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Portfolio Stefanie Kramer

Sinn für...

Sinn für... beeinflussung in der kindheit K inder lernen die geografische Orientierung hauptsächlich durch Bewegung im Raum. Mit dessen sukzessiver Ausdehnung findet eine Verinnerlichung der Fortbewegung im Raum statt. Erwachsene, die als Kinder kaum Gelegenheit hatten, sich autonom und auf sich allein gestellt fortzubewegen oder sehr oft in Fahrzeugen herumgefahren wurden, haben in der Folge oftmals keinen besonders guten Orientierungssinn. Um zielsicher zu navigieren, werden sie in unbekannter Umgebung immer auf einige Hilfsmittel zurückgreifen müssen, ansonsten wären sie durchaus verloren. Verantwortlich dafür sind die veränderten Lebensumstände des heutigen Menschen, welche sich in der Folge zumeist negativ auf seine Fähigkeiten zur räumlichen Orientierung auswirken. Eine noch größere Beeinflussung auf die Ausbildung des Orientierungssinnes hat allerdings der gesellschaftliche Hintergrund des Individuums. Der Kulturraum, in den man hineingeboren wird und die Muttersprache, die erlernt und gesprochen wird, haben tief greifende Auswirkungen auf die Orientierungsfähigkeiten eines Menschen. In der Tat ist es nämlich so, dass unterschiedliche Sprachen auch unterschiedliches Denken hervorrufen und Besonderheiten in der Grammatik großen Einfluss darauf haben, wie wir die Welt sehen.

Wissenswertes zum Thema Orientierung Europäer sprechen beispielsweise bei Wegbeschreibungen immerzu von links und rechts, afrikanische Nomadenstämme oder Aborigines hingegen verwenden Angaben zur Himmelsrichtung. Anstelle von Bezeichnungen wie links / rechts, vor / hinter, oder über/unter, welche im deutschen oder englischen und vielen anderen Sprachen den Beobachter in Bezug zu seiner räumlichen Umgebung setzt , verwenden die Stämme zur Definition des Raumes stets allgemeingültige Richtungsbegrifflichkeiten wie zum Beispiel nördlich, südlich, östlich und westlich. So sagen sie beispielsweise : »Der Löffel befindet sich südlich von der Schüssel« oder »der Hund sitzt neben deinem nach Nordwesten weisenden Bein« . Diese Art von Anwendung der Sprache setzt natürlich voraus , dass man ständig die Orientierung behält , ansonsten könnte man nicht richtig sprechen ! Die Fähigkeit , in fernen Gegenden ohne Hilfsmittel zu navigieren wird ihnen durch ihre Sprache ermöglicht , denn – so lustig es auch klingen mag – ihre Sprache fordert sie dazu, in jedem Moment intuitiv die Himmelsrichtung zu kennen, selbst in geschlossenen Gebäuden. Die Schärfung Ihrer Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet ist die Voraussetzung dieser enormen Orientierungsleistung. Orientierung 85 84