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Wohnart_01_18

Editor’s Voice 50 Mag.

Editor’s Voice 50 Mag. Helga Mayer ist Geschäftsführerin der immo 360° und Herausgeberin von WoHnart Im UntergrUnd Nach einem Theaterabend ließ ich mich zu einem Drink in der „krypt.- Bar“ überzeugen. Gut versteckt im 9. Bezirk in Wien befindet sich ein 200 Jahre altes Kellergewölbe, das in den 1960er Jahren einen semilegalen Jazz-Club beheimatete. Heute führt eine schwebende Holztreppe hinab in einen beeindruckenden, klar gestalteten Raum. Fischgrät-Muster aus schwarzem Marmor reicht vom Boden bis zur Decke, Nussholz und Gold dominieren den Raum ebenso wie die meterlange Bar, wo ungewöhnliche Drinks gemixt werden. Geheimnisvoll, damals wie heute. Wohnart 1.2018 A „Aus Alt mach Neu“ ist ein Thema, auf das wir immer wieder auch im Alltag stoßen. Sei es, weil wir uns von liebgewonnenen Gegenständen nicht trennen möchten und uns daher überlegen, wie wir sie anders nutzen könnten, oder weil wir einem alten Möbelstück durch anderen Stoff oder eine besondere Farbe neuen Glanz verleihen wollen. Ich selbst beispielsweise habe meine Wohnung modern eingerichtet. Hier und dort aber befinden sich Einzelstücke, die schon vor vielen Jahrzehnten durch Handwerkskunst entstanden sind und zu denen ich auch eine emotionale Bindung habe, weil sie meinen Großeltern gehört haben. Solch ein Mix spricht mich sehr an und verleiht einer Wohnung ganz besonderen Charme. So hängt etwa in meiner puristisch weißen Küche ein kleiner alter Kristallluster, den mir meine Eltern geschenkt haben. Wenn ich Besuch bekomme, wird dieser Blickfang in der schlichten Umgebung oft bewundert. Das Zusammenspiel aus Alt und Neu ist natürlich etwas, das besonders in Städten wie Wien eine große Bedeutung hat. Ich finde es großartig, wenn schöne alte Bausubstanz erhalten bleibt und mit moderner Architektur kombiniert wird. Einen Altbau zu sanieren ist zwar mindestens genauso aufwändig wie einen Neubau entstehen zu lassen und oft auch mit größeren Überraschungen verbunden, aber zahlt sich immer aus. Ich finde es unglaublich schade, dass in vielen Ländern erst sehr spät oder noch gar nicht angefangen wurde, das architektonische Erbe zu schützen und zu erhalten. Die Handwerkskunst – vor allem beim Bauen, aber auch in anderen Bereichen, in denen sie vor Jahrhunderten ohne Maschinen noch möglich war – wird es so nicht mehr geben können. Umso mehr freut mich der Trend, der das Handgefertigte wieder hochhält und für den immer mehr Menschen auch bereit sind, ein bisschen mehr auszugeben. Ich hoffe, Sie haben das Lesen dieser Ausgabe genossen und die eine oder andere Idee gewonnen, mit der Sie vielleicht einer sinnvollen Umnutzung von Altem den Vorrang geben. Gutes Gelingen! © Lukas Ilgner, Getty Images WWF Österreich; ZVR: 751753867; Foto: Slava Nemirovskiy/shutterstock.com; Kreation: in-wonderland.at Wir danken dem Verlag für die Unterstützung durch das Gratisinserat.