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Arabische Pferde IN THE FOCUS 1/2018 (Vol. 13) - Leseprobe

Wissenschaft Negatives

Wissenschaft Negatives Training: Wenn wir aber umgekehrt eine neue Trainingseinheit zu früh beginnen, hat sich der Körper noch nicht genügend erholt, da wir noch immer im Zustand 2 (siehe Grafik 1) sind. Die neue Arbeit und die damit induzierte "Beschädigung" ermüden den Körper. Wenn wir mit noch mehr Arbeit fortfahren, ohne dass er sich erholen kann, nennt man dies negatives Training und wir werden die Leistungsfähigkeit des Pferdes nicht erhöhen. Vielmehr riskieren wir, dass ein ernste Verletzung eintritt und wir machen das Pferd sauer. Dauerhafter Schaden: Wenn also die Arbeitsbelastung in jeder Trainingseinheit zu hoch ist, dann sind der Schaden und die Ermüdung so schwerwirkend, dass die Erholungszeit sich verlängert, und uns für längere Zeit kaum mehr eine Chance für eine weitere Trainingseinheit gibt. Schlimmer noch, wenn der Schaden irreparabel ist, muß man das Pferd aus dem Sport nehmen. Leistungsfähigkeit / Performance aptitude Arbeitsbeginn / Begin of Work geringer Schaden / minor damage Zeit / Time 1. Überanstrengung verursacht Schäden, das Leistungsniveau sinkt. 2. Ruhephase, in der die Schäden repariert werden und das ursprüngliche Niveau wieder erreicht wird. 3. Das Leistungsniveau ist jetzt höher als ursprünglich. - 1. During the work, damage is caused and the performance level decreases. 2. Rest-period with “damaged parts” until the initial level is reached. 3. Performance level is slightly beyond the original level. Erholungszeit und Trainingsfrequenz Die unmittelbare Frage des Praktikers aus diesen Überlegungen ist: Wie sehen die Erholungszeiten aus und damit die Häufigkeit des Trainings? Logischerweise richtet sich die Erholungszeit nach dem Ausmaß des Schadens, der während einer spezifischen Trainingseinheit "angerichtet" wurde, außerdem spielt eine Rolle, welches Gewebe / Funktion wurde trainiert, und welcher Art von Funktion / Organ / Gewebe wurde trainiert. Da es das Blut ist, welches die Bausteine für die Reparatur herbeischafft, besteht ein wesentlicher Unterschied in der Erholungszeit, denn diese ist abhänging von der Menge an Blut, mit denen das betreffende Gewebe versorgt wird. Wie bei uns auch, wird ein Blauer Fleck innerhalb einer Woche "repariert", eine Bänderzerrung oder ein Knochenbruch aber braucht bis zu sechs Wochen. Diese Zeit kann man recht gut an der Farbe des Gewebes ablesen: Zum Beispiel gehören Knochen, Bänder, Gelenkskapseln und Sehnen zu den "weißen Geweben". Dieses weiße Gewebe hat eine geringe Durchblutung und daher eine langsamere Erholungsrate als Muskeln (die weit besser durchblutet sind). Das Herz-Kreislauf-System hat die höchste Durchblutung. Diese drei Gewebetypen mit ihrem unterschiedlichen Grad an Druchblutung und damit unterschiedlichen Erholungszeiten benötigen daher auch verschiedene Trainingsprogramme. Das Training von unterschiedlichem Gewebe Das weiße Gewebe: Aufgrund seiner geringen Durchblutung, der langen Zeitdauer nach der es erst die verbesserte Phase (3) erreicht, muß die Trainingsfrequenz, die darauf abzielt, das weiße Gewebe zu stärken (Basis-Training) über einen größeren Zeitraum ausgedehnt werden, bis bei jeder Einheit kleinste Schäden verursacht werden. Starke Schäden auszuheilen dauern sehr lange (man denke an die Schienbeine beim Rennpferd) und sollten unter allen Umständen vermieden werden. Das Training des weißen Gewebes sollte insgesamt etwa zwei Jahre dauern, kann aber bereits ohne Reiter in der Aufzucht beginnen. Stärkung / strengthening Ruhe, Gewebereparatur / Rest, tissue repair body has been improved, we can cause again a little damage and let nature repair it during the following rest period. Having started from a higher level of performance capability, the new repair will bring the performance level even higher than the previous one. We have again improved by training, now to an even better level. If we continue doing this every time the horse is in its “improved” stage, we will continue to increase his performance-level and steadily improve the condition of the athlete. We are thus training efficiently. Negative training: Contrary, if we ask for a new working session too early, the body will not have recovered fully from its previous work-out and will still be in stage 2 (see graphic 1). The new workload and induced damage by this work-session will fatigue the body. If we continue with more work on a non-recovered organism, we are training negatively and will never improve the performance level of the horse but rather risk to cause real damage and make the horse sour. Permanent damage: Also, if the workload is too heavy during each session, the level of damage and fatigue will be so detrimental that the recovery time will be rather long, giving us no chance for a next training-session for a long time. Even worse, a stage of damage of no-return may be reached - and the horse will have to be taken out of the sport. Duration of recovery and training frequency The immediate practical question following these considerations is: What are the recovery-times and thus the training frequencies? Obviously, the duration of recovery will depend on the amount of damage caused during a specific session, on what tissue/function we have been training but also on the type of function/organs/tissue we have been training. Leistungsfähigkeit / Performance aptitude aufeinanderfolgende Trainingseinheiten / Successive workouts Zeit / Time Positives Training: Eine neue Trainingseinheit auf der Höhe der Erholungsphase, sorgt für eine weitere Leistungssteigerung. Positive training: A new training session at the hight of the recovery period leads to yet another improved performance aptitude. As it is the blood which is responsible to bring the “repair materials”, there will be an essential difference in the recovery time depending on the amount of blood that supplies the tissues in question. Just like for us, the repair of muscle-bruises takes one week, a pulled tendon or a bone-fracture needs generally up to six weeks to be repaired. This time span can be judged fairly well by the coloring of the tissue. For example bones, ligaments, joint capsules and tendons are altogether called the “white parts”. These white parts have a low circulation and therefore a slower recovery rate than muscles (far better supplied with blood). The cardiovascular system has the maximum blood supply. These three types of materials with a different level of circulation and delay of recovery will require different training programs. Training different Organic Materials The “white parts”: Due to low circulation, the delay to reach the improvement stage (3) will be long and the frequency of training 48 © ARABISCHE PFERDE - IN THE FOCUS 1/2018

Die Muskulatur: Die Muskeln sind bei weitem besser durchblutet, die Erholungszeit ist kürzer und die Trainingseinheiten müssen häufiger sein. Die Entwicklung des Muskelvolumens ist äußerst wichtig (siehe das Kapitel über die Energiegewinnung), weil Teile des "Treibstoffes", der für die (anaerobische) Energiegewinnung benötigt wird, in den Muskeln selbst gelagert wird. Dieses "Krafttraining" ist bei uns Menschen eine ziemlich statische Angelegenheit und wir werden später noch sehen, wie man die Muskeln des Pferdes trainieren kann. Das Training hierzu ist intensiver, da auch die "Schäden" schneller repariert werden und die Trainingseinheiten können in rascherer Häufigkeit erfolgen. Nichtsdestotrotz, um auf der sicheren Seite zu sein, ist es klug, diesen Teil des Trainings über mehrere Monate zu verteilen. Das Herz-Kreislauf-System: Dieses ist verantwortlich für den Transport von Sauerstoff und "Brennstoff", der im Körperfett gespeichert ist und zu den Muskeln gebracht werden muß, wo die aerobe Energieproduktion stattfindet. Das Herz-Kreislauf-System ist auch für die Ausscheidung der Nebenprodukte und der Wärme verantwortlich, die während der chemischen Prozesse der Energieproduktion frei werden. Daher wollen wir auch seine Leistungsfähigkeit so gut es geht steigern. Da es ausgesprochen gut durchblutet ist, erfolgt die Verbesserung dieses Systems schnell, und das metabolische Training ist eine Sache von nur wenigen Wochen. Es sollte aber darauf hingewiesen werden, daß diese Trainingsphase oftmals als "Verbesserung der Atmung" bezeichnet wird, was jedoch völlig falsch ist, und ein gefährliches Konzept! Denn die Lunge kann nicht trainiert werden! Bei der Geburt, ist die Anzahl der Lungenbläschen (Alveoli) bereits festgelegt und maximal (ihre gesamte Austausch-Oberfläche enspricht etwa der Größe von 10 Tennisplätzen!). Von diesem Punkt an, nimmt die Anzahl der Lungenbläschen im Laufe des Lebens immer mehr ab, entweder weil bei der Geburt etwas Flüssigkeit in der Lunge bleibt (deshalb sollte ein Fohlen am ersten Lebenstag bereits einen guten Galopp hinlegen können), oder weil Leistungsfähigkeit / Performance aptitude aufeinanderfolgende Trainingseinheiten / Successive workouts Zeit / Time Negatives Training: Wenn die neue Trainingseinheit kommt, bevor der Körper sich vollständig erholt hat, führt dies zu einem Leistungsabfall. Negative training: If the new training session comes too early, before the body has fully recovered, the performance aptitutde will decrease. es Probleme mit dem Atmungsapparat gibt (Viren, Bakterien oder Allergie), oder durch ungenügende oder falsche Entwurmung (die Lungenwürmer wandern durch die Lunge und zerstören eine große Anzahl Alveoli). In jedem Fall erholen sich die Lungenbläschen nicht, und was verloren ist, bleibt verloren! Aus dem oben gesagten wird klar, daß das Training unterschiedlich abläuft, je nach dem welche der drei Organtypen wir im Auge haben. Nichtsdestotrotz gilt für alle drei, dass eine hohe Arbeitsbelastung auch eine lange Erholungszeit braucht. Daher kann ein Reiter, der keine Möglichkeit hat, regelmäßig zu trainieren, seinem Pferd eine höhere Arbeitsbelastung (innerhalb der Sicherheitsgrenzen!) zumuten, wenn er anschließend eine längere Erholungszeit einräumt, bevor die nächste Trainingseinheit erfolgt. Damit entsteht ein tieferes Tal (2) und eine längere Verzögerung, bevor wie die Stufe (3) erreichen. Nelly Philippot-Hermanne sessions intended to strengthen the white parts (basic training), will have to be more spread out, unless little damage has been caused each session. Real damage takes excessively long (think of “sore shins” for example and should be avoided at any time. The training of the white parts should totalize approximately two years but can be started without rider during the rearing. The muscles: They have far better circulation, the recovery times are shorter and the training sessions need to be more frequent. The development of the muscle volume is paramount (see the chapter about energy production) because part of the fuel used for energy-production (anaerobic) is stored in the muscles themselves. This “power-training” is a rather static activity in humans and we will see how to train the muscles of our horses later. Training will be more intensive as repair is faster and training-sessions can follow each other more frequently. Nevertheless, to remain safe, it is wise to spread this part of the training program over several months. Leistungsfähigkeit / Performance aptitude 2-3 Tage / 2-3 days 4-7 Tage / 4-7 days Wochen / weeks "Weißes Gewebe" / the "white parts" Muskulatur / Muscles Herz-Kreislauf-System / Cardio-vascular system Zeit / Time Erholung und Leistungsverbesserung in den drei Trainingsphasen in Bezug auf die verschiedenen Organsysteme. - Recovery and improvement of performance in the three training phases with reference to the three different tissues. The cardio-vascular system: It is responsible for the transport of oxygen and fuel, which is stored in the body-fat to the muscles for the aerobic energy-production, as well as for the excretion of the by-products and heat produced during the chemical process of energy production. Therefore, we want to improve its efficiency also as much as possible. As it is extremely well circulated, the improvement of this system is fast and the metabolic training is only a question of weeks. It should be pointed out, that this phase of training is often called “improving breath” which is a totally false and dangerous concept! Lungs cannot be trained! At birth, the number of alveoli is at its maximum (their total exchange-surface is equivalent to 10 tennis-courts!). From there on, the number of alveoli (surface) decreases, either because at birth liquid remains in the lung (this is why it is important to let the foal have a good gallop the very first day of life), either because of problems of the respiratory tract (viral, bacterial or allergic), either by poor or wrong worming (red worms migrate through the lungs and destroy large numbers of alveoli). Alveoli don’t recover and in this case: Lost is lost! From the above appears that training will be different depending on which of these three types of organs we aim to train. Nevertheless, for each of them goes that a heavier workload will need a longer recovery time. Thus a rider that has no chance to train frequently, will be allowed to put a heavier workload (within safety limits!) on his horse as he will allow a longer recovery-time before the next session. This corresponds to making a deeper dip in (2) and a longer delay before we reach stage (3). Nelly Philippot-Hermanne Science In der nächsten Ausgabe finden wir eine praktische Anleitung für ein angemessenes Arbeitsprogramm für diese drei Hauptphasen des Trainings. 1/2018 - www.in-the-focus.com 49 We will find out in the next issue a practical way to establish an appropriate working program for these three different main phases of training.