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Im Lande der Bibel 1/2018

Zur Hoffnung berufen? Erinnerungskultur in Israel und Palästina

Fairness für beide

Fairness für beide Seiten Brücken bauen für Israel und Palästina Der Berliner Bischof Dr. Markus Dröge (EKBO) begrüßte die Gäste des Empfangs des Berliner Missionswerkes zum Jahresfest des Jerusalemsvereins. In seiner Ansprache im Kaiserin Friedrich-Haus legte er nah, dass ein bewusster Umgang mit Geschichte Dialog und Versöhnung ermöglicht. Von Bischof Markus Dröge „Erinnerung“ ist das Thema des diesjährigen Jahresfestes des Jerusalemsvereins. Die evangelische Kirche kommt ja gerade aus einem großen Erinnerungsjahr – „500 Jahre Reformation“ sind vielfältig und ausgiebig bedacht worden. Und es war ein gutes Jahr. Wir sind vielfach mit unserer Botschaft auf Interesse gestoßen. Wir haben ökumenisch gefeiert und international. Bezogen auf das Heilige Land wird 2018 besonders der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren gedacht werden. Und von vielen wird zugleich erinnert werden, dass diese Staatsgründung sich für die Palästinenser mit deren nationaler Katastrophe, der Nakba, verbindet. Dieses zweiseitige Jubiläum, bei dem eben nur einer Seite zum Jubeln zumute ist, während die andere zur Klage anstimmt, wird am heutigen Nachmittag in diesem Hause weiter vertieft werden. In Deutschland werden wir in diesem Jahr auch an ein anderes Ereignis erinnern – an ein für unser Land ebenso prägendes, wie erschütterndes Ereignis: den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren. Es war ein Krieg, an dem auch andere europäische Staaten beteiligt waren, der sich aber doch in Deutschland austobte, der Deutschland unvorstellbar verwüstete, der die Gesellschaft tiefgreifend erschütterte und Regeln, die bis dahin galten, auflöste. Dieser Krieg und seine Folgen prägen Deutschland bis heute stärker, als uns oft bewusst ist. Zur Hoffnung berufen? Erinnerungskultur in Israel und Palästina Der Dreißigjährige Krieg führt uns vor, wie unmenschlich eine Situation werden kann, wenn Religion als Konfliktgrund vorgeschoben und missbraucht wird. Denn der Dreißigjährige Krieg war eben nur auf den ersten Blick ein Religionskrieg – es ging gar nicht einfach um „evangelisch“ gegen „katholisch“. Eigentlich ging es um Macht und Einfluss, um Identität und Unabhängigkeit. Nach Ende des Krieges entstand eine neue Friedensordnung, die es ermöglicht hat, dass Menschen mit bleibend unterschiedlichem religiösen Wahrheitsverständnis friedlich miteinander leben konnten. Heute leben wir in einer Zeit, in der – leider – wieder verstärkt der Glaube der Menschen, ihre religiösen Überzeugungen, für politische Interessenlagen instrumentalisiert wird. Es werden 6 | IM LANDE DER BIBEL 01/2018 IM LANDE DER BIBEL 01/2018 | 7