche mit MitarbeiterInnen und Führungskräften von Wild Austria. Es

folgten Analysen und Bewertungen von Arbeitsplätzen, zwei internetgestützte Befragungen, Analysen

von Prozessdaten der Projektpartner, sowie eine Analyse und Bewertung des Projektplans

und der Projektdokumentation. Die Ergebnisse der Evaluierung wurden der Firma Wild

Austria in einer Sitzung am 16. Dezember 2005 präsentiert, der fertige Evaluationsbericht

wurde im Februar 2006 der Firma Wild Austria übergeben.

Angaben zum Unternehmen

Anzahl der MitarbeiterInnen: 241. Mit Jänner 2004 hat die Firma Wild Austria ein insolventes

Unternehmen der Legrand-Gruppe übernommen (jetzt Wild Electronics). Die Anzahl der MitarbeiterInnen

hat sich daher mit Jänner 2004 erhöht auf (N=273).

Branche: Metallindustrie / Elektronik

Produkte: Wild Austria ist Systemlieferant für die Bereiche

• Technische Optik

• Medizintechnik

• Halbleiterindustrie

• Messtechnik

• Kunststofftechnik

• Luft- und Raumfahrtentwicklung

• Elektronikentwicklung

Standorte: Völkermarkt, ab Jänner 2004 auch Wernberg (Kärnten)

Angaben zum Projekt

Das Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung. Betriebliche Gesundheitsförderung durch biopsycho-soziales

Gesundheitsmanagement“ wurde beim Fonds Gesundes Österreich eingereicht,

bewilligt und mit Euro 250.127.- (Proj.-Nr. 836 / III / 110) gefördert.

Beginn: 1.1. 2004

Voraussichtliches Ende: 31. 12. 2005

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3 Strukturevaluation

3.1. Bewertung des Projektplans nach den Qualitätskriterien des FGÖ

„Im Formulieren von Standards zur Qualitätssicherung und Evaluation der Projekte und Maßnahmen

gibt sich der FGÖ eher zurückhaltend, offen und pragmatisch. Auf das Erstellen von Evaluationsricht-

oder -leitlinien wird verzichtet, stattdessen werden regelmäßig Tagungen zu diesen

Themen durchgeführt. Diese Praxis war u.E. praktisch ohne Alternative, da es beim aktuellen

wissenschaftlichen Kenntnisstand sowohl in der Evaluationsforschung als auch unter

den Praktikern der Gesundheitsförderung unmöglich war, für die ganz unterschiedlichen Maßnahmen

und Projekte jeweils theoretisch fundierte und instrumentell erprobte Evaluationsdesigns

zu erstellen und ggf. auch verpflichtend zu machen. Schließlich wäre ein solches – allenfalls

in Teilbereichen mögliches Vorgehen – auch sehr zeitintensiv gewesen und hätte sicher zu

Verzögerungen bei der Bewilligung und Implementation von Projekten geführt. Ganz sicher aber

wird der Qualitätssicherung und Evaluation in der Gesundheitsförderung und Prävention in der

Zukunft eine deutlich größere Bedeutung zukommen müssen.“ (Kirschner, Elkeles, Kirschner &

Borgmeyer, 2002, S.23).

Wie dem Zitat aus dem Evaluationsbericht über die Tätigkeit des Fonds Gesundes Österreich

1998-2001 zu entnehmen ist, gibt es wenig Unterlagen zum Bereich Qualitätssicherung

und Evaluation. Als Grundlage zur Bewertung des Projektplans dienen daher folgende Unterlagen:

• Förderphilosophie,

• Arbeitsgrundsätze der Fördervergabe,

• Förderkriterien,

• Praxisorientierte Projekte

Alle Unterlagen können auf der Homepage des FGÖ (www.fgoe.org) eingesehen werden.

3.1.1 Gesetzliche Grundlage/Fondszweck

Laut dem 1998 in Kraft getretenen Bundesgesetz über Maßnahmen und Initiativen zur Gesundheitsförderung,

-aufklärung und –information (Gesundheitsförderungsgesetz) ist der

Fonds Gesundes Österreich die nationale Stelle, welche praxisbezogene Aktivitäten und

flankierende wissenschaftliche Studien fördert, welchen ein Gesundheitsbegriff im ganzheitlichen

Sinne zugrunde liegt und die mindestens einen der folgenden als Fondzweck definierten

Punkte zum Ziel haben:

• Erhaltung der Gesundheit im ganzheitlichen Sinn

• Förderung der Gesundheit im ganzheitlichen Sinn

• Verbesserung der Gesundheit im ganzheitlichen Sinn

• Information und/oder Aufklärung über vermeidbare Krankheiten

• Information und/oder Aufklärung über die die Gesundheit beeinflussenden seelischen/geistigen/sozialen

Faktoren.

Das Gesetz orientiert sich an der Ottawa-Charta 1986 der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) zur Gesundheitsförderung, die sich europaweit als fachliches Rahmenkonzept für

Gesundheitsförderung bewährt hat. Gesundheitsförderung setzt demnach bei den jeweiligen

Lebensverhältnissen an und ist bemüht, persönliche und gesellschaftliche Verantwortlichkeiten

miteinander in Einklang zu bringen, um auf eine gesündere Zukunft hinzuwirken. Sie ist

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ein Prozeß, der allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit

ermöglicht, um sie zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.

3.1.2 Aufgaben und Ziele des Fonds Gesundes Österreich

Der Fonds Gesundes Österreich hat gemäß Gesundheitsförderungsgesetz und Fondsstatut

primär folgende Aufgaben und Ziele:

• Strukturaufbau für Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention unter Berücksichtigung

und Einbindung bestehender Einrichtungen und Strukturen;

• Entwicklung und Vergabe von bevölkerungsnahen, kontextbezogenen Programmen

und Angeboten in Gemeinden, Städten, Schulen, Betrieben und im öffentlichen Gesundheitswesen;

• Entwicklung zielgruppenspezifischer Programme zur Information und Beratung über

gesunden Lebensstil, Krankheitsprävention sowie Umgang mit chronischen Krankheiten

und Krisensituationen;

• wissenschaftliche Programme zur Weiterentwicklung der Gesundheitsförderung und

Krankheitsprävention sowie der Epidemiologie, Evaluation und Qualitätssicherung in

diesem Bereich;

• Unterstützung der Fortbildung von Personen, die in der Gesundheitsförderung und

Krankheitsprävention sowie in gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen und Initiativen

tätig sind;

• Abstimmung der Maßnahmen und Initiativen mit bestehenden Aktivitäten;

• Durchführung von Konferenzen, Arbeitstagungen und Symposien.

Die Arbeit des Fonds Gesundes Österreich ersetzt nicht die bestehenden Aktivitäten auf

Bundes-, Länder- und Gemeindeebene. Doppelgleisigkeiten sollen vermieden und vorhandene

Strukturen eingebunden werden. Die Tätigkeit bezieht sich auf ganz Österreich. Kooperationsprojekte

und Projekte mit finanzieller Beteiligung mehrerer Stellen bzw. Ressorts werden

grundsätzlich vorrangig behandelt. Der Fonds übernimmt im Rahmen der Förderung

keine laufenden Kosten für Personal und Infrastruktur von Organisationen bzw. Einrichtungen,

sondern nur konkrete befristete Kosten im Rahmen von Projekten, welche von den Organisationen

bzw. Einrichtungen betrieben werden. Keine Förderung ist vorgesehen für Behandlungs-

und Rehabilitationsmaßnahmen, für die Durchführung von Screeninguntersuchungen,

Impfungen und Recallprojekte. Ebenso nicht gefördert werden allgemeine Werbekampagnen

zur Gesundheit, die nicht integrierter Bestandteil eines konkreten Gesundheitsförderungs-

bzw. Vorsorgeprojektes sind.

3.1.3 Förderphilosophie

Basierend auf den Richtlinien des Gesundheitsförderungsgesetzes ist der Fonds Gesundes

Österreich ausschließlich zuständig für Gesundheitsförderung und Primärprävention mit umfassenden

Gesundheitsbegriff. Nicht in den Aufgabenbereich fallen also die Primärprävention

mit einem rein medizinischen Gesundheitsbegriff, die Sekundärprävention und die Tertiärprävention.

Gefördert werden praxisorientierte Projekte, Forschungsprojekte, der Strukturaufbau im Bereich

der Gesundheitsförderung, Fort- und Weiterbildung, Netzwerke sowie Information und

Aufklärung. Dabei werden grundsätzlich nur Teilfinanzierungen der Gesamtprojektkosten

und keine Dauerfinanzierungen von praxisorientierten und wissenschaftlichen Projekten

übernommen.

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Eine Ausnahme vom Prinzip der Teil-Finanzierung sind nur die Modellprojekte: Das sind

spezielle Projekte in den Bereichen der Schwerpunktthemen, die nach einer Ausschreibung

vom Fonds Gesundes Österreich beauftragt werden. Sie sollen später anderen ProjektbetreiberInnen

als Referenz dienen – daher werden sie auch besonders genau dokumentiert

und evaluiert.

Besonderen Wert wird bei den Einreichungen auf innovative Konzepte, professionelles Projektmanagement,

Evaluation und interne Qualitätsstandards gelegt. Projekte und Initiativen,

bei denen Gewinnorientierung und privatwirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen,

können nicht gefördert werden.

Für praxisorientierte Projekte gilt eine Untergrenze von 10.000 Euro Gesamtprojektsumme.

Was darunter liegt, ist nicht Förderungsaufgabe des auf Bundesebene angesiedelten Fonds.

Bei Projekten, die über einer Fördersumme von 72.000 Euro liegen, ist eine externe Evaluation

verpflichtend, wobei bis zu 100 Prozent der Evaluationskosten übernommen werden

können. Auch die Strukturkosten von Netzwerken in den Schwerpunktbereichen des Fonds

sowie punktuelle Informations- und Aufklärungsprojekte können gefördert werden, wenn diese

auf bestehenden Gesundheitsförderungsprojekten und -programmen aufbauen. Dazu

zählen etwa Aktionen, Events, Videos oder Publikationen.

3.1.4 Bewertung des Projektplans

Der Fonds Gesundes Österreich ist bestrebt, dass die geförderten Projekte im Bereich Gesundheitsförderung

und Primärprävention einen umfassenden Gesundheitsbegriff (biopsycho-soziales

Wohlbefinden) zugrundelegen und bestimmten Qualitätskriterien entsprechen,

u.a. Projektdesignentwicklung nach Kriterien professionellen Projektmanagements,

Übereinstimmung mit dem Stand der Wissenschaften, Qualitätssicherung/Evaluation (intern

bzw. extern) und umfassende Dokumentation (Fonds Gesundes Österreich, 2005a, 2005b,

2005e).

Für das Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung“ liegt ein Projekthandbuch vor. Im Rahmen eines

Workshops bei Wild Austria am 8. 6. 2004 wurden die Kapitel 00 Einführung, 01 Projektorganisation

und 03 Projektplanung des Projekthandbuchs an das Institut für Begleitforschung

übergeben. Alle weiteren Ausführungen beziehen sich auf die oben genannten Kapitel mit

Stichtag 8. 6. 2004. Eine Übersicht über die Gliederung der Kapitel laut Projekthandbuch und

der davon für die externe Evaluation (EE) vorliegenden Teile gibt Tabelle 1.

Bereits in der Einleitung wird deutlich, dass es sich um ein ambitioniertes Projekt handelt. So

wurde schon im Vorfeld ein Fünfjahresplan (2000 bis 2005) für die Personal- und Organisationsentwicklung

erstellt, in dem der Betrieblichen Gesundheitsförderung mit einem biopsycho-sozialen

Ansatz und der Betonung der Sinndimension in der Arbeitswelt - Management

by Meaningful Occupation (Graf, 2003) - ein besonderer Stellenwert zukommt. In vier

Bereichen sollen Verbesserungen erzielt werden, die auf allen Ebenen des Unternehmens

umgesetzt werden sollen. Die operative Ebene soll dabei besonders gefördert werden:

• Arbeitsplatzgestaltung

• Rahmenbedingungen der Arbeit

• Förderung der Gesundheitskompetenz der MitarbeiterInnen

• Dokumentation der Daten (Human Resource Index)

Das Thema Nachhaltigkeit wird zu Projektbeginn nicht nur thematisiert, sondern in vorbildhafter

Weise durch Maßnahmen und Beschlüsse (z.B. bestehender Gesellschafter-

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eschluss zu kontinuierlichen WGV Maßnahmen; Wild-Charta, Unternehmensleitbild und

Führungsgrundsätze haben Grundsätze der Betrieblichen Gesundheitsförderung als Bestandteil)

schon im Vorfeld zu sichern gesucht.

Im Hinblick auf die Wissenschaftlichkeit wird eine Orientierung an natur- und geisteswissenschaftlichen

Prinzipien zugrundegelegt, die interdisziplinär umgesetzt werden soll. Durch

Kooperationen mit a.o. Univ. Prof. Dr. Moser und der PLK-GmbH (Univ. Prof. Dr. Porta) wird

dieser interdisziplinäre Ansatz ergänzt. Ein Abschnitt zu Erkenntnisorientierung und wissenschaftliche

Axiomatik schließt das Einführungskapitel des Projekthandbuchs ab.

Tabelle 3.1. Gliederung der Kapitel 00, 01 und 03 laut Projekthandbuch

Kapitel und Unterkapitel lt. Projekthandbuch

vorliegend für EE

00 Einführung ü

00.01 Gesellschaftsbeschluss – Fünfjahresplan ü

00.02 BGF – Phase 1: 2000 – 2002 ü

00.03 WGV – Phase 2: 2003 – 2005 ü

00.04 Definition: WGV – Grundsätze ü

01 Projektorganisation ü

01.01 Projektleitung ü

01.02 Projektorganigramm ü

01.02.01 Gremien: Namensliste ü

01.02.02 Gremien: Teams – Teamleiter – WGV-BegleiterInnen ü

01.03 Externe Evaluierung ü

01.04 Projektzusammenarbeit – Richtlinien ü

01.05 Projektdokumentation - Richtlinien ü

01.06 Adressenpool

03 Projektplanung ü

03.01 Projektthemenplan ü

03.02 Projektstrukturplan ü

03.03 Projektphasenplan ü

03.04 Projektablaufplan ü

03.05 Projektterminplan ü

03.06 Projektziel- und Projektmeilensteinplan ü

03.07 Kostenplan / Kalkulation

03.08 Qualitätsplan ü

03.09 Kapazitätsplan ü

Projektorganisation

Die Projektleitung gliedert sich in eine fachliche und in eine operativ-administrative Leitung.

Die Projektleitung wird unterstützt von der logo consult Unternehmensberatung GmbH und

bindet die Arbeitsmedizin und Sicherheitsfachkraft mit ein. Zusätzlich wird die Projektleitung

je Anforderungsprofil von externen Fachkräften unterstützt. Das Projektmanagement teilt

sich in ein internes und ein externes Projektmanagement (logo consult).

Im Abschnitt Projektorganigramm werden die einzelnen Gremien nach Ebenen gegliedert,

und mit ihren MitgliederInnen und Aufgabenbereichen in Form von Organigrammen und Tabellen

dargestellt. Dies erfolgt strukturiert und übersichtlich, wobei anzuführen ist, dass das

WGV Public-Relation-Team einmal der Ebene 1 von 3 Ebenen (Projektorganigramm 01.02

stand: 26.01.2004 – H. Graf Seite 2 von 2) und einmal der Ebene 4 von 4 Ebenen (01.00 –

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Projektorganisation 01.02.01 – Gremien – WGV-BegleiterInnen – Seite 1 von 1), bei ansonsten

gleicher Zuordnung der anderen Gremien, zugeordnet wird.

Der Abschnitt Externe Evaluierung enthält Namen und Anschrift des durchführenden Instituts

sowie das Anforderungsprofil. Im Abschnitt Projektzusammenarbeit werden die die für die

Zusammenarbeit grundlegenden Verträge, Erkenntnisse, Unternehmensleitbild Wild Austria,

BeraterInnenleitbild logo consult und Leitbild des WGV-Arbeitskreises genannt. Das Berater-

Innenleitbild logo consult und das Leitbild des WGV-Arbeitskreises werden dargestellt. Der

Abschnitt Projektdokumentation enthält eine Qualitätsdefinition, den Verteiler sowie die

Punkte Abschlussbericht und PR-Arbeit.

Projektplanung

Der Projektthemenplan gliedert sich in die Punkte:

• Verbesserung der gesundheitsfördernden Lebens- und Arbeitsumwelt

• Strategische Perspektiven

• Interdisziplinärer Ansatz

• Datenerhebung – Analysephase

• BGF (WGV) – Aktivitäten

o Sensible Themen

o Betriebsvereinbarungen

o Spezielle Programme

Der Projektstrukturplan (siehe Abbildung 3.1) gliedert das Projekt in drei Teilprojekte mit entsprechender

Untergliederung:

• Teilprojekt: Projektvorbereitungsphase Phase 1

• Teilprojekt: Gestaltungs- und Realisationsphase Phase 2. Diese Phase gliedert sich

in zwei Abschnitte. In der Analysephase werden mittels wissenschaftlicher Stressmessverfahren

Daten von den MitarbeiterInnen erhoben. In der Interventionsphase

wird organisatorisch bedingter Stress mit Maßnahmen der Personal- und Organisationsentwicklung

reduziert. Parallel dazu werden salutogene Maßnahmenpakete gesetzt,

um personbezogene Stressoren zu reduzieren.

• Teilprojekt: Evaluierung- Projektabschluss Phase 3. Diese Phase ist dem Abschluss

des Projektes und der Evaluierung gewidmet. Interne und externe Evaluierung sollen

sich nach wissenschaftlichen Kriterien richten.

Im Projektphasenplan wird der Projektstrukturplan durch die Angabe von Beginn und Ende

der einzelnen Projektphasen um die Zeitperspektive erweitert. In sehr übersichtlicher Weise

werden im Projektablaufplan einzelne Tätigkeiten – Interventionen in einem Zeitraster den

einzelnen Projektphasen zugeordnet, und um Punkte wie Durchführung, Personen, Stunden

und Tage ergänzt. Der Projektterminplan führt dies durch die Angabe von Kalenderwochen

noch etwas weiter aus.

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Abbildung 3.1: Projektstrukturplan

Für den Projektziel- und Projektmeilensteinplan werden vier Meilensteine und 57 Zieldefinitionen

formuliert. Bei den Meilensteinen handelt es sich um:

• Definitive Entscheidung der Gesellschafter inkl. Budgetgenehmigung und Verabschiedung

• Durchführung, Auswertung und Feedback von psychologischen und physiologischen

Variablen zu Ressourcen und (Fehl-)Beanspruchung der MitarbeiterInnen (Meaningful

Occupation Assessment, Clinical Stress Assessment, Autochrones Bild, Screening

Physiotherapie und Datenerhebung für physiotherapeutische Intervention)

• Interne Evaluierung

Externe Evaluierung

Ein Qualitätsplan und eine Ressourcenplanung / Zielgruppen / Stundenanalyse runden das

Kapitel Projektplanung ab. In der Kapazitätsplanung / Zielgruppen / Stundenanalyse wird für

jede der Zielgruppen (Belegschaft; MitarbeiterIn, unkritisch; MitarbeiterIn, kritisch; Team;

Teamleiter; WGV-AK/Begleiter; Führungskräfte) je Projektphase die Anzahl der Interventionsstunden

bis ca. Juni 2005, gegliedert nach Veranstaltungsdauer in Stunden (1< 4;

> 48) angegeben.

Der Projektplan entspricht in allen Punkten dem state of the art einer effektiven und effizienten

Ziel- und Maßnahmenplanung und darf als ambitioniert bezeichnet werden. Deutlich wird

das Bemühen um eine sorgfältige Herangehensweise. Durch die Kooperation mit wissenschaftlichen

Instituten wird die Praxis der Gesundheitsförderung eng an den Stand der

Wissenschaft herangeführt. Der vom Fonds Gesundes Österreich formulierten Förderphilosophie,

Arbeitsgrundsätze und Kriterien wird, soweit aufgrund der vorliegenden Unterlagen

beurteilbar, in vorbildlicher Weise entsprochen. Es ist festzuhalten, dass die Kriterien professionellen

Projektmanagements, von kleineren Schwächen abgesehen, in sehr guter Art

und Weise erfüllt werden.

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3.2 Bewertung der Protokolle über Interventionen und Projektmeetings

Am 30. 6. 2005 wurde bei der Firma logo consult Unternehmensberatung GmbH, Rosenweg

8, 9232 Einsicht in die Protokolle genommen. Für eine weitergehende Analyse wurden stichprobenartig

(k = 10) Protokolle ausgewählt. Diese Protokolle wurden seitens logo consult in

kopierter Form zur Verfügung gestellt. Alle folgenden Ausführungen beziehen sich auf Notizen

während der Einsichtnahme und Analyse der stichprobenartig ausgewählten Protokolle.

Die eingesehenen und vorliegenden Protokolle weisen folgende Punkte auf:

• Information

• AbsenderIn

• AutorIn

• Erstellt am

• AutorIn Protokoll

• Zuordnung Projektstrukturplan

• Themenschwerpunkte

• Zielgruppe/TeilnehmerInnen

• TeilnehmerInnen (inkl. Nennung entschuldigter und abwesender Personen)

• Ort

• Datum

• Zeit (von bis)

• Follow up

• Ort

• Datum

• Zeit (von bis)

• Notizen / Protokoll

• Beschlüsse

• Lfd. Nr.

• Aktivitäten / Beschlüsse

• Durchführung

• Erledigung bis

• Seite X von Y

Die Notizen sind sowohl im Stichwort- als auch im Satzmodus verfasst. Jedenfalls in einer

Art und Weise, dass auch externen Personen die Nachvollziehbarkeit der Besprechungen

und dort getroffener Beschlüsse gut ermöglicht wird. Positiv anzuführen ist die Detailliertheit

und konsequente Beibehaltung der Protokollstruktur (z.B. Unterscheidung zwischen AutorIn

Abschrift und AutorIn Protokoll). Alle Protokolle sind in entsprechend beschrifteten Ordnern

abgelegt und zusätzlich elektronisch gespeichert.

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Protokolle des Arbeitskreises Wild – Gesunder Vorsprung. Die eingesehenen und vorliegenden

Protokolle (k = 9) weisen folgende Struktur auf:

• Verfasser

• Zielgruppe

• Ort

• Themenschwerpunkte

• Termin

• Zeitrahmen (von bis)

• TeilnehmerInnen (inkl. Nennung entschuldigter Personen)

Evaluierung

• Nächster WGV-Arbeitskreis

• Lfd. Nr.

• Themenbereiche

• Information / Beschluss

• Seite

Die Notizen sind wiederum sowohl im Stichwort- als auch im Satzmodus verfasst und erreichen

damit das Ziel die Besprechungen und dort getroffenen Beschlüsse gut nachvollziehbar

zu dokumentieren. Positiv anzuführen ist die Detailliertheit und konsequente Beibehaltung

der Protokollstruktur. Alle Protokolle sind in entsprechend beschrifteten Ordnern abgelegt

und zusätzlich elektronisch gespeichert.

Durch das präzise und stichwortartige Festhalten der Besprechungsinhalte erfüllen die Protokolle

in sehr guter Weise alle Anforderungen, die an ein derartiges Dokumentationssystem

im Rahmen eines mehrjährigen Projekts zu stellen sind. Darüberhinaus ist positiv zu erwähnen,

das alle Protokolle für jede(n) MitarbeiterIn zugänglich sind.

3.3 Vergleich der Projektschritte mit der Planung, insbesondere im Hinblick

auf die Beteiligung an Veranstaltungen im Jahr 2004/2005

Für den Vergleich der Projektschritte mit der Planung wurden die folgenden von logo consult

und Wild Austria zur Verfügung gestellten Dokumente herangezogen:

• Projektablaufplan: Stand 26. 1. 2004,

• WGV-Aktivitätenplan: Jänner 2004 - Jänner 2005 (Daten von 8 Monaten) sowie weitere

• Projektterminplan: Monatsplan Jänner - Juni 2005

• Soll-Ist-Vergleich der WGV-Kapazitätsplanung mit Stand 31. 5. 2005

• Bewerbung Wild Austria - Bewerbungsunterlagen für den Österreichischen Preis für

Betriebliche Gesundheitsförderung

Alle Projektschritte wurden laut Projektstrukturplan umgesetzt. Im Hinblick auf den Projektablaufplan

und den Projektterminplan können vereinzelt Terminverschiebungen festgestellt

werden.

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Der Soll-Ist-Vergleich der WGV-Kapazitätsplanung weist folgende Struktur auf:

• Lfd. Nr.

• Datum

• Veranstaltung

• TeilnehmerInnen

o Soll

o Soll-Prozent

o Ist

o Prozent

o Nichtteilnahme absolut

• Stunden je MA

• Stunden Ist WA gesamt

• Stunden Soll WA

• Differenz Stunden

Die laufenden Nummern 1 bis 107 listen Veranstaltungen auf, die an einem Tag oder zwei

aufeinanderfolgenden Tagen stattfanden, bei denen das Datum genau angeführt ist. Die

Dauer der einzelnen Veranstaltungen variierte dabei zwischen 1 und 13 Stunden. Die laufenden

Nummern 108 bis 137 geben eine Übersicht über Veranstaltungen, bei denen der

Zeitraum, in dem sie stattfanden genau angeführt ist (z.B. 1. 6. 2004 – 30. 4. 2005 für Physiotherapie).

Die Dauer der einzelnen Veranstaltungen variierte dabei zwischen 1 und 6,5

Stunden. Es werden nur jene Veranstaltungen weiter betrachtet, bei denen ein Soll-Ist-

Vergleich bzgl. der TeilnehmerInnenzahl möglich ist.

Bei mehrteiligen Veranstaltungen wird die Bezeichnung einzelner Veranstaltungen nicht konsistent

beibehalten, was einen Vergleich erschwert. Teilweise bleibt unklar, welche Einzelveranstaltungen

zu einem Veranstaltungsblock gehören. Auch ist nicht durchgehend nachvollziehbar,

welche Gruppe bereits welche Veranstaltungen absolviert hat. Obwohl vorbildlich

angelegt, gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten.

In der Tabelle 3.2 ist die die TeilnehmerInnenbeteiligung an Veranstaltungen, von denen das

Datum in der WGV-Kapazitätsplanung Soll-Ist-Vergleich angeführt ist, für die Jahre 2003 bis

2005 nach Quartalen aufgeschlüsselt. Für das Jahr 2005 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung

die Daten für die ersten beiden Quartale vor, wobei für das 2. Quartal nur Veranstaltungen

bis zum 31. 5. 2005 berücksichtigt sind.

Bei 76,9% der Veranstaltungen im angeführten Zeitraum lag die TeilnehmerInnenbeteiligung

bei 100%, bei 3,7 % der Veranstaltungen zwischen 90 und 99%, bei 14,8% der Veranstaltungen

zwischen 80 und 89% und bei 4,6 % der Veranstaltungen zwischen 70 und 79%. Die

Teilnahmebeteiligung lag bei keiner Veranstaltung unter 70%.

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Tabelle 3.2: TeilnehmerInnenbeteiligung an Veranstaltungen für die Jahre 2003-2005 (Datum der

Veranstaltung ist in WGV-Kapazitätsplanung Soll-Ist-Vergleich angeführt)

Quartal Anzahl Lfd. Nr. TeilnehmerInnenbeteiligung

50-59% 60-69% 70-79% 80-89% 90-99% 100%

2003_1 2 1 – 2 2

2003_2 2 3 – 4 2

2003_3 1 5 1

2003_4 3 6 – 8 3

2004_1 8 9 – 16 1 7

2004_2 4 17 – 20 2 2

2004_3 11 21 – 31 3 1 7

2004_4 21 32 – 52 1 1 19

2005_1 36 53 – 87 3 5 1 27

2005_2 20 88 – 107 2 5 13

Summe 108 5 16 4 83

Prozent 4,6 14,8 3,7 76,9

In der Tabelle 3.3 ist die die TeilnehmerInnenbeteiligung an Veranstaltungen, von denen der

Zeitraum in der WGV-Kapazitätsplanung Soll-Ist-Vergleich angeführt ist, für die Jahre 2003

bis 2005 wiedergegeben. Für das Jahr 2005 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung die

Daten für die ersten beiden Quartale vor, wobei für das 2. Quartal nur Veranstaltungen bis

zum 31. 5. 2005 berücksichtigt sind.

Tabelle 3.3: TeilnehmerInnenbeteiligung an Veranstaltungen für die Jahre 2003-2005 (Zeitraum der

Veranstaltung ist in WGV-Kapazitätsplanung Soll-Ist-Vergleich angeführt)

Veranstaltung Lfd. Nr. TeilnehmerInnenbeteiligung

ACB-Messung 01 108 X

50-59% 60-69% 70-79% 80-89% 90-99% 100%

ACB-Messung 02 109 X

BBF 110 X

CSA-Messung 01 111 X

Physiotherapie 113 X

Sportwiss. Übungen 114 X

MOA 01 115 X

Mitarbeiter 50+ 123 X

Schichtarbeit 124 X

Gender Mainstream 125 X

Raucherentwöhnung 126 X

Bei den Veranstaltungen ACB-Messung 02 und CSA-Messung 01 nahmen mehr TeilnehmerInnen

als geplant, teil. Anzumerken ist, das Soll und Ist und daraus resultierend Prozent

nicht in allen Fällen deckungsgleich ist mit den Angaben zu potentielle Zielgruppe (N) und

Beteiligung (Prozent) in den Bewerbungsunterlagen. Die Teilnahmebeteiligung lag bei keiner

Veranstaltung unter 50%.

Nach Angaben der Firma logo consult wurde sowohl das interne als auch das externe Projektmanagement

von der Firma logo consult durchführt.

15


3.4 Interviews mit InterventionspartnerInnen und Verantwortlichen vor Ort

Am 18. 5. 2005 wurden die Interviews bei der Firma Wild Austria, Wildstraße 4, 9100 Völkermarkt

durchgeführt. Ein Interview wurde in Graz durchgeführt. Der Aufbau des Interviews

orientiert sich am Interviewleitfaden Analyse der soziotechnischen Geschichte (Strohm &

Ulich, 1997). Der Interviewleitfaden sowie die Liste der TeilnehmerInnen (N=8) an den Interviews

sind im Anhang wiedergegeben.

Mittels Techniken der qualitativen Inhaltsanalyse als grundsätzliche Vorgehensweisen systematischen,

d.h. theoriegeleiteten und regelgeleiteten Textverstehens und Textinterpretierens,

wurde das Interviewmaterial so reduziert, dass die wesentlichen Inhalte erhalten blieben.

Die Bearbeitung des Interviewmaterials fand eng angelehnt an das bei Mayring (1997)

beschriebene allgemeine inhaltsanalytische Ablaufmodell einer Zusammenfassung statt.

Die Interviewfragen und die zusammengefassten Antworten sind im Anschluss wiedergegeben

(Mehrfachnennungen sind in Klammern angeführt).

1) Wenn Sie an das Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung“ denken, was sind/waren die Ziele?

• Förderung von Gesundheitsbewusstsein und gesundem Lebensstil (5)

• Steigerung der MitarbeiterInnenzufriedenheit (2)

• Erkennen und Bewältigung von Stressoren (4)

• Arbeitsplatzgestaltung

• Verbesserung von Betriebsklima und Kollegialität

• Gleichberechtigung von Arbeit und Familie

• zeigen, dass es sich lohnt bei Wild Austria zu arbeiten

• Nachhaltigkeit

2) Welche vom Projekt betroffenen Funktionsträger, Beschäftigten wurden in die Projektarbeit

miteinbezogen?

• jede/jeder Einzelne auf Basis Freiwilligkeit (4)

• speziell WGV-Betreuer und Teamleiter

3) Nach welchen Kriterien erfolgte die Auswahl dieser Funktionsträger und Beschäftigten?

• Freiwilligkeit

• Nominierung einer/eines WGV-BegleiterIn je Team

• nach Funktion („Betriebsrat muss vertreten sein“) (2)

• nach Geschlecht („Frauen müssen vertreten sein“)

• sollten „Vermittlungspersonen“ sein, die gut argumentieren können

• Vorauswahl im kleinen Kreis

4) Auf welche Inhalte/Themen/Aspekte des Projekts konnten diese Personen Einfluss nehmen?

• Weiß ich nicht

• auf den WGV-Wunschzettel

• auf alle Themen; Struktur und Inhalte waren aber überwiegend vorgegeben (4)

16


5) Wie wurde das Projekt im betrieblichen Alltag umgesetzt?

• Terminplan mit Aktivitäten (Intranet), Informationstafeln, verschiedene Informationsveranstaltungen,

Informationsscreen im Casino, WGV-Informations-Zeitung (2)

• Arbeitsplatzgestaltung (2)

• Bewegungs- und Physiotherapie, Bewegungsinseln am Arbeitsplatz (5)

• verschiedene Veranstaltungen intern und extern

• Teamleiter als tragende Rolle, Vorbildwirkung der WGV-Betreuer (2)

• Auftaktveranstaltung

• alle Messungen und die Rückmeldung der Ergebnisse erfolgten im Unternehmen

• die meisten Aktivitäten erfolgten während der Arbeitszeit

6) Was wurde bis jetzt erreicht?

• Arbeitsplatzgestaltung unter fachlicher Beratung (4)

• Verbesserung des körperlichen Zustandes (2)

• Verbesserung der Kantine, Erneuerung der Sanitäranlagen

• Veränderung von Einstellungen

• Regelmäßigkeit an Veranstaltungen

• WGV wurde ein Begriff (3)

• Reduzierung von Stressquellen

• im Rahmen des Projekts WGV wird vieles diskutiert

7) Was wurde nicht erreicht?

• Umsetzung stark budgetabhängiger Maßnahmen wie z.B. Fensteraustausch in einigen

Abteilungen

• Krankenstandsreduzierung (2)

• mehr Unterstützung für Schichtarbeiter, für Arbeitnehmer über 50 und für frauenspezifische

Themen

• größeres Interesse und Verständnis seitens der Mitarbeiter an Themen wie z.B. Raucherentwöhnung

• dass sich Mitarbeiter durch die Arbeit und die WGV-Aktivitäten nicht überfordert fühlten

(2)

8) Wie war die Akzeptanz von „Wild. Gesunder Vorsprung“ über den Projektzeitraum?

• überwiegend gut bis sehr gut (6)

• unterschiedlich; für manche Bereiche gab es mehr Interessenten, für andere (z.B.

Bewegungstherapie) weniger (2)

• anfänglicher Widerstand (2)

• eher schlecht, vor allem bei jenen die nirgends teilgenommen haben

9) Sind die Personen bei den Veranstaltungen/Programmen/Kursen/etc. wiedergekommen?

• TeilnehmerInnenzahl blieb annähernd konstant (Problem: Ausgleichsübungen) (4)

• TeilnehmerInnenzahl hat vielleicht zugenommen (Mundpropaganda)

• Mitarbeiter, die sich bereit erklärt haben, haben, bis auf einzelne Ausnahmen, auch

teilgenommen (2)

• bei Veranstaltungen außerhalb der Arbeitszeit haben weniger Leute teilgenommen

17


10) Sind Personen aus dem Projekt ausgestiegen (Dropout-Rate)?

keine Angabe

wenige Ausstiege (3)

• aus Zeitgründen

• aufgrund ungünstiger Termine (Freitag Mittag)

• aus persönlichen Gründen

Ausstiege

• im Bereich Bewegung (2)

• beim Coaching

• bei der Raucherentwöhnung

11) Gab es im Rahmen des Projekts Gegner?

Nein (4)

• dadurch, dass die Betriebsräte von Anfang an eingebunden waren

• aber auch nicht lauter Befürworter

ja (5)

• aber sehr wenige; einzelne Arbeiter; Personen, die gegen alles sind (2)

• aber einzelne Personen konnten auch umgestimmt werden

• Gegner im Sinne von Nörglern; die gibt es auch heute noch, Personen, die einfach

nicht mit gemacht haben, die einfach nur hier arbeiten wollen

12) Wenn ja, welche Personen, Funktionsträger nahmen diese Rolle ein?

• einzelne Arbeiter (3)

• eher Personen, die nichts ausprobiert haben

• Personen aus allen Breichen, aber eher passive Haltung statt echte Gegner

13) Kam es zu Widerstand gegen die durch das Projekt initiierten Veränderungen?

es gab keinen Widerstand (5)

• da vieles gemeinsam entschieden und gemeinsam umgesetzt wird

• da die Leute überzeugt und nicht überrumpelt wurden

• es hat am Anfang etwas Skepsis gegeben, aber keinen Widerstand

14) Wie kam dieser Widerstand zum Ausdruck?

Veränderungen oder Neuerungen wurden

• belächelt

• skeptisch betrachtet

15) Was lief bei „Wild .Gesunder Vorsprung“ gut?

• der Ablauf des Projekts selbst.

• große Anzahl der Beschäftigten wurde erreicht und hat teilgenommen

• Arbeitsplatzgestaltung

• Messungen (Tests) mit Rückmeldung der Ergebnisse z.B. HeartMan (2)

• Förderung des Zusammenhalts und der Gemeinschaft

• Vielfalt der Angebote wie z.B. Bewegungstraining, Persönlichkeitscoaching, Stressmanagement,

Raucherentwöhnung (3)

18


16) Was waren die „Highlights“ bei „Wild. Gesunder Vorsprung“?

• Auftaktveranstaltung in der Burg mit Rainer Pariasek als Moderator (5)

• Messungen (Tests) mit Rückmeldung der Ergebnisse z.B. HeartMan (3)

• breites Angebot von Sportmöglichkeiten bis Physiotherapie

• positive Erfahrungen in der Arbeit mit den Therapeuten und Trainern (2)

17) Was lief bei „Wild. Gesunder Vorsprung“ schlecht?

• Termintreue (Pünktlichkeit, Anm. d. Autoren) und Vergessen von Terminen seitens

der MitarbeiterInnen

• anfängliche Kommunikation mit logo consult

• Terminhäufung und Terminüberschneidungen (Parallelveranstaltungen) (2)

• Häufung von Fragebögen

• gelang nicht, Begeisterung bei den MitarbeiterInnen auszulösen

• es ist nichts schlecht gelaufen

18) Was waren die größten Probleme?

• Terminkoordination, Termintreue der Mitarbeiter

• anfängliche Kommunikation mit logo consult

• MitarbeiterInnen zu überzeugen, dass es für die eigene Gesundheit gut ist

• Unsicherheit „Skepsis“ und mangelnde Motivation der MitarbeiterInnen (2)

• dass alle Veranstaltungen während der normalen Arbeitszeit stattfanden

• die Arbeit im Team (z.B. Stressfaktoren zu finden) war zunächst mühsam

• die Zeit

• Veranstaltungen außer Haus

• Seminar-Tage, wo mehrere MitarbeiterInnen gleichzeitig außer Haus sind

19) Was waren die „Tiefpunkte“ bei „Wild. Gesunder Vorsprung“?

• negative Stimmung, weil teilweise kein Verständnis vorlag, warum MitarbeiterInnen

entlassen wurden, aber Geld für das Projekt vorhanden ist

• die Dauer bis zum Vorliegen der Auswertungen

• schlecht besuchte Veranstaltungen

• es gab keine Tiefpunkte (3)

o dank des externen Beraters

o aber Mitarbeiter mussten immer wieder motiviert werden

o aber es gab immer Phasen, in denen der Sinn erläutert werden musste

20) Wie kam man wieder aus dem Tief heraus?

• die Zeit ist vergangen und es wurde einfach wieder besser

• es gab eine Betriebsversammlung mit einem großen Motivationsschub

• musste in solchen Phasen, den Sinn des Projekts erklären

• musste Mitarbeiter motivieren

19


21) Was waren die Ursachen für Erfolg, Misserfolg oder Veränderung?

• externe Personen die Vorschläge einbrachten,

• für Misserfolge verantwortlich war die negative Einstellung, die fehlende Motivation

und resignative Haltung einzelner Personen und Teams

• motivierte und konsequente Arbeit aller

• breites Angebot, die positive Erfahrung erster Mitarbeiter und die Weitergabe dieser

positiven Erfahrungen, sichtbare Erfolge, die Kompetenz der Trainer

• Projekt war gut geplant und optimal organisiert (2)

• volle Unterstützung durch die Geschäftsführung

22) Wenn das Projekt weitergeführt oder erneut angeboten werden sollte, was würden Sie

gleich weitermachen, was sollte aus Ihrer Sicht weiterhin angeboten werden?

• Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Bereichen

• psychologische Begleitung (Stressmanagement, Persönlichkeitscoaching, …) (4)

• Bewegung, Rückenschule, Physiotherapie, die Gesundheitschecks und Vorsorgeuntersuchungen,

die Impfungen (3)

• Besprechungen einmal im Monat, zweijähriger Rhythmus der Betriebsklimamessung,

• beschränken auf zwei bis drei Aktivitäten und die Rückmeldung der Ergebnisse

Schwerpunkte: gesundheitliches Thema, ein sportliches Thema, ein psychologisches

(z.B. ein Seminar wo es um das alltägliche Miteinander geht)

23) Wenn das Projekt weitergeführt oder erneut angeboten werden sollte, was würden Sie

anders machen?

• mehr Werbung

• bessere und genauere Beschreibung des Programms

• mehr schriftliche und verständliche Informationsweitergabe (v.a. zu Beginn) (2)

• kürzere Umfragen und weniger Umfragen am PC

• Konzentration auf Dinge, die besonders gut angenommen wurden

• Einbindung aller Mitarbeiter

• weniger Themen und Maßnahmen, dafür ein Thema ausführlicher behandeln

• dass auch Freizeit der Mitarbeiter einbezogen wird

• verschiedene Referenten, so dass ein Themenschwerpunkt nicht in einer Hand liegt

• Nichts, die Angebote waren optimal zusammengestellt, fanden während der Arbeitszeit

statt und waren zeitlich gut verteilt

20


24) Wenn das Projekt weitergeführt oder erneut angeboten werden sollte, was würden Sie

sich wünschen im Hinblick auf Angebote, Ablauf, Umsetzung?

Angebote (8)

• regelmäßige Mitarbeiterbefragungen (2)

• Physiotherapie als fixer Bestandteil

• andere Angebote wie Yoga, Kommunikations- und Teamtraining

• Themen wie Mitarbeiterführung und Ernährung (2)

• eine Großveranstaltung im Jahr

• Weiterführung der Messungen (Tests)

Ablauf und Umsetzung (5)

• Veranstaltungen im Haus

• Ernährungsrichtlinien für Kantine

• ein zuständiger, wenn auch nicht hauptberuflich, Verantwortlicher

• dass auch Freizeit der Mitarbeiter einbezogen wird

• dass Mitarbeiter das als besonderes Angebot des Unternehmens wahrnehmen

21


4 Prozessevaluation

4.1 Durchführung zu Kurzbefragungen (Internet)

Die beiden internetgestützten Befragungen wurden im Zeitraum November bis Dezember

2004 (KW 46 – 52) mit einer Nachfassaktion im Jänner 2005 (KW 2 – KW 3) und im Zeitraum

September bis Oktober 2005 (KW 39 - KW 42) durchgeführt. Allen TeilnehmerInnen

wurde am Ende der Befragung als unmittelbares Feedback online ihr Beanspruchungs-

Erholungszustand und ihr Profil im Bereich Teamqualität übermittelt. An der Befragung im

Jahr 2004 nahmen 42 Personen, an der Befragung im Jahr 2005 nahmen 37 Personen teil.

4.2 Methoden

Im Rahmen der Prozessevaluation wurden die folgenden Verfahren eingesetzt:

4.2.1 Erholungs-Belastungs-Fragebogen

Der Erholungs-Belastungs-Fragebogen (Kallus, 1995) erlaubt, die aktuelle Beanspruchungs-

Erholungs-Bilanz einer Person zu erstellen. Der EBF zeichnet ein differenziertes Bild des

gegenwärtigen Grads der Beanspruchung, des Beanspruchungszustands einer Person.

Das Verfahren basiert auf der Annahme, dass eine Anhäufung von Belastungen aus unterschiedlichen

Lebensbereichen bei gleichzeitig unzureichenden Erholungsmöglichkeiten zu

einem ungünstig veränderten psychophysischen Gesamtzustand führt. In Folge dieses veränderten

Zustands kann es bei der Person zu Einschränkungen in der Handlungs- und Leistungsfähigkeit,

dem aktuellen Wohlbefinden und vor allem auch der Anpassungsfähigkeit an

weitere Belastungen kommen. Kurz ausgedrückt: Hohe Beanspruchung bei gleichzeitig unzureichender

Erholung kann auf Dauer psychisch und physisch krank machen.

Die Häufigkeit eines bestimmten Ereignisses oder Verhaltens innerhalb eines festgelegten

Zeitraums, der die letzten 7 Tage und Nächte umfasst, wird auf einer siebenstufigen Antwortskala

(0 = nie; 1 = selten, 2 = manchmal; 3 = mehrmals; 4 = oft; 5 = sehr oft; 6 = immerzu)

eingestuft (siehe Abbildung 4.1).

In den letzten (7) Tagen und Nächten ...

1) ... war mein Schlaf erholsam

0 1 2 3 4 5 6

nie selten manchmal mehrmals oft sehr oft immerzu

Abbildung 4.1: Beispielitem aus dem EBF

Die Bereiche des, um die arbeitsspezifische Bereiche erweiterten, Erholungs-Belastungs-

Fragebogens sind, gemeinsam mit den Durchschnittswerten der beiden Erhebungen, in Tabelle

4.1 aufgelistet.

22


4.2.2 Teamqualitätsfragebogen

Der Teamqualitätsfragebogen ermöglicht die Erfassung der Qualität der Teamarbeit und erhebt

mit 90 Items unterschiedliche Facetten des umfassenden Begriffes „Teamqualität“. Die

Bereiche des TQF sind, gemeinsam mit den Durchschnittswerten der beiden Erhebungen,

in Tabelle 4.2 wiedergegeben.

Die TeilnehmerInnen geben für jede der insgesamt 90 Fragestellungen auf einer siebenstufigen

Häufigkeitsskala (0 = nie; 1 = selten, 2 = manchmal; 3 = mehrmals; 4 = oft; 5 = sehr oft;

6 = immerzu) an, wie häufig die Feststellung innerhalb der letzten vier Wochen auf sie zutraf

(siehe Abbildung 4.2).

In den letzten vier Wochen ...

24) ... hat der Teamleiter das Team aktiv unterstützt.

0 1 2 3 4 5 6

nie selten manchmal mehrmals oft sehr oft immerzu

Abbildung 4.2: Beispielitem aus dem TQF-88

4.3 Ergebnisse

4.3.1 Erholungs-Belastungs-Fragebogen

Es gibt keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Messzeitpunkten in

den Beanspruchungs-Erholungs-Skalen des Erholungs-Belastungs-Fragebogens (EBF) (Abbildung

4.3). Die Mittelwerte, Streuung und p-Werte der Skalen des EBF sind in Tabelle 4.3

wiedergegeben.

Tabelle 4.3: Mittelwerte, Streuung und p-Werte der Skalen des EBF

Bereich MZP M SD Min Max F p df

Allgemeine Beanspruchung

1.MZP 1.44 1.12 0.00 4.00

2.MZP 1.50 1.17 0.00 5.00

0.054 .816 1

Emotionale Beanspruchung

1.MZP 2.07 0.99 0.00 4.00

2.MZP 1.91 0.87 0.50 3.50

0.729 .395 1

Soziale Spannungen

1.MZP 2.04 1.20 0.00 6.00

2.MZP 2.00 1.10 0.00 5.00

0.030 .863 1

Ungelöste Konflikte

1.MZP 2.21 1.19 0.50 5.50

2.MZP 2.18 1.19 0.00 5.50

0.014 .906 1

Übermüdung-Zeitdruck

1.MZP 1.73 1.09 0.00 5.50

2.MZP 1.89 1.15 0.00 5.00

0.579 .448 1

Energielosigkeit

1.MZP 1.25 0.73 0.00 3.50

2.MZP 1.37 0.73 0.00 3.00

0.820 .367 1

Körperliche Beschwerden

1.MZP 1.25 1.02 0.00 4.00

2.MZP 1.22 0.93 0.00 4.00

0.015 .904 1

Erfolg-Leistungsfähigkeit

1.MZP 2.69 1.06 0.00 5.00

2.MZP 2.94 1.14 1.00 5.00

1.437 .233 1

Erholung im sozialen Bereich

1.MZP 3.28 1.02 1.00 6.00

2.MZP 3.21 0.99 1.00 5.00

0.111 .740 1

Körperliche Erholung

1.MZP

2.MZP

3.21

3.18

0.90

1.24

1.00

1.00

5.00

5.50

0.018 .895 1

Allgemeine Erholung

1.MZP 3.36 0.96 1.00 5.50

2.MZP 3.58 1.11 1.00 5.50

1.170 .282 1

Erholsamer Schlaf

1.MZP 4.18 1.17 1.00 6.00

2.MZP 3.80 1.38 0.50 6.00

2.463 .119 1

Anmerkungen. MZP = Messzeitpunkt; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung (Streuung); Min =

kleinster Wert; Max = größter Wert; p = Fehlerwahrscheinlichkeit.

23


Abbildung 4.3: Mittelwerte der Bereiche des EBF zu den zwei Messzeitpunkten

Abbildung 4.4 zeigt die Unterschiede zwischen den beiden Messzeitpunkten in den arbeitsspezifischen

Skalen des EBF. Einen statistisch bedeutsamen Unterschied (Fehlerwahrscheinlichkeit

p < 0,05) gibt es im Bereich Partizipation (F(1, 1) = 4.468, p < .05). Die MitarbeiterInnen

der Firma Wild berichten zum zweiten Befragungszeitpunkt über mehr Partizipation

bei der Arbeit im Vergleich zum ersten Befragungszeitpunkt (Abbildung 4.5). Die Mittelwerte,

Streuung und p-Werte der arbeitsspezifischen Skalen des EBF sind in Tabelle 4.4

wiedergegeben.

24


Abbildung 4. 4: Mittelwerte der arbeitsspezifischen Bereiche des EBF zu den zwei Messzeitpunkten

4,00

3,50

3,23

3,00

2,75

2,50

2,00

1. MZP (N=42) 2.MZP (N=37)

Abbildung 4. 5: Mittelwerte im Bereich Partizipation des EBF zu den zwei Messzeitpunkten

25


Tabelle 4.3: Mittelwerte, Streuung und p-Werte der arbeitsspezifischen Skalen des EBF

Bereich MZP M SD Min Max F p df

Konflikte KollegInnen

1.MZP 1.20 0.87 0.00 4.25

2.MZP 1.11 0.81 0.00 3.25

0.319 .573 1

Emotionale Erschöpfung

1.MZP 1.63 1.00 0.00 4.33

2.MZP 1.66 1.15 0.00 4.33

0.028 .868 1

Reduzierte Leistungsfähigkeit

1.MZP 1.03 0.71 0.00 3.00

2.MZP 1.00 0.79 0.00 3.67

0.047 .829 1

Sozialer Rückzug

1.MZP 1.09 0.82 0.00 3.67

2.MZP 1.01 0.71 0.00 3.50

0.293 .590 1

Arbeit-Freizeit

1.MZP 1.80 1.18 0.00 5.00

2.MZP 1.97 1.27 0.00 5.00

0.513 .475 1

Gestörte Pausen

1.MZP 1.75 1.18 0.00 5.25

2.MZP 2.01 1.37 0.00 5.33

1.119 .292 1

Erfolg / Flow

1.MZP 3.48 0.93 0.00 5.33

2.MZP 3.72 0.96 2.00 5.67

1.728 .191 1

Erholung / Freizeit

1.MZP

2.MZP

2.95

3.03

1.23

1.29

0.67

0.67

5.33

5.67

0.120 .729 1

Handlungsspielraum

1.MZP 3.69 1.50 0.00 6.00

2.MZP 4.06 1.39 1.00 6.00

1.780 .185 1

Partizipation

1.MZP 2.75 1.17 0.50 5.75

2.MZP 3.23 1.26 0.75 6.00

4.468 .037 1

Pausen

1.MZP 2.71 1.27 1.00 6.00

2.MZP 3.05 1.35 0.00 6.00

1.920 .169 1

Soz. Unterstützung Familie

1.MZP 3.35 1.45 0.00 6.00

2.MZP 3.81 1.44 0.00 6.00

2.666 .105 1

Freunde treffen

1.MZP 2.92 1.13 0.00 5.67

2.MZP 2.76 1.27 1.00 5.33

0.464 .497 1

Sinnverlust / Sättigung

1.MZP 1.00 0.98 0.00 5.00

2.MZP 0.95 0.91 0.00 3.33

0.085 .771 1

Kontrollverlust

1.MZP

2.MZP

1.61

1.23

1.18

0.88

0.00

0.00

4.67

3.67

3.452 .066 1

Freizeitverpflichtungen

1.MZP 2.87 1.09 0.00 5.75

2.MZP 2.93 1.21 1.25 5.50

0.071 .791 1

Belastung Freizeit

1.MZP 2.08 1.25 0.00 5.00

2.MZP 2.05 1.23 0.00 5.00

0.018 .894 1

Anmerkungen. MZP = Messzeitpunkt; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung (Streuung); Min =

kleinster Wert; Max = größter Wert; p = Fehlerwahrscheinlichkeit.

26


4.3.2 Teamqualitätsfragebogen

Obwohl es Anstiege in fast allen Bereichen des Teamqualitätsfragebogens (TQF) vom ersten

zum zweiten Messzeitpunkt gibt, lassen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen

den beiden Messzeitpunkten aufzeigen (Abbildung 4.6). Die Mittelwerte, Streuung und

p-Werte der Skalen des TQF sind in Tabelle 4.5 wiedergegeben.

Tabelle 4.3/1: Mittelwerte, Streuung und p-Werte der Skalen des TQF

Bereiche MZP M SD Min Max F p df

Führung

1.MZP 3.14 1.48 0.25 6.00

2.MZP 3.43 1.27 0.50 6.00

1.032 .312 1

Informationsfluss

1.MZP 3.05 1.27 0.75 5.75

2.MZP 3.37 1.24 1.00 5.50

1.600 .209 1

Kooperation

1.MZP 3.27 1.12 0.75 5.25

2.MZP 3.46 1.09 1.50 5.50

0.772 .382 1

klare Verantwortung

1.MZP 3.91 1.15 1.25 6.00

2.MZP 3.90 1.06 1.50 6.00

0.000 .992 1

Handlungsspielraum

1.MZP 3.92 1.25 0.50 6.00

2.MZP 4.16 1.16 1.00 6.00

0.991 .322 1

Umgang Konflikt

1.MZP 2.86 1.12 1.00 5.00

2.MZP 3.10 1.08 1.00 5.00

1.282 .260 1

erfolgreiche Umsetzung

1.MZP 3.48 1.11 1.00 5.25

2.MZP 3.60 0.96 1.75 5.50

0.315 .576 1

Erfahrungsaustausch

1.MZP 3.21 1.09 0.75 5.50

2.MZP 3.29 1.23 0.75 6.00

0.131 .718 1

Kommunikations -Qualität

1.MZP 3.09 0.95 1.00 5.40

2.MZP 3.40 1.14 1.60 5.80

2.301 .132 1

Kont. Verbesserungsprozess

1.MZP 2.65 0.98 1.00 5.50

2.MZP 2.86 1.19 0.50 6.00

0.979 .325 1

Zukunft

1.MZP 2.75 1.04 0.75 5.25

2.MZP 3.08 1.07 1.00 5.00

2.372 .127 1

Stimmung

1.MZP 3.85 1.02 1.50 5.25

2.MZP 4.04 1.06 1.25 6.00

0.872 .353 1

Soziale Unterstützung

1.MZP 3.53 1.07 1.00 5.50

2.MZP 3.56 1.09 1.25 5.50

0.021 .886 1

Arbeitszufriedenheit

1.MZP 3.55 1.10 1.00 5.50

2.MZP 3.64 1.10 1.00 5.50

0.166 .684 1

Identifikation

1.MZP 4.04 1.11 1.75 6.00

2.MZP 4.26 1.02 1.75 6.00

1.097 .297 1

Anmerkungen. MZP = Messzeitpunkt; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung (Streuung); Min =

kleinster Wert; Max = größter Wert; p = Fehlerwahrscheinlichkeit.

27


0,00 0,50 1,00 1,50 2,00 2,50 3,00 3,50 4,00 4,50

Führung

Informationsfluss

Kooperation

klare Verantwortung

Handlungsspielraum

Umgang Konflikt

erfolgreiche Umsetzung

Erfahrungsaustausch

Kommunikations-Qualität

Kont.

Verbesserungsprozess

Zukunft

Stimmung

Soziale Unterstützung

Arbeitszufriedenheit

Identifikation

1. MZP (N=42) 2.MZP (N=37)

Abbildung 4. 6: Mittelwerte der Bereiche des TQF zu den zwei Messzeitpunkten

28


4.4 Analyse des Datenpools und Vergleich der Testmethoden Autochrones Bild, Clinical

Stress Assessment und Meaningful Occupation Assessment

Die Daten der 25 Stunden Herzfrequenzmessungen (Autochrones Bild, ACB) wurden über

das Institut für noninvasive Diagnostik für die Analyse seitens des Instituts für Begleitforschung

aufbereitet. Alle Berechnungen erfolgten auf Basis der zeitkorrigierten Daten. Die

Daten sind für jede Variable (vgl. Tabelle 4.4) als Mittelwert für 5 Minuten-Zeitabschnitte über

die Dauer der 25 Stunden Messung aufbereitet.

Tabelle 4.4: Übersicht über die Variablen des Autochronen Bildes

Variable

ATMFrsa

HF

lnHF*

lnLF*

lnTOT*

lnVLF*

logRSA* °

QPArsa

RR

SDNN

VQ*

Bezeichnung

Atemfrequenz auf Basis respiratorischer Sinusarrhythmie

Herzfrequenz

High Frequency Anteil der Variabilität (0,15 - 0,4 Hz)

Low Frequency Anteil der Variabilität (0,04 - 0,15 Hz)

Total Variabilität (0,0033 - 0,5 Hz)

Very Low Frequency Anteil der Variabilität (0,0033 - 0,04 Hz)

Respiratorische Sinusarrhythmie

Quotient Puls Atmung auf Basis respiratorischer Sinusarrhythmie

RR-Intervall in Millisekunden

Standard Deviation Normal to Normal

Vegetativer Quotient (LF/HF)

Anmerkungen. * Die Daten werden jeweils auf Basis des Herzraten-Wertes und des RR-Intervalls

berechnet; ln = Logarithmus naturalis; ° log = Logarithmus.

Aufgrund der unterschiedlichen Startzeiten der einzelnen 25 Stunden Herzfrequenzmessungen

mussten zunächst einige Anpassungen erfolgen, bevor die Daten weiteren Berechnungen

zugeführt werden konnten. Für alle Messungen wurde als Startzeit 06:00 Uhr und als

Endzeit 06:00 Uhr des darauffolgenden Tages festgelegt. Gegebenenfalls wurden fehlende

Daten der 24 Stunden-Messung durch die Daten des Folgetags ergänzt. Im Anschluss daran

wurden überzählige 5 Minuten Zeitabschnitte, die sich aus der mehr als 24 stündigen Aufzeichnung

der Herzfrequenz ergeben, entfernt. Für die Durchführung weiterer Korrelationen

wurden die 5 Minuten Zeitabschnitte zu größeren Zeitabschnitten aggregiert. Dabei hat sich

die Zusammenfassung der 5 Minuten Zeitabschnitte zu 30 Minuten Zeitabschnitten als günstig

erwiesen. Alle nachfolgenden Ergebnisse beruhen auf diesen 30 Minuten Zeitabschnitten.

Tabelle 4.5. Übersicht über die Variablen des Clinical Stress Assessment

Variable

pH_D

BE_D

HCO 3 _D

PO 2 _D

O 2 SAT_D

Na_D

Ca_D

Mg_D

K_D

BG_D

LACTAT_D

Bezeichnung

pH-Wert Differenz Prä-Postmessung

Basenexzess Differenz Prä-Postmessung

Bicarbonat Differenz Prä-Postmessung

Sauerstoffpartialdruck Differenz Prä-Postmessung

Sauerstoffsättigung Differenz Prä-Postmessung

Natrium Differenz Prä-Postmessung

Kalzium Differenz Prä-Postmessung

Magnesium Differenz Prä-Postmessung

Kalium Differenz Prä-Postmessung

Blutglucose Differenz Prä-Postmessung

Laktat Differenz Prä-Postmessung

29


Die Daten des Clinical Stress Assessment (CSA) wurden ebenso wie die Daten des Meaningful

Occupation Assessment (MOA) und des Belastungs- und Beschwerdentests (BBF)

von der Firma logoconsult aufbereitet und an das Institut für Begleitforschung transferiert.

Für die Werte des CSA wurden die Differenzwerte zwischen Prä- und Postmessung berechnet

und den Analysen zugeführt. Die Werte des MOA und des BBF lagen als Skalenmittelwerte

vor und wurden unverändert in die Analysen miteinbezogen. Eine Übersicht über die

Variablen der einzelnen Verfahren, die in die statistischen Berechnungen eingegangen sind,

geben die Tabellen 4.5 bis 4.7.

Tabelle 4.6. Übersicht über die Variablen des Meaningful Occupation Assessment

Variable

Bezeichnung

M.1 Motivationsfaktor 1 Leistungsfähigkeit und Gestaltungsmöglichkeit der Arbeit

M.2 Motivationsfaktor 2 Ausdruck der Persönlichkeit und soziales Für- und Miteinander

M.3 Motivationsfaktor 3 Eins tellungswerte zu Leben, Arbeit u unveränderten Situationen

M.4 Motivationsfaktor 4 Monetäre Motivation

M.-Gesamt

Motivation-Gesamt

Sinnquotient

Sinnquotient

Extr. M. - FP

Extrinsische Motivation Führungsperson(en)

Entwicklungsdefizit OE/PE Entwicklungsdefizit Organisationsentwicklung/Personalentwicklung

Entwicklungsstand OE/PE Entwicklungsstand Organisationsentwicklung/Personalentwicklung

Extr. M. - MA

Extrinsische Motivation MitarbeiterInnen

Zufriedenheit OE/PE Zufriedenheit Organisationsentwicklung/Personalentwicklung

Extrinsische M.

Extrinsische Motivation

organisatorische

organisatorische Beanspruchung

bio-psycho-soziale bio-psycho-soziale-Beanspruchung

individuelle

individuelle Beanspruchung

globale

globale Beanspruchung

PIP

Pathologizing Interpersonal Pattern

WHIP

Wellness and Health Interpersonal Pattern

GP.1

Grundposition 1 Provisorische Daseinshaltung

GP.2

Grundposition 2 Fatalistische Lebenseinstellung

GP.3

Grundposition 3 Kollektivistisches Denken

GP.4

Grundposition 4 Fanatismus

Negative GP.

Negative Grundposition

Passivität

Passivität

Aktivität

Aktivität

Sei-stark V.

Sei-stark-Vulnerabilität

Sei-perfekt V.

Sei-perfekt-Vulnerabilität

Sei-gefällig V.

Sei-gefällig-Vulnerabilität

Beeil-dich V.

Beeil-dich-Vulnerabilität

Streng-dich-an V.

Streng-dich-an-Vulnerabilität

allg. Antreiber

Allgemeine Antreiber

Comprehensibility-Arb. (A) Comprehensibility-Arbeit (A)

Comprehensibility-Priv. (A) Comprehensibility-Privat (A)

Comprehensibility (A) Comprehensibility (A)

Manageability-Arbeit (A) Manageability-Arbeit (A)

Manageability-Privat (A) Manageability-Privat (A)

Manageability (A)

Manageability (A)

Meaningfulness-Arbeit (A) Meaningfulness-Arbeit (A)

Meaningfulness-Privat (A) Meaningfulness-Privat (A)

Meaningfulness (A) Meaningfulness (A)

30


Ob und inwieweit die unterschiedlichen Verfahren in gemeinsamer Weise den Stresszustand

abbilden wurde durch Korrelationsberechnungen geprüft. Man kann von hinreichender Konstruktvalidität

ausgehen, wenn die Werte mindestens 25% gemeinsame Varianz (r ≥ .50)

aufweisen

Zur übersichtlicheren Darstellung der Zusammenhänge werden nur Korrelationskoeffizienten

wiedergegeben, die eine Größenordnung von 5 % gemeinsamer Varianz (r = .223), 10%

gemeinsamer Varianz (r = .316) oder darüber erreichen. Alle anderen Korrelationskoeffizienten

werden nicht dargestellt und scheinen als Leerfelder auf.

Tabelle 4.7. Übersicht über die Variablen des Belastungs- und Beschwerdentest

Variable

Belastungshäufigkeit

Belastungshäufigkeit

Belastungsempfinden

Belastungsempfinden

Schmerzen

Schmerzen

Anzahl Schmerzbereiche > 5 Anzahl Schmerzbereiche > 5

Missempfindungen

Missempfindungen

Anzahl Missempfindungen > 5 Anzahl Missempfindungen > 5

Bildschirmarbeit

Bildschirmarbeit

Bezeichnung

Belastung durch Bildschirmarbeit Belastung durch Bildschirmarbeit

Entlastungsübungen

Entlastungsübungen

Anmerkungen. Es liegen keine Angaben zu psychometrischen Gütekriterien vor.

Exemplarisch sind hier ausgewählte Zusammenhänge zwischen einzelnen Variablen des

ACB, des CSA und des MOA wiedergegeben. Die Auswahl orientiert sich an biologisch guten

Maßen für den Vagotonus, für den Sympthikotonus, für mentale (0,1 Hz-Komponente)

und emotionale Beanspruchung (Herzfrequenz) des ACB:

• HF (high frequency). Das HF-Band umfasst den Frequenzbereich von 0,15 – 0,40 Hz.

Die Leistung im HF-Band entspricht der Aktivität des Parasympathikus und spiegelt

überwiegend Herzfrequenzvariationen wider, die auf die Modulation mit der Atmung

zurückzuführen sind.

• LF (low frequency). Das LF-Band umfasst den Frequenzbereich von 0,04 – 0,15 Hz.

Die Aktivität in diesem Band wird sowohl vom Parasympathikus als auch von Sympathikus

beeinflusst. Die niederfrequenten Komponenten der Herzfrequenz-variabilität

korrespondieren mit der Blutdruckrhythmik mit einer Frequenz von 0,1 Hz.

• VQ (vegetativer Quotient). Der Quotient aus den beiden vorangegangenen Parametern

(LF/HF) spiegelt das momentane vegetative Aktivierungsniveau des Organismus

wieder. Höhere Werte weisen auf eine aktive, leistungsorientierte Lage des Körpers

hin, niedrige Werte eine auf Erholung ausgerichtete.

Bei der Korrelation zwischen ACB-Daten (vor allem Herzfrequenz, High Frequency, Low

Frequency und Vegetativer Quotient) und CSA-Daten (insbesondere Laktat und Natrium)

finden sich wenige Zusammenhänge, die die Größenordnung von 10% gemeinsamer Varianz

(r = .316) erreichen. Die Mehrzahl der Korrelationen kann als Nullkorrelationen betrachtet

werden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der der Korrelation zwischen ACB-Daten (hier vor allem High

Frequency, respiratorische Sinusarrhythmie und SDNN) und MOA-Daten (insbesondere Aktivität

und Meaningfulness-Privat (A) sowie Motivationsfaktor 1 und 4). Auch hier finden sich

ebenfalls nur wenige Zusammenhänge, die die Größenordnung von 10% gemeinsamer Varianz

(r = .316) erreichen. Daher kann auch hier die Mehrzahl der Korrelationen als Nullkorrelationen

betrachtet werden. Da sich die Korrelationstabellen je ACB-Variable über zwei Sei-

31


ten erstrecken, wird hier, zum Zweck der besseren Lesbarkeit des Berichts, auf den Anhang

verwiesen.

Auch bei der Korrelation zwischen ACB-Daten (vor allem High Frequency, Low Frequency,

Very Low Frequency und respiratorische Sinusarrhythmie) und BBF-Daten (insbesondere

Bildschirmarbeit und Belastung durch Bildschirmarbeit) finden sich erneut wenig Zusammenhänge,

die die Größenordnung von 10% gemeinsamer Varianz (r = .316) erreichen. Vereinzelt

können Korrelationen über r = .40 beobachtet werden, dass bedeutet Größenordnung

von gut 15% gemeinsamer Varianz. Dennoch muss auch hier die Mehrzahl der Korrelationen

als Nullkorrelationen betrachtet werden.

Die geringe Höhe der Korrelationen ist auf dem Hintergrund der psychophysiologischen Aktivierungsforschung

und der dort diskutierten Spezifitätsprobleme (Fahrenberg, 1982) unmittelbar

verständlich und sollte für die praktische Anwendung der Verfahren künftig explizit

berücksichtigt werden.

Aufgrund der vorliegenden Daten kann festgehalten werden, dass die Korrelationen für die

weitere Interpretation der Daten und künftige Entwicklungen wichtige Muster enthalten. Korrelationen

zu bestimmten Tagzeiten haben möglicherweise mit Stress zu tun, während Korrelationen

mit Nachtzeiten möglicherweise auf ein Zusammenspiel mit Erholung bzw. gestörter

Erholung oder Regenerationsprozesse hinweisen. Dies müsste aber zum Gegenstand

weiterer grundlagenorientierter Analysen gemacht werden.

Es zeigt sich, dass aus dem ACB nicht linear auf die Beanspruchung gemessen durch CSA

geschlossen werden kann. Jede einzelne Messmethode erfasst unterschiedliche Facetten

von Stress. Empfehlenswert ist daher ein Vorgehen, bei dem ACB, CSA und Fragebogenverfahren

zum Stresszustand (z.B. EBF) gemeinsam vorgegeben werden, um sich ein angemessenes

Bild vom Stresszustand einer Person machen zu können. Die Beurteilung und

Rückmeldung erfordert eine Integration von Daten die keine wesentlich linearen Beziehungen

zueinander haben. Dies hat den Vorteil über relativ voneinander unabhängige Informationsquellen

zu verfügen, aber auch den Nachteil, dass von den BeurteilerInnen dieser Befunde

eine relativ komplexe qualitative Integrationsleistung zu erbringen ist. Vor diesem Hintergrund

sind auch die Ergebnisse der BeurteilerInnenübereinstimmung zu sehen.

32


33

Abbildung 4.7:

Korrelation zwischen HF und Differenzwerten

einzelner Variablen des CSA.

Anmerkungen: + oder - = 5% gemeinsame

Varianz; ++ oder -- = 10% gemeinsame

Varianz


34

Abbildung 4.8:

Korrelation zwischen lnHFrr und Differenzwerten

einzelner Variablen des

CSA.

Anmerkungen: + oder - = 5% gemeinsame

Varianz; ++ oder -- = 10% gemeinsame

Varianz.


35

Abbildung 4.9:

Korrelation zwischen lnLFrr und Differenzwerten

einzelner Variablen des

CSA.

Anmerkungen: + oder - = 5% gemeinsame

Varianz; ++ oder -- = 10% gemeinsame

Varianz.


36

Abbildung 4.10:

Korrelation zwischen VQrr und Differenzwerten

einzelner Variablen des

CSA.

Anmerkungen: + oder - = 5% gemeinsame

Varianz; ++ oder -- = 10% gemeinsame

Varianz.


Abbildung 4.11: Korrelation zwischen lnHFrr und Mittelwerten einzelner Variablen des BBF.

Abbildung 4.12: Korrelation zwischen lnLFrr und Mittelwerten einzelner Variablen des BBF.

37


Abbildung 4.13: Korrelation zwischen lnVLFrr und Mittelwerten einzelner Variablen des BBF.

4.5 BeurteilerInnenübereinstimmung

Für die Analyse der BeurteilerInnenübereinstimmung fand am 30. 6. 2005 im Ferienhotel

Wörthersee eine eigens zu diesem Zweck vorgenommene Datenerhebung mit den BeurteilerInnenteams

des WGV-Projekts statt. Aus einer vorher festgelegten Stichprobe wurden je

12 ACBs und CSAs gezogen und zur Beurteilung vorgelegt. Das Vorgehen bei der Beurteilung

orientiert sich am Modell der Firma HeartBalance, ergänzt durch eine gestufte Kategorial-Skalierung

nach Heller (1985).

Instruktion zur Beurteilung des Autochronen Bildes

Sie bekommen nun mehrere autochrone Bilder vorgelegt. Bitte beurteilen Sie jedes Bild hinsichtlich

Vitalität, Regulationsfähigkeit, Belastbarkeit, Erholungsfähigkeit und Schlafqualität.

Zur genauen Einstufung steht Ihnen eine Skala zur Verfügung, die Ihnen vertraut ist. Stellen

Sie zuerst fest, in welchen Bereich der Skala das autochrone Bild hinsichtlich der entsprechenden

Kategorie einzustufen ist: in den Bereich nicht kritisch, weniger kritisch, weder

noch, kritisch oder sehr kritisch. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit innerhalb des Bereiches

feiner einzuteilen. Kreuzen Sie bitte dazu die passende Zahl an.

38


4.5.1 Methodik

Die Interrater-Übereinstimmung wurde für die Grobskalierung der Firma HeartBalance anhand

des Kappa-Koeffizienten (Cohen, 1960, zitiert nach Lienert, 1978) sowohl für Nominalskalen

als auch für Ordinalskalen berechnet.

Für die Bestimmung der Interrater-Übereinstimmung bei Nominalskalen wird von der beobachteten

Übereinstimmung die per Zufall zu erwartende Übereinstimmung abgezogen. Die

Berechnung erfolgt unter Einsatz folgender Formel:

κ

po − pe

=

1 − pe

po

pe

a + d

= beobachtete relative Häufigkeit der Übereinstimmenden Beurteilung

n

[( a + b) ∗ ( a + c) + ( c + d ) ∗ ( b + d )]

= geschätzte Wahrscheinlichkeit zufälliger Übereinstimmung

n

2

a Anzahl der übereinstimmenden positiven (1) Beurteilungen

b Anzahl der nicht-übereinstimmenden Beurteilungen mit positiver (1) Beurteilung durch Beurteiler 1

c Anzahl der nicht-übereinstimmenden Beurteilungen mit positiver (1) Beurteilung durch Beurteiler 2

d Anzahl der übereinstimmenden negativen (0) Beurteilungen

Bei Berechnung der Interrater-Übereinstimmung bei Ordinalskalen wird ein Kappa-

Koeffizient in Analogie zu dem verallgemeinerten G-Index (vgl. Lienert, 1973) definiert: Man

benutzt als Gewichte die Rangwerte in ihrer Funktion als Quasi-Messwerte.

Tabelle 4.8: Gewichtung für die Berechnung des Ordinalskalen-Kappa.

1 2 3 4 5

1 0 1 4 9 16

2 1 0 1 4 9

3 4 1 0 1 4

4 9 4 1 0 1

5 16 9 4 1 0

Die Felder der Hauptdiagonale haben die Gewichte v ii = 0, die beiderseits angrenzenden

Felder die Gewichte v i(i+1) = v i(i-1) = 1 2 = 1 usf. bis zu den Gewichten v 15 = v 51 = 4 2 = 16. Diese

Diskrepanzgewichtung ist intuitiv plausibel, da die Bedeutung der Nichtübereinstimmung

zweier Ratings quadratisch mit ihrem Rang-Abstand wächst, und zwar von 1 2 bis (k-1) 2 (Lienert,

1978). Berechnet wird das Kappa für ordinalskalierte Merkmale anhand folgender Formel:

κ

r

= 1−

po

pe

po

pe

beobachtete relative Häufigkeit der Übereinstimmenden Beurteilung

geschätzte Wahrscheinlichkeit zufälliger Übereinstimmung

39


Die Beurteilung der Güte von Cohen’s Kappa erfolgt angelehnt an die Hinweise von Fleiss

und Cohen (1973, zitiert nach Wirtz & Caspar, 2002).

Neben den Urteilsübereinstimmungen wurden CSA-Ratings mit den Analysen der 24 Stunden

EKG-Daten verglichen.

4.5.2 Aufbereitung der Daten

Um die Beurteilungen der ACBs und CSAs miteinander vergleichen zu können, musste aufgrund

der fehlenden Mittelkategorie (3 „weder noch“) bei Beurteilung der CSAs eine Vereinfachung

der ACB-Rankings vorgenommen werden. Somit wurde die Kategorie 3 „weder

noch“ bei den ACBs zurückgestuft auf die Kategorie 2 „weniger kritisch“. Dieses Vorgehen

steht im Einklang mit den im Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung“ durchgeführten Beurteilungen.

Bei der Überprüfung der Interrater-Übereinstimmung der ACBs wurden alle 5 Kategorien

herangezogen, wogegen bei der Prüfung des Zusammenhangs der ACBs und CSAs wie

oben bereits angemerkt, jeweils nur 4 Kategorien herangezogen werden konnten. In folgender

Tabellen (Tabelle 4.9) finden sich die Kategorien für die Beurteilungen:

Tabelle 4.9: Kategorien – ACB Vergleich ACB / CSA

Zusammenfassung der Kat egorien

Kategorien

Kategorien

Kategorien

Kat_neu

sehr kritisch 5

kritisch 4

sehr kritisch 5

kritisch 4

sehr kritisch 5

kritisch 4

1

weder noch 3

weder noch 2

weder noch 3

weniger kritisch 2

nicht kritisch 1

weniger kritisch 2

nicht kritisch 1

weniger kritisch 2

nicht kritisch 1

0

nicht beurteilbar 0

nicht beurteilbar 0

nicht beurteilbar 0

Für die Berechnung des Nominalskalen-Kappa werden für die Übereinstimmung zwischen

ACBs und CSAs die Kategorien 1 und 2 zu 0 bzw. 4 bis 5 zu 1 zusammengefasst. Beim

ACB-Ranking werden die Kategorien 1 bis 3 und 4 bis 5 jeweils zu 0 bzw. 1 zusammengefasst.

4.5.3 Ergebnisse

Um den Globalzusammenhang zwischen den einzelnen Beurteilungen zu erhalten, wurde

zuerst ein Kappa für Nominalskalen berechnet, wobei die Zusammenfassung der Kategorien

zu 2 Hauptkategorien, wie oben beschrieben, durchgeführt wurde.

40


CSA_neu

ACB_neu

0 1

0 4 1

1 7 0

Kappa (Cohen)

- 0,17

Abbildung 4.14: 4-Felder-Tafel ACB und CSA mit Kappa-Koeffizient

Abbildung 4.14 zeigt das Ergebnis der Übereinstimmung zwischen den ACB- Ratings und

den CSA-Rating. Es zeigt sich, dass 4 Übereinstimmungen in der Kategorie 0 auftreten, wogegen

keine Übereinstimmung der obersten Kategorie zu beobachten ist. Zudem zeigt sich

eine Diskrepanz dahingehend, dass die ACBs niedriger beurteilt werden als die CSAs. Daraus

ergibt sich eine Beurteilerübereinstimmung, die laut Cohen’s Kappa einen Wert von

Kappa = -0,17 aufweist. Dies ist gleich zu setzen mit einer fehlenden Übereinstimmung.

ACB_neu

0 1

ACB_alt

0 8 1

1 1 2

Kappa (Cohen)

0,56

Abbildung 4.15: 4-Felder-Tafel ACBs mit Kappa-Koeffizient

Abbildung 4.15 zeigt das Ergebnis der Interrater-Übereinstimmung zwischen den für die Evaluation

durchgeführten Beurteilungen der ACBs und den bereits vorher durchgeführten Beurteilungen.

Insgesamt gibt es 10 übereinstimmende Urteile wogegen jeweils einmal die aktuelle

Beurteilung höher und einmal niedriger im Vergleich zur alten Beurteilung ausfiel. Somit

ergibt sich eine akzeptable Interrater-Übereinstimmung von Cohen’s Kappa von 0,56.

Um nun genaueren Aufschluss über die Interrater-Übereinstimmung zu erhalten, wurde eine

Beurteilerübereinstimmung anhand der verwendeten 4 bzw. 5 möglichen Einstufungsklassen

mit Gewichtung vorgenommen.

41


ACB_alt

Beobachtete Häufigkeiten

ACB_neu

1 2 3 4 5

1 1 2 0 0 0 3

2 1 4 1 0 0 6

3 1 0 1 1 0 3

4 0 0 0 0 0 0

5 0 0 0 0 0 0

3 6 2 1 0 12

BU-Übereinstimmung kappa r

Gesamturteil 0,400

Abbildung 4.16: Darstellung der beobachteten Häufigkeiten der ACB-Beurteilungen mit Kappa-

Koeffizient

Abbildung 4.16 zeigt die beobachtete Übereinstimmung zwischen der Urteilswiederholung

der ACB-Werte und den bereits vorhandenen. Hierbei zeigt sich, dass 6 Bilder übereinstimmend

beurteilt wurden, wogegen 5 Bilder um eine Kategorie jeweils höher oder niedriger und

ein Bild um 2 Kategorien niedriger beurteilt wurden. Hieraus ergibt sich eine Übereinstimmung

für Cohen´s Kappa von 0,40, da nur 6 von 12 Urteilen übereinstimmen. Inhaltlich wird

jedoch deutlich, dass die Verschiebung maximal eine Kategorienstufe betrifft. Daher ist die

Übereinstimmung als gerade noch vertretbar zu bewerten.

Beobachtete Häufigkeiten

CSA_alt

CSA_neu

1 2 4 5

1 2 0 0 0 2

2 1 2 2 0 5

4 0 0 4 0 4

5 0 0 1 0 1

3 2 7 0 12

BU-Übereinstimmung

Gesamturteil

kappa r

0,676

Abbildung 4.17.24: Darstellung der beobachteten Häufigkeiten der CSA-Beurteilungen mit Kappa-

Koeffi -zient

Abbildung 4.17 zeigt die beobachteten Häufigkeiten der Übereinstimmungen zwischen den

bereits vorhandenen Beurteilungen der CSAs und der Urteilswiederholung. Es zeigt sich,

dass 8 Beurteilungen exakt übereinstimmen, wogegen 4 Beurteilungen sich jeweils eine Kategorie

unterhalb oder oberhalb der Hauptdiagonale befinden. Es resultiert eine gute Interrater-Übereinstimmung

von 0,68 laut Cohen’s Kappa.

Damit zeigt sich eine mäßige Reproduzierbarkeit der Ratings und es bestätigt sich eine relative

Unabhängigkeit der durch ACB und CSA erfassten Stressaspekte auch auf der Ebene

der UrteilerInnen.

42


5 Ergebnisevaluation

5.1 Analyse objektiver Daten

Die Analyse der objektiven Daten beruht auf den von der Firma Wild Austria zur Verfügung

gestellten Unterlagen und Angaben.

5.1.1 Fluktuation

Abbildung 5.1 gibt die Anzahl der Personen wieder, die in den Jahren 2001 bis 2004 entweder

gekündigt wurden, selbst gekündigt haben oder aus anderen Gründen (z.B. Mutterschutz)

nicht mehr im Unternehmen tätig sind. Seit dem Jahr 2002 ist die Anzahl der Kündigungen

von Unternehmensseite her ansteigend. Knapp zwei Drittel (65%) der im Jahr 2004

aus dem Unternehmen ausgeschiedenen Personen gehen auf Kündigungen seitens des

Unternehmens zurück. Die nicht kündigungsbedingte Fluktuation war von 2003 nach 2004

rückläufig.

14

13

12

10

8

8

6

5

6

4

3

3

4

3

2

2

1

0

2001 2002 2003 2004

Andere Kündigung Selbstkündigung

Abbildung 5.1: Fluktuation in den Jahren 2001 bis 2004

5.1.2 Krankenstände

Die Arbeitsunfähigkeit in Stunden pro Person im Monatsvergleich für die Jahre 2003 bis

2005 zeigt Abbildung 5.2a. Für das Jahr 2005 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung die

Daten für die Monate Jänner bis November vor. Deutlich zeigt sich, dass die Krankenstandsdauer

einem saisonalen Zyklus folgend in den Wintermonaten eher ansteigt und in den wärmeren

Monaten eher abnimmt. Eine Ausnahme bildet das Jahr 2004, in welchem die Krankenstandsstunden

in den Monaten Juli und August im Vergleich zum Vorjahr höher sind als

43


zu erwarten. Im Jahr 2005 zeigt sich eine positive Tendenz dahingehend, dass die Krankenstandsstunden

nach dem saisonal bedingten Ansteigen in den Wintermonaten von März

bis Juni deutlich zurückgehen und dabei unter den Werten von 2003 und 2004 bleiben. Danach

langsames Ansteigen bis November. Abbildung 5.2b verdeutlicht die Unterschiede im

Jahresdurchschnitt.

10

9

8

7

Stunden

6

5

4

3

2

1

0

Jan.

Feb.

Mrz.

Apr.

Mai

Jun.

Jul.

Aug.

Sep.

Okt.

Nov.

Dez

2003 2004 2005

Abbildung 5.2a. Mittelwert der Krankenstandstunden pro Person für die Jahre 2003 - 2005

7

6

6,09

6,33

5

4,81

Stunden

4

3

2

1

0

2003 2004 2005

Abbildung 5.2b. Mittelwert der Krankenstandstunden für die Jahre 2003 - 2005

44


Die Arbeitsunfähigkeit in Stunden pro Person je Quartal der Jahre 2003 bis 2005 ist in Abbildung

5.3 dargestellt. Für das Jahr 2005 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung die Daten

für die ersten drei Quartale vor. Auch hier zeigt sich eine deutliche Trendwende im Jahr

2005. Im Jahr 2005 zeigt sich vor allem für die Quartale 2 und 3 im Vergleich zu den beiden

vorangegangenen Jahren eine deutliche Abnahme der Krankenstandsstunden pro Person.

10

9

8

7

Stunden

6

5

4

3

2

1

0

1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal

2003 2004 2005

Abbildung 5.3. Mittelwert der Krankenstandsstunden pro Person für die Jahre 2003 - 2005

5.2 Arbeitsanalysen

Mittels Arbeitsanalysen kann u.a. abgeschätzt werden, inwieweit eine Tätigkeit die arbeitspsychologischen

Anforderungen an eine qualifizierende Arbeitsgestaltung erfüllt. Von konkreten

Personen und deren individuellen Merkmalsausprägungen wird dabei abgesehen.

Arbeitsanalysen werden bedingungs- und nicht personbezogen durchgeführt (Oesterreich &

Volpert, 1987).

5.2.1 REBA_AS

Die Durchführung der Arbeitsanalysen erfolgte mit dem rechnergestützten Verfahren für die

Bewertung und Gestaltung im Arbeits- und Gesundheitsschutz (REBA_AS) von Jordan, Pohlandt,

Rehnisch und Richter (1995). REBA_AS ist ein speziell auf die neuen umfassenden

Aufgaben des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zugeschnittenes Verfahren und dient dem

Auffinden und der orientierenden Bewertung von Gestaltungsdefiziten und –potentialen bei

Arbeitsprozessen und gibt Aufschluß über die Güte der Arbeitsanforderungsgestaltung (Pohlandt,

Richter, Jordan & Schulze, 1999).

Zur Datenerhebung wird ein Beobachtungsinterview mit dem Arbeitsplatzinhaber durchgeführt.

Andere Informationsquellen wie Dokumentenanalyse (z.B. Arbeitsplatzbeschreibungen,

etc.), wiederholte Beobachtungen, Gespräche mit Vorgesetzten und/oder Experten

werden dabei nach Möglichkeit miteinbezogen. Die Bewertung der Arbeitstätigkeiten erfolgt

45


auf der Basis arbeitspsychologisch begründeter Kriterien auf vier Ebenen. Die Ebenen Ausführbarkeit

und Schädigungslosigkeit prüfen die Gestaltungsgüte der Arbeitsbedingungen.

Die Arbeitsinhalte werden mit den Ebenen Beeinträchtigungsfreiheit sowie Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit

geprüft. REBA_AS schätzt die Fehlbeanspruchungsfolgen psychische

Ermüdung, Monotonie, psychische Sättigung und Stress in Abhängigkeit von Tätigkeitsmerkmalen

ein.

Die Fehlbeanspruchungsfolgen psychische Ermüdung, Monotonie und psychische Sättigung

sowie die damit verbundenen und zu vermeidenden Anforderungs- und Belastungsbedingungen

gelten als Indikatoren der Gestaltungsgüte von Arbeitstätigkeiten, und sind auch in

der ÖNORM EN ISO 10075-1 „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung

- Teil 1: Allgemeines und Begriffe (ISO 10075:1991) definiert.

Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit

Diese beiden Aspekte repräsentieren die traditionellen Bereiche des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Mit REBA_AS kann geprüft werden, ob die Arbeitsbedingungen eine zuverlässige

und gefährdungsfreie Tätigkeitsausführung gewährleisten. Die Gestaltungsgüte der

Arbeitsbedingungen wird mittels Prüflisten beurteilt. Grundlage der Bewertungen und Gestaltungshinweise

bilden gültige arbeitswissenschaftliche Normen, Standards und Richtlinien.

Beeinträchtigungsfreiheit und Persönlichkeitsförderlichkeit

Grundlage dieser beiden Aspekte ist das Konzept der psychischen Regulation von Arbeitstätigkeiten

(Hacker, 1998; Richter & Hacker, 1997). Nach diesem Konzept werden Zusammenhänge

zwischen Beanspruchungsfolgen, Arbeitsanforderungen und psychischen Leistungsvoraussetzungen

aufgezeigt. Letztere sind die Regulationsgrundlage bei der Anforderungsbewältigung.

Infolge ihrer Inanspruchnahme bei der Arbeitstätigkeit verändern sich die

psychischen Leistungsvoraussetzungen des Arbeitenden. Dies kann sowohl im Sinne einer

Weiterentwicklung des Könnens und Wollens geschehen, aber auch gegensinnig als deren

Beeinträchtigung. Ist eine Tätigkeit mangelhaft gestaltet, tritt infolge einer Über- oder Unterforderung

eine Fehlbeanspruchung der Leistungsvoraussetzungen auf.

Das Verfahren REBA_AS erfasst die Bedingungen einer Arbeitstätigkeit und bewertet diese

hinsichtlich der Ebenen Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit sowie Beeinträchtigungsfreiheit

und Persönlichkeitsförderlichkeit. Die Bewertung der Ebenen Beeinträchtigungsfreiheit

und Persönlichkeitsförderlichkeit führt zu einer Prognose, inwieweit die Arbeitstätigkeit

von ihrer Gestaltung her bei den sie Ausführenden zu den psychischen Fehlbeanspruchungsfolgen

Ermüdung, Monotonie, psychische Sättigung und Stress führt. Das dem

Verfahren zugrundeliegende Modell beschreibt die Zusammenhänge zwischen Tätigkeitsmerkmalen

und dem Auftreten von Fehlbeanspruchungsfolgen (siehe Tabelle 5.1).

5.2.2 Durchführung der Arbeitsanalysen

Für die Durchführung der Arbeitsanalysen wurde Wild Austria um die Bekanntgabe von 8

sog. Schlüsseltätigkeiten, das sind für das Unternehmen typische Tätigkeiten, gebeten. Die

Arbeitsanalyse der Schlüsseltätigkeiten sollte einem Prä-Post-Design entsprechen. Kriterien

für die Teilnahme an der Arbeitsanalyse waren die Freiwilligkeit der ArbeitsplatzinhaberInnen

sowie deren hinreichende Geübtheit (mind. 6 Monate) bei der Ausübung der Arbeit.

Alle Beschäftigten, die sich bereit erklärten, an den Arbeitsanalysen teilzunehmen, erhielten

am 7. 7. 2004 in Einzelgesprächen Informationen über den Zweck der Arbeitsanalyse. Um

die Durchführung der Arbeitsanalysen professionell vorzubereiten, wurden die Einzelgespräche

auch dazu genutzt, um erste Informationen über die Arbeitstätigkeiten zu erhalten.

Tabelle 5.2. gibt einen Überblick über die Arbeitstätigkeiten und die Zeitpunkte der

Durchführung der Arbeitsanalysen. Ein erster Messzeitpunkt vor Beginn der Maßnahmen

46


des Projekts wäre wünschenswert gewesen, war jedoch infolge der späten Einbeziehung der

externen Evaluation nicht durchführbar.

Tabelle 5.1: Zusammenhang zwischen ausgewählten objektiven Tätigkeitsmerkmalen und kurzfristigen

Fehlbeanspruchungsfolgen.

Fehlbeanspruchungsfolgen

Tätigkeitsmerkmale

Psychische Monotonie Psychische Stress

Ermüdung

Sättigung

Sequentiell-zyklische Vollständigkeit 0.18* 0.16

Wiederholungsgrad 0.34**

Widerspruchsfreiheit 0.35** 0.28** 0.24**

Rückmeldungen 0.14

Körperliche Abwechslung 0.32** 0.29**

Verantwortungsinhalte 0.17

Gruppenverantwortung 0.17*

Vorbildungsnutzung 0.43** 0.25** 0.16

Multipler Korrelationskoeffizient R 0.50 0.72 0.56 0.33

Bestimmtheitsmaß R² 0.25 0.52 0.31 0.11

Anmerkungen: Beta-Gwichte der multiplen linearen Regression (n = 133; p < 0.05*; p < 0.01**). Aus:

REBA – Ein rechnergestütztes Verfahren für die Psychologische Arbeitsbewertung und –gestaltung,

von A. Pohlandt, P. Jordan, G. Rehnisch & P. Richter, 1996, Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie,

40, S. 70.

5.2.3 Ergebnisse

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Arbeitsanalysen von drei exemplarischen Arbeitstätigkeiten

genauer dargestellt. Einer Beschreibung der Analyseergebnisse von 2004 folgen

die mit dem Programm REBA_AS erstellten Grafiken der Bewertungsergebnisse der Arbeitstätigkeiten

für die Jahre 2004 und 2005. Daran schließen sich durchgeführte Änderungen

seit der Arbeitsanalyse 2004 sowie Auswirkungen der durchgeführten Änderungen auf die

Bewertungsergebnisse des Screeningverfahrens 2005. Die mit dem Programm REBA_AS

erstellten Grafiken der Bewertungsergebnisse der weiteren Arbeitstätigkeiten für die Jahre

2004 und 2005 befinden sich im Anhang.

Tabelle 5.2. Arbeitstätigkeiten und Zeitpunkte der Durchführung der Arbeitsanalysen

Team 2004 2005

Mechanik III Galvanik 12 07 13 07

Fertigungssteuerung 12 07 18 07

Montage 1 13 07 13 07

Mechanik II 13 07 13 07

Mechanik II 14 07 13 07

Montage 3 14 07 18 07

Marktprozess 19 07 18 07*

Lager/Versand 19 07 ---

Anmerkungen: * Das Beobachtungsinterview wurde aus betrieblichen Gründen an zwei Tagen durchgeführt

(18 07 und 20 07 2005); --- Der Arbeitsplatz Lager/Versand stand für eine erneute Arbeitsanalyse

nicht zur Verfügung.

47


5.2.3.1 Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik 3 Galvanik

Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit

Die Gestaltungsgüte der Arbeitsbedingungen ist gekennzeichnet durch teilweise eher ungünstige

Körperhaltungen oder Zwangshaltungen sowie dem teilweisen manuellen Heben

und Tragen schwerer Lasten. Eine lärmfreie Kommunikation ist nicht gewährleistet. Akustische

Signale sind teilweise nicht ausreichend wahrnehmbar. Es kommt zu Gefährdungen

oder Belastungen durch Dämpfe und durch Arbeiten unter Lärm. Die erforderliche persönliche

Schutzausrüstung (PSA) wird nicht immer getragen. Teilweise kommt es während oder

nach der Arbeit zu verstärktem Belastungserleben und gesundheitlichen Beschwerden (z.B.

Rückenschmerzen). Insgesamt sind die Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit der Tätigkeit

zum ersten Messzeitpunkt nicht gewährleistet (siehe Abbildung 5.4).

Beeinträchtigungsfreiheit und Lern-/Persönlichkeitsförderlichkeit

Die rechnergestützte Abschätzung führte zu dem Ergebnis, dass auf der Bewertungsebene

Beeinträchtigungslosigkeit keine Hinweise auf arbeitsbedingte psychische Fehlbeanspruchungen

wie Ermüdung, Sättigung, Monotonie oder Stress vorhergesagt werden. Das heißt,

die Tätigkeit ist beeinträchtigungsfrei gestaltet. Auf der Ebene Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit

bestehen aber in einigen Skalenbereichen Gestaltungsdefizite. So zeigt das

Anforderungsprofil hinsichtlich Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit Defizite bei Organisationsfunktion,

Beteiligungsgrad, Zykluswechsel, Widerspruchs-freiheit und Rückmeldungen.

Organisationstätigkeiten dienen der Abstimmung der Arbeit mit anderen und sind ebenso wie

die Einbindung in Planungs- und Entscheidungsprozesse (Beteiligungsgrad) nur in geringem

Ausmaß gegeben. Die negative Bewertung beim Merkmal Zykluswechsel ergibt sich aus der

Häufigkeit sich gleichförmig wiederholender Verrichtungen. Die Einstufung des Merkmals

Widerspruchsfreiheit ergibt gelegentliche Zielkonflikte, d.h. gelegentliches Auftreten von Widersprüchen

zwischen im Arbeitsauftrag formulierten Anforderungen (z.B. Termin, Qualität,

Menge) und den tatsächlichen organisatorischen und technologischen Bedingungen.

Rückmeldungen über die Arbeit werden selten gegeben. Der inhaltliche Tätigkeitsspielraum

ergibt sich aus Umfang und Art der im Arbeitsauftrag getroffenen inhaltlichen Vorgaben, wie

z.B. Art und Abfolge der Teiltätigkeiten, Bearbeitungswege, einzusetzende Arbeitsmittel und

Eigenschaften der zu erzielenden Ergebnisse. Das Ausmaß steigt im Allgemeinen mit der

abnehmenden Zeitbindung und der zunehmenden Zyklus- bzw. Stückzeit an. Entscheidungen

sind bei dieser Tätigkeit zumeist in Form von Wenn-Dann-Auswahlen oder mit geringen

Unterschieden hinsichtlich der Effektivität möglich. Die Erfüllung der Arbeitsaufträge erfordert

Kooperation/Kommunikation in Form von Weitergabe/Empfang von Informationen, Anweisungen

und Routineauskünften sowie bei Abstimmung zu organisatorischen Sachverhalten.

Die Merkmale Entscheidungen und Kommunikationsinhalte entsprechen damit nicht dem

Mindestprofil. Eine Reihe von weiteren Tätigkeitsmerkmalen (siehe Abbildung 5.4) entspricht

dem Mindestprofil und bietet Optimierungspotential für Gestaltungsmaßnahmen.

48


Abbildung 5.4: Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik 3 Galvanik (2004)

Abbildung 5.5: Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik 3 Galvanik (2005)

49


Durchgeführte Änderungen seit der Arbeitsanalyse 2004:

• Adaptierung der Aufhängevorrichtung für Kleinteile (Vorschlag der Physiotherapeutin

bei der Arbeitsplatzbegehung) zur Minimierung körperferner manueller Handhabung

von Lasten

• Bereitstellung von individuell angepassten Gehörschutz

Auswirkungen auf die Bewertungsergebnisse des Screeningverfahrens 2005:

• Keine Veränderungen in den erfassten Bereichen

5.2.3.2 Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik II CNC

Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit

Die Gestaltungsgüte der Arbeitsbedingungen ist gekennzeichnet durch teilweise eher ungünstige

Körperhaltungen oder Zwangshaltungen. Eine lärmfreie arbeitsbedingte Kommunikation

ist nicht durchgehend gewährleistet. Akustische Signale sind teilweise nicht ausreichend

wahrnehmbar. Es kommt zu Gefährdungen oder Belastungen durch Dämpfe und

durch Arbeiten unter Lärm. Das Auftreten thermischer Gefährdungen am Arbeitsplatz kann

nur teilweise ausgeschlossen werden. Die erforderliche persönliche Schutzausrüstung (PSA)

wird nicht immer getragen. Teilweise kommt es während oder nach der Arbeit zu gesundheitlichen

Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen). Die Ausführbarkeit der Arbeit ist eingeschränkt.

Eingeschränkte Ausführbarkeit ist gegeben, wenn bei der vorhandenen arbeitsgestalterischen

Lösung die Arbeitstätigkeit nur unter der Bedingung ausgeführt werden kann,

dass Abstriche an optimalen Ausführungsweisen oder mögliche Beeinträchtigungen bzw.

Gefährdungen in Kauf genommen werden müssen. Die Schädigungslosigkeit der Arbeit ist

nicht gewährleistet, d.h. aktuell nicht erfassbare Spätschäden können nicht ausgeschlossen

werden (siehe Abbildung 5.6).

Beeinträchtigungsfreiheit und Lern-/Persönlichkeitsförderlichkeit

Die rechnergestützte Abschätzung mittels REBA_AS führte zu dem Ergebnis, dass auf der

Bewertungsebene Beeinträchtigungslosigkeit keine Hinweise auf arbeitsbedingte psychische

Fehlbeanspruchungen wie Ermüdung, Sättigung, Monotonie oder Stress vorhergesagt werden.

Das heißt, die Tätigkeit ist beeinträchtigungsfrei gestaltet. Auf der Ebene Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit

bestehen in einigen Skalenbereichen Gestaltungsdefizite. So zeigt

das Anforderungsprofil hinsichtlich Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit Defizite bei den

Tätigkeitsmerkmalen Beteiligungsgrad, Zykluswechsel und inhaltlicher Spielraum. Die Einbindung

in Planungs- und Entscheidungsprozesse (Beteiligungsgrad) ist nur in geringem

Ausmaß gegeben. Das Unterschreiten des Mindestprofils beim Merkmal Zykluswechsel ergibt

sich aus der Häufigkeit sich gleichförmig wiederholender Verrichtungen.

Der inhaltliche Tätigkeitsspielraum ergibt sich aus Umfang und Art der im Arbeitsauftrag getroffenen

inhaltlichen Vorgaben, wie z.B. Art und Abfolge der Teiltätigkeiten, Bearbeitungswege,

einzusetzende Arbeitsmittel und Eigenschaften der zu erzielenden Ergebnisse. Das

Ausmaß steigt im Allgemeinen mit der abnehmenden Zeitbindung und der zunehmenden

Zyklus- bzw. Stückzeit an. Eine Reihe von weiteren Tätigkeitsmerkmalen (siehe Abbildung

5.6) entspricht dem Mindestprofil und bietet Optimierungspotential für Gestaltungsmaßnahmen.

Durchgeführte Änderungen seit der Arbeitsanalyse 2004:

• Anschaffung eines ergonomischen Stuhls

• Bereitstellung von individuell angepassten Gehörschutz

Auswirkungen auf die Bewertungsergebnisse des Screeningverfahrens 2005:

• Keine Veränderungen in den erfassten Bereichen

50


Abbildung 5.6: Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik II CNC (2004)

Abbildung 5.7: Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Mechanik II CNC (2005)

51


5.2.3.3 Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Montage Singulus Kathoden

Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit

Die Gestaltungsgüte der Arbeitsbedingungen ist gekennzeichnet durch teilweises Gewährleisten

lärmfreier arbeitsbedingter Kommunikation sowie sinnesphysiologischer Normen (Beleuchtung,

Blendung). Teilweise kommt es während oder nach der Arbeit zu verstärktem

Belastungserleben und gesundheitlichen Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen). Die Ausführbarkeit

und die Schädigungslosigkeit der Arbeit sind eingeschränkt. Eingeschränkte Ausführbarkeit

ist gegeben, wenn bei der vorhandenen arbeits-gestalterischen Lösung die Arbeitstätigkeit

nur unter der Bedingung ausgeführt werden kann, dass Abstriche an optimalen

Ausführungsweisen oder mögliche Beeinträchtigungen bzw. Gefährdungen in Kauf genommen

werden müssen. Bedingte Schädigungslosigkeit der Arbeit liegt vor, wenn arbeitsbedingte

gesundheitliche Beeinträchtigungen von der arbeitsgestalterischen Lösung nicht ausgeschlossen

werden können (siehe Abbildung 5.8).

Beeinträchtigungsfreiheit und Lern-/Persönlichkeitsförderlichkeit

Die rechnergestützte Abschätzung mittels REBA_AS führte zu dem Ergebnis, dass auf der

Bewertungsebene Beeinträchtigungslosigkeit keine Hinweise auf arbeitsbedingte psychische

Fehlbeanspruchungen wie Ermüdung, Sättigung, Monotonie oder Stress vorhergesagt werden.

Das heißt, die Tätigkeit ist beeinträchtigungsfrei gestaltet. Auf der Ebene Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit

bestehen an diesen Montagearbeitsplätzen in einigen Skalenbereichen

Gestaltungsdefizite. So zeigt das Anforderungsprofil hinsichtlich Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit

Defizite bei den Tätigkeitsmerkmalen Vorbildungsnutzung, Widerspruchsfreiheit,

Rückmeldungen und Entscheidungen. Das Unterschreiten des Mindestprofils beim

Merkmal Zykluswechsel ergibt sich aus der Häufigkeit sich gleichförmig wiederholender Verrichtungen.

Die Einstufung des Merkmals Widerspruchsfreiheit ergibt gelegentliche Zielkonflikte,

d.h. gelegentliches Auftreten von Widersprüchen zwischen im Arbeitsauftrag formulierten

Anforderungen (z.B. Termin, Qualität, Menge) und den tatsächlichen organisatorischen

und technologischen Bedingungen. Rückmeldungen über die Arbeit werden selten gegeben.

Entscheidungen sind bei dieser Tätigkeit zumeist in Form von Wenn-Dann-Auswahlen oder

mit geringen Unterschieden hinsichtlich der Effektivität möglich. Diese Merkmale entsprechen

damit nicht dem Mindestprofil. Eine Reihe von weiteren Tätigkeitsmerkmalen (siehe

Abbildung 5.8) entspricht dem Mindestprofil und bietet Optimierungspotential für Gestaltungsmaßnahmen.

Durchgeführte Änderungen seit der Arbeitsanalyse 2004:

• Bereitstellung von individuell angepassten Gehörschutz

Auswirkungen auf die Bewertungsergebnisse des Screeningverfahrens 2005:

• Die Ausführbarkeit ist nun nicht mehr eingeschränkt, sondern gewährleistet (Abbildung

5.9). Unspezifische Veränderungen in der Arbeitsweise sind anzunehmen. Spezifische

Maßnahmen zur Veränderung der Bewertung wurden nicht vorgenommen.

52


Abbildung 5.8. Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Montage Singulus Kathoden (2004)

Abbildung 5.9. Bewertungsergebnisse der Tätigkeit Montage Singulus Kathoden (2005)

53


5.2.3.4 Veränderungsmaßnahmen

Im Rahmen des Projekts Wild. Gesunder Vorsprung wurde eine Vielzahl von Veränderungsvorschlägen

erarbeitet und teilweise auch schon umgesetzt. Einige dieser Vorschläge betreffen

arbeitsplatzbezogene und/oder ergonomische Themen. In 21 Meetings (Thema: Stressreduktion

durch Organisation) wurden 105 Verbesserungsvorschläge bei Wild Austria erarbeitet.

Im folgenden beziehen wir uns auf jene 54 dieser 105 Verbesserungsvorschläge, die

Aufgabenbereiche betreffen, die innerhalb des Projekts erledigt werden oder wurden und für

die eine Budgetfreigabe erforderlich war.

Die 54 Verbesserungsvorschläge wurden zu 11 Kategorien zusammengefasst. Tabelle 5.3

gibt die Anzahl der Verbesserungsvorschläge je Kategorie, sowie deren Status im Hinblick

auf die Umsetzung wider. Grundlage für diese Darstellung ist die Liste Stressreduktion: Bereich

Organisation, die von der Firma Wild Austria am 30. 12. 2005 zur Verfügung gestellt

wurde. Die in dieser Liste verwendeten Kategorien erledigt (erl.), in Arbeit (i.A.), offen und

nein wurden übernommen. Wie Anmerkungen der Liste zu entnehmen ist, bedeutet erledigt,

dass das Thema behandelt, aber nicht notwendigerweise gelöst wurde.

Tabelle 5.3: Vorgeschlagene Veränderungsmaßnahmen und deren Umsetzung

vorgeschlagene Veränderungsmaßnahmen

davon Veränderungsmaßnahmen

Meetings Gesamt Anz. FK/WGV* erledigt in Arbeit offen nein

7 Klima/Heizung/Lüftung 2 5

5 Schichtarbeit 4 1

4 Beleuchtung 4

4 Termine/Zeitdruck 3 1

2 Lärm/Akustik 1 1

2 Pers. Schutzausrüstung 1 1

2 ergonomische Stühle 2

2 Gerüche 2

2 Trinkwasser 1 1

2 Stückzahl 2

22 Anderes 19 3

21 105 54 41 1 11 1

Anmerkungen: * FK = Führungskräfte; WGV = Aufgabenbereich, der innerhalb des Projektes (Budgetfreigabe

erforderlich) erledigt wird oder wurde.

Von den 54 genannten Verbesserungsmaßnahmen wurden 75,9% (N=41) erledigt, 1,9 %

(N=1) sind in Arbeit, 20,3% (N=11) sind noch offen und 1,9% (N=1) werden nicht durchgeführt.

Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen(Auszug) sind: Handauflagen,

Stehhilfen, Tischerhöhungen, Vorlagenhalter und Kopfstützen.

Darüber hinaus wurde das Casino (Speisesaal) dem anderweitig bereits vorhandenen Standard

angepasst. Eine weitere bauliche Maßnahme war der Zubau einer an das Casino angrenzenden

Terrasse. Neue klimatisierte Büros, Duschen und Umkleideräume wurden errichtet.

Investitionsvolumen: Euro 700. 000.-

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Vielzahl von Maßnahmen stattgefunden haben und

weitere eingeleitet wurden. Nicht alle dieser Massnahmen führten zu unmittelbaren Veränderungen.

54


5.3 Vergleiche der Ergebnisse mit einem Referenzbetrieb

Im Herbst 2004 (und ergänzend im Herbst 2005 bei Wild) wurde bei Wild Austria und einem

damit vergleichbaren Unternehmen (VU) der Beanspruchungszustand mit dem Erholungs-

Belastungs-Fragebogen (Kallus, 1995), erweitert um arbeitsspezifische Skalen, erhoben

(siehe 4.2.1). Im Vergleichsunternehmen wurden bis zum Erhebungszeitpunkt keine Projekte

im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung geplant oder umgesetzt. An der Befragung

nahmen 112 Personen von Wild und 244 Personen des Vergleichsunternehmens teil.

Abbildung 5.10 zeigt die Unterschiede zwischen der Firma Wild und dem Vergleichsunternehmen

in den Beanspruchungs-Erholungs-Skalen des EBF. In den Skalen Übermüdung

(F(1, 355) = 14.044, p < .01), Körperliche Beanspruchung (F(1, 355) = 10.177, p < .01), Erfolg

(F(1, 355) = 9.353, p < .01) und Körperliche Erholung (F(1, 355) = 11.542, p < .01) zeigen

sich statistisch sehr signifikante Unterschiede (Fehlerwahrscheinlichkeit p < 0.01). MitarbeiterInnen

der Firma Wild berichten über weniger Übermüdung, weniger körperliche Beanspruchung,

mehr Erfolg und mehr körperliche Erholung in Relation zu MitarbeiterInnen des

Vergleichsunternehmens (vgl. Abbildung 5.11). Die Mittelwerte, Streuung und p-Werte der

Skalen des EBF sind in Tabelle 5.4 wiedergegeben. Weitere Unterschiede zeigen sich in den

Bereichen (Fehlerwahrscheinlichkeit p < 0.05) Allgemeine Beanspruchung (F(1, 355) =

4.983, p < .05) und Erholsamer Schlaf (F(1, 355) = 4.348, p < .05). MitarbeiterInnen von Wild

geben weniger Allgemeine Beanspruchung und einen erholsameren Schlaf an als MitarbeiterInnen

des Vergleichsunternehmens.

Abbildung 5.12 zeigt die Unterschiede zwischen der Firma Wild und dem Vergleichsunternehmen

in den arbeitsspezifischen Skalen des Erholungs-Beanspruchungs-Fragebogens.

Statistisch sehr deutliche Unterschiede (Fehlerwahrscheinlichkeit p < 0.001) können für die

Bereiche Kontrollverlust (F(1, 355) = 10.553, p < .001) und Partizipation (F(1, 355) = 42.713,

p < .001) aufgezeigt werden (siehe Abbildung 5.13). MitarbeiterInnen der Firma Wild berichten

über weniger Kontrollverlust und mehr Partizipation bei der Arbeit als Personen des Vergleichsunternehmens.

Die Mittelwerte, Streuung und p-Werte der arbeitsspezifischen Skalen

des EBF sind in Tabelle 5.5 wiedergegeben.

Statistisch sehr signifikante Unterschiede (Fehlerwahrscheinlichkeit p < 0.01) zeigen sich in

den Bereichen Sinnverlust/Sättigung (F(1, 355) = 6.780, p < .01), sozialer Rückzug (F(1,

355) = 8.304, p < .01), Pausen (F(1, 355) = 7.884, p < .01) und Handlungsspielraum (F(1,

355) = 9.053, p < .01). MitarbeiterInnen der Firma Wild berichten über weniger Sinnverlust/Sättigung,

weniger sozialen Rückzug, angenehmere Pausen und mehr Handlungsspielraum

bei der Arbeit im Vergleich zu Personen des Vergleichsunternehmens.

Weitere Unterschiede (Fehlerwahrscheinlichkeit p < 0.05) zeigen sich in den Bereichen Konflikte

mit KollegInnen (F(1, 355) = 6.294, p < .05), Emotionaler Erschöpfung (F(1, 355) =

5.669, p < .05) und Erfolg und Flow (F(1, 355) = 3.886, p < .05). MitarbeiterInnen der Firma

Wild berichten über weniger Konflikte mit KollegInnen, weniger emotionaler Erschöpfung und

mehr Erfolg/Flow bei der Arbeit als Personen des Vergleichsunternehmens.

Damit lassen sich im Vergleich zu einem Unternehmen ohne Gesundheitsförderungsprojekt

relativ klare Unterschiede in einer Reihe von gesundheitsrelevanten Merkmalen des allgemeinen

und des arbeitsbezogenen Beanspruchungs-Erholungszustands zugunsten der Firma

Wild und des Projekts „Wild. Gesunder Vorsprung“ aufzeigen. Zum Ausmaß der Unterschiede

vor Projektbeginn liegen keine Daten vor.

55


Abbildung 5.10: Unterschiede in den Skalen des EBF zwischen Wild und dem Vergleichsunternehmen

(VU). * = p < 0.05; ** = p < 0.01.

56


6,0

5,0

4,0

3,0

2,0

1,0

0,0

Übermüdung **

Körperliche Beanspruchung

**

Erfolg ** Körperliche Erholung **

VU (N=244)

WILD als Gesamtunternehmen (N=112)

Abbildung 5. 11: Unterschiede in den Skalen des EBF zwischen Wild und dem Vergleichsunternehmen

(VU). * = p < 0.05; ** = p < 0.01.

Tabelle 5.4: Mittelwerte, Streuung und p-Werte der Skalen des EBF für Wild und das Vergleichsunternehmen

(VU).

Bereich Firma M SD Min Max F p df

Allgemeine Beanspruchung

WILD

VU

1,46

1,79

1,14

1,33

0.00

0.00

5.00

6.00

4.983 .026 355

Emotionale Beanspruchung

WILD 2,01 0,94 0.00 4.00

VU 2,15 1,17 0.00 5.50

1.283 .258 355

Soziale Spannungen

WILD

VU

2,02

2,24

1,16

1,15

0.00

0.00

6.00

5.00

2.774 .097 355

Ungelöste Konflikte

WILD 2,20 1,18 0.00 5.50

VU 2,22 1,25 0.00 5.50

0.031 .859 355

Übermüdung-Zeitdruck

WILD

VU

1,80

2,31

1,12

1,24

0.00

0.00

5.50

6.00

14.044 .000 355

Energielosigkeit

WILD 1,30 0,73 0.00 3.50

VU 1,50 1,01 0.00 4.50

3.459 .064 355

Körperliche Beschwerden

WILD

VU

1,24

1,68

0,98

1,32

0.00

0.00

4.00

6.00

10.177 .002 355

Erfolg-Leistungsfähigkeit

WILD 2,79 1,10 0.00 5.00

VU 2,40 1,13 0.00 6.00

9.353 .002 355

Erholung im sozialen Bereich

WILD

VU

3,25

3,10

1,00

1,28

1.00

0.00

6.00

6.00

1.269 .261 355

Körperliche Erholung

VU 2,74 1,25 0.00 6.00

WILD 3,20 1,05 1.00 5.50

11.542 .001 355

Allgemeine Erholung

WILD

VU

3,45

3,22

1,03

1,25

1.00

0.50

5.50

6.00

2.994 .084 355

Erholsamer Schlaf

WILD 4,02 1,27 0.50 6.00

VU 3,69 1,43 0.00 6.00

4.348 .038 355

57


0,00 0,50 1,00 1,50 2,00 2,50 3,00 3,50 4,00 4,50

Konflikte - KollegInnen

*

Emotionale

Erschöpfung

Reduzierte

Leistungsfähigkeit

Sozialer Rückzug **

Arbeit - Freizeit

Gestörte Pausen

Erfolg / Flow *

Erholung - Freizeit

Handlungsspielraum **

Partizipation ***

Pausen **

Soziale Unterstützung

- Familie

Freunde treffen

Sinnverlust / Sättigung

**

Kontrollverlust ***

Freizeitverpflichtungen

Belastung - Freizeit

Wild als Gesamtunternehmen (N=112)

VU (N=244)

Abbildung 5.12: Unterschiede in den arbeitsspezifischen Skalen des EBF zwischen Wild und dem

Vergleichsunternehmen (VU)

58


6,0

5,0

4,0

3,0

2,0

1,0

0,0

Kontrollverlust ** Pausen ** Handlungsspielraum ** Partizipation **

VU (N=244)

WILD als Gesamtunternehmen (N=112)

Abbildung 5.13: Unterschiede zwischen Wild und Vergleichsunternehmen in ausgewählten arbeitsspezifischen

Bereichen

Tabelle 5.5: Mittelwerte, Streuung und p-Werte der arbeitsspezifischen Skalen des EBF für Wild und

das Vergleichsunternehmen (VU)

Konflikte KollegInnen

Bereich Firma M SD Min Max F p df

Emotionale Erschöpfung

Reduzierte Leistungsfähigkeit

Sozialer Rückzug

Arbeit-Freizeit

Gestörte Pausen

Erfolg / Flow

Erholung / Freizeit

Handlungsspielraum

Partizipation

Pausen

Soz. Unterstützung Familie

Freunde treffen

Sinnverlust / Sättigung

Kontrollverlust

Freizeitverpflichtungen

Belastung Freizeit

WILD 1,16 0,84 0.00 4.25

VU 1,46 1,15 0.00 5.75

WILD 1,64 1,06 0.00 4.33

VU 1,95 1,17 0.00 5.33

WILD 1,02 0,74 0.00 3.67

VU 1,12 0,81 0.00 4.33

WILD 1,05 0,77 0.00 3.67

VU 1,36 0,98 0.00 5.00

WILD 1,87 1,22 0.00 5.00

VU 1,91 1,26 0.00 5.67

WILD 1,86 1,26 0.00 5.33

VU 1,77 1,11 0.00 5.00

WILD 3,58 0,94 0.00 5.67

VU 3,34 1,09 0.00 6.00

WILD 2,98 1,25 0.67 5.67

VU 3,05 1,26 0.33 6.00

WILD 3,85 1,46 0.00 6.00

VU 3,33 1,52 0.00 6.00

WILD 2,95 1,22 0.50 6.00

VU 2,09 1,12 0.00 5.25

WILD 2,85 1,31 0.00 6.00

VU 2,40 1,46 0.00 6.00

WILD 3,54 1,46 0.00 6.00

VU 3,21 1,56 0.00 6.00

WILD 2,85 1,19 0.00 5.67

VU 2,64 1,29 0.00 6.00

WILD 0,98 0,95 0.00 5.00

VU 1,28 1,03 0.00 5.00

WILD 1,45 1,08 0.00 4.67

VU 1,88 1,18 0.00 5.33

WILD 2,90 1,14 0.00 5.75

VU 2,66 1,15 0.00 5.75

WILD 2,07 1,23 0.00 5.00

VU 1,97 1,31 0.00 6.00

59

6.294 .013 355

5.669 .018 355

1.338 .248 355

8.304 .004 355

0.076 .783 355

0.471 .493 355

3.886 .049 355

0.183 .669 355

9.053 .003 355

42.713 .000 355

7.884 .005 355

3.417 .065 355

2.229 .136 355

6.780 .010 355

10.553 .001 355

3.331 .069 355

0.450 .503 355

Anmerkungen. MZP = Messzeitpunkt; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung (Streuung); Min =

kleinster Wert; Max = größter Wert; p = Fehlerwahrscheinlichkeit.


6 Abschließende Bewertung

Das Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung“ darf aufgrund der Herangehensweise, der Ziel- und

Maßnahmenplanung sowie durch die eng am Stand der Forschung vorgenommene Gesundheitsförderung

als ambitioniert bezeichnet werden.

Im Hinblick auf die Strukturevaluation darf zusammenfassend von einem Projekt mit Vorbildcharakter

gesprochen werden. Leichte Einschränkungen diesbezüglich liegen bei Terminpunkten

vor. Dies muss aber auch vor dem Hintergrund der langen Laufzeit des Projekts

(2003 – 2005) betrachtet werden. Selbst die schon als vorbildlich zu bezeichnende Dokumentation

lässt noch Optimierungen zu.

In ebenso vorbildlicher Weise wird an das Thema Nachhaltigkeit herangegangen. Schon im

Vorfeld wurde durch entsprechende Maßnahmen und Beschlüsse (z.B. bestehender Gesellschafterbeschluss

zu kontinuierlichen WGV Maßnahmen; Wild-Charta) der Grundstein für

nachhaltige Änderungen im Unternehmen gelegt, die sich auch mittlerweile durch eine Reihe

bereits umgesetzter baulicher Maßnahmen und der, bereits ebenso erfolgten, Umgestaltung

von Arbeitsplätzen, aufzeigen lassen.

Ein Teil der Messmethoden (z.B. HeartMan) ist von den MitarbeiterInnen gut angenommen

worden. Die eng an der laufenden Wissenschaft orientierten, und im Rahmen der Prozessevaluation

analysierten Rückmeldungen, erfordern eine Integration von Daten, die keine wesentlich

linearen Beziehungen zueinander haben. Daher ist auch eine entsprechende Integrationsleistung

seitens der BeurteilerInnen zu erbringen. Zugleich sind damit aber auch die

Rahmenbedingungen für die, zwischen nicht gegeben und gut variierende, BeurteilerInnenübereinstimmung

skizziert.

Die Ergebnisevaluation gestaltete sich insoferne als schwierig, als keine Daten aus einer

Baselinemessung vor Projektbeginn vorliegen. Zum Ausmaß der Unterschiede im Prä-Post-

Vergleich liegen aus den genannten Gründen keine Daten vor. Aufgezeigte Effekte werden

daher auch etwas unterschätzt.

Die Evaluation eines derartigen Projekts ist grundsätzlich abhängig von der Bereitschaft des

Unternehmens, seiner MitarbeiterInnen, sowie der Projektpartner, an der Evaluation aktiv

mitzuwirken. Dies war in sehr hohem Maße der Fall. Die MitarbeiterInnen standen für entsprechende

Gespräche zur Verfügung und die Unterlagen wurden bereitgestellt oder nachgereicht.

Das Evaluationsklima war durch Offenheit und hohes Interesse gekennzeichnet. Dafür möchten

wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken. Dies darf als zusätzlicher Indikator für

die professionelle Abwicklung des Projekts gesehen werden.

Die externe Evaluation bestätigt die insgesamt sehr gute bis gute Arbeit, die im Rahmen des

Projekts geleistet wurde. Dadurch zeigt sich indirekt auch die Bedeutung und Notwendigkeit

einer konsequent theoriegeleiteten und zielgerichteten Planung und Umsetzung von Projekten

in der betrieblichen Gesundheitsförderung, wie dies im Projekt „Wild. Gesunder Vorsprung“

der Fall war.

Überzeugend ist, neben den ansonsten auf den individuellen Zustand bezogenen, vor allem

die Vielzahl innerbetrieblicher Maßnahmen, die zu nachhaltigen Effekten des Projekts wesentlich

beigetragen haben und weiter beitragen werden.

60


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