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2018_04

RUBRIKTITEL

RUBRIKTITEL Sonntagsheiligung, Sonntagskultur Was wäre die Woche eintönig ohne den Sonntag! Es gehört zur Natur des Menschen, daß er nicht nur arbeitet, sondern daß er zur Ruhe kommt, sich auf Gott besinnt. P. STEFAN DREHER FSSP Der Sonntag ist nicht nur ein Tag, an dem wir nicht „arbeiten müssen“ sondern an dem wir ein ganz rares Gut geschenkt bekommen, nämlich Zeit. Zeit für Gott, Zeit für uns, Zeit für den Ehepartner, für die Familie, für Freunde. Zeit, vom Alltag und seinen Aufgaben, Zwängen und seiner Last abzuschalten, loszulassen und sich ganz dem Schönen und Guten zu widmen. Das Schöne und das Gute sind Eigenschaften, die auf den Urheber des Sonntags hinweisen: den dreifaltigen Gott. Der hl. Ambrosius lehrt: „Der Tag des Herrn ist uns ehrwürdig und feierlich, weil an ihm der Heiland, gleich der aufgehenden Sonne, im Lichte der Auferstehung glänzt, nachdem er die Finsternis der Hölle zerstreut hat; dieser Tag wird Sonntag genannt, weil ihn Christus, die aufgehende Sonne, erleuchtet.“ Ja, der Sonntag ist der Tag der Osterfreude, der nur von Gott her seine wahre Bedeutung erfährt. Der Tag des Herrn ist uns ehrwürdig, weil an ihm der Heiland, gleich der aufgehenden Sonne, im Lichte der Auferstehung glänzt Diese Prägung des Sonntags konkurriert mit gesellschaftlichen Tendenzen, die den arbeitsfreien Tag für die Veranstaltungen der Sportvereine vereinnahmen oder ihn als reinen Ausschlaftag sehen, an dem „die Hl. Messe nicht geplant ist“. Wir können die Gesellschaft zwar nicht einfach umdrehen, aber es ist auch kein unabwendbares Schicksal, daß die christliche Kultur an Bedeutung verliert. Ignatius von Antiochien bezeichnet Christen als diejenigen, die „sonntäglich leben“. Damit wird deutlich, daß Sonntagsmesse und christliche Existenz untrennbar miteinander verbunden sind. Die ersten Christen riskierten Leib und Leben für ihren Glauben, denn wer z.B. beim Meßbesuch ertappt wurde, mußte mit dem Tod rechnen. Nur entschiedene Christen waren dazu bereit. Also braucht es auch heute entschiedene Christen, die den Sonntag vom Sonntagsgebot her denken und erkennen, daß die Feier des Sonntags unerläßlich ist für das (Familien-) Leben. Auch der Sonntag ist erfasst von der Krise der Kirche, denn viele Gläubige haben große Opfer zu bringen, um eine Sonntagsmesse im Alten Ritus zu erreichen. Sie verbringen viel Zeit im Auto auf dem Weg zur Messe und haben doch auch das Bedürfnis nach Ruhe und Innerlichkeit angesichts einer immer hekti- 10 INFORMATIONSBLATT 04/2018

GLAUBENSLEBEN scher werdenden Welt. Doch als Katholiken müssen wir uns bewußt sein, daß wir uns am Sonntag gleich dem Lieblingsjünger Johannes ausruhen dürfen an der Seite des Herrn, der im hl. Meßopfer unter uns gegenwärtig ist. Er ruft uns: „Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“ Wir müssen die Bedeutung, den Wert und das Glück der Hl. Messe erkennen, da doch Jesus Christus uns hier seine wirkliche Gegenwart schenkt und sich aufopfert zu unserem Heil. Alle Fragen unseres Lebens – Freud und Leid, Sorgen und Trauer – können wir vor den Herrn tragen. Er ist gegenwärtig und wir dürfen in dieser Stunde mit unseren Nöten, Bitten und unserem Dank bei ihm sein und ihm alles anvertrauen: den Frieden in der Familie und um uns herum, das Wohlergehen der Kinder, den Segen für das Berufsleben. Wir wollen Christus in unser Leben hineinlassen, uns mit ihm verbinden und so die vor uns liegende Woche gestalten. Der Sonntag bietet den Rahmen, die Ruhe und die Freiheit dazu. Die Heiligung des Sonntags erschöpft sich aber nicht darin, die Hl. Messe zu besuchen und sich Zeit fürs Gebet zu nehmen, nein, der Sonntag erfuhr schon früh eine eigene kulturelle Prägung und Gestaltung, um die wir uns heute verstärkt bemühen sollten. Der hl. Philipp Neri lehrte die Gläubigen, die zu seinem Oratorium kamen, daß die Feier des Sonntags nicht nur im Meßbesuch besteht, sondern auch in froher Gemeinschaft, unterhaltsamer Erholung und in der Gelegenheit zu Taten der Nächstenliebe. Gerade am Sonntag sollten wir gemeinsam alte und kranke Familienangehörige besuchen. Der Sonntag will ein Abbild der Schönheit und Güte Gottes sein. Es liegt an uns, daß wir alles daran setzen, das Glück eines feierlichen Sonntags zu erleben als Vorgeschmack der Freuden des Himmels! Gerade in den Familien muß eine gute Sonntagskultur wiederentdeckt und gepflegt werden. Wie kann eine solche katholische Sonntagskultur aussehen? Der hl. Papst Pius X. sagte: „Der Sonntag muß der Tag sein, der die Familie vereint, nicht auseinanderreißt ...“ Der Sonntag muß also als „Ruhe-Tag“ aus den übrigen Wochentagen herausstechen – vor allem dadurch, daß wir für einander Zeit haben. Wir könnten den Sonntag schon am Samstag „einläuten“; ich kenne Familien, die gemeinsam die Meßtexte im Volksmissale lesen und sich so auf die Mitfeier der Sonntagsmesse vorbereiten. Vor allem sollten wir dem Sonntag einen feierlichen Charakter geben. Nach dem Kirchgang ruft der Mittagstisch, die festliche Tafel mit frischer Tischdecke und Blumen, an der sich alle auf den duftenden Sonntagsbraten und eine herzliche Unterhaltung freuen (das Handy gehört nicht dazu!). Nachmittags wird gemeinsam etwas unternommen – vielleicht ein Ausflug zu einer Sehenswürdigkeit in der Nähe – oder es wird miteinander gewandert, gespielt oder musiziert. Selbstverständlich gehört zum Sonntag auch die sonntägliche Kleidung! Auch wenn man alleine ist und keine Kinder hat, soll die Jogginghose im Schrank bleiben. Es werden die „Sonntagssachen“ hervorgeholt, denn auch die äußerlichen Dinge dürfen wir nicht geringschätzen: sie helfen sehr zu einer lebendigen Sonntagskultur und geben uns Halt. Es liegt an uns, daß wir alles daran setzen, das Glück eines feierlichen Sonntags zu erleben als Vorgeschmack der Freuden des Himmels! INFORMATIONSBLATT 04/2018 11