RegioBusiness April 2018

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02 Politik & Wirtschaft

April 2018 I Jahrgang 17 I Nr. 190

Neue Bestmarke

Fast 400 000 Personen waren 2017 in der Region sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Das letzte Jahr war für den

Arbeitsmarkt in der Region

sehr erfolgreich:

Fast 400 000 Personen waren

sozialversicherungspflichtig beschäftigt,

so viele wie nie zuvor.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten erreichte

zum achten Mal in

Folge einen neuen Höchststand

und lag um 11 350 Personen

oder 2,9 Prozent höher als

2016. Zudem hat sich die Dynamik

beim Beschäftigtenzuwachs

verstärkt. In den Jahren

2015 und 2016 hatten die Zuwachsraten

2,7 beziehungsweise

2,8 Prozent betragen.

Das ergibt eine IHK-Auswertung

der aktuellen Daten des

Statistischen Landesamtes.

Zuwachs im Landkreis

Heilbronn am höchsten

„Dank der ungebrochenen wirtschaftlichen

Dynamik ist die

Nachfrage auf dem regionalen

Arbeitsmarkt weiterhin sehr

hoch“, sagt Dr. Helmut Kessler,

stellvertretender Hauptgeschäftsführer

der IHK Heilbronn-Franken.

In der Region

gab es 2017 den höchsten Beschäftigtenzuwachs

im Landkreis

Heilbronn mit 3,4 Prozent,

gefolgt vom Landkreis

Hall mit 3,3 Prozent und dem

Main-Tauber-Kreis mit 3,1 Prozent.

Hohenlohekreis und Stadt

Heilbronn verzeichneten ein etwas

geringeres Beschäftigungswachstum

von 2,5 beziehungsweise

1,9 Prozent.

Dienstleistungsbetriebe

sehr einstellungsfreudig

Bei Betrachtung der Beschäftigtenentwicklung

in den Wirtschaftssektoren

entfielen von

den im vergangenen Jahr per

»Die Nachfrage

auf dem

regionalen

Arbeitsmarkt

ist weiterhin

sehr hoch.«

saldo entstandenen 11 350 Arbeitsplätzen

in der Region Heilbronn-Franken

mit Abstand die

meisten auf die Dienstleistungsunternehmen.

Dort nahm die

Zahl der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten um gut

6002 auf über 167 000 (Plus

3,7 Prozent) zu. Im Produzierenden

Gewerbe stieg die Zahl

der Arbeitsplätze um mehr als

4400 auf über 171 000 (Plus

2,6 Prozent) und im Handel

um fast 940 auf knapp 58 500

(Plus 1,6 Prozent). pm

Besuch vom Zoll

Regionale Baufirmen werden häufiger kontrolliert.

Schwarzarbeit im Fokus: Baufirmen

im Landkreis Schwäbisch

Hall müssen häufiger mit einem

Besuch vom Zoll rechnen. Darauf

weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt

(IG BAU) mit Blick auf neue Zahlen

des Bundesfinanzministeriums

hin. Danach kontrollierten

Beamte im Bereich des zuständigen

Hauptzollamts Heilbronn im

vergangenen Jahr insgesamt 229

Bauunternehmen – das sind rund

elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Hierbei leiteten die Zöllner 36 Ermittlungsverfahren

wegen nicht

gezahlter Mindestlöhne ein. Der

Schaden wegen hinterzogener

Steuern und Sozialabgaben belief

sich auf rund 5,27 Millionen a.

Die IG BAU Stuttgart nennt die Zahlen

„alarmierend“. Der Anteil

schwarzer Schafe in der Baubranche

sei nach wie vor sehr hoch.

„Selbst dabei ist noch von einer erheblichen

Dunkelziffer auszugehen.

Viele Dumping-Firmen gehen

nicht ins Netz des Zolls, weil

die Beamten mit den Kontrollen

überhaupt nicht hinterherkommen“,

sagt IG BAU-Bezirksvorsitzender

Mike Paul. Angesichts des

aktuellen Bau-Booms sei davon

auszugehen, dass auch die illegale

Beschäftigung stark zugenommen

habe. „Zwar ist das Plus bei den

Prüfungen zu begrüßen. Doch mit

Blick auf das Ausmaß krimineller

Machenschaften in der Branche

müssen die Behörden auch im

Landkreis Schwäbisch Hall noch

viel stärker kontrollieren“, so

Paul. Hierfür benötige der Zoll jedoch

deutlich mehr Personal –

auch beim Hauptzollamt Heilbronn.

„Für eine effektive Ermittlung

brauchen wir Manpower“, erklärt

Paul. Die IG BAU fordert bundesweit

mindestens 10 000 Beamte

bei der FKS. Zuletzt waren lediglich

gut 6400 FKS-Planstellen

besetzt. Die Zollbilanz geht aus einer

Antwort des Bundesfinanzministeriums

auf eine Anfrage der

Bundestagsabgeordneten Beate

Müller-Gemmeke (Grüne) hervor.

Um mehr Möglichkeiten im

Kampf gegen Schwarzarbeit zu haben,

schlägt die IG BAU die Schaffung

von Schwerpunktstaatsanwaltschaften

in allen Bundesländern

vor.

pm

www.igbau.de

Stop: Vor allem in der Baubranche

wird häufig kontrolliert. Foto: IG Bau

STANDPUNKT

Marius Stephan

Redakteur

Feuerspiele mit der Konjunktur

Die Schlagzeilen nehmen kein Ende: Zuweilen

macht es den Anschein, als lege Donald

Trump es geradezu darauf an, wie ein

Rowdy auf dem Schulhof wahrgenommen

zu werden. Der letzte Streich, die Erhöhung

der Importzölle auf Stahl (25 Prozent) und

Aluminium (10 Prozent), trat nun in Kraft.

Derweil gibt es Ausnahmen, zum Beispiel

Kanada und Mexiko. Trump signalisierte Bereitschaft,

auch mit anderen Staaten über

individuelle Regelungen verhandeln zu wol-

len. Zyniker vermuten hier die jahrtausende

alte Strategie „Divide et impera“ – Teile

und herrsche! Das nächste Ziel des Präsidenten

ist China. Hier sollen Strafzölle die „unfairen“

Importe treffen, die nach Trumps Ansicht

die US-Wirtschaft ausbeuten. 1300 Pro-

dukte mit einem jährlichen Exportwert von

50 Milliarden Dollar für China stehen auf

der Liste, die das Weiße Haus kürzlich veröf-

fentlichte.

China reagierte schnell und hart: Der Staat

kündigte an, im Gegenzug US-Produkte mit

Strafzöllen zu belegen, im identischen Wert

von 50 Milliarden a. Pikant: Darunter

fiele auch die Soja-Bohne,

ein wichtiger Artikel in der US-Exportbilanz,

dessen Verteuerung vor

allem den amerikanischen Agrarsektor

treffen würde – und damit den Kern der

Trump-Wählerschaft. Allein 14 Milliarden

Dollar schwer ist der jährliche Export des

Produktes nur nach China.

Foto: Marc Weigert

Freilich ist das kein komplettes Abschotten,

die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen

den USA und China betragen immerhin

650 Milliarden Dollar im Jahr. Drohgebärden

trifft es schon eher, vor allem, da die

Zölle bislang noch nicht in Kraft getreten

sind. Drohgebärden, die jedoch nicht ohne

Folgen bleiben: Die Börsen sind in Aufruhr,

DAX und Dow Jones müssen Verluste hinnehmen.

Auf dem Parkett in Frankfurt oder

New York zeigt sich die Verunsicherung der

Märkte durch das infantile Kräftemessen.

Und hier trifft es dann alle: Wenn die Konjunktur

einbricht, erreicht dies die Absatzmärkte

in aller Welt und auch die Unternehmen

in Europa, Deutschland und der Region

Heilbronn-Franken.

Bei allem Unmut über die Dampfhammermethoden

und verbalen Manieren des US-

Präsidenten, muss die Europäische Union

und damit auch Deutschland doch so ehrlich

sein und eingestehen, dass auch hierzulande

ein gewisser Protektionismus herrscht.

In einigen Branchen sogar wesentlich stärker

als in den USA. Das Land der unbegrenzten

Möglichkeiten nimmt beispielsweise auf

Automobile einen Satz von 2,5 Prozent. Bei

der Einfuhr von Fahrzeugen in die EU sind

hingegen zehn Prozent zu entrichten. Nicht

nur der private Liebhaber von US-amerikanischen

Gelände- oder Sportwagen schielt verdutzt

auf die Preislisten, wenn für ein

35000-Dollar-Auto hierzulande plötzlich

über 50 000 a aufgerufen werden. Artig

„Danke“ sagt bei solch einer Praxis vor allem

VW.

Trotzdem waren die USA 2017 der wichtigste

Handelspartner der Bundesrepublik: Güter

im Wert von 111,5 Milliarden a schickten

deutsche Unternehmen in Richtung Lady

Liberty, umgekehrt konnten die USA Waren

für rund 61 Milliarden a in Deutschland

verkaufen. Das macht Platz 4 bei den Importen,

hinter China, den Niederlanden und

Frankreich. Zum Vergleich: Nach China exportiert

hat Deutschland Waren im Wert von

86 Milliarden a, im Gegenzug konnte

China Erzeugnisse für 100,5 Milliarden a

in Deutschland verkaufen.

Eine Einigung im Sinne der Konjunktur ist

in dem aufkeimenden Handelskrieg bitter

nötig. Insofern sollte auch die EU darüber

nachdenken, ihre Zölle niedriger zu gestalten.

Denn das, was in Heilbronn-Franken

und in der „Region der Weltmarktführer“

an der Tagesordnung steht und mit ein Faktor

für den Erfolg der vielen Unternehmen

ist, die stetige Innovation und das „vorne

sein“ im Markt, ist der einzige Weg, das eigene

Unternehmen oder die eigene Wirtschaft

nachhaltig fit zu halten – denn auch

der Protektionismus wird der zum Beispiel

der Stahlbranche in den USA nicht wieder

zu altem Glanz verhelfen können, zu tief

geht der Strukturwandel in der Weltwirtschaft.

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Im Landkreis Schwäbisch Hall,

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Hohenlohekreis und dem

Landkreis Ansbach mit einer

Auflage über 55.000 Exemplaren

(Verlagsangabe)

Erscheinungsweise

RegioBusiness erscheint monatlich

in Zusammenarbeit mit dem Haller

Tagblatt in Schwäbisch Hall, dem

Hohenloher Tagblatt in Crailsheim,

der Neuen Kreis-Rundschau in

Gaildorf und der Fränkischen Nachrichten,

Ausgabe Bad Mergentheim

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