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Taxi Times Berlin - Februar 2018

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FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> 3,50 €<br />

www.taxi-times.taxi<br />

BERLIN<br />

TARIFERHÖHUNG UND DIE URSACHEN<br />

VOM WEG ABGEKOMMEN<br />

TAXIVERKEHR AM BER<br />

Wien und München zeigen,<br />

wie eine Einigung geht<br />

TAXI-KONKURRENZ<br />

Neue Ride-Sharer bringen mehr<br />

Verkehr auf die Straße<br />

STARTUP VS. ZENTRALE<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> zeigt himmelweite<br />

Unterschiede


DER NEUE OPEL INSIGNIA ST<br />

OPEL TAXI MODELLE<br />

DIE NORDRING TAXI-FLOTTE<br />

VIELE MODELLE SOFORT VERFÜGBAR!<br />

UNSERE NORDRING TAXI-LEISTUNGSZENTRUM ANGEBOTE<br />

Der neue OPEL Insignia ST <strong>Taxi</strong> 2.0 Automatik,<br />

125 kW (170 PS) Start/Stop (8-Stufen-Automatikgetriebe)<br />

mit Sonderausstattung, u. a.:<br />

Der OPEL Zafira <strong>Taxi</strong> Exklusiv 2.0 Automatik,<br />

96 kW (130 PS) Start/Stop (6-Stufen-Automatikgetriebe)<br />

mit Sonderausstattung, u. a.:<br />

Der OPEL Vivaro Combi <strong>Taxi</strong> 9 Sitzer Bus<br />

1.6 Bi Turbo Diesel, 92 kW (125 PS) L1H1 mit<br />

Sonderausstattung, u. a.:<br />

Der OPEL Combo Selection mit LKW-<br />

Zulassung 1.6 Diesel, 88 kW (120 PS), L2H2<br />

mit verstärkter Federung mit Sonderausstattung,<br />

u. a.:<br />

Premium-Ausstattung Leder Siena, perforiert,<br />

Schwarz, Leichtmetallräder, Frontkamera<br />

mit adaptiven Geschwindigkeitsregler und<br />

automatischer Gefahrenbremsung, Wireless<br />

Charging, Verkehrsschild-Assistent, Ergonomiesitz<br />

mit Gütesiegel AGR, 8-fach einstellbar,<br />

Sitzheizung, Beheizbares Lederlenkrad mit<br />

Lenkradfernbedienung, Allwetterreifen<br />

Zwei-Zonen Klimaautomatik, Sensorgesteuerte<br />

Heckklappe, Rückfahrkamera, Parkpilot,<br />

Einparkhilfe vorn und hinten, Opel OnStar,<br />

Navi 900 IntelliLink,<br />

Leder, Dachreling, Außenspiegel elektrisch<br />

einstell- und beheizbar, Bordcomputer, Geschwindigkeitsregler,<br />

Ergonomiesitz mit Gütesiegel<br />

AGR, 6-fach einstellbar, Sitzheizung für<br />

Fahrer und Beifahrer, Lederlenkrad mit Fernbedienung,<br />

Klimaanlage, Parkpilot, Einparkhilfe<br />

vorn und hinten, Opel OnStar, Radio R 4.0<br />

IntelliLink, Smartphone-Integration via Apple<br />

CarPlay und Android Auto, Nebelscheinwerfer,<br />

Fernlicht-Assistent, Automatisches Fahrlicht<br />

mit Tunnelerkennung, Regensensor<br />

Allwetterreifen, Heckklappe, Außenspiegel<br />

elektrisch einstell- und beheizbar, Geschwindigkeitsregler,<br />

Fahrersitz 3-fach einstellbar<br />

mit Armlehne und Lendenwirbelstütze,<br />

Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer, Lenkradfernbedienung,<br />

Klimaanlage vorn und<br />

hinten, Heizung Fahrgastraum hinten, Rückfahrkamera<br />

und Parkpilot, Navi 50 IntelliLink,<br />

Bluetooth®,, Kartenmaterial für Westeuropa.<br />

Aux-In-Anschluss, USB-Schnittstelle, Nebelscheinwerfer,<br />

Automatisches Fahrlicht mit<br />

Tunnelerkennung, Regensensor<br />

5-Sitzer + Rollstuhl, Heckflügeltüren mit Heckscheibenwischer<br />

und Heizung, Schiebetür auf<br />

Fahrer- und Beifahrerseite, verglast, mit elektr.<br />

Fensterheber, Außenspiegel elektrisch einstell-<br />

und beheizbar, Geschwindigkeitsregler,<br />

Komfort-Fahrersitz höhenverstellbar mit Armlehne<br />

und Lendenwirbelstütze, Rücksitzlehne<br />

und Bank, vorklappbar im Verhältnis 60:40 (2.<br />

Reihe), Sitzheizung für Fahrer, Lenkradfernbedienung,<br />

Klimaanlage, Parkpilot, Einparkhilfe<br />

hinten, Zentralverriegelung, CD 50 Multimedia,<br />

Bluetooth®-Schnittstelle, Aux-In USB<br />

<strong>Taxi</strong>-Basisausstattung<br />

Taxameter-Vorrüstung, <strong>Taxi</strong>-Dachschild und<br />

Dachschildhalter ASK1 Splithoff<br />

<strong>Taxi</strong>-Basisausstattung<br />

Halter für Dachzeichen Mannesmann-Kienzle,<br />

Taxameter-Vorrüstung für Hale MCT 04/05/06,<br />

<strong>Taxi</strong>-Dachzeichen Mannesmann Kienzle<br />

<strong>Taxi</strong>-Basisausstattung<br />

Halter für Dachzeichen Kienzle, <strong>Taxi</strong>-Dachzeichen<br />

Kienzle mit stillem Alarm<br />

Inkl. Rollstuhlumbau mit schwenkbarer Rampe<br />

Nordring Hauspreis<br />

24.890,- € *<br />

(inkl. Werksfracht)<br />

Nordring Hauspreis<br />

18.890,- € *<br />

(inkl. Werksfracht)<br />

Nordring Hauspreis<br />

20.890,- € *<br />

(inkl. Werksfracht)<br />

Nordring Hauspreis<br />

18.950,- € *<br />

(inkl. Werksfracht)<br />

Verbrauchsdaten: Abgasnorm Euro 6, Verbrauch, außerstädtisch<br />

(l/100 km) 4,8, Verbrauch, durchschnittlich<br />

(l/100 km) 6,1, Verbrauch innerstädtisch (l/100) 8,2<br />

Verbrauchsdaten: Abgasnorm Euro 6, Verbrauch, außerstädtisch<br />

(l/100 km) 4,8, Verbrauch, durchschnittlich<br />

(l/100 km) 6,1, Verbrauch innerstädtisch (l/100) 8,2<br />

Verbrauchsdaten: Abgasnorm Euro 6, Verbrauch, außerstädtisch<br />

(l/100 km) 5,4, Verbrauch, durchschnittlich<br />

(l/100 km) 5,9, Verbrauch innerstädtisch (l/100) 6,9<br />

Wir freuen uns auf ihren Besuch im NORDRING TAXI-LEISTUNGSZENTRUM!<br />

Verbrauchsdaten: Abgasnorm Euro 6, Verbrauch, außerstädtisch<br />

(l/100 km) 5,1, Verbrauch, durchschnittlich<br />

(l/100 km) 5,7, Verbrauch innerstädtisch (l/100) 6,7<br />

FILIALE MARZAHN, Nordring 6,<br />

12681 <strong>Berlin</strong>, Telefon: 030 - 93 893 111<br />

info@amnordring.de<br />

FILIALE STRAUSBERG, Lehmkuhlenring 13,<br />

15344 Strausberg, Telefon: 03341 - 33 59 0<br />

info@amnordring.de<br />

*Gewerbekundenangebot zzgl. MwSt.


RAUS AUS DEM TEUFELSKREIS<br />

<strong>Berlin</strong>s <strong>Taxi</strong>verbände denken aktuell über eine weitere Tariferhöhung<br />

nach. Ein neues Gesetz, das Gebühren für Kreditkarten eigentlich verbietet<br />

(S. 5), getrieben von immer zahlreicheren externen Wettbewerbern,<br />

und weitere Kostensteigerungen (Mindestlohn) lassen das als logischen<br />

nächsten Schritt erscheinen.<br />

Doch dieser Automatismus ist ein Teufelskreis: Sinkende Umsätze und<br />

steigende Kosten führen zu immer weiteren Tariferhöhungen – immer<br />

sind sie wirtschaftlich nötig, aber gesellschaftspolitisch sind sie kaum<br />

noch tragbar. Es wird deshalb höchste Zeit für eine intensive Ursachenforschung.<br />

Für unsere Redaktion war das der Ansatz unseres Titelcovers<br />

und unserer Hintergrundgeschichte ab Seite 6.<br />

Dass dabei die Behörden nicht gut wegkommen und die Politiker erst<br />

recht nicht, scheint ein weiterer Automatismus zu sein. Wenn es nicht<br />

läuft, sind immer die anderen schuld, am liebsten die Politik. Am Beispiel<br />

unserer Korrespondenz mit den Senatsverwaltungen zum Thema<br />

Fiskaltaxameter ab Seite 9 wird allerdings deutlich, warum der Frust auf<br />

Politik und Behörden so groß ist.<br />

Unser Vorwurf: Es passiert zu wenig und es geschieht zu halbherzig.<br />

Noch immer sind die schwarzen Schafe unter den <strong>Taxi</strong>betrieben am Markt.<br />

Die Anzahl der Konzessionen ist mit Einführung des Fiskaltaxameters<br />

nicht um die erforderlichen 2.000 Fahrzeuge gesunken. Im Gegenteil: Die<br />

Tendenz zeigt bereits wieder nach oben (Seite 10).<br />

Parallel dazu schießen – von den Behörden blauäugig genehmigt –<br />

neue Beförderungskonzepte wie Pilze aus dem Boden. Jeder, der bisher<br />

mit Mobilität beschäftigt war, will nun auch vom Kuchen der Personenbeförderung<br />

ein möglichst großes Stück abhaben. Auf Seite 16 und 17<br />

berichten wir über die Aktivitäten von Mercedes und vom ADAC. Letzterer<br />

ist bei Allygator eingestiegen, die dadurch ihre Sammeltaxis nun sogar<br />

kostenlos anbieten.<br />

Spätestens damit wird klar, dass es bei diesen Projekten gar nicht um<br />

Wirtschaftlichkeit geht, sondern ausschließlich um die Datensammlung,<br />

während die <strong>Taxi</strong>branche jede Fahrt unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit<br />

durchführen muss.<br />

Das schafft jenen ungleichen Wettbewerb, auf den die <strong>Taxi</strong>branche<br />

re flex artig mit weiteren Tariferhöhungen reagiert. <strong>Taxi</strong> wird dann zum<br />

absoluten Luxusgut – und für Alte, Kranke, mittelständische <strong>Berlin</strong>er<br />

Bürger nicht mehr bezahlbar. Wer Mobilität auch künftig für alle Gesellschaftsschichten<br />

ermöglichen will, muss dafür das <strong>Taxi</strong>gewerbe unterstützen<br />

und stärken.<br />

INHALT<br />

PERSONEN<br />

4 4 Simis News Kollegen<br />

TARIF UND FINANZEN<br />

5 Zuschlag auf dem Prüfstand<br />

6 Tarifdilemma – Spätfolge des Spar-Wahns<br />

9 Fiskaltaxameter – Senat hält sich bedeckt<br />

TAXI-GREMIUM<br />

11 BER: Weiter kein Kompromiss in Sicht<br />

FLUGHAFEN<br />

12 BER-Ideen aus München und Wien, Teil 2<br />

WETTBEWERB<br />

16 BVG: Ridesharing on demand<br />

17 ADAC macht dem <strong>Taxi</strong> Konkurrenz<br />

ZENTRALE<br />

18 <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>: Die Funkzentrale kann das<br />

RECHT<br />

20 Tür auf: besser nicht mit Links<br />

SERVICE<br />

21 Lukrativ für Taxen: die ITB-Termine<br />

ANTRIEB<br />

22 Neues von Mercedes<br />

22 Neues Hybrid-<strong>Taxi</strong> von VW<br />

TIPPS, KOLUMNE, UMFRAGE<br />

24 Simis Umfrage<br />

25 Gastronomie-Tipp<br />

26 Sashs Kolumne<br />

– die Redaktion –<br />

TITELFOTO: Adobe Stock, MONTAGE: Stanislav Statsenko / Axel Rühle, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Notariat<br />

Verkehrsrecht<br />

Strafrecht<br />

Zivilrecht<br />

SHK-Rechtsanwälte<br />

Martina Schweickhardt<br />

Rechtsanwältin & Notarin<br />

Daniel Herbst<br />

Rechtsanwalt<br />

Nachodstraße 19<br />

10779 <strong>Berlin</strong><br />

(im Erdgeschoss)<br />

Telefon: 030 / 210 023 40<br />

André Klemm<br />

Rechtsanwalt<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

3


NEWS<br />

NEWSTICKER<br />

SPEKULATIONEN ÜBER LYFTS<br />

MARKTEINTRITT IN BERLIN<br />

Laut Medienberichten soll das US-Unternehmen<br />

Lyft vor dem Markteintritt in <strong>Berlin</strong><br />

stehen. Verschiedene Portale, unter anderem<br />

das Magazin „Gründerszene“, berufen sich<br />

dabei auf eine Antwort des <strong>Berlin</strong>er Senats<br />

auf eine kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten<br />

Frank Scholtysek. „Gründerszene“ zitiert<br />

aus der Antwort der Verwaltung: „Dem Senat<br />

sind darüber hinaus folgende Unternehmen<br />

bekannt, die das Thema „Ride-Sharing“ am<br />

Standort <strong>Berlin</strong> verfolgen: […] Lyft: (steht vor<br />

Markteintritt).“<br />

Allerdings sind Anfrage und Antwort auf<br />

August bzw. September 2017 datiert. Im<br />

Zusammenhang mit einer Meldung, wonach<br />

der Anbieter Lyft, der in Amerika ähnlich wie<br />

Uber Fahrten an Laientaxis vermittelt, ein<br />

Büro in München eröffnen will, hatte man<br />

das Thema nochmals aufgegriffen. prh<br />

MERCEDES-WELT<br />

WIRD ERWEITERT<br />

Die „Mercedes-Welt am Salzufer“ wird umgebaut und erweitert.<br />

Geplant sind ein neues Erscheinungsbild und neue<br />

Arbeitsabläufe. Für den Werkstattkunden wird es bequemer<br />

und digitaler. Auf einen Teil des Hofs kommt ein neues Gebäude mit<br />

Werkstattplätzen, Parketagen und der neuen Reparaturannahme. Die<br />

Baugrube ist schon ausgehoben. Wenn alles fertig ist, im Jahr 2020,<br />

wird das Auto des Werkstattkunden schon bei der Einfahrt gescannt<br />

und erkannt, automatisch zu einem Annahmeparkplatz geleitet und<br />

direkt von einem Mitarbeiter entgegengenommen, der schon alle<br />

notwendigen Daten auf dem Bildschirm hat. Diagnose und Auftragserteilung<br />

erfolgen dann voll digital und papierlos. Auf Wunsch kann<br />

der Werkstattkunde eine Etage höher gleich in ein bereitstehendes<br />

Mobilitätsfahrzeug steigen.<br />

Das markante Gebäude mit der spitzen Ecke wird umgestaltet und<br />

an das neue Markenerscheinungsbild angepasst. Die spektakuläre<br />

Architektur bleibt, wie sie ist. Schließlich ist das Haus keine zwanzig<br />

Jahre alt. Einige Funktionen wechseln ihre Plätze. Im Wesentlichen<br />

bleibt es Show-Room und Veranstaltungsort der Marke Mercedes-Benz<br />

für die <strong>Berlin</strong>er und ihre Besucher.<br />

wh<br />

ADDISON LEE<br />

STARTET AUCH IN BERLIN<br />

Das britische Mietwagen- und Transportunternehmen<br />

hat seine globale Expansion<br />

angekündigt. Nach New York City sollen <strong>Berlin</strong>,<br />

Paris, Peking und Johannesburg folgen.<br />

In insgesamt 100 Städten will das Britische<br />

Unternehmen seine Fahrdienste per App und<br />

Internetbestellung anbieten. Es beschäftigt<br />

in Großbritannien 20.000 Angestellte, die<br />

4.000 Mietwagen und Kurierfahrzeuge steuern.<br />

Insgesamt sollen 75 Millionen Euro in<br />

Fahrzeuge und Infrastruktur investiert<br />

werden.<br />

Addison Lee bietet verschiedene Fahrzeugkategorien<br />

an, von „Standard“ (Ford Galaxy)<br />

über luxuriöse Mercedes S-Klasse bis hin<br />

zum Kleinbus, und macht damit nicht nur<br />

<strong>Taxi</strong>s, sondern auch Uber sowie Blacklane<br />

ernsthafte Konkurrenz. Das Unternehmen<br />

kooperiert mit Ford bei der Entwicklung<br />

des autonomen Fahrens und behält sich ausdrücklich<br />

den Einsatz elektrisch angetriebener<br />

Fahrzeuge vor, sobald die Infrastruktur<br />

da sei, hieß es in der „Buying Business<br />

Travel“.<br />

prh<br />

FÖRDERUNG FÜR<br />

INKLUSIONSTAXIS<br />

JETZT AMTLICH<br />

Der <strong>Berlin</strong>er Senat hat im Doppelhaushalt <strong>2018</strong>/19 1,5 Millionen<br />

Euro für die Förderung von Inklusionstaxis bereitgestellt.<br />

Mit den Mitteln soll die Anschaffung geeigneter <strong>Taxi</strong>s<br />

und der entsprechende Umbau von <strong>Taxi</strong>s gefördert werden. Wie das im<br />

Detail umgesetzt werden soll, wird im ersten Halbjahr <strong>2018</strong> geplant,<br />

im zweiten sollen die Fördermittel fließen.<br />

Laut <strong>Berlin</strong>er Behindertenverband ist das ein „längst überfälliger<br />

Schritt“, der nach den Worten des Vorsitzenden Dominik Peter nur<br />

erfolgreich sein kann, wenn es für den <strong>Taxi</strong>betreiber auch rentabel<br />

ist. Wenn sich das <strong>Taxi</strong>gewerbe im gleichen Maße wie bisher im<br />

Projekt einbringen wird, sollte eine für alle Beteiligten zufriedenstellende<br />

Lösung gefunden werden. Das Vorhaben kann nur gelingen,<br />

wenn Senat, Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo),<br />

Behindertenverbände, Sozialverband und <strong>Taxi</strong>gewerbe die weiteren<br />

Schritte eng miteinander abstimmen und ihre Kompetenzen in einem<br />

gemeinsam entwickelten, mit anderen Verkehrsträgern verzahnten<br />

Mobilitätskonzept bündeln. Das LAGeSo, wo heute schon Sonderfahrdienst<br />

und <strong>Taxi</strong>konto verwaltet und abgerechnet werden, wird dabei<br />

eine wichtige Rolle spielen.<br />

sb<br />

FOTOS: Mercedes-Benz, Addison Lee<br />

4 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


TARIF<br />

ZWEI VORSCHRIFTEN IM KONFLIKT<br />

Die <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarifordnung verlangt einen Kreditkartenzuschlag, ein<br />

neuer Paragraph im BGB verbietet ihn seit 13. Januar <strong>2018</strong>. Was tun?<br />

GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Wenn zwei sich streiten, freut<br />

sich der Dritte, lautet ein altes<br />

Sprichwort. Im aktuellen Fall<br />

ist der dritte der <strong>Taxi</strong>unternehmer bzw. Fahrer,<br />

und dem dürfte eher zum Weinen zumute<br />

sein. Die Diskussion um die Rechtmäßigkeit<br />

des Kreditkartenzuschlags schadet aktuell<br />

dem Ruf des <strong>Taxi</strong>gewerbes und kann mittelfristig<br />

teuer werden. Zu ersterem: Die<br />

Schlagzeilen der letzten Wochen waren nicht<br />

gerade sehr positiv: <strong>Taxi</strong>fahrer würden die<br />

Fahrgäste abzocken, titelte die Bild auf ihre<br />

übliche, polemische Art und Weise – und wie<br />

so oft an der Wahrheit vorbei. „<strong>Taxi</strong>s missachten<br />

eine EU-Verordnung“ präzisierten manche<br />

Medien mit höherem Anspruch. Letztere<br />

bemühten sich wenigstens darum, die Sachlage<br />

einigermaßen ausgewogen zu schildern.<br />

Leider auch nur mit mäßigen Erfolg, denn<br />

wie bei vielen typischen <strong>Taxi</strong>themen ist auch<br />

die Sache mit dem Kreditkartenzuschlag viel<br />

komplexer, als eine simple Anzeige auf dem<br />

Taxameter vermuten lassen mag.<br />

Es geht um eine Regelung der <strong>Taxi</strong>tarifordnung,<br />

die einen Zuschlag nicht nur erlaubt,<br />

sondern sogar vorschreibt, wenn der Fahrgast<br />

den Fahrpreis bargeldlos, also beispielsweise<br />

mit Kreditkarte, begleicht. Der große<br />

mediale Aufschrei der letzten Wochen hängt<br />

mit dem neu definierten § 270a des Bürgerlichen<br />

Gesetzbuches (BGB) zusammen. Darin<br />

heißt es unter anderem, dass eine Vereinbarung,<br />

durch die der Schuldner verpflichtet<br />

wird, ein Entgelt für die Nutzung unter<br />

anderem einer Zahlungskarte (Kreditkarte)<br />

zu entrichten, unwirksam ist.<br />

Mit diesem Verbot, Gebühren auf<br />

bestimmte Zahlungsarten zu verlangen,<br />

setzte die Bundesregierung eine Vorgabe<br />

der zweiten EU-Zahlungsdienstrichtlinie<br />

in nationales Recht um. Doch gilt das auch<br />

für tariflich festgelegte Kreditkartengebühren?<br />

Darüber herrscht Rechtsunsicherheit.<br />

Der <strong>Taxi</strong>-Bundesverband BZP verritt die<br />

Auffassung, dass jenes Verbot nur für zivilrechtliche<br />

Vereinbarungen gilt, die <strong>Berlin</strong>er<br />

Senatsverwaltung argumentiert in dieselbe<br />

Richtung.<br />

Im Klartext heißt das: <strong>Taxi</strong>unternehmen<br />

haben Betriebspfl icht, und wer keinen<br />

Zuschlag bei Kreditkartenzahlung erhebt,<br />

verstößt gegen die <strong>Taxi</strong>tarifordnung und<br />

kann sogar bestraft werden. Die <strong>Taxi</strong>verantwortlichen<br />

haben genau so gegenüber<br />

Medien und Kunden auf deren Nachfragen<br />

hin argumentiert. Gebracht hat es wenig.<br />

Die negative Berichterstattung in der Presse<br />

war nicht aufzuhalten – was weder im Sinne<br />

der <strong>Taxi</strong>branche noch der verantwortlichen<br />

Genehmigungsbehörden war. Nun reagieren<br />

alle Beteiligten: In <strong>Berlin</strong> soll der<br />

Zuschlag aus der <strong>Taxi</strong>tarifordnung gestrichen<br />

werden, und die Verbände haben einen<br />

Antrag für eine Tariferhöhung angekündigt.<br />

Wann beides umgesetzt wird, steht noch<br />

nicht fest.<br />

jh<br />

DER TAXITARIF UND DIE TAGESPRESSE<br />

Unser Gewerbe in der Zeitung – das ist<br />

erst einmal gut so. Zeigt es uns doch, wie<br />

sehr es im öffentlichen Interesse steht.<br />

Immer noch scheint vielen der Berichterstatter<br />

aber zu entgehen, dass das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe als Teil des ÖPNV öffentlich-rechtlichen<br />

Gesetzten unterliegt.<br />

Eine bemerkenswerte Ausnahme stellt der<br />

Artikel von Peter Neumann von der <strong>Berlin</strong>er<br />

Zeitung dar – sachlich klar, übersichtlich<br />

und elegant geschrieben:<br />

« Einzelhändler dürfen keinen Aufschlag<br />

mehr verlangen, wenn Kunden mit<br />

Kreditkarten bezahlen. Trotzdem kassieren<br />

<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>fahrer bei bargeldloser<br />

Zahlung weiterhin eine Gebühr – das sorgt<br />

in zunehmendem Maße für Unmut. Sehr<br />

lange wird es dieses Entgelt aber wohl<br />

nicht mehr geben. Es sei der politische<br />

Wille des Senats, die Gebühr abzuschaffen,<br />

sagte Matthias Tang, Sprecher von<br />

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos,<br />

für Grüne).<br />

Seit dem 13. Januar ist es geltendes Recht:<br />

Für gängige bargeldlose Zahlungsmittel<br />

dürfen keine Gebühren mehr berechnet<br />

werden. [...] Klar, dass sich viele <strong>Taxi</strong>fahrgäste<br />

jetzt fragen, warum in <strong>Berlin</strong><br />

immer noch 1,50 Euro aufgeschlagen wird,<br />

wenn sie bargeldlos zahlen. [...] Kassieren<br />

<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>fahrer seither unrechtmäßig<br />

Geld? – „Nein“, entgegnet Detlev Freutel<br />

vom <strong>Taxi</strong>verband <strong>Berlin</strong> Brandenburg<br />

(TVB). Die Änderung betreffe ausschließlich<br />

das Zivilrecht – deshalb ist sie auch<br />

im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Es<br />

geht dort um den Kauf von Waren und<br />

privaten Dienstleistungen. <strong>Taxi</strong>-Entgelte<br />

fallen nicht darunter. „Denn bei den<br />

<strong>Taxi</strong>tarifen geht es um öffentliches Recht,<br />

also um ein anderes Rechtsgebiet“, so der<br />

TVB-Vorsitzende. Sie werden nicht privat<br />

ausgehandelt, sondern vom Staat per<br />

Verordnung festgesetzt. „<strong>Taxi</strong>betreiber<br />

sind verpflichtet, die jeweilige Verordnung<br />

anzuwenden und die Tarife, die darin aufgelistet<br />

sind, zu kassieren.“<br />

Der <strong>Taxi</strong>verkehr ist stark reguliert, weil<br />

es sich um Daseinsvorsorge handelt.<br />

Fahrgäste müssen sich darauf verlassen<br />

können, dass einheitliche Preise kassiert<br />

werden. »<br />

(Quelle: https://www.berliner-zeitung.<br />

de/29564150 © <strong>2018</strong>).<br />

Dass bald noch mehr Fahrgäste mit Karte<br />

bezahlen, und das gebührenfrei, wünscht<br />

Ihnen Detlev Freutel.<br />

GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

5


TARIF<br />

VOM WEG ABGEKOMMEN<br />

Die jetzt angedachte Tariferhöhung ist wirtschaftlich notwendig, aber<br />

gesellschaftspolitisch kaum noch tragbar. Es wird Zeit für eine<br />

Grundsatzdebatte. Wer ist schuld an den steigenden <strong>Taxi</strong>-Preisen?<br />

Bekommen <strong>Taxi</strong>unternehmer den Hals<br />

nicht voll? Ist der Mindestlohn schuld? Oder<br />

soll das <strong>Taxi</strong> mehr und mehr zum Luxusgut<br />

werden? Und was haben die zuständigen<br />

Behörden damit zu tun, dass <strong>Taxi</strong>fahren<br />

wieder teurer werden soll? Letztere Frage<br />

soll nicht etwa klären, wer die Preise festsetzt,<br />

sondern hinterfragt die von Politik und<br />

Behörden zu verantwortenden Rahmenbedingungen,<br />

unter denen sich kaum noch ein<br />

anderer Ausweg finden lässt.<br />

Durch ein kürzlich in Kraft getretenes Verbot<br />

(siehe Seite 5) darf der Kreditkarten-Zuschlag<br />

von 1,50 Euro nicht länger erhoben<br />

werden. Deshalb muss die Fahrpreisverordnung<br />

geändert und dieser Zuschlag gestrichen<br />

werden. Die Kosten für bargeldlose<br />

Zahlungen sollen künftig die Unternehmer<br />

tragen. Da seit der letzten Fahrpreiserhöhung<br />

auch der Mindestlohn erhöht wurde<br />

und im nächsten Jahr erneut steigen soll,<br />

scheint es schlüssige Argumente für die jetzt<br />

geplante Tariferhöhung zu geben. Trotzdem<br />

wurde eine Tariferhöhung unter Unternehmern<br />

und Fahrern selten so kontrovers diskutiert<br />

wie diesmal. Die wenigsten scheinen<br />

höhere Preise zu wollen, stehen aber unter<br />

enormem Druck, den Umsatz zu steigern.<br />

Die Ursache<br />

liegt bei Politik<br />

und Behörden.<br />

Wenigstens der Mindestlohn muss bezahlt<br />

werden können, ohne dass die Unternehmer<br />

drauflegen müssen. Aber warum ist die Situation<br />

so, wie sie ist?<br />

Die Ursache der Misere liegt in einem<br />

anhaltenden Politik- und Behördenversagen.<br />

Der Spar-Wahn des Senats hat die <strong>Berlin</strong>er<br />

Behörden nahezu arbeitsunfähig gemacht.<br />

So konnte sich im <strong>Taxi</strong>gewerbe eine Mafia<br />

entwickeln, in der im großen Stil Schwarzarbeit<br />

etabliert wurde und wo von Steuerhinterziehung<br />

über Sozialbetrug bis hin zur Geldwäsche<br />

alles sorglos machbar war und ist.<br />

Die große Mehrheit der Betriebe, die<br />

steuerehrlich arbeiten, ist dadurch zunehmend<br />

unter Druck geraten. Sie können kein<br />

Fahrpersonal mehr finden, da einerseits die<br />

„Anderen“ durch das „Einsparen“ von Steuern<br />

und Sozialabgaben höhere „Schwarz“-<br />

Löhne zahlen, andererseits kaum noch ein<br />

Gutgewillter <strong>Taxi</strong>fahrer werden will, da die<br />

gesamte Branche durch die Machenschaften<br />

einer kleinen, kriminellen Clique in Verruf<br />

geraten ist.<br />

Hinzu kommt, dass sich die kriminellen<br />

Betriebe massiv vermehrt haben bzw. immer<br />

mehr <strong>Taxi</strong>s betreiben. Ihre Autos sind gut<br />

besetzt und ihre Fahrer sind pro Schicht<br />

oft zwölf Stunden und mehr unterwegs. Die<br />

FOTO: Adobe Stock, MONTAGE: Stanislav Statsenko / Axel Rühle, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

6 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


TARIF<br />

Fahrer der ordentlichen Betriebe, die sich<br />

an die Arbeitszeitgesetze halten, können<br />

angesichts dieser Konkurrenz kaum noch<br />

den für den Mindestlohn notwendigen Stundenumsatz<br />

erzielen.<br />

Nach jahrelangen, vergeblichen Versuchen<br />

der Gewerbevertreter, Politik und Behörden<br />

für die Situation zu sensibilisieren, wurden<br />

vor etwa zehn Jahren durch die Einführung<br />

des „Hamburger Modells“ erste Hoffnungen<br />

geweckt, es könne sich etwas bessern. Doch<br />

es kam nur noch schlimmer.<br />

FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

EIN ZAHNLOSER TIGER<br />

Ein im September 2008 von Landesamt<br />

für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten<br />

(LABO), der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung<br />

und der Senatsverwaltung für<br />

Finanzen gemeinsam verfasstes Schreiben<br />

an alle <strong>Taxi</strong>unternehmer wurde, ganz entgegen<br />

der eigentlichen Absicht, regelrecht zum<br />

Freibrief für Betrug. Von da an mussten nur<br />

noch die Summen der Total- und Besetzt-Kilometer,<br />

nur noch die Anzahl der Touren und<br />

die Summe der Einnahmen nachgewiesen<br />

werden, nicht mehr die Abfahrts- und Rückkehrstände<br />

des Taxameters. Das Betrügen<br />

war noch einfacher gemacht worden.<br />

Letztlich setzten die Ehrlichen ihre ganze<br />

Hoffnung in die Einführung des sogenannten<br />

Immer mehr fragwürdige <strong>Taxi</strong>- und Mietwagenbetreiber machen es den Ehrlichen schwer.<br />

Fiskaltaxameters ab 1.1.2017. Unverfälschbar<br />

erfasste Umsatz- und Fahrdaten sollten<br />

für alle Unternehmen Chancengleichheit<br />

schaffen, wodurch der Abbau von ca. 2.000<br />

Genehmigungen erwartet wurde. Doch wieder<br />

fehlt dem Gesetzgeber und den Behörden<br />

jede Konsequenz.<br />

Bis heute sind längst noch nicht alle <strong>Taxi</strong>s<br />

mit dem vorgeschriebenen Fiskaltaxameter<br />

ausgerüstet. Bis Juli 2017 wurden Genehmigungen<br />

noch ohne den Nachweis eines<br />

Fiskaltaxameters verlängert. Und bei den<br />

Einbauten wurden die unterschiedlichsten<br />

technischen Lösungen akzeptiert, was das<br />

Überprüfen der Daten, insbesondere der<br />

Sicherheit der Daten vor nicht nachvollziehbaren,<br />

nach der Datenaufzeichnung vorgenommenen<br />

Manipulationen, wieder deutlich<br />

schwieriger macht (siehe Beitrag auf Seite 9).<br />

Jeder Einbau eines Fiskaltaxameters<br />

wird direkt von der Werkstatt an das LABO<br />

gemeldet. Dort ist also jedes <strong>Taxi</strong> ohne Fiskaltaxameter<br />

eindeutig identifiziert. Warum<br />

wurden deren Genehmigungen nicht längst<br />

FOTO: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

7


TARIF<br />

Manipulation der Arbeitszeiten?<br />

eingezogen und die <strong>Taxi</strong>s stillgelegt? Vielleicht,<br />

weil die Behörde weiß, dass dann<br />

sofort eine neue Firma Konzessionen beantragt?<br />

Dass eine andere, bestehende sich<br />

erweitert? Dass auch mit Fiskaltaxameter<br />

weiter betrogen wird? Wenn nicht durch<br />

Umsatzverkürzung, dann mittels Manipulation<br />

der Arbeitszeiten?<br />

Alles ist längst aus dem Ruder gelaufen.<br />

Spätestens nach Bekanntwerden des ganzen<br />

Ausmaßes der Fehlentwicklungen im <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe, mit der Veröffentlichung<br />

des <strong>Taxi</strong>-Gutachtens im Juli 2016, hätte die<br />

Notbremse gezogen und ein Beobachtungszeitraum<br />

eingerichtet werden können. Durch<br />

das verheerende Gutachten und die Einführung<br />

des Mindestlohns wären Klagen gegen<br />

einen zeitlich begrenzten Konzessions-Stopp<br />

aussichtslos gewesen. Diese Chance wurde<br />

verpasst, denn wenn die Behörde keinen<br />

Schutz bieten kann, droht ohne Beobachtungszeitraum<br />

das Chaos.<br />

DIE LEIDIGEN 20-MONATE-GMBHS<br />

Das Erfolgsrezept der Betrüger basiert auf<br />

der unendlichen Vergabe von <strong>Taxi</strong>genehmigungen:<br />

GmbH gründen, knapp zwei Jahre<br />

lang ungehemmt wirtschaften, vor der ersten<br />

Prüfung, die normalerweise bei der Erstverlängerung<br />

der Konzessionen nach zwei<br />

Jahren ansteht, den Betrieb „versenken“ und<br />

wieder neu gründen – offiziell natürlich eine<br />

andere Firma mit anderen Gesellschaftern<br />

und neuer Geschäftsführung. „Seltsamerweise“<br />

aber nicht selten mit exakt demselben<br />

Personal und Fuhrpark. Die wirklichen<br />

Über die Verflechtungen bestimmter GmbHs<br />

berichtete <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> im April 2017.<br />

Macher bleiben unerkannt im Hintergrund.<br />

Doch fast alle im Gewerbe wissen, welche<br />

Personen dahinter stecken, und auch den<br />

Behörden müssten die Verantwortlichen<br />

bekannt sein, schließlich gibt es einen regen<br />

Gedankenaustausch mit dem <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe.<br />

Beendet werden kann das nur,<br />

wenn für einen begrenzten Zeitraum keine<br />

neuen Genehmigungen mehr erteilt werden.<br />

Die ordentlichen Betriebe, die auf die<br />

Ankündigungen ihrer Behörden und den<br />

Aufräumeffekt des Fiskaltaxameters vertraut<br />

haben, scheinen jetzt erst recht die Dummen<br />

zu sein. Sie haben sich nackt gemacht in der<br />

Annahme, alle anderen <strong>Taxi</strong>betriebe müssten<br />

das auch, seien dann genauso gläsern,<br />

wie man selbst ist. Doch wer nicht kontinuierlich<br />

am Markt bleiben will, sich hinter<br />

GmbHs versteckt, mit der einen Firma abund<br />

mit der nächsten wieder auftaucht, hat<br />

weiter den „Wettbewerbsvorteil“, den es zu<br />

beseitigen galt.<br />

Die Tricksereien mit den Arbeits- und Pausenzeiten<br />

sind bei Vorlage der vollständigen<br />

Reich werden kann im<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe nur, wer<br />

es mit dem Gesetz<br />

nicht genau nimmt.<br />

Einzelfahrten-Nachweise nicht möglich, ohne<br />

entdeckt zu werden. Warum werden dann<br />

andere, unvollständige Formate akzeptiert,<br />

die Spielraum für Manipulationen lassen?<br />

Anstatt Chancengleichheit herzustellen, geht<br />

der Betrug in den Firmen, die nur „temporär“<br />

am Markt sind, im großen Stil weiter. Deren<br />

„kreatives” Arbeitszeit- und Pausenmanagement<br />

bindet, mehr denn je, die umsatzstarken<br />

Fahrer. Und wenn doch etwas drohen<br />

sollte, wird die Bude fix geschlossen.<br />

Jetzt droht dem <strong>Taxi</strong>gewerbe der Todesstoß,<br />

da sich zur unlauteren Konkurrenz<br />

von innen auch noch Mitbewerber etabliert<br />

haben, die dem <strong>Taxi</strong>gewerbe mit komplett<br />

illegalen Mitteln zusätzlich Marktanteile<br />

streitig machen – vor den Augen der Ordnungsbehörde.<br />

Zugegeben ist die Verletzung<br />

der Rückkehrpflicht von Mietwagen,<br />

die digitale Vermittlungstechnik einsetzen,<br />

nicht einfach nachzuweisen. Wenn jedoch<br />

von aufmerksamen Kolleginnen und Kollegen<br />

bereits eine Liste bekannter Fahrzeuge<br />

zusammengetragen wurde, mit Kennzeichen,<br />

Bewegungsmustern und Erkenntnissen<br />

über die Hintermänner, so verwundert<br />

es doch, dass weder LABO noch Polizei in<br />

der Lage sein sollen, etwas zu unternehmen.<br />

Dass der Senat keine Verantwortung für<br />

Unternehmen und deren Beschäftigten übernimmt,<br />

die seit Jahrzehnten verlässlicher<br />

Es geht um 20.000 Arbeitsplätze.<br />

Bestandteil des Öffentlichen Personennahverkehrs<br />

sind und durchschnittlich 20.000<br />

Menschen Arbeit bieten, zeigt sich auch<br />

daran, dass bald alle erdenklichen neuen<br />

Mobilitätsanbieter wie Uber, Clever-Shuttle,<br />

ViaVan mit BVG, Allygator mit ADAC oder<br />

auch Lyft in <strong>Berlin</strong> eine Genehmigung<br />

erhalten. Eine staatliche Steuerung zum<br />

Schutz der regionalen Wirtschaft vor internationalen<br />

Kapitalinteressen mit all ihren<br />

bekannten Folgen ist nicht mal im Ansatz<br />

erkennbar. In der Konsequenz ist das auch<br />

verantwortungslos gegenüber den Kunden,<br />

denen man digitale und ökologische Lösungen<br />

vorgaukelt, sie aber in die Hände von<br />

Monopolisten treibt.<br />

Digitale Lösungen bietet das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

längst, <strong>Taxi</strong>-Sharing ist ebenso im Angebot<br />

wie schadstoffarme Fahrzeuge. Immer<br />

mehr um Kunden buhlende Anbieter, deren<br />

Fahrzeuge sich zusätzlich in der Stadt bewegen,<br />

sind sicher kein Schritt in Richtung<br />

Nachhaltigkeit.<br />

FÜNF VOR ZWÖLF<br />

Der sprunghafte Anstieg neuer Konkurrenz,<br />

sinkende Stundenumsätze und steigende<br />

Mindestlöhne scheinen eine Fahrpreiserhöhung<br />

unumgänglich zu machen.<br />

Doch der Teufelskreis wird dadurch nur fortgeschrieben.<br />

Würde der Staat seine Pflicht<br />

erfüllen, könnten <strong>Taxi</strong>kunden von ordentlich<br />

bezahlten und sozial abgesicherten Fahrern<br />

aus steuerehrlich wirtschaftenden Betrieben<br />

zu einem deutlich günstigeren Preis im <strong>Taxi</strong><br />

befördert werden.<br />

Es bleibt kaum Zeit, die totale Katastrophe<br />

noch abzuwenden. Der Senat muss umgehend<br />

messbare Erfolge gegen die <strong>Taxi</strong>-Mafia<br />

und illegal agierende Mietwagen vorweisen.<br />

Anderenfalls wird ein ehrlicher <strong>Taxi</strong>betrieb<br />

nach dem anderen aufgeben müssen und<br />

einen bisher für alle Bürger verlässlichen<br />

Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs<br />

vollends in kriminelle Hände geben. In Hamburg<br />

hatte seinerzeit erst die Klage eines<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmers gegen den damaligen<br />

Finanzsenator wegen „Beihilfe zur Steuerhinterziehung“<br />

eine Wende zum Guten<br />

gebracht – Hamburger Modell?<br />

sb<br />

FOTOS: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

8 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


TARIF<br />

„Wegen der<br />

aktuell laufenden<br />

Verwaltungsverfahren<br />

werden konkrete<br />

Zahlen der Meldungen<br />

an das LABO nicht<br />

veröffentlicht.“<br />

Senatsverwaltung für Finanzen<br />

VIELE WORTE, WENIG<br />

INFORMATIONEN VOM SENAT<br />

Welcher Fiskaltaxameter ist der richtige? <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> hat bei den<br />

Senatsverwaltungen für Finanzen und Verkehr nachgefragt.<br />

FOTO: Adobe Stock<br />

Welche Fiskaltaxameter-Lösungen werden von der Senatsverwaltung<br />

für Finanzen (SenFin) und vom Landesamt<br />

für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)<br />

akzeptiert? <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> wollte von der Finanzverwaltung wissen, ob<br />

es bei den doch sehr unterschiedlichen Systemen bei bisherigen Prüfungen<br />

schon systembedingte Auffälligkeiten gab, und vom LABO, der<br />

zuständigen Genehmigungsbehörde, ob aufgrund von Mitteilungen<br />

der Finanzbehörden bereits Genehmigungen nicht verlängert bzw.<br />

entzogen wurden – und falls ja, wie viele Konzessionen betroffen<br />

waren. Des Weiteren wollten wir wissen, wie viele Anträge verweigert<br />

wurden, weil die definierten Maßgaben (Daten unveränderbar<br />

gespeichert, jederzeit verfügbar, unverzüglich lesbar und maschinell<br />

auswertbar und mit Nachweis der Einzelfahrten) nicht eingehalten<br />

wurden. In diesem Zusammenhang fragten wir auch, ob alle derzeit<br />

genutzten Fiskaltaxameter-Systeme akzeptiert würden.<br />

VERKEHRSVERWALTUNG ZUSTÄNDIG<br />

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz<br />

(SenUVK), für das LABO zuständig, teilte uns am 18.12. mit, dass<br />

„die zwischenzeitlich dem LABO vorliegenden Mitteilungen der<br />

Finanzbehörden gemäß § 25 Abs. 3 PBefG (Mitteilung über die wiederholte<br />

Nichterfüllung der sich aus dem Unternehmen ergebenden<br />

steuerrechtlichen Verpflichtungen) noch nicht abschließend ausgewertet<br />

bzw. bearbeitet“ seien. „Auf Basis dieser Mitteilungen ist daher<br />

derzeit noch keine Genehmigung versagt oder widerrufen worden.<br />

Solche Maßnahmen hat das LABO auf Grund von eigenen Feststellungen<br />

in den vorgenommenen Betriebsprüfungen getroffen.“ Leider<br />

wurde uns zu den angesprochenen Maßnahmen in Folge von eigenen<br />

Prüfungen nichts Konkretes mitgeteilt. Dabei hätten wir uns über<br />

Fakten gefreut, wie sie Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen vier<br />

Tage später gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nannte.<br />

„In diesem Jahr hätten Finanzämter beim LABO für 24 Unternehmen<br />

einen Konzessionsentzug angeregt. Gegen 13 <strong>Taxi</strong>-Firmen seien<br />

Strafverfahren eingeleitet worden.“ Das sind doch Zahlen, die von<br />

Interesse sind, und die der oberste Dienstherr der Behörde offensichtlich<br />

gerne einer großen Nachrichtenagentur mitteilt, nicht aber<br />

einem Fachmagazin der Branche, die es betrifft.<br />

Weiter antwortete uns SenUVK: „Das LABO erteilt seit Januar 2017<br />

auf erstmaligen Antrag bzw. seit Juli 2017 auch bei erneuter Antragstellung<br />

keine Genehmigung mehr ohne den Nachweis der Nutzung<br />

eines sog. Fiskaltaxameters. Es musste bisher kein Antrag auf eine<br />

Taxengenehmigung aus dem Grunde abgelehnt werden, weil ein<br />

solcher Nachweis nicht erbracht worden ist.<br />

Für über 800 Konzessionen hat das LABO in diesem Jahr eine<br />

intensivierte Betriebsprüfung durchgeführt, hierbei sind in etwa<br />

zwei Dritteln der Fälle Betriebsunterlagen herangezogen worden,<br />

die ausschließlich aus Fiskaltaxameterdaten stammen. Dabei kam<br />

es sowohl zum Widerruf als auch zur Versagung von Konzessionen.“<br />

Leider fehlte die Anzahl.<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

9


TARIF<br />

„Die Genehmigungsbehörde bewertet in den Betriebsprüfungen<br />

nicht die Aufzeichnungssysteme und die ihnen zu Grunde gelegten<br />

technischen Umsetzungen, sondern die vorgelegten Dateien. Daher<br />

war bei den bisher erfolgten Maßnahmen allein auf die Unzuverlässigkeit<br />

des Antragstellers abzustellen und nicht pauschal auf das<br />

Vorhandensein eines bestimmten Systems. Die Unternehmen, die<br />

von negativen Entscheidungen auf Grund unplausibler Unterlagen<br />

betroffen waren, nutzten unterschiedliche Aufzeichnungssysteme.“<br />

SenFin fragten wir, welche Fiskaltaxameter-Systeme ihre Prüfer<br />

akzeptieren, und ob bestimmte Systeme grundsätzlich abgelehnt<br />

oder regelmäßig beanstandet werden. Leider wurde uns nur das<br />

geantwortet, was was längst bekannt ist: „Die Anforderungen (…)<br />

ergeben sich aus den gesetzlichen Regelungen in den §§ 145 ff. Abgabenordnung<br />

(AO) und dem dazu ergangenen BMF-Schreiben vom<br />

14.11.2014… Daher akzeptieren die Finanzverwaltungen der Länder<br />

und des Bundes alle Fiskaltaxametersysteme, die die steuerlich<br />

relevanten Einzeldaten vollständig und unveränderbar speichern<br />

(Einzelaufzeichnungspflicht) und jederzeit verfügbar, unverzüglich<br />

lesbar und maschinell auswertbar aufbewahren.“ Interessante Erfahrungsberichte?<br />

Fehlanzeige.<br />

PRÜFER MÜSSEN SICH ERST EINARBEITEN<br />

„Ob solche Systeme (z. B. INSIKA, PAYCO, Cabman BCT, selbstsignierendes<br />

HALE-Taxameter, Digitax mit integriertem GPRS-Modul,<br />

SEMITRON, KIENZLE ) den zuvor genannten Grundsätzen entsprechen,<br />

kann nur im Rahmen einer steuerlichen Außenprüfung zusammen<br />

mit der Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der gesamten Buchführung<br />

beurteilt werden. Eine isolierte, von anderen zum Einsatz<br />

kommenden Datenverarbeitungs (DV)-Systemen und Programmen<br />

losgelöste Feststellung der Ordnungsmäßigkeit einer Buchführung<br />

kommt daher nicht in Betracht.“<br />

Dieses Statement ist irritierend, denn während der Überzeugungsarbeit<br />

der Behörden, Fiskaltaxameter schon freiwillig vor 2017 einzubauen,<br />

wurde gerade damit argumentiert, dass damit aufwändige<br />

Steuerprüfungen nicht mehr notwendig seien. Weil aber eine eindeutige<br />

Festlegung auf ein System fehlte, sind die Prüfer jetzt damit<br />

beschäftigt, sich in alle Systeme einzuarbeiten, Fehlerquellen und<br />

Hintertürchen zu suchen, anstatt nach einem klaren Schema konsequent<br />

durchprüfen zu können.<br />

SenFin schrieb uns weiter: „Die Vielzahl (…) und Kombination der<br />

DV-Systeme (…) lassen keine allgemein gültigen Aussagen der Finanzbehörde<br />

zur Konformität der verwendeten oder geplanten Hard- und<br />

Software zu. Auch Positivtestate (…) werden weder im Rahmen einer<br />

steuerlichen Außenprüfung noch im Rahmen einer verbindlichen<br />

Auskunft erteilt. Ob die auf dem Markt erhältlichen Systeme allesamt<br />

WIEDER MEHR KONZESSIONEN<br />

Am 31.1. waren in <strong>Berlin</strong> 8.047 Taxen zugelassen. Laut offizieller<br />

Statistik gehörten 2.558 von ihnen Ein-Wagen-Betrieben.<br />

Das ist weniger als ein Drittel. Die größte Firma des <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes betreibt 101 Taxen, auf den Plätzen 2 bis 10<br />

liegen Betriebe mit je 30 bis 50 Fahrzeugen. Die durchschnittliche<br />

Anzahl der Taxen in den 3.242 Betrieben liegt bei knapp<br />

2,5. Betrachtet man nur die Mehrwagenbetriebe, so sind es<br />

durchschnittlich acht Fahrzeuge (alle Zahlen vom 31.1.<strong>2018</strong>).<br />

tatsächlich den Anforderungen der Finanzverwaltung entsprechen,<br />

kann nicht abschließend beurteilt werden, sondern wird im Einzelfall<br />

überprüft.“<br />

Dann doch mal konkrete Zahlen: „Im Rahmen der Nachschauen hat<br />

die <strong>Berlin</strong>er Steuerverwaltung bis zum 24.11.2017 insgesamt 5.471<br />

Fahrzeugkontrollen durchgeführt.“ Damit aber wieder ganz schnell zu<br />

Bekanntem. „Die Nichterfüllung dieser Pflichten stellt einen schweren<br />

Verstoß gegen die steuerrechtlichen Pflichten dar. Neben möglichen<br />

Hinzuschätzungen beanstandet die Finanzbehörde den Betrieb eines<br />

<strong>Taxi</strong>s ohne sog. Fiskaltaxameter ausnahmslos und informiert ggf.<br />

das LABO gem. § 25 PBefG über diesen schweren steuerrechtlichen<br />

Verstoß zur Überprüfung der Zuverlässigkeit des betreffenden Unternehmers.<br />

Wegen der aktuell laufenden Verwaltungsverfahren werden<br />

konkrete Zahlen der Meldungen an das LABO nicht veröffentlicht.“<br />

Natürlich sind weder LABO noch SenFin Zertifizierungsstellen für<br />

Taxameter und sollen es auch nicht sein. Verständlicherweise kann<br />

in laufenden Verfahren nicht alles hinausposaunt werden.<br />

Dennoch hätten wir etwas mehr Erhellendes erwartet. Anhand der<br />

Auszüge aus den Antworten können Sie sich selbst ein Bild machen,<br />

wie wenig Einblicke uns die Behörden gestatten. Mangelt es unseren<br />

Verwaltungen denn wirklich derart an Courage – oder an Wertschätzung<br />

gegenüber dem Gewerbe, dass auf ein berechtigtes Interesse so<br />

wenig eingegangen wird? So entsteht eher noch mehr der Eindruck,<br />

man lasse die Dinge dort lieber laufen, bevor man irgendwo auch nur<br />

im geringsten Maße anecken könnte.<br />

Sollten Sie sich jetzt fragen, ob wir die Behörden bloßstellen wollen<br />

und ihnen die Gelegenheit verwehrten, den hier entstehenden<br />

Eindruck richtigzustellen: Nein. Nach dem dpa-Interview mit Kollatz-Ahnen<br />

hielten wir mit SenFin Rücksprache und boten an, uns<br />

eine aktualisierte Antwort zukommen zu lassen. Da kam nichts.<br />

Sowohl SenFin als auch SenUVK boten wir ein Interview an, in dem<br />

der Eindruck hätte korrigiert werden können. Keine Reaktion. Schade.<br />

Nun sind wir so schlau wie vorher. <br />

sb<br />

DIE TAXI TIMES APP<br />

DIE TAXIWELT IN IHRER HAND<br />

Mit der <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> App haben Sie Zugriff auf alle Neuigkeiten aus der<br />

<strong>Taxi</strong>welt. Wir versorgen Sie mit allem Wissenswerten und das topaktuell.<br />

Die Nachrichten sind in Deutsch, Englisch und Türkisch abrufbar. Die<br />

App gibt es zum kostenlosen Download für iOS und Android.<br />

FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

10 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


TAXI-GREMIUM<br />

Terminal ohne Taxen – das Landratsamt<br />

des Landkreises Dahme-Spreewald (LDS)<br />

lässt lieber die Fluggäste vier Stunden<br />

warten, als auch nur ein einziges <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong> in Schönefeld laden zu lassen.<br />

FOTO: Martin Benecke<br />

WO KEIN WILLE IST...<br />

Die Senatsverkehrsverwaltung bemüht sich um<br />

eine Einigung mit dem LDS-Landratsamt über<br />

Laderechte in Schönefeld. Mit Vize-Landrat<br />

Halecker scheint aber kein Kompromiss möglich.<br />

Für den 16. Januar hatte <strong>Berlin</strong>s<br />

Verkehrsstaatssekretär Jens Holger<br />

Kirchner zum Gespräch mit<br />

LDS-Landrat Stephan Loge zum Austausch<br />

über die Problematik SXF / BER auch die<br />

Vertreter der <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>-„Innung“ eingeladen.<br />

Auf Bitten der „Innung“ wurde<br />

auch Hermann Waldner in seiner Funktion<br />

als Vize-Präsident des BZP hinzugebeten.<br />

Außerdem nahm von Seiten des LDS der<br />

Erste Beigeordnete des Dezernats für Verkehr,<br />

Bauwesen und Umwelt, Chris Halecker,<br />

an dem Treffen teil.<br />

Herr Kirchner eröffnete das Gespräch über<br />

die Problematik des SXF / BER. Stand derzeit<br />

ist, dass <strong>Berlin</strong>er Taxen kein Laderecht<br />

in SXF / BER haben. Dies führte während<br />

des letzten großen Sturms zu chaotischen<br />

Zuständen, die sogar die Bundespolizei zum<br />

Eingreifen zwangen. Weil es <strong>Berlin</strong>er Taxen<br />

zurzeit verboten ist, sich in Schönefeld bereitzuhalten,<br />

standen Fahrgäste teilweise drei<br />

bis vier Stunden am Terminal und warteten<br />

auf ein freies LDS-<strong>Taxi</strong>. Ausladende <strong>Berlin</strong>er<br />

Taxen wurden vom Service-Personal am<br />

Laden gehindert.<br />

WECHSELSEITIGE LADERECHTE?<br />

Das ist einem Hauptstadtflughafen und<br />

auch der Ausnahmesituation an diesem<br />

Tage nicht würdig gewesen. Um dies für die<br />

Zukunft zu verbessern, schlug Herr Kirchner<br />

vor, dass <strong>Berlin</strong>er Taxen in SXF / BER laden<br />

dürfen und LDS-Taxen sich an vier festen<br />

Ladepunkten (TXL, Hauptbahnhof, Messe<br />

und Ostbahnhof) bereitstellen dürfen. Von<br />

Seiten der „Innung“ wurde aber noch die<br />

Forderung erhoben, dass auch die LDS-Taxen<br />

mit einem Fiskaltaxameter ausgerüstet<br />

sein müssen. Begründung war, dass die<br />

Bedingungen für alle gleich sein müssten,<br />

um das Abwandern von <strong>Berlin</strong>er Betrieben,<br />

die ihr Geschäft noch ohne Fiskaltaxameter<br />

ausüben, in das Umland zu verhindern.<br />

NUR SAUBERE TAXEN IM LDS?<br />

Herr Halecker lehnte dies mit der Begründung<br />

ab, dass er all seine Betriebe kontrolliert<br />

hätte und sie keine Auffälligkeiten aufwiesen.<br />

Diese Aussage rief bei den <strong>Berlin</strong>er<br />

Vertretern nur ungläubiges Erstaunen hervor.<br />

Sind es doch gerade Betriebe aus <strong>Berlin</strong>,<br />

die kein Interesse an einer Kontrolle ihrer<br />

Geschäftstätigkeit mittels Fiskaltaxameter<br />

haben und dann in das Umland abwandern.<br />

Landrat Loge schien eher bereit zu sein,<br />

eine tragfähige Lösung zu suchen. Mit der<br />

Einstellung kann aber keine Einigung möglich<br />

sein. Ohne Fiskaltaxameter kann es für<br />

LDS-Taxen kein Laderecht in <strong>Berlin</strong> geben.<br />

<strong>Berlin</strong>er Unternehmen sind durch den Fiskaltaxameter<br />

absolut gläsern, während die<br />

Umlandtaxen weitermachen wie bisher.<br />

Es wurde kein Folgetermin vereinbart, so<br />

dass man sehen muss, wie sich die Situation<br />

weiter entwickelt. Es wird auch geprüft, ob in<br />

Ausnahmefällen (Sturm, Ausfall der Bahn)<br />

eine Hilfe seitens des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

möglich wird.<br />

Rolf Feja für die <strong>Taxi</strong>-„Innung“<br />

Nachfolgende <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>verbände<br />

arbeiten unter dem Titel „<strong>Taxi</strong>-Gremium“<br />

sehr eng zusammen. Sie einigen sich auf<br />

gemeinsame Positionen und treten somit<br />

gegenüber Politik und Behörden gemeinsam<br />

auf. Auf eigens gekennzeichneten<br />

Seiten und in eigener redaktioneller Verantwortung<br />

veröffentlicht das <strong>Taxi</strong>-Gremium<br />

in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> regelmäßig<br />

Beiträge.<br />

INNUNG DES BERLINER<br />

TAXIGEWERBES E. V.<br />

Persisustraße 7<br />

10245 <strong>Berlin</strong><br />

Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 23 62 72 01<br />

Tel. Kasse: +49 (0)30 / 23 62 72 02<br />

Telefax: +49 (0)30 / 23 62 72 03<br />

E-Mail: info@taxiinnung.org<br />

www.taxiinnung.org<br />

www.facebook.com/taxiinnung<br />

TAXIVERBAND BERLIN<br />

BRANDENBURG E. V.<br />

Franklinstraße 18<br />

10587 <strong>Berlin</strong><br />

Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 24 33 54 08<br />

Tel. Kasse: +49 (0)30 / 86 09 07 70<br />

E-Mail: taxiverband@t-online.de<br />

www.taxiverband-berlin.de<br />

TAXI DEUTSCHLAND BERLIN E. V.<br />

Persiusstraße 7<br />

10245 <strong>Berlin</strong><br />

Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 202 02 13 10<br />

Fax: +49 (0)30 / 202 02 13 11<br />

E-Mail: berlin@taxideutschland.eu<br />

www.taxideutschland.eu<br />

www.facebook.com/taxi.deutschland.eu<br />

Presserechtlich verantwortlich für<br />

Beiträge auf Seiten des <strong>Taxi</strong>-Gremiums:<br />

Detlev Freutel (TVB), Leszek Nadolski<br />

(Innung), Ertan Ucar (TD)<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

11


FLUGHAFEN<br />

Taxen aus einer Stadt und verschiedenen Landkreisen – kein Problem am Flughafen München<br />

TAXI-LÖSUNGEN FÜR DEN<br />

FLUGHAFEN BER (TEIL 2)<br />

Was entscheiden der Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) und <strong>Berlin</strong><br />

für den <strong>Taxi</strong>verkehr am BER? Taugen Wien oder München als Vorbild?<br />

Was die Entscheider wissen sollten.<br />

Der erste Teil unserer Reportage<br />

handelte von den Hintergründen<br />

und den gesetzlichen Rahmen der<br />

unterschiedlichen Lösungen an den Flughäfen<br />

München und Wien. Heute berichten<br />

wir von unseren Eindrücken vor Ort, um<br />

abschließend einige Denkanstöße zu geben,<br />

was bei der Entscheidung für den einen oder<br />

den anderen Weg beachtet werden sollte.<br />

Am Flughafen Franz Josef Strauß bei München<br />

begleitet <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> den Leiter<br />

des <strong>Taxi</strong>-Service-Points, Georg Silbernagl,<br />

für ein paar Stunden bei seiner Arbeit. Er<br />

ist vor Ort dafür verantwortlich, dass die<br />

Münchener <strong>Taxi</strong>zentrale IsarFunk ihre vertraglichen<br />

Verpflichtungen gegenüber dem<br />

Flughafen München: Georg Silbernagl hat am<br />

Counter alles im Blick.<br />

Flughafen erfüllt. Die Flughafengesellschaft<br />

FMG hatte die Organisation und Vermietung<br />

der Stellplätze ausgeschrieben, IsarFunk<br />

gewann die Ausschreibung.<br />

FAHRERGEBUNDENE KARTEN<br />

Es gibt zwei große Speicher, auf denen sich<br />

die <strong>Taxi</strong>s aufstellen, bevor sie an die beiden<br />

Ladebereiche (genannt Module) vor Terminal<br />

1 und den Ladebereich vor Terminal 2 nachrücken<br />

dürfen. Schon bei der beschrankten<br />

Ausfahrt des Speichers wird die Flughafengebühr<br />

abgebucht, derzeit 1,40 Euro je<br />

Durchfahrt. Das geschieht hier mit aufladbaren<br />

Karten, die nicht fahrzeug-, sondern<br />

fahrergebunden sind. Entsprechend müssen<br />

die Fahrer ihre Karten an einem im Terminal<br />

2 von IsarFunk angemieteten <strong>Taxi</strong>-Service-<br />

Point aufladen – oder direkt bei Georg Silbernagl,<br />

der ja täglich seine Runde macht und<br />

so auf allen <strong>Taxi</strong>sammelplätzen und Ladebereichen<br />

am Flughafen unterwegs ist und<br />

dort für Ordnung und Sauberkeit sorgt. „Es<br />

ist ganz wichtig, dass alles reibungslos funktioniert“,<br />

sagt er uns, „sonst wird es bei der<br />

nächsten Ausschreibung schwer.“ Rückstaus<br />

wie in <strong>Berlin</strong> am Flughafen Tegel darf es hier<br />

nicht geben.<br />

Doch für Ordnung und Verkehrsfluss sorgt<br />

schon das System an sich, da den Ladebereich<br />

der <strong>Taxi</strong>s ausschließlich Berechtigte<br />

befahren dürfen. An seiner Zufahrt muss<br />

eine weitere Schranke passiert werden. Es<br />

gibt drei jeweils beschrankte Spuren nebeneinander.<br />

Ganz rechts stellen sich die <strong>Taxi</strong>s<br />

der Reihe nach auf (großes Foto oben). Das<br />

Lesegerät an der Zufahrt erkennt, ob der Fahrer<br />

vom Nachrückplatz kommt und schon<br />

bezahlt hat. Nur dann öffnet die Schranke.<br />

Alle anderen Fahrzeuge nutzen die mittlere<br />

und die linke Spur. Sie dienen auch den<br />

<strong>Taxi</strong>s, die es geschafft haben, innerhalb von<br />

20 Minuten von einer kurzen Tour wieder<br />

zurück zu sein und von der sogenannten<br />

Kurzfahrtenregelung profitieren. Sie dürfen<br />

dort einfahren und sich wieder ganz vorne<br />

bereitstellen. Alle, die wir sprechen konnten,<br />

waren mit dem System zufrieden.<br />

Anfang <strong>Februar</strong> waren am MUC 2.041<br />

<strong>Taxi</strong>s ladeberechtigt, davon 1.731 aus München<br />

Stadt, 128 aus München Land, 109 aus<br />

dem Landkreis Erding und 73 aus Freising.<br />

Am Ende unseres Aufenthalts in der bayerischen<br />

Metropole besuchten wir noch den<br />

<strong>Taxi</strong>verband München (TVM) in den Räumen<br />

der Funkzentrale von IsarFunk. Dort<br />

FOTOS: Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

12 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


FLUGHAFEN<br />

FOTOS Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

empfing uns der Vorsitzende Florian Bachmann<br />

und gab uns folgende Tipps. Das KVR<br />

München ist für den Flughafen zuständig. In<br />

<strong>Berlin</strong> sollten wir dafür sorgen, dass dies das<br />

LABO macht. Ideal wäre es, wenn die Kontrolle<br />

auch die Mietwagen umfassen würde.<br />

Und wir sollten den Umlandtaxis das Laden<br />

nur an festen Punkten erlauben. Das sei<br />

besser zu kontrollieren und somit auch im<br />

Interesse der Behörden.<br />

Und übrigens: Auf dem großflächigen<br />

Gelände des Münchener Flughafens gibt es<br />

eine Tankstelle. Wie in <strong>Berlin</strong> sieht auch der<br />

Florian Bachmann, Münchener Gewerbevertreter,<br />

hat für <strong>Berlin</strong> wertvolle Tipps<br />

Parkplatz davor aus wie ein Halteplatz für<br />

Uber-Fahrzeuge. Machen die alle Pause im<br />

Vorüberfahren oder wird hier die Rückkehrpflicht<br />

missachtet?<br />

KONSEQUENZ UND KONTINUITÄT<br />

Am Flughafen in Schwechat bei Wien<br />

waren wir zunächst mit Julius Lang, dem<br />

Vorstandsvorsitzenden der 1992 gegründeten<br />

Schwechater <strong>Taxi</strong>genossenschaft „ATS-Airport<br />

Transfer Service“ verabredet. Er führt<br />

die Genossenschaft seit 20 Jahren, und in dieser<br />

Zeit hat sich die Anzahl der „Airport-<strong>Taxi</strong>s”<br />

von 100 im Jahr 1997 auf aktuell 240<br />

<strong>Taxi</strong>s erhöht. Nur Genossenschaftsmitglieder<br />

haben Aufstellrecht. Der Vertrag über das<br />

<strong>Taxi</strong>management am Flughafen gilt für fünf<br />

Jahre, wurde bisher aber immer problemlos<br />

verlängert. Das setzt natürlich voraus, dass<br />

das System funktioniert und Fahrgäste und<br />

Flughafenbetreiber zufrieden sind.<br />

Organisiert ist das Ganze ähnlich wie<br />

in München, mit großen Nachrückplätzen,<br />

von denen aus der Ladebereich bedient wird.<br />

Alles beschrankt und über ein fms-System<br />

zentral gesteuert. Die „Airport-<strong>Taxi</strong>s” stehen<br />

direkt vor dem Ausgang aus dem Terminal<br />

und bieten den Kunden damit den kürzesten<br />

Fußweg. Als Fahrpreis gilt der im Vergleich<br />

zum Wiener Tarif teurere Schwechater<br />

Gute Idee für BER? Ein Automat zeigt für alle<br />

sichtbar, ob sich Kollegen nach einer Kurzfahrt<br />

noch einmal ganz vorne einreihen dürfen.<br />

<strong>Taxi</strong>tarif, der per Taxameter erfasst wird,<br />

und in dem die Kosten für die teuren Stellplätze,<br />

die am VIE gemietet sind, eingepreist<br />

sind.<br />

Scharfe Kontrollen und harte Strafen, die<br />

in einem äußerst abschreckenden Strafkatalog<br />

nachzulesen sind, sichern eine im Sinne<br />

des Kunden und des Flughafens hochwertige<br />

Dienstleistung.<br />

Auch hier gibt es eine Kurzfahrtenregelung.<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

13


FLUGHAFEN<br />

Julius Lang,<br />

Chef der Schwechater Airport-<strong>Taxi</strong>s<br />

Aber anders als in München wird hier kein<br />

Zeitlimit gesetzt. Die Kurzfahrt definiert<br />

sich über einen Entfernungsradius. Bleibt<br />

die Fahrt innerhalb dieses Radius, zählt die<br />

Tour als Kurzfahrt, und das <strong>Taxi</strong> darf direkt<br />

wieder vorfahren. Erfasst wird dies mit der<br />

Map-Funktion im fms-Programm.<br />

Um dauerhaft einen guten Service anbieten<br />

zu können, sind laut Julius Lang zwei<br />

Dinge entscheidend: Die Spielregeln, die für<br />

die Fahrer der „Airport-<strong>Taxi</strong>s” gelten, müssen<br />

kompromisslos durchgesetzt werden,<br />

und zu den Flughafenverantwortlichen muss<br />

ein guter, möglichst kurzer Draht bestehen.<br />

Dazu ist es von Vorteil, wenn der Ansprechpartner<br />

nicht zu oft wechselt. Das ist bei ATS<br />

jedenfalls gegeben.<br />

jetzt seit vier Jahren. In einer Tiefgarage<br />

in unmittelbarer Nähe sind 34 Stellplätze<br />

angemietet. Die Zufahrt ist beschrankt, die<br />

Öffnung erfolgt mittels Fahrerkarten. Für die<br />

Reihung zählt die Reihenfolge der Zufahrt.<br />

Die Fahrer gehen zum Counter, dort gibt es<br />

für sie einen kleinen Aufenthaltsraum. Die<br />

Fahrer der fünf erstgereihten <strong>Taxi</strong>s warten<br />

am Counter. Kommt ein Kunde, wird der<br />

erste herangerufen, geht mit dem Kunden<br />

zum Auto in der Tiefgarage und fährt von<br />

dort aus los. Dieser Weg ist etwas zu weit. In<br />

<strong>Berlin</strong> sollten es, falls eine ähnliche Lösung<br />

kommen sollte, kürzere Wege sein.<br />

Wie bei uns ist auch in Österreich die<br />

Hauptstadt ein eigenes Bundesland. Vom<br />

Flughafen Schwechat, im Nachbarbundesland<br />

Niederösterreich gelegen, kostet eine<br />

Fahrt nach Wien je nach Bezirk zwischen 33<br />

und 38 Euro. Der <strong>Taxi</strong>unternehmer zahlt eine<br />

auftragsbezogene Funkgebühr zwischen 2<br />

und 6 Euro. Alle bei der Funkzentrale 40100<br />

unter Vertrag stehenden Fahrer haben am<br />

Flughafen Laderechte, tatsächlich bedienen<br />

nur ca. 100 Fahrer den VIE. Der Service wird<br />

Neben dem 40100-Schalter bietet der<br />

Mietwagenservice „transfer to city“ seine<br />

Dienste an. Von den 40100-Mitarbeitern<br />

erfuhren wir, dass dieser Dienst Pleite<br />

ging und von 40100 übernommen wurde.<br />

Trotzdem wurden das Logo erhalten und<br />

seine Mietwagen eingesetzt, da ein lukrativer<br />

Geschäftskundenstamm übernommen<br />

werden konnte. Die <strong>Taxi</strong>zentrale hält sich<br />

im Hintergrund.<br />

Ach ja: Am Wiener Flughafen gibt es eine<br />

Tankstelle. Dreimal dürfen Sie raten, wer<br />

sich dort bereithält. Es liegt aber, anders als<br />

in Deutschland, bereits eine Gesetzesänderung<br />

vor, die Mietwagen den <strong>Taxi</strong>s gleichzustellen.<br />

Im österreichischen <strong>Taxi</strong>gewerbe ist<br />

man sogar mehrheitlich dafür.<br />

WAS SCHÖNEFELD LERNEN KANN<br />

Zum Schluss ein paar grundsätzliche<br />

Bemerkungen, die bei einer Entscheidung<br />

berücksichtigt werden sollten:<br />

Systeme, die viel behördliche Kontrolle<br />

erfordern, werden am BER nicht<br />

funktionieren.<br />

VIELFÄLTIGES ANGEBOT<br />

Aber die Konkurrenz ist groß. Im<br />

Ankunftsterminal gibt es sechs Schalter,<br />

an denen sich Mietwagen- und <strong>Taxi</strong>anbieter<br />

gleichermaßen um Fahrten nach Wien<br />

bewerben. Einer davon ist von ATS, an<br />

dem auch die Kunden der „Airport-<strong>Taxi</strong>s”,<br />

anders, als wenn sie direkt einsteigen, in den<br />

Genuss von etwas günstigeren Festpreisen<br />

kommen können. Daneben sind vier Mietwagenschalter<br />

und der Counter von <strong>Taxi</strong> 40100<br />

aus Wien, sozusagen die Hauptstädter am<br />

Umlandflughafen.<br />

Den 40100-Counter in Terminal 3 gibt es<br />

Flughafen Wien: mehrere Counter, unterschiedliche Anbieter, alles gut organisiert<br />

von 6 Uhr früh bis um 1, spätestens um 2 Uhr<br />

nachts angeboten. An den Counter kommen<br />

Kunden, die bereits einen <strong>Taxi</strong>-Voucher beim<br />

Buchen ihrer Reise gekauft haben, aber auch<br />

Fluggäste, die nach einem <strong>Taxi</strong> suchen und<br />

vor Ort bestellen.<br />

Während <strong>Taxi</strong>fahrzeuge recht einfach eindeutig<br />

gekennzeichnet werden können, ist<br />

die Prüfung der Berechtigung des Fahrers<br />

schwieriger. Zufahrten am Flughafen sollten<br />

deshalb über Fahrerkarten erfolgen, die im<br />

Stadtverkehr von außen gut sichtbar am <strong>Taxi</strong><br />

LISSABON<br />

Ein Beispiel aus Portugal beweist, dass<br />

„eigene“ Lösungen keine Notlösungen<br />

sein müssen. In der Hauptstadt wird ein<br />

„<strong>Taxi</strong>-Voucher“ beworben, in einem Zuge<br />

mit der „Lisboa-Card”, mit der die öffentlichen<br />

Verkehrsmittel sowie der Eintritt<br />

in 27 Sehenswürdigkeiten kostenfrei<br />

sind: „Unangenehme Preisüberraschungen<br />

können Besucher in Lissabon mit<br />

speziellen <strong>Taxi</strong>-Vouchers vermeiden. Die<br />

Gutscheine sind an der Tourismusinformation<br />

in der Ankunftshalle des Flughafens<br />

erhältlich und garantieren einen Festpreis<br />

für die Fahrt ins Stadtzentrum oder in die<br />

Region.“<br />

Das Rad muss nicht neu erfunden werden.<br />

Andere werben schon längst mit dem, was<br />

auch das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe für Abholungen<br />

am BER umsetzen kann. Erinnert<br />

sei an das „<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>-Ticket” aus den<br />

1990er Jahren. Weil solche Angebote für<br />

Kunden attraktiv sind, wird es das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

stärken.<br />

FOTOS: Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, Adobe Stock<br />

14 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


FLUGHAFEN<br />

FOTOS: Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Flughafen Wien: alles beschrankt und über ein fms-System gesteuert<br />

anzubringen sind.<br />

Bei aller Liebe zur Umwelt: Schon heute<br />

gibt es, sowohl bei den <strong>Berlin</strong>ern als auch im<br />

LDS, ausgesprochene Flughafenfahrer – ökologisch<br />

verwerflich, ökonomisch zweifelhaft,<br />

aber Fakt. Egal, welches System kommt, die<br />

fahren sowieso leer wieder zurück. Andere<br />

wiederum bleiben nach einer Fuhre zum<br />

Flughafen prinzipiell nicht dort stehen und<br />

fahren leer wieder weg. Auch ein System, das<br />

Leerfahrten verhindern soll, wird das nicht<br />

ändern, jedenfalls nicht, ohne einen Mindestumsatz<br />

je gefahrenen Totalkilometer als<br />

Voraussetzung für eine Konzessionsverlängerung<br />

vorzugeben – was auch aus anderen<br />

Gründen nicht die schlechteste Idee wäre.<br />

Liebe Politiker, diesen Aspekt bitte nicht<br />

vergessen!<br />

Festpreise vom und zum Flughafen,<br />

in Kreisen rund um den Flughafen gezogen<br />

gestaffelt, sind in jedem vorstellbaren<br />

Bediensystem ein Muss. Festpreise bieten<br />

die Möglichkeit, dass Kunden ein „<strong>Taxi</strong>-Voucher“<br />

schon bei der Reiseplanung im Reisebüro<br />

oder auch online zusammen mit Flug<br />

und Hotel kaufen können, hin und zurück.<br />

Das bringt neue Kunden und sichert sie im<br />

eigenen System.<br />

Zu guter Letzt: das Personenbeförderungsgesetz<br />

bietet die Möglichkeit, Behördenzuständigkeiten<br />

zu verändern, falls eine<br />

Partei einer vernünftigen Lösung gänzlich<br />

unzugänglich ist. In § 47, Satz 3 PBefG heißt<br />

es: Die „Landesregierung wird ermächtigt,<br />

durch Rechtsverordnung den Umfang der<br />

Betriebspflicht, die Ordnung auf Taxenständen<br />

sowie Einzelheiten des Dienstbetriebs zu<br />

regeln. […] In der Rechtsverordnung können<br />

insbesondere Regelungen getroffen werden<br />

über das Bereithalten von Taxen in Sonderfällen<br />

[…])“. Das brandenburgische Verkehrsministerium<br />

kann diese Posse also, wenn<br />

nötig, beenden.<br />

Die Motivation, Besitzstände zu wahren,<br />

die Angst, etwas zu verlieren, verstellt<br />

schnell den Blick für die Chancen,<br />

die sich allen Beteiligten in einer neuen<br />

Dimension bieten können. In Zeiten des<br />

Wartens auf die Inbetriebnahme des neuen<br />

Flughafens, in denen allerorts die Ängste<br />

größer sind als die Zuversicht, da sollen<br />

uns diese Ausblicke Mut machen – Mut,<br />

uns nicht ahnungslos in unverantwortliche<br />

Zustände zu fügen, wo wir doch wissen,<br />

dass es besser geht. <br />

sb<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

15


WETTBEWERB<br />

GROSSRAUM<br />

AUF BESTELLUNG<br />

Die BVG will ihr Mobilitätsangebot erweitern. Für dieses Frühjahr kündigt<br />

sie ein neues Bestellbussystem an.<br />

Neuer BVG-Ride-Sharing-on-Demand-Bus<br />

Der Rahmen hätte kaum größer sein<br />

können. Zur Pressekonferenz in<br />

der großen ehemaligen Straßenbahnhalle<br />

auf dem BVG-Betriebshof Müllerstraße<br />

waren zwei Schlenkis drapiert. In<br />

der Mitte ein Rednerpult, alles professionell<br />

angestrahlt, beschallt und mit Heizpilzen<br />

erwärmt, auf der Rednerliste BVG-Chefin<br />

Nikutta und ihr Finanzvorstand Haenicke,<br />

der Leiter Mercedes-Benz Vans Mornhinweg,<br />

der aus New York eingeflogene CEO einer<br />

amerikanischen App-Schmiede und die<br />

beiden <strong>Berlin</strong>er Senatorinnen Günther und<br />

Pop. Es fehlte nur noch ein Fanfarenstoß des<br />

BVG-Orchesters zur Eröffnung.<br />

Soviel war klar: Die BVG plant Großes.<br />

Worum geht es? Die BVG will ab Frühjahr<br />

<strong>2018</strong> die Mitfahrt in kleinen Busse anbieten,<br />

die auf Linien fahren, aber von jedermann<br />

per App bestellt werden können und<br />

auf ihren Linien auf Wunsch überall halten.<br />

Mercedes-Benz steuert die Fahrzeuge bei<br />

(Vitos und B 250e, wobei die elektrische<br />

E-Klasse offiziell nicht mehr lieferbar ist).<br />

Die Firma Via liefert die App, mit der das<br />

gesteuert werden soll. Via betreibt in New<br />

York, Chicago und Washington D.C. bereits<br />

entsprechende Nahverkehrsnetze.<br />

Rechtlich handelt es sich bei „Berlkönig“,<br />

so wurde das Projekt öffentlichkeitswirksam<br />

getauft, um ein Zwischending von Rufbus<br />

und Sammeltaxi, und ist als solches im<br />

PBefG nicht vorgesehen. Trotzdem kann<br />

die Genehmigungsbehörde nach der sogenannten<br />

Experimentierklausel (PBefG §2,<br />

Abs. 7) unter bestimmten Bedingungen und<br />

auf vier Jahre befristet solch einen Verkehr<br />

genehmigen.<br />

WO „BVG“ DRAUFSTEHT ...<br />

Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass<br />

die zukünftigen Betreiber noch gar keinen<br />

Antrag auf Genehmigung nach PBefG<br />

gestellt hatten. Ferner wird „Berlkönig“ gar<br />

nicht von der BVG betrieben, sondern von<br />

einem Joint Venture namens ViaVan, gegründet<br />

von Mercedes-Benz Vans und Via. Die<br />

fahren nicht einmal im Auftrag der BVG,<br />

sondern nur „in Kooperation“, und zwar mit<br />

eigenem Personal.<br />

Der Fahrpreis für den Kunden soll sich<br />

zwischen BVG-Tarif und <strong>Taxi</strong>-Tarif bewegen.<br />

Dieses Angebot soll mit zunächst 50<br />

Fahrzeugen in der östlichen Innenstadt (Partyzone),<br />

am Wochenende und in den Nachtstunden<br />

ab 22 Uhr gelten und später auf 300<br />

Fahrzeuge und ein größeres Einzugsgebiet<br />

ausgeweitet werden.<br />

So gesehen, handelt es sich bei dieser<br />

„großen Nummer“ eher um einen recht<br />

bescheidenen Versuch, der möglicherweise<br />

dazu dienen könnte, die BVG von ihrem kostenträchtigen<br />

und wenig effektiven Nachtliniennetz<br />

zu befreien – welches im übrigen<br />

streckenweise Jahrzehnte lang in gedeihlicher<br />

Zusammenarbeit mit der <strong>Taxi</strong>-Innung<br />

von <strong>Taxi</strong>-Unternehmern bedient wurde.<br />

Das Presseecho war umfassend. Alle<br />

Medien haben berichtet. Tenor: die BVG<br />

macht jetzt fortschrittlich in Ride Sharing<br />

on Demand. Nähere Details kamen kaum vor.<br />

Dabei gibt die BVG nur ihren guten Namen<br />

und öffnet ihre Online-Plattformen für eine<br />

Fremdfirma. Die Berlkönige, von denen es<br />

politisch korrekt auch einige Berlköniginnen<br />

geben soll, können auch über die BVG-App<br />

bestellt werden.<br />

Immerhin scheint man sich bei Daimler<br />

darauf zu besinnen, es in Sachen neuer Mobilität<br />

einmal mit seriösen Partnern zu versuchen,<br />

nachdem man mit legal-illegal-scheißegal-Uber<br />

imagemäßig ziemlich auf die Nase<br />

gefallen ist.<br />

Die Senatorinnen zeigten sich begeistert.<br />

Sie gelten gerne als modern und innovativ.<br />

An Regine Günther, Senatorin für Umwelt,<br />

Verkehr und Klimaschutz und Dienstherrin<br />

der Genehmigungsbehörde, wird die Genehmigung<br />

nicht scheitern. Neue Arbeitsplätze<br />

machen sich für Ramona Pop, Senatorin für<br />

Wirtschaft usw. gut. Dass diese Arbeitsplätze<br />

alle mit P-Schein-Inhabern besetzt werden,<br />

die weitgehend aus dem <strong>Taxi</strong>gewerbe stammen,<br />

tut nichts zur Sache.<br />

Nach geltender Rechtslage muss das neue<br />

Verkehrsangebot spätestens nach vier Jahren<br />

eingestellt werden, wenn es nicht neu<br />

in das PBefG aufgenommen wird. Man wird<br />

sehen, ob sich dann jemand in <strong>Berlin</strong> findet,<br />

der für dieses Experiment eine Initiative zur<br />

Änderung des Bundesgesetzes PBefG startet.<br />

Die heute handelnden Politiker sind dann<br />

womöglich nicht mehr im Amt. Zur Erhaltung<br />

des durchaus erfolgreichen <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>-Tickets, das ebenfalls nach der „Experimentierklausel“<br />

genehmigt worden war,<br />

hat sich damals keine Hand gerührt. wh<br />

FOTO: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

16 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


WETTBEWERB<br />

Dr. Tom Kirschbaum, Gründer und Geschäftsführer von door-<br />

2door (l), Alexander Möller, Geschäftsführer des ADAC e. V.<br />

Allygator hat den Teufel an die Wand gemalt.<br />

FREUNDLICHES DUMPING<br />

Allygator Shuttle fährt seine Nutzer jetzt umsonst. Die Fahrkosten trägt<br />

der ADAC aus seinem Werbeetat.<br />

FOTOS: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Bisher fuhr allygator nur in der östlichen Innenstadt, jetzt also<br />

im ganzen S-Bahnring. Der neue Ridesharing-Service wird<br />

vorerst für drei Monate freitags und samstags von 17 Uhr<br />

bis 1 Uhr innerhalb des gesamten S-Bahnrings angeboten. Bisher<br />

musste der Fahrgast einen geringen Kostenanteil bezahlen. Jetzt<br />

fährt er umsonst. Der ADAC bezahlt die Kosten. Er will damit sein<br />

Image verändern und jüngere Menschen ansprechen.<br />

Der ADAC ist vor allem bekannt als Pannenhelfer („Gelbe Engel“)<br />

und als Autofahrerlobby („Freie Fahrt für freie Bürger“). Das ist nicht<br />

mehr genug und nicht mehr zeitgemäß. Mit über zwei Millionen<br />

Mitgliedern ist er der größte Verein Deutschlands und auf vielen<br />

anderen Gebieten tätig. Der ADAC will jetzt seine Funktion als Mobilitätsdienstleister<br />

in den Vordergrund stellen, obwohl immer noch<br />

„die Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrwesens,<br />

des Motorsports und des Tourismus“ als Vereinszweck in<br />

seiner Satzung steht.<br />

Der On-Demand-Ridesharing-Dienst „allygator shuttle“ durch die<br />

Firma door2door soll sich laut Aussage der Betreiber weder gegen die<br />

BVG, das <strong>Taxi</strong>gewerbe oder sonst wen richten, sondern als Ergänzung<br />

zu bestehenden Angeboten eine Mobilitätslücke schließen. Worin<br />

diese Mobilitätslücke innerhalb des bestens mit Mobilität versorgten<br />

<strong>Berlin</strong>er S-Bahnrings bestehen soll, konnte mir keiner sinnvoll<br />

erklären.<br />

Der Mangel an kostenlosen Gütern und Dienstleistungen ist allerdings<br />

flächendeckend zu allen Zeiten zu beklagen. Den Verkauf von<br />

Gütern oder Dienstleistungen unter den Herstellungskosten bzw. den<br />

Selbstkosten nennt man allgemein Dumping. Ein Dumping-Anbieter<br />

nimmt stets kurzfristig einen wirtschaftlichen Verlust in Kauf, um<br />

längerfristig für sich positive Folgeeffekte zu erzielen – und negative<br />

für die Mitbewerber, die sich das nicht leisten können. Aber in diesem<br />

Fall ist das nicht so gemeint…<br />

Tatsächlich wird door2door mit seinem allygator shuttle mit seinen<br />

25 Autos an zwei Abenden in der Woche innerhalb des S-Bahnrings<br />

für 30.000 Nutzer (Neukunden werden z. Zt. nicht aufgenommen)<br />

weder die BVG noch das <strong>Taxi</strong>gewerbe umbringen.<br />

Auf die Frage, wie diese Firma wirtschaftlich vorankommen will,<br />

wenn sie einmal genehmigungsfähig werden sollte, gab es zur Antwort,<br />

der Fahrpreis für den Kunden solle sich zwischen BVG-Tarif<br />

und <strong>Taxi</strong>-Tarif bewegen. Hört sich schön an, aber was könnte das<br />

bedeuten?<br />

Der BVG-Fahrschein ist deshalb so vergleichsweise billig, weil<br />

ein großer Teil der Kosten vom Steuerzahler bezahlt wird. Die<br />

BVG, die S-Bahn und ähnliche Anbieter könnten allein von ihren<br />

Fahrscheineinnahmen nicht existieren. Der <strong>Taxi</strong>-Tarif ist deshalb so<br />

vergleichsweise teuer, weil man für weniger kein Auto mit Fahrer und<br />

den ganzen übrigen Verpflichtungen bereitstellen kann.<br />

Der wirtschaftliche Spielraum „dazwischen“ ist gering, wenn man<br />

nicht dauerhaft Sponsoren wie hier dem ADAC auf der Tasche liegen<br />

will. Das Auto ohne Fahrer wäre erheblich günstiger, ist aber<br />

Zukunftsmusik. Weg mit den übrigen Verpflichtungen? Das ist eine<br />

kurzsichtige Forderung. Diese Verpflichtungen sind durchaus sinnvoll<br />

(technische/medizinische Überprüfung von Material und Personal,<br />

gute Versicherung usw.).<br />

Was bleibt, ist die Möglichkeit zum Teilen (sharing). Das senkt zwar<br />

nicht die Kosten des Angebots; ihre Bezahlung verteilt sich jedoch<br />

auf die Nutzer, wird also für den Einzelnen geringer. Das ging schon<br />

immer. Fünf Mann in einem <strong>Taxi</strong> auf Kurzstrecke unterbieten sogar<br />

den BVG-Tarif. Na schön, die fünf mussten sich persönlich, analog<br />

verabreden. Jetzt macht man das digital per App.<br />

Dazu braucht man im Prinzip keinen neuen Anbieter von weiteren<br />

Fahrzeugen, der den vorhandenen Mobilitätsanbietern „in freundlicher<br />

Zusammenarbeit“ per Dumping das Geschäft verdirbt. Zumindest<br />

in <strong>Berlin</strong> und Hamburg nicht. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> und andere Zentralen<br />

streben eine sharing-Funktion in ihre <strong>Taxi</strong>-Bestell-App an.<br />

Damit stehen dem Kunden in <strong>Berlin</strong> mehrere tausend <strong>Taxi</strong>s zu<br />

jeder Zeit im gesamten Stadtgebiet, auch für geteilte Fahrten, zur<br />

Verfügung. Angesichts dessen ist die dreimonatige Aktion des ADAC<br />

nicht mehr als ein Werbegag. <br />

wh<br />

VERKEHRSRECHT BERLIN<br />

Rechtsanwalt Carsten Hendrych<br />

Fachanwalt für Verkehrsrecht<br />

Rechtsanwaltskanzlei<br />

Ruttge • Brettschneider •Tosberg • Hendrych<br />

Nürnberger Straße 49, 10789 <strong>Berlin</strong><br />

Telefon: (030) 883 4031 – Fax: (030) 882 4709<br />

E-Mail: hendrych@rbth-recht.de<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

17


TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

DIE FUNKZENTRALE KANN MEHR<br />

Nicht nur bei Sonderwünschen zeigen sich die enormen Möglichkeiten der<br />

klassischen <strong>Taxi</strong>zentrale im Vergleich zu so mancher Konkurrenz-App.<br />

Wer ein <strong>Taxi</strong> per App bestellt,<br />

freut sich über die einfache<br />

Abwicklung. Alteingesessene<br />

Funkzentralen bieten diese bequeme<br />

Möglichkeit heute ebenso wie jeder andere<br />

Anbieter. Da sieht der Kunde auf den ersten<br />

Blick keinen Unterschied. Dass zwischen<br />

dem Vermittlungsapparat einer klassischen<br />

TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

Persiusstraße 7, 10245 <strong>Berlin</strong><br />

Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20<br />

Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19<br />

E-Mail: info@taxi-berlin.de<br />

www.taxi-berlin.de<br />

Öffnungszeiten Kundencenter<br />

und Technikcenter<br />

Mo, Di, Do, Fr 10.00 bis 17.30 Uhr<br />

Mi 10.00 bis 14.30 Uhr<br />

Geschäftsführer<br />

Hermann Waldner<br />

Presserechtlich verantwortlich für<br />

diese Seite: Hermann Waldner<br />

Redaktion: Axel Rühle (ar)<br />

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />

<strong>Taxi</strong>funkgesellschaft und der Bestell-App<br />

eines rosinenpickenden Wettbewerbers.<br />

Welten liegen, sieht er, sobald sein Auftrag<br />

Besonderheiten enthält – sei es, dass man<br />

die Info geben möchte, dass man viel Gepäck<br />

dabei hat, oder auch, dass man gar nicht für<br />

sich selber bestellen möchte, sondern für<br />

die Oma, und deshalb ein Fahrzeug mit mittelhohem<br />

Einstieg will. Oder man hat den<br />

klassischen Fall, dass man etwas im <strong>Taxi</strong><br />

vergessen hat. „In solchen Fällen braucht der<br />

Kunde den persönlichen Ansprechpartner“,<br />

erläutert Hermann Waldner, Geschäftsführer<br />

von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>. „Und den bekommt er<br />

nicht bei mytaxi, nicht bei Uber, nicht bei<br />

Clever Shuttle, den bekommt er nur bei der<br />

<strong>Taxi</strong>zentrale.“<br />

WELCHE UNTERSCHIEDE GIBT ES?<br />

Waldner erläutert dies am Beispiel seines<br />

Call-Centers: „Ein Kunde der Funkzentrale<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> wählt die 20 20 20, wartet durchschnittlich<br />

unter acht Sekunden und hat<br />

dann einen Ansprechpartner am Telefon, der<br />

sich des Problems annimmt und eine Reihe<br />

von Hebeln zur Verfügung hat, es zu lösen.“<br />

Das Callcenter in der Persiusstraße setzt in<br />

der Regel je Arbeitsschicht fünf Personen für<br />

Fahrernachfragen ein: Schichtleiter, stellvertretender<br />

Schichtleiter (die nicht nur Sprachwünsche,<br />

sondern auch viele andere Aufgaben<br />

bearbeiten) nebst drei weiteren Kräften.<br />

Dazu kommen – je nachdem, ob es Sonntagmorgen<br />

oder Silvesterabend ist – 20 bis 48<br />

Mitarbeiter(innen) für Kundenbestellungen,<br />

Kundennachfragen und Beratung (wie lange<br />

wird die Fahrt dauern usw.). Für unerwartete<br />

Auftragshochs haben zudem meist bis<br />

zu 30 Mitarbeiter Bereitschaft und können<br />

in kürzester Zeit auf Abruf einspringen. Alle<br />

zusammen ergeben inklusive unserer dreiköpfiger<br />

Leitung nebst Coaching-Duo, ein<br />

140-köpfiges Team.<br />

EIN VIELKÖPFIGES TEAM<br />

Dies ist nur das Personal, das für sofortige<br />

Problemlösungen Tag und Nacht zur Verfügung<br />

steht, auch Weihnachten und an allen<br />

anderen Feiertagen (und -nächten). „Zusätzlich<br />

stehen werktags zu den Bürozeiten die<br />

sechs Mitarbeiter der Fahrer- und Unternehmerbetreuung<br />

bereit“, stellt Waldner eine<br />

weitere Abteilung seines Unternehmens<br />

vor. „Sie kümmern sich um alle Fragen und<br />

Probleme, nehmen Beschwerden oder Anregungen<br />

entgegen, stehen den Fahrern mit<br />

Rat und Hilfestellung zur Seite und vermitteln<br />

bei Uneinigkeit zwischen Fahrern und<br />

Fahrgästen.“<br />

Am Beispiel eines Hotels in Moabit erläutert<br />

Waldner die Abläufe: „Nachdem dort<br />

gehäuft Fehlfahrten auftraten, weil die Fahrgäste<br />

gerne mal um die Ecke verschwanden,<br />

vereinbarte ein Außendienstmitarbeiter von<br />

FOTO: Adobe Stock<br />

18 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


City Funk<br />

<strong>Berlin</strong><br />

TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

Geschäftsführer Hermann Waldner<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> ein Gespräch mit dem Hotelmanager,<br />

und man beriet über Lösungen. Seit die<br />

Gäste nicht mehr nach vorne auf die Straße,<br />

sondern in das Parkhaus geschickt werden,<br />

ist die Zahl der Fehlfahrten dort annähernd<br />

auf Null gesunken. Ich bitte deshalb alle Kollegen,<br />

uns Fehlfahrten zu melden und nicht<br />

mit dem Hotelportier zu diskutieren, weil<br />

dies erfahrungsgemäß keine Wirkung zeigt.“<br />

LÖSUNG LEICHT GEFUNDEN<br />

In bestimmten Fällen werden einzelnen<br />

Fahrern Nachschulungen angeboten, um<br />

ihnen näherzubringen, welche Ansprüche<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> an sich und seine Fahrer stellt,<br />

um eine ordentliche Dienstleistung anzubieten.<br />

Diese Schulungen leiten vier Dozenten,<br />

die auch durch andere Tätigkeiten bekannt<br />

sind, z. B. Verbandschef, P-Schein-Ausbilder,<br />

Chorleiter oder Schulungsmaterial-Autor.<br />

„Um alle uns angeschlossenen <strong>Taxi</strong>fahrerinenn<br />

und <strong>Taxi</strong>fahrer mit genügend Fahrten<br />

zu versorgen, fließt ein erheblicher Teil<br />

der Einnahmen aus den Funkgebühren in<br />

unsere Marketingabteilung“, sagt Waldner.<br />

Teamchef Jens Schmiljun und das neunköpfige<br />

Team sind verantwortlich für Kundenbetreuung<br />

und Außendienst. „Dazu gehört als<br />

zentrale Aufgabe des <strong>Taxi</strong>funks die permanente<br />

Akquise neuer Kunden.“ Auch durch<br />

die Betreuung der Bestandskunden ist der<br />

Außendienst mit verantwortlich für die hohe<br />

Kundenzufriedenheit. Die Kundenbetreuung<br />

ist Ansprechpartner für Hotels, Firmen,<br />

Behörden und alle weiteren regelmäßigen<br />

oder auch gelegentlichen Besteller, die die<br />

unterschiedlichsten Dinge auf dem Herzen<br />

haben. „Dazu zählen Lob und Beschwerden<br />

über Fahrer, Fragen zur Abwicklung von<br />

Großbestellungen, die Vereinbarung von auf<br />

den Kunden zugeschnittenen Zahlungsmodellen<br />

wie etwa Coupons, <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> Cards<br />

oder Rechnungsfahrten“ fasst Waldner das<br />

breite Spektrum zusammen und verweist<br />

auf die die vier freundlichen Berater im Kundencenter,<br />

die mit Rat, Tat und Geduld für<br />

nahezu jedes Anliegen da sind.<br />

Marketingchef Jens Schmiljun<br />

„Wenn es sehr technisch wird, sind das<br />

Technikcenter und die Technikabteilung<br />

des <strong>Taxi</strong>funks da“, sagt Waldner, der sich<br />

als Vizepräsident des Bundesverbands BZP<br />

auch als leidenschaftlicher Gewerbepolitiker<br />

betätigt. „Unsere Funktechnik war schon<br />

digital, da gab es den Begriff „App“ noch<br />

gar nicht. Wir müssen uns also von niemanden<br />

nachsagen lassen, dass <strong>Taxi</strong>fahrer<br />

und Zentralen altbacken sind. Echter <strong>Taxi</strong>-<br />

Service steckt in den vielen Details, die der<br />

Kunde mitunter erst auf den zweiten Blick<br />

sieht. Die Zufriedenheit belegt, dass die<br />

Funkgebühren gut angelegt sind und eine<br />

Funkzentrale viel mehr zu bieten hat als ein<br />

externer Wettbewerber, der mit einer App<br />

und großer Reklame mal schnell ein paar<br />

Rosinen herauspickt.“<br />

ar<br />

HYBRIDTAXI-FÖRDERUNG ALS ÜBERGANG ZUR E-MOBILITÄT<br />

FOTOS: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Der Senat will <strong>Berlin</strong>s <strong>Taxi</strong>unternehmern den Umstieg auf<br />

alternative Antriebsarten schmackhaft machen. Wer ein<br />

Hybridtaxi kauft und zugleich die Verschrottung des bisherigen<br />

Diesel-Vorgängers der Klassen Euro 1 bis 5 nachweist, kann<br />

zwischen März und Juni <strong>2018</strong> eine Förderung beantragen und erhält<br />

2.500 Euro – eine nicht ganz überzeugende Abwrackprämie, denn<br />

auch ältere Dieseltaxen sind oft deutlich mehr wert als 2.500 Euro.<br />

Hermann Waldner, Geschäftsführer von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>, nahm den<br />

Start der Hybridtaxi-Förderung zum Anlass, um in einer Pressemitteilung<br />

auf die Strukturschwächen der nächsten alternativen Antriebsstufe<br />

hinzuweisen. „Hybrid-Fahrzeuge stehen am Übergang zu der<br />

angestrebten, sauberen E-Mobilität. Was uns dazu in <strong>Berlin</strong> aber<br />

fehlt, ist die entsprechende Infrastruktur mit Schnellladestationen.<br />

Die sind erstens nicht ausreichend vorhanden, und zweitens sind die<br />

wenigen Stationen oft zugeparkt. Hier muss der Senat aktiv werden."<br />

Waldner pocht auf Schnellladestationen. „Ein <strong>Taxi</strong>fahrer weiß<br />

nicht, wie lang die Strecke seines nächsten Auftrags sein wird. Im<br />

schlimmsten Fall muss er Fahrten ablehnen, weil die Akkus nicht<br />

voll genug sind. Da ist wenig Anreiz, in E-Mobilität zu investieren.<br />

Schnellladestationen erlauben es dagegen, innerhalb von 20 Minuten<br />

die Batterie auf 80 Prozent zu laden. Je nach Hersteller sind damit<br />

die meisten <strong>Taxi</strong>-Strecken zu realisieren. Wir haben von den rund<br />

6.500 <strong>Taxi</strong>s bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> derzeit 1.740 Hybrid-<strong>Taxi</strong>s, die mit der<br />

Mischung aus Benzin und Strom in <strong>Berlin</strong> unterwegs sind. Das entspricht<br />

einem Anteil von rund 27 Prozent.<br />

In <strong>Berlin</strong> sind derzeit etwa 8.050 <strong>Taxi</strong>s unterwegs, davon ebenfalls<br />

etwa 25 % Hybrid-Fahrzeuge, der Rest überwiegend Diesel. jh/ar<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

19


RECHT<br />

Tipp aus der Fahrschule: Fahrertür immer mit<br />

der rechten Hand öffnen – damit dreht man<br />

sich automatisch nach links und sieht von<br />

hinten kommende Radfahrer.<br />

TÜR ÖFFNEN BESSER<br />

NICHT MIT LINKS<br />

Eine Sekunde Unaufmerksamkeit kann im Straßenverkehr schlimme Folgen<br />

haben. Eine der gefährlichsten Situationen ist das Öffnen der linken Tür<br />

durch den Fahrer – oder durch einen Fahrgast.<br />

Regelmäßig gehen Meldungen über tödliche Verkehrsunfälle<br />

mit Radfahrern durch die Presse. Häufig passieren diese<br />

Unfälle beim Abbiegen von Lkws, aber auch schon das unvorsichtige<br />

Öffnen einer Autotür kann für einen Radfahrer unter Umständen<br />

tödliche Folgen haben, so geschehen im vergangenen Jahr auch in<br />

<strong>Berlin</strong>. In einem Fall riss ein saudischer Diplomat in Neukölln abrupt<br />

die Tür seines Sportwagens auf, und ein Radfahrer prallte dagegen.<br />

Kurz vor Jahresende verursachte dann ein <strong>Taxi</strong>fahrer in Mitte durch<br />

unvorsichtiges Türöffnen den tödlichen Sturz eines Radfahrers. Möglichweise<br />

wären die schweren Folgen vermieden worden, wenn die<br />

Radfahrer einen Helm getragen hätten. Aber darauf kann sich der<br />

Autofahrer nicht verlassen, zumal es für Radfahrer keine Helmpflicht<br />

gibt. Die Devise lautet also: Äußerste Vorsicht beim Türöffnen! Und<br />

das gilt nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die Fahrgäste.<br />

Ein unvorsichtiges Öffnen der Fahrzeugtür kann unangenehme<br />

rechtliche Folgen haben: Bei tödlichem Ausgang droht eine Anklage<br />

wegen fahrlässiger Tötung. Aber auch wenn es nur bei Verletzungen<br />

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die P-Schein-Prüfung für <strong>Taxi</strong>fahrer, Mietwagenfahrer<br />

und Krankenwagenfahrer in <strong>Berlin</strong>.<br />

Neu: mit Prüfungssimulation<br />

bleibt, wird ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung<br />

eingeleitet. Im Falle einer Verurteilung ist zumeist eine Geldstrafe<br />

(seltener eine Freiheitsstrafe) fällig, und es kann auch die Fahrerlaubnis<br />

entzogen oder ein Fahrverbot ausgesprochen werden. In diesen<br />

Fällen kommen dann auch noch drei bzw. zwei Punkte in Flensburg<br />

dazu. Für einen <strong>Taxi</strong>fahrer ist das schnell existenzgefährdend.<br />

Finanziell gravierender sind aber die zivilrechtlichen Folgen: Zwar<br />

tritt für den Schaden des Radfahrers die Kfz-Haftpflichtversicherung<br />

ein. Aber den oftmals nicht unerheblichen Schaden am eigenen Wagen<br />

muss man selbst tragen. Die Haftpflichtversicherung muss im Übrigen<br />

auch dann zahlen, wenn ein Fahrgast die Tür geöffnet hat. Denn<br />

der Geschädigte (oder dessen Hinterbliebene) kann sich stets direkt<br />

an die Versicherung wenden, weil diese direkt haftet.<br />

Was sollte der Autofahrer daher beim Türöffnen beachten? Die<br />

Tür darf nur langsam und zunächst nur spaltweise (maximal 10 cm)<br />

geöffnet werden. Erst, wenn man sich durch einen Blick nach hinten<br />

vergewissert hat, dass kein Radfahrer oder anderes Fahrzeug naht,<br />

darf man die Tür weiter öffnen. Dabei empfiehlt es sich, als Fahrer<br />

die Tür immer mit der rechten Hand zu öffnen, weil man sich so<br />

automatisch schon nach links drehen muss, sodass auch das Nach-<br />

Hinten-Schauen einfacher ist.<br />

Aber nicht immer ist der Autofahrer schuld. Diesem kann jedenfalls<br />

kein Vorwurf gemacht werden, wenn der Radfahrer viel zu dicht am<br />

Auto vorbeifährt. Denn auch für Radfahrer gilt, dass sie einen seitlichen<br />

Sicherheitsabstand zu parkenden Fahrzeugen einhalten müssen.<br />

Wie groß dieser sein muss, ist gesetzlich nicht genau definiert – es<br />

kommt immer auf die konkreten Umstände an. Die Gerichte verlangen<br />

aber mindestens 50 cm. Unterschreitet der Radfahrer diesen Abstand,<br />

kann das den Türöffner zumindest vor einer Strafe bewahren. So z.<br />

B. in einem Fall, wo der Autofahrer seine Tür nur einen spaltweit<br />

geöffnet hatte, als eine E-Bike-Fahrerin mit nur 25 cm Abstand vorbeifuhr,<br />

mit dem Lenker an der Tür hängen blieb und stürzte. ch<br />

Von Rechtsanwalt Carsten Hendrych / hendrych@rbth-recht.de<br />

FOTO: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

20 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


SERVICE<br />

DIE REISELUST BEGINNT IM TAXI<br />

Statistiken beweisen: Die Internationale Tourismus-Börse <strong>Berlin</strong> (ITB)<br />

verspricht gute Umsätze für das <strong>Taxi</strong>gewerbe.<br />

Das Messegeschäft beginnt schon am Vorabend: Bis zu 3.500 Besucher<br />

werden zur Eröffnungsfeier am 6. März im CityCube erwartet.<br />

Traditionell steht in <strong>Berlin</strong> die erste Märzhälfte ganz im Zeichen<br />

des Urlaubs und dem, was man in dieser Zeit am liebsten<br />

unternimmt: Reisen. Vom 7. bis zum 11. März öffnet die führende<br />

Messe der weltweiten Reise-Industrie ITB <strong>Berlin</strong> ihre Pforten.<br />

Erwartet werden während der ersten drei Tage, den Fachbesuchertagen,<br />

rund 110.000 nationale und internationale Gäste. Das entspricht<br />

der Anzahl, die auch 2017 den Weg in die Hauptstadt gefunden haben,<br />

und von denen etliche für den Weg zur Messe, ins Hotel oder zu den<br />

abendlichen Aktivitäten auf die <strong>Berlin</strong>er Kollegen in Hellelfenbein<br />

zurückgreifen werden.<br />

Sowohl Tegel als auch der Hauptbahnhof dürften morgens gut laufen.<br />

„36 Prozent der Fachbesucher kamen 2017 per Flugzeug, 24<br />

Prozent mit der Deutschen Bahn“, berichtet ein Messemitarbeiter<br />

gegenüber <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>. Mit dem großen Abfluss der Gäste am Messegelände<br />

ist von 15:30 bis 18:30 Uhr zu rechnen. Wie immer bei großen<br />

Messen wird auch zur ITB <strong>Berlin</strong> ein von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> organisierter<br />

Leitstellendienst die Zu- und Abfahrten an den einzelnen Messe-Eingängen<br />

organisieren.<br />

Die Öffnungszeiten der ITB <strong>Berlin</strong> sind täglich von 10 bis 18 Uhr,<br />

Aussteller dürfen schon ab halb neun in die Halle. Mit vielen Fahrgästen<br />

ist aber auch während der zahlreichen Abendveranstaltungen<br />

zu rechnen. Am 6. März, dem Abend vor dem Messeauftakt, findet die<br />

Eröffnungsfeier im CityCube <strong>Berlin</strong> statt. 3.500 Gäste werden ab 18<br />

Uhr erwartet, ab 20:30 Uhr dürfte die Nachfrage nach <strong>Taxi</strong>s einsetzen.<br />

Am nächsten Abend veranstaltet die ITB <strong>Berlin</strong> die „Chinese Night“,<br />

zu der sich etwa 250-300 Personen ab 19.15 Uhr im EIGHT OH EIGHT<br />

(808), Budapester Straße 38-40, zusammenfinden werden. Ab 22:15<br />

Uhr rechnen die Veranstalter mit erhöhtem <strong>Taxi</strong>bedarf.<br />

Am zweiten Messetag feiern die Veranstalter am 8. März ab 22 Uhr<br />

mit erwarteten 200 Personen im Hotel Orania <strong>Berlin</strong> am Oranienplatz<br />

die ITB Luxury Late Night. <strong>Taxi</strong>bedarf ab Mitternacht.<br />

Am 10. und 11. März werden dann deutlich weniger <strong>Taxi</strong>gäste für<br />

Umsatz sorgen. Die ITB-Pforten öffnen sich an diesen beiden Tagen für<br />

Privatbesucher. „An diesen beiden Tagen sind überwiegend <strong>Berlin</strong>er<br />

und Brandenburger auf dem Messegelände unterwegs“ prognostiziert<br />

ein Messevertreter. Man rechne mit rund 50.000 Gästen.<br />

jh<br />

SEI-03M<br />

WICHTIG FÜR DAS TAXI<br />

FOTO: Messe <strong>Berlin</strong><br />

Messe ITB<br />

• 7.-9.3.<strong>2018</strong>, 10-18 Uhr: Fachbesuchertage<br />

• 10.-11.03.<strong>2018</strong>, 10-18 Uhr: Privatbesuchertage<br />

•<br />

Abendveranstaltungen<br />

• 6.3.<strong>2018</strong>, 18-24 Uhr:<br />

Eröffnungsfeier, ca. 3.500 Personen im CityCube <strong>Berlin</strong>,<br />

Westend, Messedamm (Zufahrt ehem. Jafféstr.)<br />

• 7.3.<strong>2018</strong>, 19:15 – 22:30 Uhr:<br />

ITB Chinese Night, ca. 250-300 Personen im EIGHT OH<br />

EIGHT (808), Charlottenburg, Budapester Straße 38-40 (im<br />

Bikini-Haus)<br />

• 8.3.<strong>2018</strong>, 22-1 Uhr:<br />

ITB Luxury Late Night, ca. 200 Personen im Orania.<strong>Berlin</strong>,<br />

Kreuzberg, Oranienstr. 40 (Ecke Oranienplatz)<br />

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TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

21


ANTRIEB<br />

Katharina Saberschinsky, Flottenverkauf Pkw,<br />

Verkaufsleiterin Flottenkunden<br />

Das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe zu Gast in der Mercedes-Benz Gallery<br />

NEUJAHRSEMPFANG<br />

UNTER EINEM<br />

BESONDEREN STERN<br />

Mercedes-Benz bekennt sich klar zum<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe und kündigt einen<br />

Entwicklungsschub bei der E-Mobilität an.<br />

Hans-Bahne Hansen, Niederlassungsleiter<br />

Alexander Wiedemann,<br />

Teamleitung Verkauf Pkw<br />

Alle Jahre wieder lädt Mercedes-Benz<br />

die Hautevolee des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

in seine in besonderer<br />

Weise repräsentative Gallery Unter den Linden<br />

ein – ein Event, das sich offenbar keiner<br />

der Protagonisten aus unserem Gewerbe entgehen<br />

lassen wollte. Auch <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> durfte<br />

dabei natürlich nicht fehlen.<br />

Hans-Bahne Hansen, seit September 2015<br />

Leiter der Mercedes-Benz-Niederlassung<br />

<strong>Berlin</strong> und davor Präsident und CEO von<br />

Mercedes-Benz Niederlande, konnte somit<br />

die Köpfe aller derzeit aktiven Gewerbevertretungen<br />

begrüßen, die Chefs der Funkzentralen<br />

und die <strong>Berlin</strong>er Fachpresse. Seine<br />

erste Botschaft: „Das <strong>Taxi</strong>gewerbe ist und<br />

bleibt wichtig für Mercedes-Benz“.<br />

Daran kamen zuletzt Zweifel auf. Der<br />

Autohersteller mutiert zusehends zum<br />

Mobilitätsdienstleister und ist damit automatisch<br />

in einen Wettbewerb mit dem klassischen<br />

<strong>Taxi</strong> getreten. Verunsicherung hat<br />

aber auch die seit März 2017 vakante Stelle<br />

des „Leiter Branchenmanagement <strong>Taxi</strong>“ ausgelöst.<br />

Es sah so aus, als solle diese wichtige<br />

Schnittstelle zwischen Vertrieb und<br />

Gewerbe aufgegeben werden. Diese Angst<br />

muss jetzt niemand mehr haben, wie der<br />

<strong>Berlin</strong>er Mercedes-Chef klarstellte. Es sei<br />

längst entschieden, diese – auch aus Sicht<br />

des Konzerns wichtige – Position so schnell<br />

wie möglich neu zu besetzen.<br />

Nach dieser grundsätzlichen Klärung<br />

begrüßten auch die Verkaufsleiterin für<br />

Flottenkunden, Katharina Saberschinsky,<br />

und der Teamleiter für den Pkw-Verkauf,<br />

Alexander Wiedemann, ihre Gäste, bevor<br />

dann alle an den Tischen Platz nahmen,<br />

um sich von der hervorragenden Küche<br />

der Mercedes-Benz Gallery verwöhnen zu<br />

lassen. Natürlich nutzten alle diese lockere<br />

Runde für einen intensiven Austausch miteinander,<br />

der noch durch zahlreiche weitere<br />

Ansprechpartner aus Verkauf und Service<br />

bereichert wurde.<br />

„Das <strong>Taxi</strong>gewerbe ist<br />

und bleibt wichtig für<br />

Mercedes-Benz“<br />

Hans-Bahne Hansen<br />

Es ging dabei auch um die aktuellen Aktivitäten<br />

und Planungen von Mercedes-Benz,<br />

bei denen der Schwerpunkt, so die Message,<br />

klar auf Elektro-Mobilität liegt. „Die großen<br />

Zukunftsthemen sind Digitalisierung, Vernetzung<br />

und Elektromobilität“, sagte Hans-<br />

Bahne Hansen, „bis 2022 sollen mindestens<br />

50 Modelle elektrifiziert sein. Mehr als zehn<br />

reine Elektroautos sollen dann bereits in<br />

Serie sein“. Bereits ab dem kommenden Jahr<br />

sollen Mercedes-Benz-Vans in Serie gehen.<br />

Auch die Hybridisierung der Flotte würde<br />

massiv vorangetrieben.<br />

Um die Service-Anforderungen für E-Mobilität<br />

erfüllen zu können, werden in den<br />

nächsten drei Jahren 50 Millionen Euro in<br />

die Mercedes-Welt am Salzufer investiert,<br />

insbesondere in Werkstatt-Neubauten.<br />

Bei der „Elektrooffensive“ von Mercedes-Benz<br />

wird konsequent auf die Produktion<br />

eigener Batterien gesetzt, in die weltweit<br />

Investitionen in Höhe von ca. eine Milliarde<br />

Euro geplant sind.<br />

Eine der größten und modernsten Batteriefabriken<br />

entsteht gerade im rund 50<br />

Kilometer von Dresden gelegenen Kamenz<br />

und soll bis zum Herbst in Betrieb gehen.<br />

Alleine dort werden rund 500 Millionen Euro<br />

investiert. Hans-Bahne Hansen: „Nur mit<br />

leistungsfähigen Batterien wird E-Mobilität<br />

auch für das <strong>Taxi</strong>gewerbe zur Alternative.“<br />

Die Nutzfahrzeugmodelle Vito und Sprinter<br />

sollen mit Akkus aus Kamenz ausgerüstet<br />

werden.<br />

Das kulinarisch ansprechende Mittagessen<br />

in der Mercedes-Benz Gallery war ein<br />

eindrucksvoller Rahmen eines sehr informativen<br />

und atmosphärisch gelungenen<br />

Treffens. Ein für die Zukunft offenbar gut<br />

aufgestellter Konzern und ein ihm traditionell<br />

eng verbundenes Gewerbe ließen dabei<br />

keinen Zweifel, dass im <strong>Taxi</strong>gewerbe der<br />

Stern auch in Zukunft strahlen wird. sb<br />

FOTO: Mercedes-Benz (3), Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

22 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


ANTRIEB<br />

NEUER STERN<br />

AM HYBRIDHIMMEL<br />

Volkswagen präsentiert in <strong>Berlin</strong> sein neues Plugin-Hybrid-<strong>Taxi</strong>.<br />

Es fährt mit Benzin und mit Strom<br />

aus der Steckdose.<br />

Volkswagen Passat GTE Variant <strong>Taxi</strong><br />

FOTO: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> Time<br />

Mit dem Passat GTE Variant<br />

bietet Volkswagen ab sofort ein<br />

geräumiges, stark motorisiertes<br />

Plug-in-Hybrid-<strong>Taxi</strong> an. Darin stecken<br />

ein 1.4-TSI-Benziner mit 115 kW (156 PS),<br />

ein E-Motor mit 85 kW (115 PS) und ein<br />

6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG. Alles<br />

zusammen kann eine Höchstleistung von<br />

218 PS und ein maximales Drehmoment von<br />

400 Nm auf die Straße bringen – mehr als<br />

genug für ein Großstadttaxi.<br />

Als Verbrauchs- und Emissionswerte<br />

werden angegeben: Kraftstoffverbrauch,<br />

l/100 km: kombiniert 1,8 - 1,7; Stromverbrauch,<br />

kWh/100 km: kombiniert 13,9 – 13,4;<br />

CO2-Emission, g/km: kombiniert 40 - 38;<br />

Effizienzklasse: A+. Das sind die offiziellen,<br />

nach allgemein üblichen Verfahren ermittelten<br />

Vergleichswerte, die mit den tatsächlich<br />

erzielbaren Verbräuchen meist wenig zu tun<br />

haben. Im Vergleich zu den Wertangaben<br />

anderer Autos sind sie allerdings beachtlich.<br />

Die Batterie des Elektromotors wird über<br />

die Steckdose zu Hause oder an öffentlichen<br />

Ladestationen mit Energie versorgt. Nach<br />

rund 4:20 Stunden ist der Lithium- Ionen-<br />

Akku vollständig aufgeladen. Bei Nutzung<br />

einer öffentlichen Ladestation oder der optional<br />

erhältlichen Wallbox ist eine Aufladung<br />

innerhalb von 2:45 Stunden möglich. Je nach<br />

Fahrweise und Strombedarf für Licht, Heizung,<br />

Klimaanlage, Radio usw. kann man<br />

damit bis zu 50 Kilometer fahren.<br />

Der Brutto-Listenpreis von knapp 50.000<br />

Euro sollte niemanden erschrecken. Nach<br />

Abzug aller möglichen Nachlasse und Prämien,<br />

die zurzeit befristet geboten werden,<br />

bleibt ein Finanzierungspreis von rund<br />

23.000 Euro mit einer Monatsrate von unter<br />

500 Euro. Näheres erfährt man von Herrn<br />

Liebetanz bei Volkswagen Automobile <strong>Berlin</strong>.<br />

Vorgestellt wurde das neue Prachtstück<br />

an einem schön gestalteten Abend am<br />

VW-Standort Oberlandstraße für die Prominenz<br />

des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes mit vielen<br />

VW-Leuten, darunter Jens Kotschwar, Nachfolger<br />

von Joachim Lindecke als bundesweiter<br />

Betreuer der <strong>Taxi</strong>sparte. <br />

wh<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

23


UMFRAGE<br />

SAG MAL, KOLLEGE...<br />

Tags oder nachts? Finderlohn? Wer ist Blitzerkönig und wer mag<br />

Hellelfenbein? Kollege Simi wollte es auf Facebook wissen – und bekam<br />

ehrliche Antworten.<br />

1. WER SIND DIE BLITZERKÖNIGE AUF FACEBOOK?<br />

5. WARST DU MIT DEINEM UMSATZ 2017 ZUFRIEDEN?<br />

„Oft genug. Kriege vom<br />

Blitzerfoto allein schon Herpes.“<br />

Hilmi T.<br />

· Die größten Spender zur Sanierung des Landeshaushalts sind Fatih<br />

Ö. und Imdat S.<br />

· Die weißeste Weste tragen Detlef S., Beyhan M. und Petra W.<br />

· Ein <strong>Berlin</strong>er wird so oft geblitzt, dass er den Spitznamen „Radar“ hat.<br />

2. SOLLTEN ALLE TAXEN DIE<br />

FARBE „HELLELFENBEIN“<br />

HABEN MÜSSEN?<br />

· Ja – 73%<br />

· Nein – 27%<br />

73%<br />

27%<br />

3. EIN FAHRGAST HAT 1.800 EURO<br />

IN DEINEM TAXI LIEGEN LASSEN.<br />

WAS MACHST DU?<br />

· Inan K.: „Kommt ganz drauf an, wie der<br />

Fahrgast drauf war. Wenn er sich schlecht benommen hat, würde<br />

ich das Geld spenden.“<br />

· Vedat K.: „3.800 Euro gefunden und abgegeben. 5 Euro als Dank<br />

vom Fahrgast erhalten!“<br />

· Caglayan M. „Urlaub.“<br />

4. VERSTEUERUNG DES TAXIS: FAHRTENBUCH ODER<br />

EIN-PROZENT-METHODE?<br />

· 1-%-Methode – 40%<br />

· Fahrtenbuch – 60%<br />

Der <strong>Berlin</strong>er Kollege<br />

Ahmet O. verzichtet<br />

seit dem Einbau eines<br />

Fiskaltaxameters auf<br />

die 1-Prozent-Methode.<br />

Im Softwarepaket für<br />

die Datenauswertung ist<br />

auch ein elektronisches<br />

Fahrtenbuch enthalten.<br />

Ja, bin zufrieden<br />

45% 40% 15%<br />

Ja, aber es wird<br />

von Jahr zu Jahr<br />

schwieriger<br />

7. FÄHRST DU GERNE AM TAGE<br />

ODER IN DER NACHT?<br />

· Am Tage – 60%<br />

· In der Nacht – 40%<br />

8. DEINE VORSÄTZE FÜR DAS JAHR<br />

<strong>2018</strong>?<br />

· Mehr Sport und Bewegung – 35%<br />

· Mehr Zeit für die Familie und Freunde – 25%<br />

· Stress vermeiden / abbauen – 25%<br />

· Gesünder ernähren – 10%<br />

· Mehr Zeit für mich selbst – 5%<br />

„Gute Vorsätze?<br />

Nö, ich habe genug Stress von<br />

außen, da stresse ich mich doch<br />

nicht auch noch selbst!“<br />

Ute V.<br />

2017 ist Geschichte.<br />

Was zählt, ist <strong>2018</strong><br />

6. WELCHE IST DEINE LIEBLINGS-TAXI-MARKE?<br />

· Platz 1: Mercedes<br />

· Platz 2: Volkswagen<br />

· Platz 3: Toyota<br />

· Platz 4: Opel<br />

· Platz 5: Ford<br />

60%<br />

40%<br />

GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

24 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


GASTRONOMIE-TIPP<br />

ZEIT FÜR EINE PAUSE<br />

Geduldsprobe für hungrige Genießer<br />

Das Wort Adana kann bei Freunden der türkischen Küche einen Pawlow'schen Reflex auslösen.<br />

Im Stamm-Restaurant in der Manteuffelstraße waren bereits Prominente aus aller Welt zu Gast.<br />

FOTOS: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

GUT ESSEN IM HERZEN VON<br />

KREUZBERG: ADANA-GRILLHAUS<br />

Von der Millionenstadt Adana aus<br />

fährt man nur knapp 50 Kilometer<br />

bis zum Mittelmeer. Von hier, aus<br />

dem Süden der Türkei, stammt eine weltweit<br />

beliebte, mit Kreuzkümmel und Paprika<br />

gewürzte Hackfleischmischung, die, zu<br />

flachen Spießen geformt und von professioneller<br />

Hand auf dem Holzkohlegrill zubereitet,<br />

einen verlockenden Duft und vor allem<br />

einen einmaligen, fast magisch würzigen<br />

Geschmack entfaltet.<br />

Das „alte“ Adana-Grillhaus in der Manteuffelstraße<br />

86 und das neue in der Skalitzer<br />

Straße 105 (auf Höhe des Treppenaufgangs<br />

zum Görlitzer U-Bahnhof) vereinen die<br />

Vorteile ihrer Vorgängerlokale (gemütlich,<br />

niveauvoll eingerichtet) und sparen die<br />

Nachteile anderer Restaurants im Kiez aus<br />

(z. B. weder Gäste noch Personal rauchen<br />

im Lokal). Auch hier können besondere<br />

Genießer direkt vor der metergroßen Schutzscheibe<br />

des großen Holzkohlegrills (ocakbaşı)<br />

Platz nehmen und den Köchen beim<br />

gekonnten Zubereiten der Speisen zusehen.<br />

Ob Hühnerflügel, klassisches Köfte, Lammfilets<br />

oder die guten, alten Adana-Spieße – hier<br />

läuft einem beim Zuschauen das Wasser im<br />

Munde zusammen, wobei man auf so manche<br />

Geduldsprobe gestellt wird, denn die Köche<br />

haben viel Erfahrung und wissen genau,<br />

wann das Fleisch exakt richtig durch ist.<br />

Auf der Speisekarte stehen unter anderem<br />

neun verschiedene kalte Vorspeisen und<br />

weit über 20 Grillgerichte (auch Dorade für<br />

Fischliebhaber). Wie es für ein gutes Restaurant<br />

mit „türkischer Garküche” (wie es auf<br />

der Internetseite heißt) angemessen ist, wird<br />

das Angebot nicht nur mit erlesenen Beilagen<br />

wie Ezme und in Rekordgeschwindigkeit<br />

gehacktem Salat abgerundet. Für ein vollkommenes<br />

kulinarisches Erlebnis der Sonderklasse<br />

sorgen auch die frisch zubereiteten<br />

Nachspeisen wie Künefe oder Milchreis, bei<br />

denen es sich in jedem Fall lohnt, die Kalorien<br />

zu genießen, statt sie zu zählen.<br />

Restaurantbesitzer Cevat Akpolat pflegt<br />

den persönlichen Kontakt zu seinen Gästen,<br />

zu denen neben türkischen und deutschen<br />

Kreuzberger Ureinwohnern auch Touristen<br />

aus aller Welt zählen. Prominente wie Franz<br />

Müntefering, Thomas Gottschalk, Max Herre,<br />

Özcan Mutlu, Michael Mendelsohn, Benno<br />

Fürmann und viele weitere waren schon hier.<br />

Starkoch Wolfram Siebeck spricht von „einer<br />

der besten türkischen Küchen <strong>Berlin</strong>s“. Auch<br />

die Medien sind voll des Lobes: <strong>Berlin</strong>er Zeitung,<br />

Kabel 1, The Guardian – und nun sogar<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong>. Auf seiner Internetseite<br />

zeigt Cevat sich inmitten einer Gruppe internationaler<br />

Gäste – sowie selbstbewusst mit<br />

einem Teller seiner namensgebenden Lieblingskreation,<br />

dem Adana-Spieß. ar<br />

Mediterran, gemütlich, ohne Hochglanz<br />

Als der Platz in der Manteuffelstraße knapp<br />

wurde, kam die Erweite rung: das neue Adana-<br />

Grillhaus in der Skalitzer Straße 105<br />

ADANA-GRILLHAUS<br />

Kreuzberg, Skalitzer Str. 105<br />

(Ecke Oranienstr.)<br />

Kreuzberg, Manteuffelstr. 86<br />

(Ecke Oranienstr.)<br />

Öffnungszeiten<br />

täglich 12 Uhr bis 2 Uhr<br />

(bei Bedarf länger)<br />

TAXI FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong><br />

25


KOLUMNE<br />

DER FAHRGAST UND<br />

DER GEDANKENLESER<br />

Der <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>fahrer ist ein Alleskönner.<br />

Hinsichtlich des Fahrtwegs auch ein Alleskenner.<br />

Bald kommt noch eine neue Disziplin dazu.<br />

GRAFIK: Axel Rühle /<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Mal ist man als Fahrer ein böser<br />

Schlawiner, weil man die vom<br />

Fahrgast handverlegte Straße<br />

durch den Kleingarten des Nachbarn nicht<br />

nutzt, weil die derzeit von drei konkurrierenden<br />

Wildschweinrotten beansprucht wird;<br />

bei anderen Fahrten sollen wir jaa nicht von<br />

der geraden Strecke abweichen, während bei<br />

jeder Ausfahrt erneut ein Schild zeigt, dass<br />

wir uns auf einer Ringautobahn befinden.<br />

Tatsächlich habe ich die Tage erst wieder<br />

eine neue Strecke in <strong>Berlin</strong> entdecken dürfen,<br />

bei der man tatsächlich durch die Anordnung<br />

„immer geradeaus“ auch ans Ziel kommt,<br />

die mir aber in sieben kalten Wintern nicht<br />

eingefallen<br />

wäre. Komplettiert<br />

durch die<br />

g r o t e ske<br />

Begründung, dass dieser Weg der bessere<br />

sei, weil wir dort am Haus eines Fahrdienstes<br />

vorbeikommen würden, deren Nummer<br />

sich der Fahrgast dort von der Hauswand<br />

für später – falls sich seine Herzprobleme<br />

als ernster als bisher (!) erweisen würden –<br />

notieren könne. Notieren.<br />

Eine Telefonnummer, von<br />

der er weiß, wo sie steht. In<br />

einem internettauglichen<br />

Handy.<br />

Das konnte in den letzten<br />

zehn Jahren wohl nur der Vogel toppen,<br />

der mich bat, einen locker fünf Kilometer<br />

weiten Umweg zu fahren, weil mich dort<br />

„die Bullen nicht rausziehen“ falls ich was<br />

getrunken hätte.<br />

Aber letzterer war der Einzige, dem ich es<br />

letztlich trotz der Nachfrage abgeschlagen<br />

hab, ich kleiner Idealist. Ansonsten weise ich<br />

nur kurz drauf<br />

hin, manchmal<br />

denke ich<br />

mir meinen<br />

Teil natürlich auch nur. Wer lehnt schon<br />

geschenktes Geld ab?<br />

Und dann tritt die Frau an mein <strong>Taxi</strong>, ich<br />

glaubte da schon, sie wiederzuerkennen. Bei<br />

ihrer Zieladresse hatte ich sofort eine Strecke<br />

im Kopf und bin losgefahren. Wieso hatte ich<br />

das noch im Kopf? Sie half mir umgehend:<br />

„Sie, das finde ich ganz toll, dass sie jetzt<br />

einfach losgefahren sind!“ O weh! Ich erinnerte<br />

mich … „Wissen Sie, was mich immer<br />

wieder fuchsteufelswild macht?“<br />

Ich wusste es, und so giftig, wie sie nun<br />

das „fuchteufelswild“ herauspresste, war<br />

mir klar, dass sie sich im Gegenzug nicht<br />

an die damalige Diskussion, geschweige<br />

denn meine Argumente erinnerte. Oder<br />

sich nicht dafür interessierte. Denn sie war<br />

einer der ganz speziellen – sie scherte sich<br />

nicht darum, ob eine Strecke zu lang oder zu<br />

kurz ist, sondern darum, ob der <strong>Taxi</strong>fahrer<br />

sie alleine findet. Und da nicht in die Ecke<br />

der Nörgler, die sich gerne in Vor-Navi-Zeiten<br />

zurückwünschen, weil sie selbst ihre<br />

drei Adressen auswendig kennen, nein: Sie<br />

postulierte (jetzt erneut), dass sie beim <strong>Taxi</strong>fahren<br />

dafür bezahle, dass<br />

sie nicht belästigt wird mit<br />

der Streckenfindung.<br />

Dass man als Dienstleister<br />

meist gut daran tut, die<br />

Wünsche der Kunden zu<br />

erfragen, wollte sie nicht gelten lassen, denn<br />

schließlich sei ihr Wunsch ja eben, nicht<br />

gefragt zu werden. Vor so viel Realitätsverweigerung<br />

musste ich letztlich auch einfach<br />

den Hut ziehen und die große Spirale des<br />

Schweigens eröffnen. Sollte sich das weiter<br />

verschärfen, treffe ich irgendwann wirklich<br />

noch auf Leute, die es unprofessionell finden,<br />

wenn ich nach der Adresse frage. Harald<br />

Juhnke soll so einer gewesen sein, ich warte<br />

dann mal auf den Nachfolger und schule um<br />

eine neue Disziplin - auf Gedankenleser.<br />

<br />

sash<br />

Der Autor Sascha Bors betreibt als „Sash“<br />

einen eigenen <strong>Taxi</strong>blog.<br />

IMPRESSUM<br />

Verlag<br />

taxi-times Verlags GmbH,<br />

Frankfurter Ring 193 a<br />

80807 München, Deutschland<br />

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Redaktion (tt)<br />

Stephan Berndt (sb), Wilfried Hochfeld (wh),<br />

Axel Rühle (ar), Hayrettin Şimşek (hs)<br />

E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi<br />

Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />

Carsten Hendrych (ch), Detlev Freutel (df), Philipp<br />

Rohde (prh), Rolf Feja (rf), Sascha Bors (sash)<br />

Grafik<br />

Stanislav Statsenko, info@inversi-design.de<br />

Anzeigenleitung und Vertrieb<br />

Elke Gersdorf, e.gersdorf@taxi-times.taxi<br />

Telefon: +49 (0)89 / 14 83 87 92<br />

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Chroma Druckerei, Przemysłowa 5,<br />

68-200 Żary, Polen<br />

Erscheinungsweise: 6 x pro Jahr<br />

Heftpreis: 3,50 € (inkl. MwSt.)<br />

ISSN-Nr.: 2367-3842<br />

Weitere Verlagsmagazine:<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> München<br />

Die <strong>Taxi</strong>zentrale <strong>Berlin</strong> TZB GmbH sowie das<br />

<strong>Taxi</strong>-Gremium, bestehend aus den drei <strong>Berlin</strong>er<br />

Verbänden Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

e. V., <strong>Taxi</strong> Deutschland <strong>Berlin</strong> e. V. und<br />

<strong>Taxi</strong>verband <strong>Berlin</strong>, Brandenburg e. V., bekommen<br />

in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong> eigens gekennzeichnete<br />

Mitteilungsseiten, für deren Inhalte die<br />

Genannten im Sinne des Presserechtes selbst<br />

verantwortlich sind.<br />

26 FEBRUAR/MÄRZ <strong>2018</strong> TAXI


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