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Vergessene Kinos in Bonn

Diese Entwicklung mag

Diese Entwicklung mag sich von der in anderen Städten, die andere Voraussetzungen haben, unterscheiden. In Bonn konnte die Kinokultur durch mehrere Faktoren hochgehalten werden. Ein Grund war der Umzug der Telekom und der Post nach Bonn. Viele Angestellte zogen nun in die Stadt, darunter viele kinointeressierte junge Menschen. Denn diese gehen häufiger als ältere Leute ins Kino. 37 Zum anderen ist die Bonner Universität sehr wichtig für die lokalen Kinos, da Studenten häufig ins Kino gehen. 38 Und außerdem 39 40 ist Bonn eine überdurchschnittlich wohlhabende Stadt. 37 vgl. Interview mit Rainer Otto, S. 8 38 vgl. ebda., S. 8 39 vgl. ebda., S. 8. Nicht die Stadt Bonn, die Bewohner sind hier gemeint. 40 Der landesweite Einkommensdurchschnitt pro Jahr (im Jahr 2013) lag bei 36244 Euro, der von Bonn lag bei 42404 Euro (it.nrw.de). 12

2.3 Kinokultur im Wandel 2.3.1 Gegenüberstellung von Woki und Universum Das „Woki“ wurde 1954 in der Gangolfstraße als Wochenschautheater eröffnet. Aus diesen Zeiten stammt auch der Name „Woki“ (Wochenschaukino). Es hob sich jedoch von anderen Wochenschautheatern ab, da Gerhard Zimmermann, Geschäftsführer des „Wokis“, aus allen damals angebotenen Wochenschauen eine einzige zusammenschnitt. 41 Als sich das Fernsehen allmählich durchsetzte, stieg das „Woki“ darauf ein, Vorführungen nach dem „Nonstopkonzept“ zu geben. Mit Nonstop ist gemeint, dass ein meist relativ kurzer Film ohne Unterbrechung oder Pause immer wieder wiederholt wird. Die Zuschauer können kommen und gehen, wann sie wollen, und das zu einem sehr geringen Preis. Nicht selten kam es dazu, dass man zuerst das Ende des Filmes sah, erst danach den Anfang. Das Programm lief damals von 9 bis 17 Uhr. Das Konzept war besonders für Schüler sehr verlockend, was zu regelmäßigem Schulschwänzen führte. „[…] Manchmal kam auch das Ordnungsamt rein und hat die ganzen Schüler rausgeholt, oder Lehrer kamen tatsächlich auch vom EMA“ 42 43 . Abends wurde das „Woki“ zum Programmkino und zeigte anspruchsvollere Filme. 44 Durch diese Kombination wurde es mit bis zu 350.000 Besuchern pro Jahr zum erfolgreichsten Kino Bonns und gehörte sogar zu den fünf erfolgreichsten Kinos in Deutschland 45 . Weil das Bonner „Woki“ so gut lief, wurde eine Kette gegründet. Zur Bestzeiten besaß sie ungefähr 13 Kinos, die alle aber im Laufe der Jahre wieder geschlossen wurden, sodass das Bonner „Woki“ sowohl das erste als auch das letzte Kino der Kette war. Das Ende des „Wokis“ kam 1984, als der Besitzer des Gebäudes, die Volksbank, den Pachtvertrag nicht verlängerte. Auch eine Ausweichmöglichkeit für das Kino wurde nicht gefunden, es war gezwungen, zu schließen. Und das, obwohl das Geschäft noch gut lief. 41 vgl. Interview mit Rainer Otto, S. 1 42 Rainer Otto war von 1975 bis 1984 Schüler des EMAs 43 vgl. Interview mit Rainer Otto, S. 1 44 Zeitweise war es das einzige Bonner Programmkino 45 Zum Vergleich: Das Woki hatte 240 Sitze, das erfolgreichste Kino Deutschlands etwa 1000 13

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