Patchwork Professional 02/2018

partnermedienverlag

Seit nun schon mehr 10 Jahren befasst sich das Patchwork Professional intensiv mit den Themen Quilt & Textilkunst. Das Heft erscheint 4x im Jahr. Wir möchten unseren Lesern nicht nur weiterführende Informationen zur vielseitigen Textilkunstbranche bieten sondern auch inspirieren und Anregungen zum Experimentieren geben. Außerdem stellen wir neue Techniken sowie Materialien vor und präsentieren Werke von ausgesuchten Künstlern. Das Patchwork Professional ist sowohl für Fortgeschrittene als auch für Profis geeignet. Zahlreiche Workshops und Projekte laden zum Nacharbeiten ein. Hier werden nicht nur neue Techniken Schritt-für-Schritt erklärt, sondern auch ein Mystery Quilt aus mehreren Teilen gemeinsam von Ausgabe zu Ausgabe genäht.

PARTNER Medien Verlag

PATCHWORK PROFESSIONAL

Quilt- & Textilkunst

PATCHWORK

PROFESSIONAL 02/2018

12

kreative

Projekte &

Workshops

Aktuelle Informationen

rund um das Thema

Patchwork und Quilten

Deutschland 9,90 €

A: 10,90 € · CH: 15,90 SFr · BeNeLux: 11,50 €

F/E/I/SK: 13,50 € · FIN: 13,90 € · DK:105 DKr

S: 120 SKr

spektakuläre Quilts Workshops Interessante Techniken zum Experimentieren

70

IVA STEINER

Interview und

Quilt-Workshop

Mixed Media

Embroidery Artist

CLAUDIA JÄGGI

OH SCHRECK EIN TEEFLECK!

Workshop entspannendes und

kreatives Sticken mit Pia Welsch

MODERN CHALLENGE OF

TECHNIQUES

Letzter Teil - Wir quilten

JOE CUNNINGHAM

Künstlerporträt

TRACY JAMAR

Textile Arbeiten im Spiegel der Zeit

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6 26

18

34

58

INHALT

INTERVIEWS & PORTRÄTS

6 Joe the Quilter

Interview mit Joe Cunningham

18 Tracy Jamar

Textile Arbeiten im Spiegel der Zeit

26 Iva Steiner

Junges Talent mit Liebe zu geometrischen Formen

34 Projekt 7 / zwölf

Wenn es mehr wird als ein Hobby

44 Künstlerporträt Sheila Mortlock

“I’ll never be a quilter!”

50 Stoff trifft Raum

Neuigkeiten über die Ausstellung

der Network Quilters

58 Claudia Jäggi

Schweizer Mixed-Media-Embroidery-Artistin

70 Mein Lieblingsquilt

John Kubiniec, Abstract

72 Tipps für Trips

Bis es mir vom Leibe fällt, Berlin

PROJEKTE, TIPPS &

WORKSHOPS

12 Modern Challenge of Techniques

Mystery-Teil-04 von Anke Wechsung

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12

72

78 44 54

30 Crazy Fairy Dust - Modern Quilting

Von Iva Steiner

35 Blätter in der Stadt

Von Renate Freudenberg

37 Miniquilt „Infektion“

Von Mario Pietrini

40 Restefest

Von Claudia Jochum-Baltes

51 Pop-up-Objekt

Von Katharina Clausen

54 Der Patchwork-Stuhl

Von Gabriele Schulz-Herzberger

56 Teefleck-Stickereien

Von Pia Welsch

68 Jubiläumsquilt

Von Sandra Lindner

78 Bauhaus-Quilt

Vom Andrea Kollath

RUBRIKEN

3 Editorial

42 Neues von der NADELWELT

64 Das Fachgeschäft in Ihrer Nähe

66 News

76 Termine

79 Impressum

81 Schablonen

83 Vorschau

Titelthema in Rot

Titelbild: Gravity Quilt (Jaybird Quilts) von Iva Steiner

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INTERvIEw JOE CuNNINgHAm

Foto: Johnny Davis

Joe vor seiner Arbeit winter-twister, 73 x 69 Inch

6

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PROJEkT mysTERy

modern Challenge of Techniques

– Teil 4 –

Fotos: Mirjam Anselm, Stepbilder: Anke Wechsung

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Mariner’s-Compass

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PROJEkT mysTERy

Linien, denn Sie sollten diese Stichdichte

über das gesamte Quilt-Top gleichmäßig

durchhalten, ansonsten entstehen schnell

Falten, die gar nicht schön aussehen. Muster

mit engen Linien und vielen Kreisen

und Bögen nehmen allein schon durch

die Richtungswechsel sehr viel mehr Zeit

in Anspruch als Muster mit flachen Bögen

und weiteren Abständen. Auch gilt es, sich

Gedanken zu machen, wie und in welcher

Linienabfolge man das Muster quiltet. Es

gibt sogenannte „Continuous Line Patterns“

– das sind Quiltmuster, die Sie als kontinuierliche

Linie ohne Absetzen quilten können.

Oftmals ist auf den Quiltschablonen

in kleinen Schaubildern mit Pfeilen dargestellt,

wie gequiltet wird.

Quiltmuster Aquamarin

Den Aquamarin-Quilt habe ich mit der Hand

gequiltet. Es handelt sich um einen Quilt

mit überwiegend grafischem Design. In so

einem Fall löse ich gerne die sehr strengen

Linienführungen mit organischen Formen

auf. Treten Sie von Ihrem Quilt zurück

und finden Sie Formen und Bereiche,

die Sie betonen oder in den Hintergrund

stellen möchten. Ich habe vier Bereiche

herausgearbeitet:

Der Aquamarinblock als Hexagon in der

Mitte wirkt für sich und muss meines

Erachtens nicht durch zusätzliche Linien

gestört werden. Hier habe ich tatsächlich

in der Naht von der Mitte nach außen

gequiltet.

Die Applikationen um den Aquamarin

herum ergeben bei näherer Betrachtung

ebenfalls ein Hexagon – gedreht in der

Ausführung des Mittelblockes – dieses

habe ich, zusammen mit parallelen Linien

zu den Applikationskanten, mit geraden

Linien betont.

Daraus resultieren dreieckige Bereiche

zwischen den geraden Linien, die ich relativ

flächig herausarbeiten wollte, um

die nicht gequilteten Applikationsformen

und den Mittelblock in den Vordergrund

rücken zu lassen. Bei der Wahl des Musters

habe ich mich an den verwendeten

Stoffmustern orientiert. Hier sind viele

Blattmotive und Blüten zu finden. Eine

stilisierte Blattranke mit Blüte in dreieckiger

Form bot sich als vorgefertigte

Schablone an. Im verbleibenden Teil des

Dreiecks habe ich Rauten aus der Blockmitte

des Aquamarins mit einfachen Linien

nachempfunden, sodass dieses Motiv

noch einmal auftaucht.

Den Hintergrund außerhalb des Hexagons

habe ich mit der Blattranke flächig nach

Lust und Laune gefüllt und abschließend

im Rand nur die Blütenmotive mit

Wellenlinien eingefasst. Wer sich ein

wenig Handzeichnen zutraut, kann auch

vollkommen frei Muster aufzeichnen und

nachquilten. Ich lasse mich in solchen

Fällen auch gerne von den verarbeiteten

Stoffmustern inspirieren und fertige mir

gegebenenfalls eine eigene Schablone aus

Pappe oder Folie.

maschinenquilten und die

Auswahl des musters

Das Quilten mit der handelsüblichen Nähmaschine

bedarf etwas mehr Vorbereitung

und Übung. So einfach wie die schicken

Videos im Internet von bekannten Quilterinnen

aussehen, so aufwändig ist es, selbst

einen Zugang zum Maschinenquilten zu

finden. Ich selbst brauche immer noch

erhebliche Überwindung, um mit der Maschine

zu quilten, aber habe mittlerweile

ein paar Hilfsmittel, die mir das Leben einfacher

machen.

Ganz wichtig ist das Thema Fadenspannung!

Die meisten von uns haben höchsten

Respekt vor der Veränderung der Fadenspannung

an der Maschine – leider nützt

es nichts! Wir arbeiten nicht nur mit dickeren

Fäden, sondern auch mit viel dickeren

Stofflagen – da kann die Fadenspannung,

die wir zum Patchen verwenden, nicht die

gleiche sein wie zum Quilten!

Fertigen Sie sich ein kleines Probe-Quiltsandwich

und justieren Sie so lange die

Ober- und auch die Unterfadenspannung,

bis das Näh ergebnis perfekt ist. Ich habe

mir für meine Maschine eine zweite Spulenkapsel

für den Unterfaden zugelegt, so muss

ich daran keine Einstellung verändern und

tausche die Kapsel einfach nur aus. Legen

Sie sich einen Quiltfuß zu, damit Sie einen

guten Blick auf den Stoff haben, versenken

Sie den Transporteur und los geht’s!

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PORTRäT TRACy JAmAR

Textile Arbeiten im spiegel der Zeit

Der amerikanischen Textilkünstlerin Tracy Jamar ist es wichtig, mit ihren handgefertigten Arbeiten

nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Zeitdokument zu erschaffen.

Fotos: Tracy Jamar, Porträt: Susan Parrett

oKC, 19 x 26 Inch

Zum Gedenken an die Opfer, die am 19. April 1995 bei dem Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma

City ums Leben kamen. Die Namen jedes einzelnen der 168 Todesopfer wurden auf einem gelben Stoffstreifen verewigt

und eingeknüpft. Man kann die Namen nicht mehr lesen, aber die Buchstaben bleiben sichtbar.

Recycelte Baumwoll-T-Shirts auf Stramin geknüpft.

Schon als kleines Kind hatte ich große Freude daran, mit

meinen Händen durch Knopfkisten zu wühlen, die Knöpfe zu

sortieren und kleine Stoffreste zu Mustern zu arrangieren.

Mein Vater war in der U.S. Army und so bin ich als Kind oft

umgezogen. Zunächst wohnte ich im Osten der Vereinigten

Staaten (Virginia, Massachusetts und New York), dann in den

frühen Fünfzigerjahren zogen wir für ein Jahr nach Japan. Als

mein Vater die Armee verlassen hatte, sind wir wieder zurück

in die Heimat meiner Eltern, Minnesota, gegangen. Dort

habe ich dann gelebt, bis ich an die University of Colorado in

Boulder, Colorado gezogen bin. Schnell merkte ich, dass dies

nicht das war, was ich wirklich wollte.

Ich ging zurück nach Minneapolis. Dort versuchte ich mich

als Dekorateurin und nähte Kleider für eine Boutique, und

verkaufte selbstgemachte Perlen- und Makrameearbeiten.

Anfang der Siebzigerjahre arbeitete ich dann als Verkäuferin

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PORTRäT TRACy JAmAR

tossed, Umfang 69 Inch, Höhe 8 Inch

1475 Teile aufgewickelter Wolle, beidseitig auf eine rostfreie Schüssel aufgeklebt.

maze, 12,25 x 15 Inch

Verschiedenste Wollarten aufgerollt

Ich merke, wie ich mich durch meine Liebe

zu Texturen, Mustern und Materialien (vor

allem Stoffe zur Wiederverwendung aus

anderen Bereichen), zu antiken, aber auch

zu abstrakten Designs hingezogen fühle..

Unser Haus in East Hampton liegt neben

dem Pollock-Krasner House and Study

Centre (ehemaliges Zuhause / Studio von

Jackson Pollock und Lee Krasner), hier werde

ich als Dozentin arbeiten. Ich mag Boxen,

Container und Gitter. All das wird in meinem

nächsten Projekt eine große Rolle spielen.

Meine Ideen dazu füllen noch die Seiten

meines Skizzenbuchs, doch spiele ich schon

die verschiedensten Möglichkeiten der Umsetzbarkeit

durch. Des Weiteren möchte ich

eine Serie von Boros aus alten T-Shirts und

unter Einsatz von Farbmanipulation nähen.

Ich neige dazu, immer alle mir bekannten

Techniken gleichzeitig anzuwenden, deshalb

werde ich jetzt einmal versuchen, für eine

Weile bei einer Serie zu bleiben, um zu

sehen, wie sich eine bestimmte Technik oder

Idee weiterentwickeln kann, aber wie so oft

packt mich sicher eine neue Idee und schon

ist der gute Vorsatz dahin.

HA

De

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INTERvIEw IvA sTEINER

Interview mit Iva steiner

Junges Schweizer Talent mit großer Liebe zu geometrischen Formen.

Fotos: Iva Steiner

gravity Quilt (Jaybird Quilts), 240 x 240 cm

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wORksHOP CRAZy FAIRy DusT

Crazy Fairy Dust - modern Quilting

Ein moderner Quilt mit ausreichend Platz zum Quilten

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PORTRAIT sHEILA mORTLOCk

künstlerporträt:

sheila mortlock

Lernen Sie die schottische Textilkünstlerin kennen, die gerne einmal über den Tellerrand schaut.

Fotos: Sheila Mortlock

Meine Mutter arbeitete als Designerin für Strickwaren und so bin

ich damit aufgewachsen, dass es ganz natürlich ist, etwas mit den

Händen zu arbeiten – Handarbeit eben. Sie hatte immer etwas zu

stricken auf den Nadeln oder ein Nähprojekt in Arbeit, dazu gehörte

auch selbstverständlich das Nähen von Kleidungsstücken. Auch ich

habe das Nähen und Stricken – das Machen – schon immer geliebt.

Ich finde es sehr entspannend, aber auf der anderen Seite auch

enorm stimulierend.

Als ich mich kurz vor meinem Schulabschluss für einen Studiengang

entscheiden musste, wurde ich durch einen meiner Kunstlehrer

inspiriert, mich am Duncan of Jordanstone College of Art and

Design zu bewerben. Meine Lehrerin Mrs. Russell, die ich sehr

schätzte, hatte dort die Studiengänge Textildruck und Stickerei

absolviert. Also entschied ich mich dafür, dass, wenn ich einen

Platz an dieser Kunstschule bekäme, dies die Fächer waren, die ich

studieren wollte. Ich habe meine Entscheidung bis zum heutigen

Tage nie bereut.

Die fünf Jahre, die am Duncan of Jordanstone College of Art and

Design verbringen durfte, haben mir nicht nur eine fundierte

Ausbildung im Bereich Textildesign und der Stickerei gebracht,

sondern auch die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte – wir

waren eine unglaublich kreative Truppe und mit den meisten bin

ich bis heute noch eng befreundet – haben mich stark geprägt. Zu

meiner Studienzeit war es damals noch üblich, dass ein Student

der Kunst studieren wollte, sich, egal auf welches Fachgebiet er sich

spezialisiert hatte, auch Kurse in Malerei und Zeichnen, Bildhauerei

und Design belegen musste. Aus diesem Grund habe ich eine solide

Ausbildung in genauem Beobachten und Zeichnen nach lebendigen

Vorlagen erhalten, beides eine enorm wichtige Grundlage für

kreatives Arbeiten. Während meiner Studienzeit entwickelte sich

bei mir auch ein starkes Gefühl für die schottischen Wurzeln

und Traditionen von Stickkunst und Design. Damals wurde die

Stickereiklasse von Marion Stewart unterrichtet. Marion Stewart war

eine Schülerin der großen Kathleen Whyte von der Glasgow School

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vORBEREITuNg EINER AussTELLuNg

stoff trifft Raum

– eine Ausstellung im werden

Auch im letzten Teil dieser Serie möchten wir die Network Quilters bei der Vorbereitung ihrer neuen

Ausstellung „Stoff trifft Raum“ begleiten. In den Ausgaben (PP-03-2017 bis PP-01-2018) haben sich die

einzelnen Mitglieder vorgestellt und über erste Gedanken zum Thema und deren Umsetzung berichtet.

Heute möchten wir kurz vor der Ausstellungseröffnung von Gabriele Schultz-Herzberger, Katharina Clausen

und Pia Welsch wissen, was aus ihren ursprünglichen Ideen geworden ist.

katharina Clausen - Einfach Natur?

Fotos: Klaus Herzberger, Katharina Clausen, Pia Welsch

Die Idee, die Natur als „meinen Raum“ zu

wählen, kam mir spontan und unmittelbar,

als sich die Gruppe auf unser neues Thema

verständigt hatte. Draußen zu sein an der

frischen Luft, sei es um mir die Beine zu

vertreten oder den Kopf frei zu bekommen,

ist für mein Wohlbefinden elementar.

Deshalb ist mir natürlich die Umgebung, in

der ich mich bewege, sehr wichtig. So weit,

so klar? Oder doch noch nicht ganz? Ich

könnte mir den Wald hinter meinem Haus

oder ein Fleckchen im Garten vornehmen

und das, was ich sehe, in einem Quilt

umsetzen. Aber auf die Frage „was“ folgt

ja sofort die Frage „wie“ gestalte ich

mein Thema. Liegt nicht die spannende

Herausforderung des Ausstellungsthemas

„Räumlichkeit“ in der Frage, wie ich die

Veränderung von der Zweidimensionalität

eines Quilts zur Dreidimensionalität eines

Raumes oder Objektes vollziehe?

blaue Kreise von Katharina Clausen

Auf der Suche nach einer Lösung bin ich auf

das Prinzip „Pop-Up“ gestoßen. Der Begriff

stammt ja nicht erst aus dem Computerzeitalter,

sondern bezeichnete zunächst

ein Verfahren, durch Falten und Schneiden

von Papier Gebilde zu kreieren, die sich

beim Entfalten selbst aufrichten und beim

Zusammenfalten wieder schließen. Heutzutage

findet man die Technik hauptsächlich

auf Grußpostkarten. Tatsächlich entstanden

die ersten Pop-Up-Kinderbücher Mitte

des 19. Jahrhunderts in England. Später

erlangte in Deutschland vor allem die

Papier bildnerei von Lothar Meggendorfer

mit ihren farbenfrohen Kinder büchern,

die ganze Zirkuszelte oder Landschaften

zum Leben erweckten, große Bekanntheit.

Später gab es „Paper Engineers“ wie Wally

Hunt, Vic Duppa-Whyte, Ron van der Meer

oder Peter Dahmen, die sich im Bereich

Papierdesign einen Namen gemacht haben.

steckbrief

Name: Katharina Clausen

Wohnort: Stockdorf bei München

Quiltet seit: ich 1995 dem ersten

Quilt erlegen bin

Ich bin ein Network Quilter, weil:

wir nicht nur vertrauensvoll und gut

zusammenarbeiten, sondern mir die

Frauen hinter den Quilts ans Herz

gewachsen sind.

Stoff trifft Raum: „Narrenspiel will

Raum haben“ (Sprichwort) und

„Das Wertvolle im Leben ist die

Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer

schöpferischen Kräfte.“ Albert Einstein

Bis auf wenige Ausnahmen sind die

Arbeiten eher in kleineren Formaten gehalten.

Das Material der Wahl scheint fast

ausschließlich Papier zu sein. Trotzdem

stürze ich mich wagemutig in ein richtig

großes und textiles Pop-Up-Projekt! Zum

Glück weiß ich da noch nicht, was ich mir

da vorgenommen habe.

Um zu verstehen, wie ein Pop-Up-Projekt

funktioniert, beginne ich trotzdem zunächst

mit Papiermodellen. Dabei wird mir

schnell klar: ich bewege mich diametral

weg von dem, was ich eigentlich mit dem

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PORTRäT CLAuDIA JäggI

was wäre, wenn...

... Claudia Jäggis Großmütter sich nicht mit Nadel und Faden beschäftigt hätten? Die Schweizer Künstlerin

erzählt, wie es dazu kam, das sie nun „Mixed Media Embroidery Artist“ ist.

Fotos: Claudia Jäggi

Wenn ich gefragt werde, wie ich zur textilen

Kunst gekommen bin, antworte ich: Es wurde

mir wohl mit in die Wiege gelegt. Meine

Großmutter mütterlicherseits, wir nannten sie

„Nani“, arbeitete als Handarbeitslehrerin und

meine Großmutter väterlicherseits, von uns

„Grosi“, genannt, war Schneiderin. Diese beiden

Frauen haben eine sehr wichtige Rolle auf

meinem Weg zur Textilkünstlerin gespielt.

Großmutter Nani beherrschte was man heutzutage

Multitasking nennt. Sie managte den

kleinen Bauernhof, den sie zusammen mit

meinem Großvater aufgebaut hatte, kümmerte

sich um das Gästezimmer, das sie im Wohnhaus

vermietete, bereitete die Mahlzeiten für

die Gäste und die Familie zu, zog zwei Kinder

groß und betreute ihre kranke Mutter. Außerdem

arbeitete sie noch in Vollzeit als Handarbeitslehrerin

an der örtlichen Grund schule.

Sie war sehr versiert in allen Handarbeitstechniken,

und einige davon habe ich bei ihr von

der Pike auf gelernt. Ich erinnere mich noch

sehr genau ans Strickenlernen, wir saßen

zusammen im Wohnzimmer auf der kleinen

Root-2, Serie Roots, 28 x 22 x 8 cm

Mit dieser (noch laufenden) Serie wollte

ich die Möglichkeiten einer Fusion von

Holz und Stickerei erkunden. Erstmals

wagte ich mich an skulpturales Schaffen

heran. Die Wurzeln/Äste sind Fundstücke

meines Vaters, die er teilweise leicht

bearbeitet hat. Das Holz fügt der fertigen

Skulptur zudem noch eine zusätzliche

olfaktorische Dimension hinzu.

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JuBILäums-mysTERy

Jubiläums–mystery Teil-02

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Quilt Et Textilkunst in München hat Sandra Lindner einen

Mystery-Quilt für uns entworfen. Für jedes der 20 Jahre wird ein anderer Stoff verwendet. Der fertige

Quilt wird ein Endmaß von ca. 125 x 125 cm haben. Der Quilt wird in Inch gearbeitet und besteht aus

36 Blöcken (je 8,5 Inch inkl. Nahtzugaben)

Die Anleitung für den ersten block

finden Sie in der Ausgabe PP-01-2018.

Fotos: mit freundlicher Genehmigung Rebecca Bryan, Stepbilder: Sandra Lindner

material

Stoffiste Block-02

Alle Stoffe aus der Serie „Panache“

von Rebecca Bryan

• Stoff B: Weiß mit

schwarzen Mustern

• Stoff D: Grau mit Kreisen

• Stoff E: Türkis mit weißen Mustern

• Stoff F: Türkisgrün mit Dreiecken

• Stoff G: Aqua mit Kreisen

• Stoff H: Blau mit Dreiecken

• Stoff I: Blau mit blauen Mustern

Zuschneiden

Eine Nahtzugabe von ¼ Inch ist in allen Maßen enthalten.

1

Die Streifen immer über die gesamte Stoffbreite schneiden. Wenn vorhanden, ist ein

„BlocLoc HAST“-Lineal in der Größe von 6,5 Inch (Bezugsquelle siehe Ende des Beitrages)

eine große Arbeitserleichterung, aber es geht auch ohne.

• Stoff B: 1 Streifen von 2 ½ Inch, daraus 16 Quadrate von je 2 ½ x 2 ½ Inch schneiden.

1 Streifen von 3 ¼ Inch, daraus 4 Quadrate von je 3 ¼ x 3 ¼ Inch schneiden.

Der Rest wird später benötigt.

• Stoff D: 2 Streifen von je 5 ¼ Inch, daraus 12 Quadrate von je 5 ¼ x 5 ¼ Inch

und 8 Rechtecke von je 4 ½ x 2 ½ Inch schneiden.

1 Streifen von 5 Inch, daraus 12 Rechtecke von je 4 ½ x 2 ½ Inch schneiden.

1 Streifen von 2 ½ Inch, daraus und aus dem Rest des 5-Inch-Streifens insgesamt

20 Quadrate von je 2 ½ x 2 ½ Inch schneiden. Für diesen Block werden nur

8 Rechtecke und 8 Quadrate benötigt, den Rest für einen späteren Block zur Seite legen.

• Stoff E: 2 Streifen von 2 ½ Inch, daraus 32 Quadrate von je 2 ½ x 2 ½ Inch schneiden

• Stoff F: 2 Streifen von 3 ¼ Inch, daraus 18 Quadrate von je 3 ¼ x 3 ¼ Inch schneiden

• Stoff G: 3 Streifen von 3 ¼ Inch, daraus 32 Quadrate von je 3 ¼ x 3 ¼ Inch schneiden

• Stoff H: 2 Streifen von 3 ¼ Inch, daraus 14 Quadrate von je 3 ¼ x 3 ¼ Inch schneiden

• Stoff I: 2 Streifen von 3 ¼ Inch, daraus 18 Quadrate von je 3 ¼ x 3 ¼ Inch schneiden.

Für diesen Block werden nur 4 Quadrate benötigt, den Rest bitte für einen

späteren Block zur Seite legen.

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PARTNER

PARTNER M

Willkomm

PARTNER M

mEIN LIEBLINgsQuILT JOHN kuBINIEC

mein Lieblingsquilt

Die wohl treffendste Art, die Arbeiten des amerikanischen Quilters John Kubiniec zu beschreiben,

ist Traditionelles Quilten mit modernem Flair. Er ist immer auf der Suche nach einer Möglichkeit,

klassischen Mustern neues Leben einzuhauchen. Die Frage, die er sich dabei stellt: Was passiert,

wenn...? Vor seinem Besuch in Deutschland auf der NADELWELT in Karlsruhe stellt er uns seinen

Lieblingsquilt vor.

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spektakuläre Quilts Workshops Interessante Techniken zum Experimentieren

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Foto: Mit freundlicher Genehmigung von John Kubiniec

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Patchwork SPEZIAL

Durchs ganze Jahr

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spektakuläre Quilts Workshops Interessante Techniken zum Experimentieren

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TIPPs FüR TRIPs

Alles ist besser als wegwerfen!

In unserer Serie „Tipps für Trips“ haben wir diesmal den Verein und das Veränderungsatelier „Bis es mir vom

Leibe fällt“ in Berlin besucht. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit pfiffigen Ideen und handwerklichem

Know-how einen kreativen und nachhaltigen Umgang mit Mode und Textilien zu ermöglichen.

Foto: Irene Nigg

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Hosenkleid

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TIPPs FüR TRIPs

Team handwerklich versierter DesignerInnen und hochbegabter

SchneiderInnen steht jenen, die nicht selbst Hand anlegen

wollen oder können, mit seiner geballten Kreativität und

Fertigkeit zur Verfügung. Das Repertoire reicht von einfachen

Änderungs- und anspruchsvollen Restaurationsarbeiten über die

Entwicklung neuer und personalisierter Reparaturideen bis zum

Updaten und Upcyceln.

Ein Besuch im Veränderungsatelier lohnt sich bestimmt, hier

wird repariert, angepasst und mit Rat und Tat geholfen beim

(Wieder-)Aneignen und Umfunktionieren. Die Nachfrage ist

groß und das Engagement des Vereins wurde 2012 mit dem

Bundespreis Ecodesign und letztes Jahr mit dem Green Buddy

Award der Stadt Berlin ausgezeichnet.

Bei alledem wird das Ziel verfolgt, den bearbeiteten Stücken

zusammen mit den mitgestaltenden AuftraggeberInnen eine

Geschichte zu verleihen, sie zu Lieblingsteilen zu machen, wenn

sie es noch nicht sind. Bei den Arbeiten stützt sich das Team

vorwiegend auf bereits existierende, recycelte oder ökologisch

produzierte Materialien.

Auch der berühmte Fehlkauf, den jeder wohl mindestens

einmal in seinem Leben gemacht hat, wird von den motivierten

Designerinen und versierten Schneiderinnen wieder ins Leben

zurückgeholt und nicht selten mutiert das umgestaltete Teil

anschließend zum absoluten Lieblingsstück. So wird aus

einem guten Einfall kein Abfall. Mehr als eine gute Idee, denn

laut einer Studie von Greenpeace werden 15 Prozent aller

Ich war einmal...

sechs verschiedene

Herrenhosen

Alte Jeans werden zu Streifen geschnitten, anschließend geflochten

und schließlich mit gebrauchten Autogurten veredelt...

und fertig ist der Rucksack.

Faltenrock mit selbst erzeugter Spitze

aus Bio-Baumwolle und Reststoffen

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BAuHAus QuILT ANDREA kOLLATH

Bauhaus-Quilt

Vielleicht haben auch Sie eine ganze Kollektion an floralen Stoffen im Schrank liegen und wissen nicht

recht, wie Sie diese doch teils stark gemusterten farbenfrohen Stoffe in Szene setzen sollen. Natürlich soll

das Muster nicht untergehen, aber gleichzeitig sollen die dominanten Drucke auch nicht hervorstechen.

Wir haben Frau Andrea Kollath von der Quiltmanufaktur in Frankfurt um Rat gefragt.

Diese doch sehr floral geprägte Stoffserie hat sechs verschiedenen

Farbtöne: Beige, Senf-Gelb, Orange, Pink, Türkis und Dunkel blau.

Um den Stoffdrucken mehr Raum zum Ausdruck zu verleihen, habe

ich mich für ganz einfache, großformatige, geometrische Muster

entschieden.

1

2

materialliste für einen

ca. 137 x 198 cm großen Quilt

Alle hier gezeigten Stoffe sind von der Firma Makower aus der

Serie Sundance und haben eine Stoffbreite von 110 cm

Je 35 cm von:

• Stoff A: Blumen / Punkte beige

• Stoff B: Swirl senfgelb

• Stoff C: Swirl orange

• Stoff E: Flammen dunkelblau

• Stoff F: Blütenblätter türkis

• Stoff G: Abstrakte Blüten orange

• Stoff H: Flammen pink

• Stoff I: Gänseblümchen dunkelblau

• Stoff J: Strichblumen senfgelb

• Stoff K: Blütenblätter beige

• Stoff L: Linea dunkelblau

• Stoff M: Linea senfgelb

• Stoff N: Blumen / Punkte dunkelblau

• Stoff O: Gänseblümchen pink

• Stoff P: Strichblumen türkis

• Stoff Q: Abstrakte Blüten dunkelblau

• Stoff R: Linea beige

• Stoff S: Strichblumen pink

Die Reste vom Zuschnitt können auf der Quilt-Rückseite

verarbeitet werden.

Zusätzlich 50 cm von Stoff L für die Einfassung

• Rückseitenstoff: 210 x 150 cm

• Baumwollvlies: 210 x 150 cm,

zum Beispiel H277 von Freudenberg

Zuschnitt

Die Nahtzugabe von ¼ Inch ist in allen Maßen und den Schablonen

enthalten.

Kopieren Sie sich die sieben Schablonen von den Seiten 82 und

83 auf Schablonenfolie, Pappe oder anderes geeignetes Material.

Zusätzlich werden Rechtecke und Quadrate benötigt.

Rechtecke à 3 ½ x 6 ½ Inch:

• 1 Teil Stoff R, je 2 Teile Stoff H, I, K, P und Q, je 3 Teile Stoff A, F,

M und N, je 4 Teile Stoff B, E, O und S, je 5 Teile Stoff G, J und L,

je 6 Teile Stoff C

• Quadrate à 6 ½ x 6 ½ Inch: je 1 Teil Stoff A, C, E, H, J, M, O und P,

2 Teile Stoff I

• Schablone 01: 1 Teil Stoff A, B, E, J und O, je 2 Teile Stoff F, G, H, I,

M, N, P, Q, R und S, 3 Teile Stoff K, 4 Teile Stoff C

• Schablone 02: Je 2 Teile Stoff A, B, F, L, N, R und S

• Schablone 03: je 2 Teile Stoff E, G, H, I, K, M und Q

• Schablone 04: je 1 Teil Stoff B und Q, 2 Teile Stoff G

• Schablone 05: je 1 Teil Stoff A, B, C, E, I, J, K, L, Q und R,

2 Teile Stoff O

3

• Schablone 06: je 1 Teil Stoff A, B, C und I, je 2 Teile Stoff E, F, G, H,

J, K, L, M, N, O, P, Q; R und S

• Schablone 07: Je 1 Teil Stoff A, B, C, E, I, M und Q, je 2 Teile Stoff F,

G, H, J, K, L, N, O, P, R und S

• Stoff L: 7 Streifen à 6,5 x 110 cm

Nähen

1. Aus den Teilen Schablone 01 die Quadratblöcke aus zwei

Dreiecken nähen.

2. Aus den Teilen Schablone 02 und 03 die Rechteckblöcke aus vier

Dreiecken nähen.

3. Aus den Teilen Schablone 04 und 05 die Rechteckblöcke aus zwei

Dreiecken nähen.

4. Aus den Teilen Schablone 06 und 07 die Viertelkreisblöcke nähen.

Bei der Stoffauswahl richten Sie sich nach der Zeichnung oder kombinieren

die Stoffe nach Wunsch. Alle fertigen Blöcke zusammen

mit den Quadraten und Rechtecken zum Quilttop auslegen, siehe

Zeichnung. Zunächst die Blöcke zu Reihen und die so entstandenen

Reihen untereinander zum Quilttop zusammenfügen.

4

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vORsCHAu,

Ausgabe 03/2018 erscheint am 14. Juli 2018 ............................................................

1

2

3

4

5

1 Rebecca Bryan

Farben und Formen sind die wichtigsten

Elemente der amerikanischen Quilterin,

Designerin und Autorin.

2 Sharon McCartney

Blätter, Steine und andere Materialien kombiniert

mit Mix-Media-Techniken und Stickereien

6

3 Flox den Hartog Jager

Interview mit der niederländischen

Textilkünstlerin

4 Tim Latimer

Näht tolle Taschen, rettet Quilts und das alles mit antiken Nähmaschinen

6 Kevan Lunney

Beeindruckende dreidimensionale textile Objekte,

inspiriert durch archäologische Funde

5 Kasia Hanack

Schritt für Schritt zum Serendepity Art Quilt

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