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nDIES 20 UND DAS Von

nDIES 20 UND DAS Von Fahrradhut bis Hörnerhaube 12. April 2018 Durch Zeit und Saum: Eva Cordes fertigt individuelle Mode und historische Kleidung. Die Autodidaktin ist eine Meisterin ihres Fachs. Auf einen Kaffee mit ... Von Britta Lübbers | So stellt man sich ein Mode-Atelier vor: Die Nähmaschine steht auf dem Tisch, davor liegen bunte Stoffe, daneben hängt ein Traum von einem Kleid, rot wie frisch gekelterter Wein, tief ausgeschnitten, ebenso prächtig wie verwegen. Eva Cordes hat es für das Shooting eines Fotografen entworfen, der sich auf Aktfotografie spezialisiert hat. Einmal arbeitete er mit seinen Modellen in der Nähe eines spanischen Bergdorfs. Die Frauen hätten hier nicht unbekleidet agieren können. Er wandte sich an Eva Cordes, und sie wusste Rat. Das von ihr geschneiderte Kleid ist lasziv und erotisch und bietet mehr Gedankenspielraum, als es jede Nacktheit vermag. Eva Cordes ist Schneiderin, Kostümbildnerin und Kunsthandwerkerin in einer Person. Alle diese Fertigkeiten hat sich die Rastederin selbst beigebracht. „Ich bin seit 20 Jahren Autodidaktin“, sagt sie. Ihre Leidenschaft sei es, Charaktere herauszustellen. Wer sich von Eva Cordes Kleidung schneidern lässt, kommt sich selbst auf die Spur. Viele Jahre lebte sie ihre Leidenschaft parallel zu ihrem Beruf aus, sie ist staatlich geprüfte Ergotherapeutin. Vor wenigen Wochen hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit Erst vor kurzem hat Eva Cordes ihren Showroom an der Bahnhofstraße bezogen; die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr | Fotos: Lübbers gewagt und ein Atelier in der Bahnhofstraße 2e in Rastede angemietet. Sie teilt sich die Räume mit einem Küchenstudio. Das passt sehr gut, auch optisch. Fan von Mantel- und Degenfilmen Eva Cordes gießt frisch aufgegossenen Kaffee in zierliche Porzellantassen. Sie sei immer schon kreativ gewesen, erzählt sie. Bereits im Grundschulalter habe sie kleine Geschichten geschrieben und Zirkusaufführungen mit Nachbarskindern organisiert. Als junges Mädchen probierte sie sich gestalterisch aus, skizzierte, dekorierte, webte, schminkte und frisierte. Sie spuckte Feuer und spielte Theater. Und sie war ein großer Fan von Mantel- und Degenfilmen. Sie wäre gerne Kostüm- oder Maskenbildnerin am Theater geworden, absolvierte auch verschiedene Praktika. „Aber es war damals sehr schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, sagt sie. Also wurde ihre Kreativität ihr Herzens-Hobby, und mit den Jahren professionalisierte sie sich im Bereich Mode und Textilherstellung. Sie brachte sich Techniken bei, recherchierte akribisch in Sachen Kostümkunde und stellte fest, dass Mode immer auch Zeitgeschichte spiegelt. „Die überlieferte Mode ist eine höfische Mode“, weiß sie. „Der Adel hatte das Geld und die Muße, ausgefallene und wertvolle Kleidung zu entwickeln, die einfachen Leute waren davon Lichtjahre entfernt.“ Bekleidung grenzte die Stände voneinander ab, den Adel vom Klerus, die Bürger von den Bauern. Auch durften nicht alle Menschen alles anziehen. Bereits im alten Rom gab es OELTJEN Haustechnik Heizung + Bad + Solar + Service Wilhelmshavener Straße 673 · 26180 Rastede-Heubült Tel. 04454 / 97 98 131 · Fax 04454 / 97 98 132 oeltjen-haustechnik@gmx.de Öffnungszeiten (auch gleichzeitig Küche): tägl. 12 - 14.30 Uhr und 18 - 23.30 Uhr (außer montags) Voßbarg 64 · 26180 Rastede · Tel. 0 44 02 / 8 44 49 www.panda-rastede.de

12. April 2018 DIES UND DAS n 21 Individuelle Hüte, von Eva Cordes entworfen und gefertigt Luxusgesetze, die festlegten, wieviel Purpur jemand tragen durfte. Die Erfindung des Nordwesters Es sind vor allem Menschen, die das Besondere lieben, die bei Eva Cordes fündig werden. Das gilt auch für Alltagskleidung. So fertigt sie universelle Fahrradkappen an, die man über dem Fahrradhelm tragen kann. Denn es gibt Radfahrer, die sich mit den industriell hergestellten Helmen nicht anfreunden können, zudem lassen sie Sonnenlicht und Regen durch. Die Fahrradkappen sind aus gewachster Baumwolle, sie sind formschön. Eva Cordes hat sich für diese Kreation einen Designschutz zertifizieren lassen. Auch der Nordwester ist ein von ihr entwickeltes Produkt, angelehnt an den Südwester (ein wasserdichter Hut für Seefahrer). Das Kopfteil des Nordwesters erinnert an einen klassischen Herrenhut, aber mit nach hinten und vorne ausladender Krempe. Dieser Hut schafft es, zugleich praktisch und elegant zu wirken, und ist für Radler ebenso geeignet wie für Cabrio-Fahrer, die damit Sonnen- und Windschutz erhalten. Und dann gibt es noch die erlesenen Unikate. Zum Beispiel die Hörnerhaube, angelehnt an einen Hut des Mittelalters, ursprünglich in stumpfer Kegelform. Eva Cordes zeigt ein graziles Exemplar mit blattvergoldeten Bucheckern – es ist nicht nur tragbar, es ist Kunst. So breit wie ihr Repertoire, so vielfältig sind auch ihre Kunden. Eva Cordes fertigt Kostüme für phantastische Events und Theater, individuelle Kleidung nach Wunsch und Maß und zudem die dazu passenden Accessoires. Ihr Slogan bringt ihre Philosophie genau auf den Punkt: „Durch Zeit und Saum.“ Sie hat für die Dramatische Bühne Frankfurt und die Filmstudios Babelsberg gearbeitet, sie ist auf Nostalgie- und Mittelaltermärkten vertreten, zu ihren Auftraggebern gehören Festspielbetreiber und Museen. Bei historischer Kleidung steht immer die Recherche am Anfang, einige der wichtigen Fragen sind: Welches Material ist authentisch, woher bekomme ich das? Eva Cordes bezieht ihre Stoffe von verschiedenen Adressen; die trockene, gewachste Baumwolle zum Beispiel kommt von einer schottischen Firma. Sie nutzt aber auch ausgediente Segel, Windschutz und Sonnenschirmbespannungen, ebenso wie Seide, Leinen, Baumwolle, Samt und Leder. Einmal hat sie für die Sonderausstellung „Schuhtick“, die Schuhmode von Ötzi bis Lady Gaga präsentierte und durch verschiedene Museen tourte, so genannte Chopinen hergestellt. Das sind Stelzenschuhe, die um 1440 als der letzte Schrei galten. Später hat sie diese Schuhe dann zufällig im Fernsehen wiedergesehen. Der Bayrische Rundfunk zeigte in seiner TV-Reihe „Checker- Can“ einen Schuh-Check, hier wurden auch Cordes‘ Chopinen vorgestellt, die mittlerweile in der bayrischen Staatsoper gelandet waren. Und einmal kam ein junger Mann zu ihr, ein Mittelalterfan, der wünschte sich einen Wagenrad-Mantel. Eva Cordes schneiderte ihm das Stück. „Der ist schöner als erträumt“, sagte er. Sie lächelt. „Das liebe ich an meiner Arbeit.“ n SUSANNE HOFF RECHTSANWÄLTIN Fachanwältin für Familienrecht Scheidungsrecht · Unterhaltsrecht Bahnhofstraße 17 · 26125 Rastede Tel. 04402 972260 · Fax 04402 598168 info@rechtsanwaeltin-hoff.de www.rechstanwaeltin-hoff.de