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Industrielle Automation 2/2018

Industrielle Automation 2/2018

KOMPONENTEN UND SOFTWARE

KOMPONENTEN UND SOFTWARE I INTERVIEW Alexandra Pisek, M.A., Redakteurin, INDUSTRIELLE AUTOMATION, Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz „Wie eine Einstiegsdroge“ PI System eröffnet mit Echtzeit-Datenmanagement neue Geschäftsmodelle für Unternehmen Bereits seit 38 Jahren auf dem Markt konzentriert sich das Unternehmen Osisoft bis heute ausschließlich auf ein Produkt: das PI System. Die Software schaltet verborgene Daten aus verschiedenen Systemen frei, verarbeitet sie zu Informationen und ermöglicht so die Optimierung sämtlicher Produktionsprozesse. Redakteurin Alexandra Pisek sprach mit Christoph Papenfuss, Regional Sales Manager – Central Europe bei Osisoft, über die Voraussetzungen für eine Implementierung und welche neuen Geschäftsmodelle sich daraus erschließen. Viele Unternehmen wollen heute mit Sensordaten arbeiten. Ist der Einstieg leicht oder gibt es Probleme, die Unternehmen beachten müssen? Sensordaten sind ein sehr heißes Thema, das durch Industrie 4.0 und das Internet of Things nochmal angefacht worden ist. Der Einstieg ist tatsächlich nicht ganz leicht. Da gibt es z. B. die Datenakquise. Unternehmen haben alte und neue Anlagen. Die Sensordaten sind meistens in Scada und in den Leitsystemen vertreten. Da ist es zuweilen schwer, überhaupt noch an die Daten ranzukommen, weil bspw. alte oder viele unterschiedliche Kommunikationsprotokolle vorhanden sind. Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit. Daten auszulesen stellt natürlich auch immer ein Risikoproblem dar. Der Zugang zu diesen kritischen Systemen muss dazu geöffnet werden. Damit besteht dann die Möglichkeit, gewollt oder ungewollt in den Prozess einzugreifen. In anderen Worten: Es kann Schabernack betrieben werden. Die Sicherheitsrisiken steigen, wenn man auf Systeme in anderen Ländern und Regionen zugreifen muss. Der nächste Punkt ist: Sensordaten sind Big Data. Folglich ist es nicht unüblich, dass Daten im Sekundenrhythmus oder sogar Millisekundentakt anfallen. De m- entsprechend muss man über Systeme und Schnittstellen verfügen, die die Daten in dieser Taktung verarbeiten können. Wir haben Kunden, die bis zu 5 Millionen unterschiedliche Signalströme aufweisen. Von daher klingt es immer sehr verlockend, wenn man sagt, dass man was mit Sensordaten machen möchte. Aber zuerst muss man an sie herankommen und sie in einem sicheren Umfang verarbeiten. Das ist gar nicht so leicht. Darüber hinaus besteht das Problem des Einheitenmanagements: Handelt es sich bei einem Temperatursignal um Celsius oder Fahrenheit? Ferner muss man natürlich dann auch die richtigen Werkzeuge haben, um diese großen und auch durchaus komplexen Datenmengen verarbeiten zu können. 58 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2/2018

INTERVIEW I KOMPONENTEN UND SOFTWARE Das PI System optimiert bestehende Fernüberwachungssysteme, indem es der Leitwarte technologieübergreifend die Anlagendaten in Echtzeit zur Verfügung stellt und weiterverarbeitet Wir wollen Sensordaten für Unternehmen zugänglicher machen und so die operativen Abläufe optimieren. Auf diese Weise wird die betriebliche Spitzenleistung erzielt. Das PI System managt den gesamten Lebenszyklus. Christoph Papenfuss „Betriebliche Spitzenleistung beginnt genau hier“ lautet ein Slogan zum PI System. Was bietet Osisoft, um dieses Ziel zu erreichen? Wie gelingt der Prozess von Big Data zu Smart Data konkret? Das lässt sich am besten an einem Beispiel erläutern. Ein großes Chemieunternehmen hat unterschiedliche Anlagen, die durchgängig überwacht werden. Diese Daten werden akquiriert und im PI System gespeichert. In einem nächsten Schritt werden Algorithmen und Zusammenhänge analysiert und mathematisch berechnet. Der Anwender bekommt Resultate in Echtzeit und kann die Daten auch sofort online weiter analysieren. Sollten weitergehende Analysen erforderlich sein, die prädiktive Algorithmen oder andere Arten von Informationen, z. B. unstrukturierte Daten, benötigen, können die Sensordaten in Big-Data-Systeme wie SAP Hana oder Microsoft Cortana weitergeleitet werden. Dort werden die Algorithmen angewandt, um weitere Zusammenhänge zu ermitteln. So lässt sich z. B. feststellen und sogar vorhersagen, ob eine Anlage gewartet werden muss. Welchen Nutzen hat das PI System für einen Kunden? Wir wollen Sensordaten für Unternehmen zugänglicher machen und so die operativen Abläufe optimieren. Auf diese Weise wird die betriebliche Spitzenleistung erzielt. Das PI System managt den gesamten Lebenszyklus. Wir haben eine sehr große Bibliothek an Standardschnittstellen, mit denen man an praktisch alle operationellen Datenquellen herankommen kann – unabhängig davon, ob es sich um ein altes oder neues Leitsystem, eine gängige IoT-Plattform oder Kommunikationsprotokolle wie OPC UA handelt. Diese Schnittstellen ermöglichen es, Daten verlustfrei und effizient zu übertragen. Der zweite Aspekt sind die Zeitreihendaten. Das PI System ist darauf optimiert, diese sehr großen Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten und zu archivieren, sodass sie einem Unternehmen immer in Echtzeit zur Verfügung stehen. Zudem können die Daten in Smart Data umgewandelt werden, KPIs können errechnet werden und Nutzer werden alarmiert, wenn etwas Wesentliches in der Unternehmung passiert. Darüber hinaus hat man die Möglichkeit, die Daten zu visualisieren. Und last but not least können wir die Daten an Big-Data-Systeme wie SAP Hana, Microsoft Azure oder Hadoop weitergeben. Es ist also ein System, das volle Interaktivität in alle Richtungen bietet. Genau das ist der gesamte Lebenszyklus von der Entstehung der Daten bis hin zur Visualisierung oder Berechnung diverser Algorithmen. Link zum Online-Beitrag Wie gerade besprochen, wird das PI System primär dazu verwendet, Sensordaten zu managen und bereitzustellen. Richtig spannend wird es aber, wenn man sich anschaut, was Kunden damit alles realisieren. Mithilfe unserer Software können sehr viele unterschiedliche Geschäftsprobleme gelöst werden. Der Nutzen steigt daher kontinuierlich an. Schauen wir uns mal ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche an: Vor allem in Brauereien kommen häufig Anlagen von unterschiedlichen Herstellern zum Einsatz, die erst mal gar nichts miteinander zu tun haben. Veltins schafft mit dem PI System aber Transparenz und erhält eine Gesamtübersicht über den Brauprozess. Der Braumeister kann den Prozess somit über ein Handy oder Tablet überwachen, die Wasserqualität prüfen sowie die Temperatur des Abwassers und im Kessel im Blick behalten. Demnach ist allein mit dem PI System Monitoring über unterschiedliche Systeme hinweg möglich. Aber auch die Rückverfolgbarkeit ist in der Lebensmittelproduktion ein wichtiger Aspekt. Unternehmen müssen regelmäßig Produktionsdaten vorweisen, um z. B. zu belegen, dass keine Chargen Das gesamte Interview finden Sie über den folgenden Link: http://bit.ly/OSISoft2018 verunreinigt wurden. Hier schafft das PI-System ebenfalls Trans parenz über den gesamten Produktionsprozess. Wir sprechen hier also von Qualität oder auch Compliance. www.osisoft.de INDUSTRIELLE AUTOMATION 2/2018 59