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Vergessene Kinos in Bonn

Otto beschreibt die

Otto beschreibt die Schließung als „[…] erschütternd“ 46 . Zuletzt wurde aus dem Kino die Eingangshalle der Volksbankfiliale. * Das „Universum“ steht in einem starken Kontrast zum „Woki“. Es wurde 1956 gegründet, zwei Jahre nach dem „Woki“, und gehörte zur Kinokette Krüger. Zu Anfang widmete sich das Kino den Erstaufführungen, zeigte diese sogar in 70mm-Qualität 47 . In den 70ern änderte das „Universum“ sein Konzept und wurde zum Pornokino. Da es zu der Zeit nur drei Fernsehsender und noch keine Videocassetten gab, florierte das Pornogeschäft. In den 80ern stoppte das Kino sein Pornoprogramm, es lohnte sich nicht mehr, da immer weniger Zuschauer kamen. Jedoch blieb dem „Universum“ der Ruf des „Schmuddelkinos“, weswegen es nur sehr schlecht lief. Als Teil der Kette wurde es nun zur letzten Abspielstation. Mit dem Bau des konkurrierenden „Kinopolis“ entschied sich der Besitzer der Kette, das Kino 1997 zu schließen, weil er einen weiteren Zuschauerrückgang befürchtete. Da er nicht mehr in das „Universum“ investiert hatte, hätte es nicht gegen das Multiplex durchgehalten. 48 Die Eigentümer des Gebäudes entschieden sich allerdings dafür, auch weiterhin ein Kino beherbergen zu wollen. 2.3.2 Das „Neue Woki“ Zwei riesige Kinoketten, UFA und „Kinopolis“, kämpften um das „Universum“. 49 Rainer Otto war völlig überrascht, als man ihm das Kino anbot, ergriff jedoch die Chance und begann, sein Konzept zu planen. 50 Es war sein großer Traum gewesen, ein eigenes Kino zu gründen. 51 46 Interview mit Rainer Otto, S. 2. 47 Standard waren 35mm Filme. Mit 70mm war die Auflösung doppelt so hoch. 48 vgl. Interview mit Rainer Otto, S. 3 49 vgl. Klinkertz, WOKIs Rückkehr, Schnüss 1998 50 vgl. Interview mit Rainer Otto, S. 5 51 (Korrekterweise: Abgeschreckt von dem Aufwand und den Kosten eines solchen Unterfangens war dies nicht durchgehend sein Traum) vgl. ebda, S. 5 14

Schließlich legte er den Besitzern sein neues Konzept vor: Nicht mehr Filmkunst, wie es sein ursprünglicher Plan gewesen war, sondern One-Dollar-Kino, angelehnt an das Konzept des alten „Wokis“. Jeder Film für 2,50 €, egal ob lang oder kurz, neu oder alt, verbunden mit Nonstopvorstellungen. „Die sind ausgeflippt, das Konzept fanden die so geil […] .Wir [haben] einen Pachtvertrag gemacht, und dann war’s vom Start weg ein Erfolg“ 52 erzählt Otto über die Reaktion der Vermieter. Er entschied sich dafür, sein Kino als Hommage ebenfalls „Woki“ zu nennen. Das Nonstopkonzept funktionierte allerdings nicht ganz wie geplant, da das neue „Woki“ zu unbekannt war. Schon nach fünf Wochen stellte das „Woki“ deswegen sein Programm um. Von nun an setzte Rainer Otto auf Filme, die schon vor Wochen, sogar schon vor Monaten durch die Kinos gelaufen waren, und musste so nur einen deutlich geringeren Preis an die Filmverleiher zahlen. Indem er dieses Konzept auf die Spitze trieb, konnte er in einer Woche bis zu 35 verschiedene Filme zeigen und lockte massenweise Zuschauer an. „Wir haben mehr Besucher im Nachspiel gemacht, als die Kinos in Bonn zum Start.“ 53 . 2003 fand eine weitere Umstellung des Konzeptes statt, da die ursprünglichen 4,99 Mark nicht mehr ausreichten, um das Kino am Leben zu erhalten. Das „Woki“ bewegte sich von nun an immer weiter Richtung Erstaufführungsschiene, die Preise stiegen. Darunter musste die Vielfalt des Angebots leiden. „Wir versuchen immer noch, so viel wie möglich rauszuholen“ 54 erklärt Otto. Allerdings gestaltet sich das mit den sinkenden Besucherzahlen immer schwieriger. Heute konzentriert sich das „Woki“ auf Erstaufführungen. Rainer Otto schaut optimistisch in die Zukunft des „Wokis“ und meint, dass auch in 20 Jahren die Menschen Geld dafür ausgeben werden, zusammen mit anderen Filme zu schauen: „Das reißt einfach mit, wenn alle Leute lachen oder […] weinen und gerührt sind von einem Film.“ 55 2.3.3 Stirbt die Kinokultur? Seit der Erfindung des Filmes hat das Kino eine lange Entwicklung hinter sich. Besonders der Gedanke hinter dem Kino hat sich häufig verändert. Der Ort, an dem man Wochenschauen sehen kann, wird durch das Fernsehen abgelöst, das Kino beginnt verstärkt, 52 vgl. Interview mit Rainer Otto, S. 5 53 vgl. ebda., S. 6 54 vgl. ebda., S. 7 55 vgl. ebda., S. 7 15

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