Roehrig S et al. Respiratorisches Versagen (...) - Lungensonographie für Alle.....

SonoABCD

Das Clinotel Online Journal hatte 2013 unseren Beitrag sehr innovativ mit Filmen publiziert. Leider ist die Zeitschrift nicht mehr online. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, den Inhalt mit den Originalfilmen für Sie zu "reanimieren". Bitte bedienen Sie sich. Sie können download, Ausdruck und Verbreitung.....! Viele Grüße, Raoul Breitkreutz

Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

Summary

In the context of differential diagnoses of dyspnoe and complications of mechanical

ventilation, anaesthesiologists, intensivists or emergency physicians need to differentiate

between pulmonary edema, pneumonia, pneumothorax and pleural effusion at the

earliest. Lung ultrasound offers to verify a diagnosis at the patient’s bedside within minutes

and can induce the appropriate therapy. Radiation exposure of the patient and the

environment caused by X-rays can be minimized and high-risk transportation of critical

care patients, for example for a CT-scan, can be reduced. Knowledge of few specific sonographic

phenomena only are necessary for the diagnosis and can be learned very

quick ly so that the ultrasonic probe may be used in emergency and intensive care medicine

as the ordinary stethoscope. Important clinically relevant questions can be answered

promptly at the patient’s bedside.

Keywords

Lung, Pneumothorax, Pleural Effusion, Pneumonia, Pulmonary Edema,

Ultrasonography

2


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

Einleitung

Die akute Dyspnoe oder Beatmungsprobleme gehören zu

den täglichen Herausforderungen von Anästhesisten,

Akut- und Intensivmedizinern. Je nach Ausprägung der

Symptomatik sollte hier die richtige Differenzialdiagnose

in kürzester Zeit gefunden werden, um die überlebenswichtige

Therapie einzuleiten. Die luftleitenden Atemwege

(Mundraum, Glottis, Trachea und große Bronchien)

sind hierbei der direkten visuellen Untersuchung zugänglich

und können im Bedarfsfall durch Intubation

oder Tracheotomie offen gehalten werden. Finden sich in

diesem Bereich keine pathologischen Befunde, müssen

kardiopulmonale Differenzialdiagnosen abgearbeitet werden.

Hierzu gehören Pneumonie, Pneumothorax, Pleuraerguss

oder Lungenödeme verschiedener Ätiologie.

Mithilfe der Lungensonographie und mobiler Gerätetechnik

können richtungsweisende Befunde direkt im

OP, auf der Intensivstation oder in der Notaufnahme

ohne Zeitverlust bettseitig erhoben und die adäquate Therapie

sofort eingeleitet werden. Die Lungensonographie

ist in ihrer Sensitivität und Aussagefähigkeit der bisher

für diese Fragestellungen meist genutzten konventionellen

Röntgendiagnostik überlegen (Lichtenstein et al.

2004, Xirouchaki et al. 2011).

Die Aussage, dass Lungengewebe der Ultraschalldiagnostik

nicht zugänglich ist (Kasper et al. 2005), ist nicht

mehr haltbar. Die Lungensonographie des Akut- und Intensivmediziners

ist ein fester Bestandteil der neuen zertifizierten

Seminarreihe Anästhesie Fokussierte Sonographie

(AFS) der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie

und Intensivmedizin (DGAI) und die Anwendung der

Sonographie zum Beispiel in der Anästhesie und Intensivmedizin

mittlerweile verpflichtender Bestandteil der

Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie im Bereich

der Ärztekammer Westfalen-Lippe (Weiterbildungsordnung

der Ärztekammer Westfalen-Lippe 2011).

Im Folgenden werden die diagnostischen und therapeutischen

Möglichkeiten der Lungensonographie sowie die

hiervon abgeleiteten Konzepte unter Bezugnahme auf die

aktuellen Empfehlungen des World Interactive Network

Focused on Critical Ultrasound (WINFOCUS) (Volpicelli

et al. 2012) dargestellt.

3


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

auch die Untersuchung von zwei anterioren Thoraxregionen

zur ersten diag nostischen Abklärung aus. Der Untersuchungsgang

kann nach der Einleitung erster therapeutischer

Maßnahmen komplettiert werden.

Abb. 4:

Reverberationen: hier Wiederholungsartefakte (gelbe Pfeile)

Reverberationen

Als Folge der Totalflexion an der luftgefüllten Lunge und

der Pleuragrenze kommen Wiederholungsartefakte unterhalb

der Pleura, zum Beispiel von Geweben, Muskelfaszien

oder auch von der Pleura selbst, zur Darstellung

(Abb. 4). Spiegelartefakte können alle Strukturen auch

unterhalb der Pleura erscheinen lassen, die eigentlich nur

oberhalb der Pleura physikalisch vorhanden sind.

Diese Wiederholungsartefakte sind dabei immer horizontal

und werden auch Reverberationen genannt. Wiederholungsartefakte,

deren Abstand zur Pleura der Distanz

zwischen Pleura und Schallkopf entspricht, werden

auch als A-Linien bezeichnet. Reverberationen sind per

se physiologischer Natur, können jedoch in Situationen

mit geringer oder fehlender Lungenbewegung deutlicher

im Bild erscheinen (zum Beispiel bei Emphysem, Pneumothorax

oder Apnoe).

Lungensonographie in der Akut- und Intensivmedizin

– das BLUE-Protokoll

Lichtenstein und Mezière konnten in einem Konzept mithilfe

eines standardisierten Protokolls für den Einsatz

von Lungenultraschall (BLUE-Protokoll) in weniger als

drei Minuten in 90,5% der Fälle die richtige Diagnose in

Bezug auf ein akutes respiratorisches Versagen stellen

(Lichtenstein & Mezière 2008). In Anlehnung an dieses

Protokoll möchten wir in diesem Beitrag die wichtigsten

Differenzialdiagnosen erklären.

7


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

mehr als zwei Litern Harn und zur Stabilisierung der klinischen

Situation, welche auch durch ein Nachlassen der

Intensität der multiplen B-Linien dokumentiert werden

kann. Als Ursache wird ein Nicht-ST-Hebungsinfarkt

(NSTEMI) bei noch gut erhaltener Pumpfunktion des

Herzens identifiziert und der Patient entsprechend leitliniengerecht

behandelt.

Aufgrund des Myokardinfarktes (Troponin I >17.000 ng/

ml) und einer zusätzlichen Makrohämaturie unklarer Genese,

die sich nach Anlage des Blasenkatheters zeigt,

wird der Patient vorsorglich nach 15 Minuten Aufenthalt

in der ZNA auf die Intensivstation verlegt. Hier wird dann

auch eine konventionelle Röntgenaufnahme des Thorax

durchgeführt (Abschnitt 3): Es zeigen sich noch fleckförmige

Verschattungen über beiden Lungenflügeln und eine

zentrale Stauung. Pleuraergüsse werden als »klein« im Originalbefund

beschrieben.

Notabene: In der Röntgenaufnahme werden die Pleuraergüsse

als »klein« beschrieben und auch die Intensität

des Lungenödems erheblich (»zentrale Stauung«) unterschätzt,

da bei vorhandener COPD und Überblähung die

Stauung nicht so sensitiv diagnostiziert werden kann. Es

führt damit immer der klinische Eindruck zusammen mit

den zusätzlichen Informationen durch die Lungensonographie

zu einer belastbaren Einschätzung in der Akutsituation.

Innerhalb von drei Tagen gelingt eine vollständige Rekompensation,

die auch sonographisch sichtbar gemacht

werden kann, da am Tag 3 nach Aufnahme keine pathologisch

vermehrten B-Linien mehr nachweisbar sind (»trockene

Lunge«) (Abschnitt 4), dies wird auch durch den

Röntgen-Thorax bestätigt (Abschnitt 5).

Merke: Bilateral nachgewiesene multiple B-Linien

können sehr gut den Grad der pulmonalen Stauung und

interstitiellen Flüssigkeitsvermehrung semiquantitativ

beschreiben. Dies ist ein Vorteil gegenüber der konventionellen

Röntgendiagnostik und erheblich schneller

verfügbar. Die Ursache der pulmonalen Stauung kann

dagegen mit beiden Methoden nicht identifiziert werden

und muss mithilfe weiterer klinischer Untersuchungen

(EKG, Labor etc.) ermittelt werden. Das Verfahren

kann aber helfen, unmittelbar nach Problemidentifizierung

eine geeignete symptomatische Therapie

einzuleiten. In dem beschriebenen Fall wäre sogar

eine prähospitale Anwendung möglich und Erfolg versprechend

gewesen.

2. Lungenkonsolidierung bei Pneumonie

Durch eine Abnahme des intraalveolären Luftgehaltes der

Lunge verändert sich das Reflexverhalten gegenüber Ultraschall,

sodass die Lunge als Organ der Sonographie

zugänglich wird. Dies tritt zum einen bei Ausbildung von

Atelektasen, zum anderen bei pleuranahen pneumonischen

Infiltraten auf, da hier die betreffenden Lungenareale

nicht mehr ausreichend ventiliert werden. Da

bei diesen Pathologien in der Regel immer noch in geringen

Mengen Luft in den Alveolen und Bronchiolen eingeschlossen

verbleiben, findet man im Ultraschall das typische

Bild eines parenchymatösen Organs mit disseminiert

verteilten, weißen Punkten und Linien, die als das

sogenannte Bronchoaerogramm bezeichnet werden.

Klinisch nutzbar wird dieser Aspekt der Lungensonographie

unter anderem in der primären Diagnostik einer

Pneumonie und deren Verlauf unter Therapie.

Fallbeispiel 2:

Neurochirurgische Intensivpatientin

Nach mehrtägiger postoperativer Beatmung wurde eine

Entwöhnung vom Respirator eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt

waren sowohl Blutgasanalyse als auch laborchemische

Infektionsparameter im nicht pathologischen

Wertebereich nachweisbar. Nach Extubation stellte sich

jedoch innerhalb weniger Stunden unter nicht invasiver

Atemtherapie eine progrediente respiratorische Insuffizienz

ein, sodass letztlich eine Re-Intubation und erneute

Respiratortherapie resultierte. Die Lungensonographie

zeigte auf der linken Seite ein großes Konsolidierungsareal

im Sinne einer Ventilator-assoziierten Lobärpneumonie

des Unterlappens (Abb. 5), woraufhin mit einer

kalkulierten Breitspektrumantibiose begonnen wurde.

Am folgenden Behandlungstag ergab die Lungensonographie

an gleicher Stelle einen bereits deutlich veränderten

Befund (Abb. 5a): Die Konsolidierung war nur

9


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

Diskussion

Die Entwicklung von Konzepten zur fokussierten Ultraschallanwendung,

die sich auf klinische Fragestellungen

zentrieren, machte einen Paradigmenwechsel notwendig.

Bisherige Konzepte basieren auf systematischen organbezogenen

Untersuchungen mit quantitativen Messungen

im Ultraschalllabor durch ausgebildete Fachexperten.

Fokussierte Konzepte sollen helfen, klinische

Fragestellungen direkt und patientenseitig mithilfe mobiler

Ultraschallgeräte zu beantworten.

Hierzu müssen nur wenige Artefakte oder Phänomene erlernt

und im Sinne einer Blickdiagnose beurteilt werden.

Eine italienische Studie konnte zeigen, dass die Beurteilung

von B-Linien beziehungsweise Kometenschweifartefakten

durch Ultraschallanfänger nach einem 30-minütigen

Training hochsignifikant (r=0.958) mit der eines erfahrenen

Echokardiographieanwenders korreliert (Bedetti

et al. 2006). Eine Studie, die sich mit dem prä -

hospitalen Einsatz der Lungensonographie beschäftigt,

konnte diese steile Lernkurve bestätigen (Noble et al.

2009).

Die Lungensonographie ist seit 2011 zusammen mit der

Tracheasonographie und der FAST-Untersuchung (Focused

Assessment with Sonography for Trauma) ein

Kern bestandteil des Ausbildungsmoduls 5 der DGAI Anästhesie

Fokussierte Sonographie AFS (Röhrig et al. 2011).

Didaktisch basiert dieses Ausbildungscurriculum auf einem

Blended-Learning-Konzept und kombiniert eine eintägige

Präsenzveranstaltung (circa 50% Hands-on-Training)

mit einem E-Learning-Modul.

Bei dem vorgestellten Konzept der Lungensonographie

ist der Schulungsbedarf relativ gering (Arbeitskreis Ultraschall

2012). Das online verfügbare E-Learning-Modul

beinhaltet ein Prä- und Postkursmodul und hat den Vorteil,

dass die Inhalte jederzeit wiederholt und orts- sowie

zeitunabhängig genutzt werden können. Die Kursteilnehmer

können hierdurch ihre Vorkenntnisse vor der

Präsenzveranstaltung verbessern beziehungsweise nach

dem Kurs vertiefen. Der theoretische Teil des Kurstages

kann reduziert und der Schwerpunkt auf die Hands-on-

Trainings zur praktischen Anwendung der Lungensonographie

gelegt werden. Durch dieses Ausbildungskonzept

wird die Fehlzeit der Mitarbeiter in der Klinik auf das

notwendige Mindestmaß reduziert.

Interdisziplinäre Konzeptimplementierung und

Personalentwicklung

Um neue Konzepte erfolgreich in bestehende klinische

Prozesse einzubringen, ist die aktive Mitwirkung der leitenden

Ärzte unabdingbar. Sie müssen als Schnittstelle

zwischen medizinischem Personal und Krankenhausverwaltung

direkt an der Umsetzung vor Ort mitwirken und

die Investitionen für neue Geräte und die Ausbildung des

Personals durch schlüssige Konzepte gegenüber der Geschäftsführung

begründen können. Hierzu sollten mögliche

Synergien genutzt werden. Neben den Anästhesisten,

Intensiv- und Notfallmedizinern sollten daher bei

der Umsetzung die Vertreter der operativen Fächer in die

Auswahl des Ultraschallgerätes einbezogen werden.

Durch eine entsprechende Software können moderne Geräte

auch im OP-Saal von den operativ tätigen Ärzten genutzt

werden. Beispielhaft sei hier die intraoperative Sonographie

in der Brustchirurgie erwähnt, wodurch von

außen nicht identifizierbare Strukturen (Tumor, Abszess

etc.) in ihrer Ausdehnung und Position in Echtzeit identifiziert

werden können. Hierdurch kann das operative

Trauma reduziert und die Operationszeit optimiert werden.

Die Anschaffung eines geeigneten mobilen Ultraschallgerätes

kann so als interdisziplinäre Investition, gegebenenfalls

auch im Rahmen einer notwendigen Gerätemodernisierung,

die Kosten für die einzelne Abteilung

reduzieren und so zur Effizienzsteigerung beitragen.

Das interdisziplinäre Ausbildungskonzept der Anästhesie

Fokussierten Sonographie kann weiterhin zur Mitarbeiterförderung

im Sinne eines Training on the Job

(Scherm & Süß 2003) eingesetzt werden und ist nicht nur

für Anästhesisten, sondern für alle in der Akutmedizin tätigen

Ärzte interessant. Die verhältnismäßig einfach zu

erlernende Untersuchungstechnik führt zu einer raschen

Qualifikation des Anwenders und versetzt ihn in die Lage,

in höherem Maß eigenverantwortlich zu arbeiten und

Entscheidungen zu treffen. Die hierdurch ermöglichte,

auch als Jobenrichment bezeichnete, Arbeitsbereicherung

14


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

steigert das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Lernbereitschaft

und letztendlich die Arbeitszufriedenheit. Ein in

diesem Sinn ansprechendes Arbeitsumfeld, welches die kontinuierliche

Suche nach neuem Wissen fördert, wirkt motivationsfördernd

und macht den Arbeitsplatz in der eigenen Klinik für

Mitarbeiter und externe Bewerber hochinteressant. Auch die in

der präklinischen Versorgung tätigen Ärzte sollten in ein solches

Ausbildungskonzept eingebunden werden. Die technische

Weiterentwicklung hin zu robusteren und mobilen Geräten hat

die fokussierte Sonographie als neuere Methode immer mehr in

das Blickfeld der außerklinischen Versorgung rücken lassen. Es

gibt zunehmend Hinweise darauf, dass durch die Lungensonographie

die Anzahl möglicher Differenzialdiagnosen schon präklinisch

reduziert und so schneller die zielführende Therapie begonnen

werden kann (Prosen et al. 2011).

15


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

Schlussfolgerung

Das respiratorische Versagen stellt eine potenziell lebensbedrohliche

Situation für jeden Patienten dar und

sollte so schnell wie möglich einer differenzierten Diagnostik

zugeführt werden. Da heute mobile und qualitativ

hochwertige Ultraschallgeräte zur Verfügung stehen,

kann die Sonographie zum Patienten kommen. So können

aufwendige und teils risikoreiche Transporte minimiert

werden. Da sich die entscheidenden klinischen Fragestellungen

in Bezug auf die Diagnose durch die Beurteilung

weniger und schnell zu erlernender Ultraschallphänomene

(A-Linien, B-Linien, Lungengleiten, Lungen -

puls, Lungenpunkt, Lungenkonsolidierungen und intrapleuraler

Flüssigkeitsnachweis) auch von »Ultraschallanfängern«

und vor allem damit auch ohne Strahlenbelastung

durch CT- oder Röntgenuntersuchungen beantworten

lassen, hat die Lungensonographie das große

Poten zial, sich als ubiquitär anwendbares Standardverfahren

im Rahmen der Diagnostik und Therapie kritisch

kranker Patienten zu etablieren.

Um Synergieeffekte zu nutzen, sollten alle Fachdisziplinen,

die Ultraschall anwenden, in die Anschaffung eines

geeigneten Ultraschallgerätes eingebunden werden. So ist

ein solches Konzept auch für kleinere Krankenhäuser finanzierbar.

Über diese optimierte Zusammenarbeit kann

dann auch die Ausbildung fachübergreifend für die ärztlichen

Mitarbeiter organisiert und durchgeführt werden.

Über die interdisziplinäre Vernetzung kann so ein vertrauensförderndes

und anregendes Umfeld für die Mitarbeiter

geschaffen werden, welches die Personalakquise

und den Personalerhalt in Zeiten des Wettbewerbs um die

besten Köpfe deutlich verbessern kann.

Die Lungensonographie sollte somit als interdisziplinäres

Konzept zukünftig fester Bestandteil der Ausbildung aller

in der Akut- und Intensivmedizin tätigen Ärzte sein.

Die Aufnahme eines Ultraschalltrainings in den Weiterbildungskatalog

der Ärztekammer Westfalen-Lippe in

der Ausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie ist daher

ein konsequenter Schritt, der die Bedeutung des hier

vorgestellten Verfahrens unterstreicht.

16


Originalarbeit

Original Article

Literaturverzeichnis

Arbeitskreis Ultraschall (2012). Wissenschaftlicher Arbeitskreis

Ultraschall der Deutschen Gesellschaft für

Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).

Quelle: http://www.ak-ultraschall.dgai.de

(letzte Einsicht 17.09.2012)

Bedetti G, Gargani L, Corbisiero A, Frassi F, Poggianti F,

Mottola G (2006). Evaluation of ultrasound lung comets

by hand-held echocardiography. Cardiovasc Ultrasound.

2006; 4: 34. PubMed-ID: 16945139

Frassi F, Gargani L, Tesorio P, Raciti M, Mottola G,

Picano E (2007). Prognostic value of extravascular lung

water assessed with ultrasound lung comets by chest

sonography in patients with dyspnea and/or chest pain.

J Card Failure. 2007; 13 (10): 830–835.

PubMed-ID: 18068616

Gargani L, Frassi F, Soldati G, Tesorio P, Gheorghiade

M, Picano E (2008). Ultrasound lung comets for the

differential diagnosis of acute cardiogenic dyspnoea: a

comparison with natriuretic peptides. Eur J Heart Fail.

2008; 10 (1): 70–77. PubMed-ID: 18077210

Gryminski J, Krakowka P, Lypacewicz G (1976). The

diagnosis of pleura effusion by ultrasonic and radiologic

techniques. Chest. 1976; 70 (1): 33–37.

PubMed-ID: 1277928

Kasper DL, Fauci AS, Longo DL, Brauwal E, Hauser SL,

Jameson JL (2005). Harrison's Principles of Internal

Medicine. 2005. McGraw-Hill

Lichtenstein D, Mezière G (1998). A lung ultrasound sign

allowing bedside distinction between pulmonary edema

and COPD: The comet-tail artifact. Intensive Care Med.

1998; 24 (12): 1331–1334. PubMed-ID: 9885889

Lichtenstein D, Mezière G, Biderman P, Gepner A

(2000). The »lung point«: An ultrasound sign specific to

pneumothorax. Intensive Care Med. 2000; 26 (10): 1434–

1440. PubMed-ID: 11126253

Lichtenstein D, Lascols N, Prin S, Meziere G (2003).

The »lung pulse«: an early ultrasound sign of complete

atelectasis. Intensive Care Med. 2003; 29 (12): 2187–2192.

PubMed-ID: 14557855

Lichtenstein DA, Goldstein I, Mourgeon E, Cluzel P,

Genier P, Rouby JJ (2004). Comparative Diagnostic

Performances of Auscultation, Chest Radiography and

Lung Ultrasonography in Acute Respiratory Distress

Syndrome. Anesthesiology. 2004; 100 (1): 9–15.

PubMed-ID: 14695718

Lichtenstein DA, Mezière GA (2008). Relevance of Lung

Ultrasound in the Diagnosis of Acute Respiratory Failure:

The BLUE Protocol. Chest. 2008; 134 (1): 117–125.

PubMed-ID: 18403664

Mayo PH, Goltz HR, Tafreshi M (2004). Safety of

ultrasound-guided thoracentesis in patients receiving

mechanical ventilation. Chest. 2004; 125 (3): 1059–1062.

PubMed-ID: 15006969

Noble VE, Lamhaut L, Capp R, Bosson N, Lieplo A, Marx

JS, Carli P (2009). Evaluation of a thoracic ultrasound

training module for the detection of pneumothorax

and pulmonary edema by prehospital physician care

providers. BMC Medical Education. 2009; 9: 3.

PubMed-ID: 19138397

Prosen G, Klemen P, Štrnad M, Grmec S (2011). Com bi nation

of lung ultrasound (a comet-tail sign) and N-terminal

pro-brain natriuretic peptide in differentiating acute

heart failure from chronic obstructive pulmonary disease

and asthma as cause of acute dyspnea in prehospital

emergency setting. Crit Care. 2011; 15 (2): R114.

PubMed-ID: 21492424

17


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Originalarbeit

Original Article

CLINOTEL-Journal

Röhrig S, Seibel A, Zechner PM, Steigerwald M, Kummer

T, Groesdonk HV, Armbruster W, Breitkreutz R (2011).

DGAI-zertifizierte Seminarreihe Anästhesie Fokussierte

Sonographie – Modul 5: Thorakoabdominelle Sono graphie

(E-FAST plus). Anästhesiol Intensivmed Notfallmed

Schmerzther. 2011; 46 (11-12): 772–781.

PubMed-ID: 22161958

Scherm E, Süß S (2003). Ausbildung und Entwicklung.

In: Personalmanagement. Scherm E, Süß S. 2003 (2. Auflage).

Verlag Franz Vahlen

Volpicelli G, Mussa A, Garofalo G, Cardinale L, Casoli

G, Perotto F, Fava C, Frascisco M (2006). Bedside lung

ultrasound in the assessment of alveolar-interstitial syndrome.

Am J Emerg Med. 2006; 24 (6): 689–696.

PubMed-ID: 16984837

Wilkerson RG, Stone MB (2010). Sensitivity of bedside

ultrasound and supine anteroposterior chest radiographs

for the identification of pneumothorax after blunt trauma.

Acad Emerg Med. 2010; 17 (1): 11–17.

PubMed-ID: 18068616

Xirouchaki N, Magkanas E, Vaporidi K, Kondili E,

Plataki M, Patrianakos A, Akoumianaki E, Georgopoulos

D (2011). Lung ultrasound in critically ill patients:

comparison with bedside chest radiography. Intensive

Care Med. 2011; 37 (9): 1488–1493.

PubMed-ID: 21809107

Volpicelli G, Elbarbary M, Blaivas M, Lichtenstein DA,

Mathis G, Kirkpatrick AW, Melniker L, Gargani L, Noble

VE, Via G, Dean A, Tsung JW, Soldati G, Copetti R,

Bouhemad B, Reissig A, Agricola E, Rouby JJ, Arbelot C,

Liteplo A, Sargsyan A, Silva F, Hoppmann R, Breitkreutz

R, Seibel A, Neri L, Storti E, Petrovic T; International

Liaison Committee on Lung Ultrasound (ILC-LUS) for

International Consensus Conference on Lung Ultrasound

(ICC-LUS) (2012). International evidence-based recommendations

for point-of-care lung ultrasound. Intensive

Care Med. 2012; 38 (4) :577–591.

PubMed-ID: 22392031

Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-

Lippe (2005) vom 9.4.2005 in der Fassung vom 9.7.2011.

Ministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen (2011).

Jahrgang 64, Nr. 34, Seite 558.

Quelle: https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr

=1&gld_nr=2&ugl_nr=21220&bes_id=19284&menu=1&

sg=0&aufgehoben=N&keyword=weiterbildungsordnun

g#det0 (letzte Einsicht 31.07.2012)

18


Respiratorisches Versagen in der Akut- und Intensivmedizin –

Was kann die Lungensonographie leisten?

Respiratory failure in acute and critical care medicine –

What is the value of lung ultrasound?

Übersichtsarbeit

Review Article

Manuskriptdaten

Interessenkonflikt

Stefan Röhrig hat für Vorträge und Beratungstätigkeiten

Honorare von AstraZeneca, Baxter und Glaxo-

SmithKline erhalten.

Armin Seibel gibt keine Interessenkonflikte an.

Raoul Breitkreutz ist Mitglied des Sprecherkreises

des wissenschaftlichen Arbeitskreises Ultraschall der

DGAI, wissenschaftlicher Sekretär der internationalen

Lungenultraschallkonsensuskonferenz von WINFOCUS

und des DEGUM Arbeitskreises Notfallsonographie.

Er ist Mitbegründer der AG Notfallsonographie e.V., UEC

Partners GmbH i. G., Fischbachtal, und Medu Serv i. G.,

Wilnsdorf, die Ultraschallkurse veranstalten und Lehrmaterialien

für die medizinische Ausbildung entwickeln.

Für Forschung und Entwicklung sowie Veranstaltungen

von Ultraschallkursen arbeitete er mit folgenden Unternehmen

oder Institutionen zusammen:

Europäische Raumfahrtgesellschaft (ESA), Nordwijk,

Niederlande / Space Applications Services, Brüssel / SonoSite

GmbH, Frankfurt / GE Healthcare GmbH, Solingen

/ Esaote Deutschland / Universität Frankfurt, Stiftung

des öffentlichen Rechts, Fachbereich 16 Medizin / Frankfurter

Institut für Notfallmedizin und Simulationstraining

(FineST) / Orthopädische Klinik Friedrichsheim

GmbH / Klinikum Offenbach GmbH / Kerckhoff Klinik,

Bad Nauheim / DGAI e.V. / Johanniter Unfallhilfe / Berufsfeuerwehr

Frankfurt / Klinikum Darmstadt GmbH, Institut

für Notfallmedizin / Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus,

Siegen / Fortbildung in Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizin

(FAIR).

Bearbeitung

Manuskript eingereicht am 05.08.2012,

überarbeitete Fassung angenommen am 13.10.2012

Zitierung / Cite as

Röhrig S, Seibel A, Breitkreutz R. Respiratorisches Versagen

in der Akut- und Intensivmedizin – Was kann die Lungensonographie

leisten?

Abbildungsnachweise

2, 6, 3a | Stefan Röhrig

1, 3, 4, 5, 5a | Armin Seibel

Videonachweise

1, 2, 3, 4, 6, 7, 9, 10 | Stefan Röhrig

19

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine