Aufrufe
vor 3 Monaten

Ggbg Heft 1_2018_Ostern

Eine alte Frau,

Eine alte Frau, Augenzeugin der Katastrophe, berichtete unter Tränen, rein gar nichts mehr zu haben, der Mann vor ein paar Monaten verstorben, der Sohn von den Haustrümmern erschlagen, das Haus eine Ruine, die Hauskatze unauffindbar. Kein Einzelschicksal, ähnliche Berichte bekamen wir fast pausenlos zu hören. Drohend hob sie die Fäuste, wenn wieder einer der vielen Ferientouristen auf der Fahrt ans Meer im Erdbebengebiet kurze Pause einlegte, um das Leid anderer zu fotografieren. Umso freundlicher wurden wir von den Menschen empfangen, sobald ihnen der Capitano erklärt hatte, dass wir über die Katastrophe berichten wollten, um von Tirol aus Hilfsaktionen für Friaul zu unterstützen. An jeder Tür wurden uns Wein und Parmesan gereicht. Nicht minder freundlich wurden die Tiroler Journalisten Jahre später in San Gregorio Magno in der Provinz Salerno empfangen. Auch dort hatte ein schweres Erdbeben Opfer gefordert und immensen Schaden angerichtet. Die kleine Gemeinde bot den Besuchern, was sie trotz des Bebens noch ausreichend hatte: Weintrauben, Kaki, Wein und Tränen der Freude über die Hilfsbereitschaft der Österreicher. Der Aufbau kleiner Tiroler Holzhäuser erfolgte schleppend, weil die Großgrundbesitzer die kleinen Bauparzellen, auf denen die Gebäude errichtet werden sollten, den unterstützten Landarbeitern ins Eigentum übertragen mussten – und das war keineswegs immer problemlos erreichbar. Einige der Tiroler Journalisten wählten zur Rückreise das Flugzeug An der Amalfiküste – 20 –

oder frühere Zugverbindungen, sodass in Salerno, von wo es nach Hause zurückgehen sollte, schließlich außer mir nur noch ein einer nach Hause musste: Günther Jenewein, weitgereister Journalist, allem Kirchlichen gegenüber eher skeptisch eingestellt, aber trotzdem kollegial und voller Erlebnisse, die zu erzählen er nur schwer ein Ende fand. Wir saßen also im Portovecchio von Salerno und planten die Rückfahrt. Günther überzeugte mich schließlich, dass es kein Fehler sei, von Salerno in einem Mietwagen über die Amalfiküste nach Neapel und weiter nach Rom zu fahren und dort auf die Eisenbahn umzusteigen. Er war auch bereit, die von mir genannten Bendingungen zu erfüllen: Das Mieten und Fahren des Fahrzeugs übernahm er ohne Murren. Schon bald hatten wir eine der schönsten Straßen der Welt unter den Rädern. Von Salerno ging es nach Vietri und weiter nach Amalfi, Positano und Sorrent – auf der Strada Stadale Amalfitana, einer wahren Traumstraße mit Abenteuerpotenzial. Zum Glück kannte Günther, selbst ein geduldiger Fahrer, die frivole Fahrweise der Italiener, sodass sich seine Wutausbrüche in Grenzen hielten. Auffallend war nur, dass Günther auf der Fahrt nach Rom ausschließlich Feigen verzehrte, die er von straßenfernen Bäumen zupfte. Früher hat man als Journalist eben noch an Ort und Stelle recherchieren können. Schon deshalb war das Journalistendasein früher ganz sicher interessanter. (aus: Eizinger et al., Als Journalismus noch Abenteuer war, Berenkamp, ab April erhältlich) LIEBE FREUNDE VON ST. GEORGENBERG! Ein herzliches Vergelt’s Gott allen Mitgliedern, die den Jahresbeitrag 2018 bereits eingezahlt haben. Sollten Sie noch nicht daran gedacht haben, wir freuen uns auf Ihre Überweisung! Auch in diesem Jahr wollen wir mit Ihrer Unterstützung Verbesserungen am St. Georgenberg möglich machen. DANKE! Herta Blaickner Kassierin P.S. NEU: unsere Homepage www.sankt-georgenberg.at – 21 –