planet toys 2/18

cbreitkopf

Fachmagazin für den Spielwarenfachhandel

AUFRUHR IM

SPIELZEUGLAND

Der Detailhandel steckt in der Krise

und mitten in einer Revolution. Das war

auf dem „Supertreff“ (W. Sulzer) für

Handel und Industrie, dem jährlichen

Branchendialog des BVS Anfang März,

zu erfahren. Eins der ersten Revolutionsopfer

ist die Spielzeug-Handelskette

Toys R Us in den USA. Die Quittung

dürften auch die Satelliten zu spüren

bekommen, denn für die internationalen

Aktivitäten sei bereits ein Verkaufsprozess

eingeleitet worden, wie es bei

Toys R Us USA heißt. Richtig rund lief

es bei der deutschen Toys „R“ Us GmbH

ohnehin nicht trotz aller Versuche, sich

als „Omnichannelanbieter“ für Spielwaren

und Babybedarf zu positionieren.

So entwickelte sich das Kerngeschäft

im vorletzten Geschäftsjahr nach eigenen

Angaben „unter den Erwartungen.“

Die digitale Revolution frisst ihre Kinder.

Man braucht wenig Fantasie oder Mut

für die Prognose, dass weitere Opfer

folgen. Der Abschmelzungsprozess

beschleunigt

sich, sagt

man auch beim BVS.

So nahm die Zahl der

Spielwarenhändler von

2005 bis 2016 um 20

Prozent von 3.828 auf

3.057 Betriebe ab. Wenig

überraschen dürfte

zudem, dass im selben

Zeitraum die Zahl der

Lieferanten und Hersteller

um 38 Prozent

zurückging. Auch hier

kennt die Revolution

kein Erbarmen: Thinkfun

bei Ravensburger;

Corolle bei der Simba Dickie Group;

Revell auf der Suche nach einem neuen

Eigentümer. Doch auch das Leben

als „Onliner“ ist kein Zuckerschlecken,

selbst wenn es durch „finanzielle Unterstützung“

der Old Economy erleichtert

wird. Der Bilanzverlust eines

Berliner Players, der laut eigenen Angaben

zum „relevantesten Online-Anbieter

für die Familie“ aufsteigen will,

raubt zwar den Atmen, aber die Strategie

„scheint weiter zu fruchten“, weil

mit den Verlusten auch die Umsätze

nach oben gehen.

Im Survival of the Fittest oder sollte

man sagen: Fastest überschreitet die

Industrie eine rote Linie, um, auf der

Sonnenseite des Lebens stehend, den

LEH mit konkurrenzlosen Preisen zu

füttern, während sich der stationäre

Handel wie im Pleistozän bewege, als

Urhorden sich gegenseitig das Leben

zur Hölle machten, aber im Zeitalter

der Netzwerkgesellschaft längst „Coopetition“

angesagt wäre – so die Analyse

des BVS-Vorsitzenden. Immerhin,

auch diese Botschaft ging von Köln

aus, bestünde kein Erkenntnis-, sondern

nur ein Umsetzungsdefizit, was

inzwischen zu einer Art „Inkompetenzkompensationskompetenz“

geführt

habe: Die Probleme lassen sich zwar

seit Jahren vom Handel sehr präzise

und hochprofessionell beschreiben,

leider aber noch nicht zufriedenstellend

lösen, weder von der Basis noch

den Verbundgruppen, die jeweils über

eine mehr oder minder ausgeklügelte

Zukunftsstrategie verfügen. Die Verbundgruppen

verlangen zwar auch,

dass sich die „Risikoverteilung zugunsten

des Handels verschieben muss“,

klagen aber, dass es zu viele Suppen

gäbe, in denen der Handel rührt, was

die eigene Position unterläuft und den

ohnehin schon „gnadenlosen, ungleichen

Kampf“ gegen die Online-Shops

der Hersteller, Rabatte und Sonderangebote

weiter befeuert. Von der Vision,

dass der organisierte Spielzeugfachhandel

gegenüber der Industrie wie

ein Filialist auftritt, aber am Markt als

Solist agiert, scheint man also nach wie

vor eine gehörige Wegstrecke entfernt

zu sein. Auch das war eine Erkenntnis,

die uns der „Supertreff“ bescherte.

Und der auch 2018 zum Äußersten

griff, nämlich Akteure aus Handel und

Industrie für die „never ending story“

zusammenzubringen.

Ihr Ulrich Texter

OFFIZIELLE FUSSBALLSPIELE FÜR DIE GANZE FAMILIE

© 2018, DFB

WEITERE

SPIELE

MAU MAU,

SKAT, SPIEL-

KARTEN!

© 2018 Hasbro. All Rights Reserved. Licensed by Hasbro www.spielkarten.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine