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s'Magazin usm Ländle, 8. April 2018

INSEKTENSTERBEN XXXXXXXX

INSEKTENSTERBEN XXXXXXXX 6 s’Magazin

INSEKTENSTERBEN XXXXXXXX Warumsollman Insekten leben lassen, Herr Zimmermann? INTER VIEW Nicht nur die Honigbienen müssen um ihr Überleben kämpfen. Zahlreiche Insektenarten haben es mit immer unwirtlicher werdenden Lebensräumen zu tun. Klaus Zimmermann ist Fachberater bei der Inatura Dornbirn und erklärt im Gespräch mit Angelika Drnek, was Insekten brauchen und was nicht, zum Beispiel Insektenhotels. ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• Rund um die Inatura sucht Klaus Zimmermann ein Plätzchen, an dem Natur Natur sein kann.Gar nicht so leichtzufinden. Wann haben Sie das letzte Mal ein Insekt erschlagen? Noch gar nicht solange her. Vor rund einem Monat eine Stubenfliege, die sich mit dem Brennholz in meineWohnunggeschlichen hat. Insekten haben ein schlechtes Image. Warum eigentlich? Manche Tiere sind eben lästig, die Fliege zum Beispiel. Auch wenn man sie vertreibt,kommt sie ständig wieder. Nebenbei setzt sich die Fliege auf einen Scheißhaufen, frisst dort,und als Nächstes landet sie auf meinemSteak, frisst dortweiter und hinterlässt jede Menge Bakterien. In Afrikabeispielsweise wird da konsequenter reagiert, wobeidortauch ätzendere Keime übertragen werden können. Trotzdem: Wenn bei uns eine Fliege im Bier landet, wird sie rausgefischt und das Bier weitergetrunken. Passiert das in Afrika, bekommt man ein neuesBier. Welchen Nutzen hat die Fliege? Sie ist Nahrung für viele unterschiedliche Tiere. Und –das weiß man aus ekligen Krimis –ihre Maden zersetzen Fleisch, sind also im Kreislauf der Natur sehrwichtig. Nun haben Insekten ihr schlechtes Image also nicht ganz umsonst.Warum soll man sie trotzdem leben lassen? Weil sie eben genauso viel Nutzen haben. Jedes Tier, jeder Organismus hatseine Bedeutung und trägt zur Funktion des großen Ganzen bei. Nur der Mensch, nichtdie Natur fragt: Was nützt mir das Tier? Wie schadet mir das Tier? Studien belegen, dass es immer weniger Insekten gibt –bis zu 80 Prozent weniger als noch vor einigen Jahren. Gilt das auch für Vorarlberg? Die Landschaft verarmt. Die Strukturvielfalt nimmt ab, es werden zwischen landwirtschaftlich genutzten Feldern Gräben zugeschüttet, Hecken abgerissen und so weiter. Diese Intensivierung der Landwirtschaft ist ein großes Thema, auch wennessich in Vorarlberg noch inGrenzen hält. Hier gibt es diese riesigen kilometerweiten Monokulturen nicht. Aber der Rückgang der Arten und der Individuen ist auch hier festzustellen. Auch die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen- und Wohnbau ist problematisch. Der hochkonzentrierte Dünger auf den Wiesen bringtschon mal viele Pflanzenarten um. Und durch das Mähenkommen die Restpflanzen gar nicht erst zum Blühen, davon ernähren sich aber viele Insekten. Ein Riesenproblem sind auch die Neonicotinoide. Diese wurden als sicher eingestuft, weil man nur Kurzzeitstudien gemacht hat. Sie haben aber Langzeitwirkung: Nicht nur die Bienen leiden darunter. Es ist ein Nervengift, an dem die Tiere sterben. Diese Stoffe sind immer noch zugelassen, da muss man sich etwasanderes einfallen lassen. Nicht nur in der Landwirtschaft – auch in den privaten Gärten. Mit welchen negativen Folgen muss man durch den Insektenschwund rechnen? s’Magazin 7