Freiwilligenmanagement als Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe

lfaberlin

Dokumentation der 2. Fachkonferenz Freiwilligenmanagement der Landesfreiwilligenagentur Berlin am 6. Oktober 2017

Dokumentation zur

2. Fachkonferenz Freiwilligenmanagement

der Landesfreiwilligenagentur Berlin

Freiwilligenmanagement als Weg

zur gesellschaftlichen Teilhabe

Freitag, 06.10.2017, 10:00 – 16:00 Uhr

Konferenz-Zone des Landessportbundes Berlin e.V.

Schirmherrin:

Elke Breitenbach

Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Berlin

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Dokumentation der Fachkonferenz Freiwilligenmanagement vom 06.10.2017 der Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.


Begrüßung durch die Veranstalterin

Carola Schaaf-Derichs, Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.

Herzlich willkommen zur 2. Fachkonferenz Freiwilligenmanagement der

Landesfreiwilligenagentur Berlin!

Wir freuen uns sehr, mit Ihnen gemeinsam diese Fachkonferenz heute durchzuführen.

Schön, dass Sie dabei sind, wir freuen uns auf Ihre Mitwirkung! Mit unserem heutigen

Thema der „Teilhabe“ ist für uns Ihr Beitrag und Ihre Erfahrung besonders gefragt und

gewünscht. Wir danken allen Aktiven herzlich dafür, dass wir uns auf so viele Beiträge,

insbesondere an den Thementischen, freuen dürfen.

Die gute Nachricht für heute war: 80 Teilnehmende sind angemeldet, aber mit Blick in den

Saal und auf das Wetter stellen wir fest, dass noch etliche Stuhlreihen zu füllen sind. Was wir

nicht ahnen und verhindern konnten, war das Sturmtief seit gestern, das doch viele Wege

hierher massiv behindert oder gekappt hat. Wie viele von Ihnen kam auch ich heute Morgen

nur auf Umwegen an, infolgedessen ist es schon etwas Besonderes, dass wir hier heute

beieinander sein können. Und wir hoffen, dass alle, die auf dem Weg sind, diesen auch noch

bald meistern und mitwirken können.

An meiner Seite steht heute Frau Dr. Lilian Schwalb vom BBE, und sie wird moderieren und

fachlich beitragen. „Freiwilligenmanagement als Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe“ ist

eine Weiterentwicklung unseres Themas „Inklusion“ von der Vorjahresfachkonferenz.

Teilhabe ist uns ein wichtiges Anliegen, bei allem, was Freiwilligkeit ausmacht: nicht nur aktiv

sein, auch mitdenken, mitreden, mitentwickeln und mitentscheiden zu können, halten wir

für überaus wichtig und wertvoll im bürgerschaftlichen Engagement. Mehr werde ich zum

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Thema nicht vorwegnehmen, denn hier wird Frau Dr. Schwalb gleich anschließend aus ihrer

Erfahrung und Recherche ein paar einführende Worte sagen.

Im Sinne der Traditionsbildung freue ich mich sehr, dass das Haus der Senatsverwaltung für

Integration, Arbeit und Soziales unsere Idee dieser Plattform für Freiwilligenmanagement

und den Austausch der Fachszene auch in diesem Jahr wieder unterstützt hat. Herzlichen

Dank dafür! Unseren Dank darf ich hiermit und prominent an Herrn Staatssekretär Alexander

Fischer richten, der eigens heute Morgen noch während der Haushaltsberatungen zu uns

geeilt ist und gleich sein Statement einbringen wird. Herzlichen Dank dafür, lieber Herr

Staatssekretär Fischer, dass Sie heute persönlich mitwirken.

Wir sind heute zu Gast beim Landesportbund Berlin (LSB) im schönen und just

modernisierten Coubertin-Saal, wofür ich ganz herzlich danken möchte. Dies ist Ausdruck

einer guten Netzwerk-Beziehung, die wir mit dem LSB als Mitglied im Landesnetzwerk

Bürgerengagement Berlin seit vielen Jahren genießen dürfen. Somit geht an dieser Stelle ein

ganz großes Dankeschön an Frau Anke Nöcker, die heute das Haus vertritt. Sie ist

Abteilungsleiterin für Sportentwicklung und wird uns dazu weitere Einblicke geben, welche

Rolle die Freiwilligkeit für sie und den LSB spielt.

Damit reiche ich das Wort an Sie, liebe Frau Nöcker, mit nochmaligem Dank!

Auszüge aus dem Grußwort von der Gastgeberin - Anke Nöcker,

Abteilungsleiterin Sportentwicklung LANDESSPORTBUND BERLIN

Herzlichen Dank, liebe Frau Schaaf-Derichs, auch für die Worte, die Sie gefunden haben! Ich

muss sagen, es ist eher für uns eine Ehre, dass Sie hier sind und dass Sie so viele Engagierte –

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so viele Freiwillige- in unser Haus bringen und dafür haben wir auch gerne den Saal neu

hergerichtet. (...)

Das Thema Ehrenamt und freiwilliges Engagement – bürgerschaftliches Engagement – ist für

den Berliner Sport ein sehr wichtiges Thema. Es ist das zentrale Thema. Denn ohne die vielen

Helferinnen und Helfer, die Ehrenamtlichen, Freiwilligen, egal welchen Begriff wir dafür

nutzen, ohne sie wäre der Sport in Berlin nicht das, was er ist und das seit vielen Jahren.

Wir haben die große Ehre – die große Freude – als Landessportbund Berlin auf rund 69 000

Engagierte jedes Jahr zählen zu dürfen. Das sind die Menschen, die den Sport in Vereinen

aufrechterhalten, die beim Marathon an der Straße stehen, die die Trikots der Kinder

waschen, die aber auch in ehrenamtlichen Vorständen dafür sorgen, dass alles

satzungsgemäß und auch mit Recht und Ordnung abläuft.

Denn auch das wissen wir ist ja im Sport nicht so selbstverständlich. (..)

Den Wandel im Ehrenamt müssen wir begleiten und unterstützen. Wir dürfen nicht nur

zurückblicken, sondern wir müssen auch dahin schauen „Was braucht unsere

Zivilgesellschaft heute?“ „Was braucht sie morgen?“ und da müssen wir unseren

Organisationen verhelfen, zum Teil sehr schnell und sehr kurzfristig reagieren zu können.

Mit dem Aufkommen der sogenannten „Flüchtlingskrise“ haben wir das erfahren(..). Wir als

Landessportbund haben dort sofort überlegt, „Was passiert da in den Vereinen?“ und wir

wollten das auch genauer wissen und haben es wissenschaftlich begleiten und untersuchen

lassen. Dabei haben wir festgestellt, dass es gar nicht der „alteingesessene Ehrenamtliche“

war, der in Vereinen, auch in der „Flüchtlingskrise“ aktiv war, sondern wir haben zum Teil

ganz neue Menschen erreicht, die nicht nur dieses Thema Sportverein und der Sport in

seiner gesellschaftlichen Rolle interessiert hat, sondern die etwas für diese Menschen tun

wollten.

Da geht es nun darum, die Menschen im Blick zu behalten, sie nicht zu verlieren und mit

ihnen gemeinsam bürgerschaftliches Engagement zu entwickeln, welches allen

Bevölkerungsschichten und allen Teilen Deutschlands zugutekommt.

Insofern freue ich mich ganz besonders, dass Sie heute alle hierhergekommen sind. Dass Sie

mitarbeiten. Das sie mitgestalten und dass wir dann auch in Zukunft sagen können: Wir sind

ein Land, welches gesellschaftspolitisch sehr aktiv ist, eine starke Zivilgesellschaft hat und

darauf freue ich mich, dies auch von Seiten des Sports immer mit zu begleiten.

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Auftakt-Statement des Staatssekretärs Alexander Fischer

Freiwilligenmanagement als Schnittstellen-Akteur in der

Zivilgesellschaft

Ich freue mich, dass ich in Vertretung der Schirmherrin der heutigen Tagung, Sozial-Senatorin

Elke Breitenbach, gebeten wurde, das einführende Statement zu halten.

Doch zunächst möchte ich mich bei der Landesfreiwilligenagentur, namentlich Frau Schaaf-

Derichs und ihrem Team für die Organisation und Durchführung dieser Tagung bedanken.

Ein besonderer Dank gilt zudem der Gastgeberin, dem Landessportbund Berlin e.V. der durch

seine großzügige Gastfreundschaft wesentlich zum Gelingen dieser Fachtagung beiträgt.

Ich freue mich, dass die diesjährige Fachkonferenz Freiwilligenmanagement das Thema

gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt ihrer Beratungen und Diskussionen stellen wird

Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen dieser Tagung das Thema "Inklusion“ ausführlich

bearbeitet, daraus ergibt sich eine fast logische Weiterentwicklung hin zum Thema der

Teilhabe und Beteiligung.

Gesellschaftliche Teilhabe als wichtiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft spielt

für jede und jeden Einzelnen in unserer Stadtgemeinschaft eine besondere Rolle: Durch die

Teilhabe werden die verschiedenen Lebensrealitäten und -perspektiven der in Berlin

wohnenden Menschen erlebbar.

Von Teilhabe gehen zugleich Verständigung, Integration und Inklusion aus. Aber Teilhabe

muss auch ermöglicht werden. Dazu braucht es Räume, Zeit, finanzielle Unterstützung und

das notwendige KnowHow auf Seiten der Organisationen und Verwaltungen.

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Gerade weil sich die Engagement-Interessierten in den letzten Jahren als weitaus autonomer

und autarker definiert haben als bisher stellt das Thema „Teilhabe“ oder „Partizipation“ die

Organisationen in ihrer täglichen Arbeit mit Freiwilligen immer wieder vor besondere

Herausforderungen.

Hier ist das Freiwilligenmanagement gefragt, als Brückenbauer zwischen Haupt- und

Ehrenamtlichen und zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen mit ihren

eigenen, teils widerstrebenden Interessen und Anliegen.

Die Vielfalt der Thementische bei dieser Tagung führt dieses breite Spektrum vor Augen:

Engagement für Ältere, für Jüngere, für Menschen mit Behinderung und für Geflüchtete - um

nur einige zu nennen.

Viele dieser Personengruppen könnten wenig oder nur bedingt teilhaben, wenn es die

Unterstützung der Freiwilligen nicht gäbe. Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums, beim

Sport, bei der politischen Bildung und vielem mehr spielt das Freiwilligenmanagement

ebenfalls eine entscheidende Rolle. Es unterstützt und koordiniert die Freiwilligenarbeit.

Freiwilligenmanagement und Ehrenamtskoordination sind längst ein neues Berufsfeld

geworden, eine weitere Bereicherung der professionellen sozialen Landschaft und ein überaus

spannendes Aufgabenfeld, das es weiter zu entwickeln gilt.

Dazu soll auch diese Fachtagung dienen: Zum Austausch und der weiteren

Professionalisierung der Ehrenamtskoordinator*innen und Freiwilligenmanger*innen.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle etwas Eigenlob: Ein wesentlicher Impulsgeber für die

quantitative und qualitative Weiterentwicklung des Berufsfeldes Ehrenamtskoordination ist

das Land Berlin mit seiner Entscheidung, an den Unterkünften für geflüchtete Menschen

genau diese Funktion verbindlich in den Verträgen zu fixieren.

Flankiert und unterstützt von den Kolleg*innen des Beratungsforums Engagement für

Geflüchtete (BFE) koordinieren die Mitarbeiter*innen vor Ort in den Unterkünften das

Engagement von und für geflüchtete Menschen.

Und auch gerade hier muss unser gemeinsames Augenmerk in Zukunft verstärkt darauf liegen,

die Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkünfte zu stärken auf dem Weg von eher

passiven Empfängern ehrenamtlicher Unterstützung zu selbstbewussten Akteuren, die sich

beteiligen und am Leben in der Gesellschaft teilhaben.

Fachtagungen wie diese schöpfen ihre besondere Qualität aus der Vielfalt und zugleich der

Durchmischung ihrer Teilnehmenden. Indem jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer zugleich

auch eine Input-Geberin, ein Input-Geber sein kann und will.

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Daher wünsche ich Ihnen, dass sich viele gestaltend in den Tag einbringen und die Fachtagung

selbst ein Beispiel aktiver Beteiligung wird!

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bedanken, bei

Ihnen den Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren, den Freiwilligenmangerinnen und

Freiwilligenmanagern.

Ohne Ihren täglichen konkreten Einsatz vor Ort für das Bürgerschaftliche Engagement, ohne

ihr professionelles Management der Ehrenamtlichen und ihrer Einsätze, ihre vermittelnde

Tätigkeit, ihr Zuhören, Motivieren und Beraten und manchmal auch ihr "dickes Fell" ohne das

es nicht geht in der "Scharnierfunktion" die sie inne haben an der Schnittstelle zwischen

Haupt- und Ehrenamt und zwischen den unterschiedlichen Engagierten, gäbe es das

beeindruckende, vielfältige, Not lindernde und diese Stadt zusammenhaltende Engagement

nicht!

Wenn wir von Anerkennungskultur sprechen, dann liegt unser Fokus zu Recht auf den

Freiwilligen, denen wir unser Lob und unseren Dank aussprechen. Manchmal kommt dabei

der Dank an die professionellen Unterstützer der Freiwilligen etwas zu kurz.

Dank und Anerkennung bedeutet für mich auch, Möglichkeiten der Qualifizierung und

Weiterbildung und Anlässe zur Begegnung, zum Fachaustausch und gegenseitigen kollegialen

Unterstützung zu schaffen, zum Beispiel im Rahmen einer solchen Fachtagung.

Daher unterstütze ich diese Tagung durch die Übernahme der Schirmherrschaft und die

finanzielle Beteiligung durch meine Verwaltung: Als Ausdruck meines Dankes und meiner

Anerkennung für ihre Arbeit! Sie alle kennen die berechtigte Forderung: Ehrenamt braucht

Hauptamt!

Das möchte ich gerne erweitern, indem ich sage: "Ehrenamt braucht - im Umgang mit

Ehrenamtlichen qualifiziertes -Hauptamt, braucht professionelle Ehrenamtskoordination und

funktionierendes Freiwilligenmanagement!" - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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Auszüge aus der Einführung in das Thema der Fachkonferenz

Dr. Lilian Schwalb, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement

(Moderatorin der Fachkonferenz)

„Es ist doch so, dass sich in den letzten Jahren der Bereich des Freiwilligenmanagements schon

stark weiterentwickelt und ausdifferenziert hat. Es gibt hier neue Akteure, eine größere

Vielfalt von Aktivitäten – gerade im Bereich von Integration und Flucht - aber auch darüber

hinaus hat sich einfach viel entwickelt.

Deswegen wollen wir heute die Chance nutzen, auch hier über den Tellerrand zu blicken und

uns gegenseitig kennenlernen, denn ich denke im Raum sind sowohl Akteure, die aus diesen

länger bestehenden Bereichen stammen sowie auch neuere Initiativen und da ist es

natürlich spannend, die Frage zu stellen „Was können wir voneinander lernen? Welche

Ansätze möchten wir weiterverfolgen? Welche neuen Ansätze stehen im Raum? Wo liegen

Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten?

Im Kontext von Fragen des Freiwilligenmanagements und der Ehrenamtskoordination ist es

ja von hoher Bedeutung für das Thema der gesellschaftlichen Teilhabe, mehr

Aufmerksamkeit zu erlangen und deshalb stellen wir dieses Thema auch heute hier in den

Mittelpunkt. (…)

Was uns im BBE ganz besonders stark beschäftigt ist, dass Chancen auf Teilhabe in der

Bürgergesellschaft (angesichts der sozialen Bedingungsfaktoren) höchst ungleich verteilt

sind. Man kann sagen, dass vor allem das Engagement einkommensschwacher und

bildungsferner Gruppen und auch von Menschen mit geringerer sozialer Einbindung

allgemein schwach ausgeprägt ist und das ist eine Problematik, welche uns schon sehr lange

beschäftigt und für die wir im Grunde nach wie vor keine allgemeingültigen Antworten

haben.

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Gerade weil Engagement sozial-integrative Kompetenz steigernde Wirkung hat und auch mit

einem Gewinn an Einfluss verbunden sein kann, müssen Teilhabechancen auch für

diejenigen verbessert werden, die bisher selten als Engagierte in Erscheinung treten.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt und um das zu erreichen, brauchen wir passgenaue

Angebote für unterschiedliche Zielgruppen, welche Sie mitentwickeln in Ihrer Arbeit.

Ein weiterer wichtiger Aspekt an Fragen der Teilhabe stellt sich dar, wenn ich an politische

Teilhabe denke. Diese ist in großen Teilen der Gesellschaft gewünscht, aber trotzdem

mangelt es noch an Beteiligungsformen, an effektiven Mitgestaltungsmöglichkeiten und

außerdem trifft hier wieder zu, dass bei der politischen Teilhabe die Zugänge höchst

unterschiedlich sind.

Also die müssen sichtbarer und spürbarer werden und dafür bedarf es professioneller

Brückenbauer. Denn diese wichtige Funktion übernehmen ja Sie. Also diejenigen unter

Ihnen, die als Freiwilligenmanager*innen und Ehrenamtskoordinator*innen tätig sind, aber

auch diejenigen, die sich theoretisch mit der Frage beschäftigen.

Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass das Thema interkulturelle Öffnung hier eine

relevante Rolle spielt. Gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund sollten wir noch

stärker auf interkulturelle Öffnungsprozesse setzen und auch rechtlich mehr einklagbare,

formalisierte Teilhaberechte und Kontrollinstanzen sicherstellen“ (….)

Vom Freiwilligenmanagement zum Zivilgesellschaftsmanagement?

Keynote-Speech Dr. Serhat Karakayali

Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung -BIM—

Im Dezember 2014 erfolgte eine bundesweite Umfrage. Das BIM wendete sich an vielzählige

Initiativen in Deutschland. Im Sommer 2015 hatte sich das „kleine überschaubare

Forschungsfeld explosionsartig vervielfältigt.“ Diese Kategorie wurde auch im

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Freiwilligensurvey bis dato nicht berücksichtigt. So hatte sich das BIM dazu entschlossen die

Daten selber zu erheben.

Im Sommer 2015 wurde die Umfrage wiederholt. Folgende Stichworte wurden von Dr.

Karakayali erwähnt: Im Vergleich der Daten von 2014 zu 2015 wurde eine große Anzahl an

neuen Freiwilligen festgestellt. Es erfolgte eine starke Verlagerung in den ländlichen Raum.

Die Zahl der Personen die in Kleinstädten aktiv waren hatte sich vervierfacht. Der Anteil der

Frauen hatte sich nicht verändert (70%). Normalerweise ist in der Forschung (auch

international) der Anteil der Männer höher. Ansonsten ist es kein „untypisches Szenario. Sie

haben Leute die gut verdienen und Abitur haben.“ Eine Veränderung zu 2014 zeigte sich aber

in der Verlagerung der Altersstruktur. 2015 gab es mehr ältere „neue“ Freiwillige. 2014 waren

es verstärkt die unter 30-Jährigen Personen. Dr. Karakayali beschrieb die_den typische_n

Freiwillige_n in 2014 als „die aktivistische Studentin“ und in 2015 als „die pensionierte

Lehrerin“. Hierbei zeigte sich ein Zusammenhang mit den vorherrschenden

Engagementfeldern. Die Nachfrage nach ehrenamtlichen Deutschunterricht hatte sich 2015

insbesondere im ländlichen Raum und in Kleinstädten verstärkt. Die drei wichtigsten

Tätigkeiten (welche fast alle Befragten angegeben hatten) waren: Deutschunterricht,

Fahrdienste und Behördenbegleitung.

Nachfolgend stellte Herr Karakayali das Ergebnisse aus dem Projekt „zur Koordination

ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe“ vor – siehe pdf unter: http://www.freiwilligemanagen.de/files/2018/03/BIM_Karakayali_20181006.pdf

Ergebnisse aus dem Collective Brain-Storming

Jede Kleingruppe beschäftigte sich mit folgenden Fragen:

1. Was heißt Freiwilligenmanagement heute?

2. Wie viel davon ist sinnvoll – wo stört Freiwilligenmanagement?

3. Was sind heutige Herausforderungen für Freiwilligenmanagement

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Teilhabe-Werkstatt

Wie können neue Ansätze im Freiwilligenmanagement die Teilhabe in der

Zivilgesellschaft stärken?

Folgende Leitfragen wurden an den Thementischen u.a. bearbeitet. :

1. Welcher Teilhabe-Wunsch / gesell. Anliegen wurde aufgegriffen?

2. Mit welchen Schritten konnte ein Freiwilligenmanagement installiert werden?

3. Welche gesellschaftlichen Wirkungen („outcome“) zeitigt dieses System im

Freiwilligenmanagement für Teilhabe?

Aufgrund der, durch die Witterungsverhältnisse, geringeren Teilnehmer*innenzahl wurden

verschiedene Thementische zusammengelegt. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der

verschiedenen Thementische mit Link zu der jeweiligen Internetseite der Organisation/ des

Projekts.

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Thementisch A

Teilhabe durch freiwilliges Engagement

von und für geflüchtete Menschen

http://www.sternenfischer.org

Manja Harm, Leitung STERNENFISCHER

Freiwilligenzentrum

Thementisch B

Teilhabe durch Begegnung mit alten/

pflegebedürftigen Menschen

https://www.diakonie-portal.de/diakoniehaltestelle

Mathias Wirtz, Haltestelle Diakonie Spandau

und Hedwig Rockel - Freiwillige

Thementisch D

Teilhabe durch Mobilität

http://www.berlinermobilitaetshilfedienste.de/seiten/bezirksstellen.

html

Tobias Baur Humanistische Union e.V. und

Dagmar Wehle Sozialverband VdK Berlin -

Brandenburg e. V., Koordination Ehrenamt

Thementisch C

Teilhabe durch ehrenamtliches

Engagement für Wohnungslose

http://mob-berlin.org

Marina Miller

Ehrenamtsmanagerin bei mob e.V. und

Jurek Gierlach

Bundesfreiwilliger bei mob e.V.

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Thementisch E

Teilhabe durch Engagement für/ von

Menschen mit Behinderung(en)

http://www.die-freiwilligenagentur.de/

Thementischpaten: Bettina Bofinger

Mitarbeiterin FreiwilligenAgentur

KreuzbergFriedrichshain und

Belle Hoffmann freie Mitarbeiterin

FreiwilligenAgentur KreuzbergFriedrichshain

Thementisch F

Teilhabe durch Bewegung – aktiv gegen

Ausgrenzung und Diskriminierung

https://berlin.lsvd.de/projekte/soccer-sound/

https://berliner-fussball.de/

Gerd Liesegang

Vizepräsident Qualifikation & Soziales

Berliner Fußball-Verband und

Christian Rudolph

Projektleiter

Aufklärungsprojekt „Soccer Sound“

Lesben- und Schwulenverband Berlin

Brandenburg (LSVD)

Thementisch G

Teilhabe von Jugendlichen am Beispiel

von meinungsmacher.in

http://www.meinungsmacher.in/

Fabia Straub Jugendbildungsreferentin, djo-

Deutscher Regenbogen Landesverband Berlin

e.V.und

Zanab Hamad Freiwillige im Sozialen Jahr

Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen

Landesverband Berlin e.V.

Thementisch H

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Teilhabe durch politische Bildung

https://www.berlin.de/politische-bildung/

Anja Witzel Referentin der Berliner

Landeszentrale für politische Bildung

Thementisch I

Teilhabe durch Mit-Gestaltung

öffentlicher Räume

http://www.wir-berlin.org

Sebastian Weise

Projektleiter/Geschäftsführer

und

Beate Ernst

Vorsitzende des Vorstands wirBERLIN e.V.

Thementisch K

Teilhabe durch Engagement für Umwelt

und Natur

http://yesilcember.eu/de/

Gülcan Nitsch

Geschäftsführerin

Yesil Chember

ökologisch-interkulturell gGmbh

Thementisch J

Teilhabe durch partizipative

Organisationsstrukturen

http://www.ehrenamt.de/

Dr. Kristin Reichel

Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland

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Abschluss-Podium: Teilhabe und Strukturen der Zivilgesellschaft: Was brauchen wir jetzt und

in Zukunft? ES diskutierten (v.l.n.r.) Eren Ünsal (Leiterin LADS - Landesstelle für

Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung) und PD Dr. Ansgar Klein (Bundesnetzwerk

Bürgerschaftliches Engagement). Breschkai Ferhad (Bundesverband Netzwerke von

Migrantenorganisationen (NEMO) e.V.) konnte aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht

nach Berlin kommen.

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Auswertung der Fragenbögen zur

2. Fachkonferenz Freiwilligenmanagement -Freiwilligenmanagement als Weg

zur gesellschaftlichen Teilhabe (06.10.2017, 09:30 – 16:00 Uhr)

1. Wie zufrieden waren Sie mit der Fachkonferenz insgesamt?

Die Teilnehmenden waren mehrheitlich zufrieden (18 von 30 Nennungen) und sehr

zufrieden (2 Nennungen), 9 Teilnehmenden waren mittelmäßig zufrieden.

2. Wie interessant fanden Sie die Keynote-Speech von Dr. Serhat Karakayali

Die Keynote-Speech von Dr. Serhat Karakayali fanden 7 TN sehr gut und 11 gut (bei

insgesamt 26 Rückmeldungen). Das Thema war interessant, „die wissenschaftliche

Perspektive auf das Thema war ein guter Einstieg“ – einige fanden den Vortrag „jedoch

etwas theoretisch“.

3. Wie anregend empfanden Sie die Themenauswahl der Thementische?

Die Themenauswahl bewerteten die Teilnehmenden sehr gut (10/28 Nennungen) und gut

(12 Nennungen). Angemerkt wurde, dass es zu viele Thementische gab, die Themen wären

„sehr anregend, sehr gut“ gewesen und es sei „schade, dass jede Person nur an einem Tisch

teilnehmen konnte“.

4. Wie interessant fanden Sie das Abschluss-Podium?

Das Abschlusspodium fand guten bis befriedigenden Anklang bei den Teilnehmenden. 11

Personen waren zufrieden, 8 mittelmäßig zufrieden. Kritikpunkte waren hier, dass zu spät

am Tag noch über ein komplexes Thema auf einer Meta-Ebene gesprochen wurde und der

Bezug zu den vorangegangenen Thementischen fehlte. Nichts desto trotz sei die „Menge

Input aber sehr gut herausgearbeitet und zusammengefasst“ gewesen.

5. Welche Themen könnten Sie für eine weitere Fachkonferenz einbringen? Als

Anregungen für künftige Fachkonferenzen wurden folgende Themenkomplexe genannt

(Auswahl):

- Integration und Anerkennung anderer Kulturen, Bedeutung des Ehrenamtes (und der

Ehrenamtskoordination) für Integration von Flüchtlingen

- politische Dimensionen bürgerschaftlichen Engagements, Partizipation +

Qualitätssicherung

- Belastungsmanagement, Freiwilligenmanagement + Organizing, Suchen, finden und

Ansprache an Engagierte, Zielarbeit mit Engagierten, Motivation Engagierter

6. Soll es eine Fachkonferenz Freiwilligenmanagement 2018 geben?

26 Teilnehmende (bei 28 Rückmeldungen) wünschen sich auch im Jahr 2018 wieder eine

Fachkonferenz, die beiden Teilnehmenden, die diese Frage verneinten gaben an, dass eine

Fachkonferenz alle 2 Jahre für sie ausreiche.

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