planet toys 2/18

cbreitkopf

Fachmagazin für den Spielwarenfachhandel

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INTERVIEW

planet toys

»Ein Einzelhandelsgeschäft

ist wie ein Garten. Man

pflanzt irgendwas und nach

Jahren spürt man, dass der

Garten wuchert.«

JOHANNES LENZSCHAU

Schnittker am Markt

J.L.: Ein Einzelhandelsgeschäft ist wie

ein Garten. Man pflanzt irgendwas und

nach Jahren spürt man, dass der Garten

wuchert. Zwar glaube ich, dass wir

relativ gut aufgestellt waren, aber Sie

können es gar nicht vermeiden, dass

durch Trendthemen oder Aktionen ein

Sortiment zu wuchern beginnt. Dann

gilt es, wieder das Profil zu schärfen,

Dubletten herauszufiltern und Sortimente

klar aufzustellen. Ehrlich gesagt

müsste man das viel öfter machen,

denn die Lieferanten lieben es, den

Einzelhandel mit Warenträgern vollzustellen.

Was ist rausgekommen nach dem Umbau?

J.L.: Für uns eine viel angenehmere

Atmosphäre und wir glauben, dass sich

der Kunde viel besser zurechtfindet.

Das Sortiment ist jetzt luftiger und klarer

geworden. Das LED-Beleuchtungskonzept

setzt die Ware buchstäblich

ins rechte Licht. Und dass wir dadurch

auch mehr Umsatz erzielten, erhöht

den Spaßfaktor deutlich. Wir freuen

uns darüber, das gemacht zu haben,

und wir sind mit der Häutung noch

nicht am Ende. Die nächsten Schritte

folgen im Frühjahr. Ein ganz zentraler

Aspekt bei allen Maßnahmen ist für uns

aber immer der Quadratmeterumsatz.

Welche Hilfe haben Sie von der EK

oder auch VEDES erhalten, um die Fläche

neu zu gestalten?

J.L.: Im Vorfeld haben wir uns zusammengesetzt

und alles genau analysiert,

also wie viel Quadratmeter der und der

Lieferant einnimmt, wie viel Umsatz wir

damit machen und wo wir noch Potenziale

sehen. Wir haben natürlich auch

das Know-how der VEDES genutzt, um

Sortimente zu entwickeln.

Schnittker haben Sie einmal als „Landkaufhaus“

bezeichnet. Kaufhäuser liegen

seit einer gefühlten Ewigkeit auf

der Intensivstation. Was braucht es

heute, um das System am Laufen zu

halten: Herz-Lungen-Maschine, Medikamente,

gute Pflege, Reha?

J.L.: Als Einzelhändler brauchen Sie

Vitaminspritzen bei den Sortimenten,

das ist ganz wesentlich. Schnittker

arbeitet ja überwiegend mit Stammkunden.

Allein das zeigt, dass neue

Sortimente explizit im Fokus stehen

müssen, um die Kunden immer wieder

zu überraschen. Dafür fahren wir auch

regelmäßig mit großer Mannschaft zur

Hamburger Nordstil oder zur EK Live

und Fun. Wir sind oft selbst überrascht

davon, wie gut ungewöhnliche Artikel

beim Kunden einschlagen. Das Wichtigste

ist aber, dass sich der Kunde im

Laden wohlfühlt.

Sie sind Vorsitzender des Handelsund

Gewerbevereins (HGV) Wildeshausen,

Sie sitzen im Aufsichtsrat der

EK/servicegroup, im Rotary Club mischen

Sie mit, bei der Volksbank sitzen

Sie ebenfalls im Aufsichtsrat und

zudem schwirren Sie als lokale Biene

bei Bee Local Wildeshausen umher.

Wozu brauchen Sie überhaupt noch

Social Media-Seiten?

J.L.: Mir macht das einfach Spaß und die

unterschiedlichen Herausforderungen

helfen mir, nicht betriebsblind zu werden.

Sie sind wie Openminder. Social

Media ist für den Endkunden gedacht.

Und da feiern Sie schon mal mit dem

Pummel-Einhorn eine Krönungsmesse,

wie wir gesehen haben. Welchen

Stellenwert hat das Thema aber tatsächlich

für Sie?

J.L.: Nehmen wir mal Kaffee, den wir

jetzt führen. Die Frage ist doch, wie

wir Kunden oder potenzielle Kunden

erreichen, die gar nicht wissen, dass

wir jetzt auch besonderen Kaffee haben.

Das können wir über Social Media

sehr stark verbreiten und wenn wir

Glück haben und das auf den richtigen

Portalen geteilt wird, dann ist es eine

günstige Möglichkeit, um auf sich aufmerksam

zu machen. Allerdings ist es

meines Erachtens auch ein va-banque-

Spiel, denn man muss aufpassen, was

man dort tut. Wird es zu professionell,

schreckt es eher ab; wird es emotional

und persönlich, kommt die Botschaft

sehr gut an.

Herr Lenzschau, wir bedanken uns für

das Gespräch.

AUF EINEN BLICK

Schnittker am Markt wurde 1884 als Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäft gegründet. Von Lebensmitteln trennte

sich das Haus schon vor Jahrzehnten; jetzt feiern „Köstlichkeiten“ wie Wildeshausener Weine, Essige, Öle oder Kaffee als

„Appetizer“ und Kundenfänger ein kleines Comeback. Das zeigt, Regio ist das neue Bio für Menschen, die mit ihrer Stadt

verbunden sind. Das 600 m 2 große Geschäft bündelt Spiel-, Schreib- und Haushaltswaren sowie Geschenkartikel, Koffer

und Handtaschen. Nach der Gründung der ToyPartner VEDES/EK GmbH im Jahr 2015 firmiert Schnittker jetzt als VEDES

Point. Entgegen dem Trend konnten Spielwaren 2017 zulegen. Als Hauptgrund für den Erfolg bezeichnet Johannes Lenzschau

die Philosophie, sich immer genau zu überlegen, wer welchen Platz erhält. Der Umbau machte sich offensichtlich

bezahlt.

www.schnittker.net