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Jupf-Info:112

In der neuen Ausgabe des Infos geht es um das Schwerpunktthema Frieden und 100 Jahre Ende des ersten Weltkriegs. Verschiedene Projekte und Berichte runden das Heft ab.

Erlebtes Oswiecim ist

Erlebtes Oswiecim ist nicht gleich Auschwitz „Ich kann das alles hier besser greifen als in der Schule“, sagt eine Teilnehmerin. Text und Bilder: Daniel Drewes zusammen mit den Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt. „Wie können Menschen so etwas tun? Wie kann Gott so etwas zulassen? Wie können Überlebende mit dem, was in Auschwitz passiert ist, weiterleben?“ Diese Fragen und viele mehr kamen auf bei der Gedenkstättenfahrt der Evangelischen Jugend in Köln und Umgebung vom 2.-8. April 2018 nach Auschwitz und Krakau. 21 Teilnehmende aus den Kölner Gemeinden dazu Julia Körfgen und Daniel Drewes (Jugendpfarramt) und Arno Kühne (Jugendreferat Köln-Mitte) als Leitung und Organisatoren begaben sich auf den Weg in die Vergangenheit zu einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Im Gepäck befanden sich auch Johanna Ostheimer, Rosa Rosenthal, Hans Löwenherz und viele andere. Menschen, die von den Nazis aus Köln und der Umgebung deportiert wurden und die allesamt ihren Tod in Auschwitz fanden. Heute erinnern Stolpersteine in Köln an die Verbrechen der Nazis. Die Jugendlichen suchten im Vorfeld jeder einen Stolperstein, den sie fotografierten und ausgedruckt mit nach Auschwitz nahmen. Nach einer Kennenlernphase am ersten Tag und einer kurzen Einführung in die Geschichte des Lagers setzte sich die Gruppe dann sehr intensiv mit dem Thema auseinander. Ausführliche Führungen durch das Stammlager und auch Auschwitz-Birkenau hinterließen starke Eindrücke. Workshops zu speziellen Themen wie „Kinder in Auschwitz“, „Sonderkommandos“ oder „Ganz normale Menschen? – Menschen der SS“ verstärkten den Eindruck und sorgten dafür, dass die unglaubliche Zahl von mindestens 1,1 Millionen getöteten Menschen in Auschwitz Gesichter und Geschichten bekam. Eindrucksvoll war auch der Besuch in der Ausstellung von Marian Kolodzej, einem Häftling der ersten Stunde von Auschwitz, der alles Erlebte Jahre nach der Befreiung zeichnerisch festhielt und heute im Kloster von Hermeze seine Bilder zeigt. Gefühle spielten bei der Fahrt eine große Rolle. Viele Teilnehmende waren manchmal sehr bedrückt, traurig aber auch interessiert und neugierig bei der Sache. Zum Abschluss der Tage in Auschwitz betrachteten die Teilnehmenden die Länderausstellungen und kamen an der ehemaligen Erschießungsmauer von Block 11 im Stammlager zusammen. Dort fand eine kurze Andacht, gehalten von zwei Teilnehmenden statt und im Anschluss legte jeder eine weiße Rose zusammen mit dem mitgebrachten Bild vom Stolperstein zum Gedenken ab. Nach der eindrucksvollen Zeit in Oswiecim, wie die polnische Stadt neben dem Konzentrationslager Auschwitz eigentlich heißt, machte sich die Gruppe freitags auf nach Krakau. Neben einer Stadtführung in der wunderschönen Stadt an der Wisla stand auch der Besuch der Eisenwarenfabrik von Oskar Schindler auf dem Plan. Der Besuch von Krakau gibt den dunklen Eindrücken aus Auschwitz ein wenig Farbe. Die junge Stadt, mit vielen jungen Menschen hat einen ganz besonderen Charme, den die Jugendlichen im Anschluss in aller Ruhe genießen konnten. Abends ging es in traditionelle Restaurants, bei denen die Jugendlichen die polnische Küche näher kennenlernten und auch schätzen lernten. Was bleibt? Jeder junge Mensch, sollte in seinem Leben einmal nach Auschwitz kommen um aus der Geschichte zu lernen, heißt es immer wieder. Trotzdem wissen laut einer Studie knapp ein Drittel aller Jugendlichen nicht, wofür der Ort Auschwitz steht. Dies hat sich bei den 24 Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt geändert. „Was wäre damals mit mir passiert bezüglich meiner Rasse und Sexualität?“ 22 Jupf-Info Nr. 112/18

Erlebtes „Ich hab versucht die ganze Zeit cool zu bleiben, aber dann am meisten bewegt hat mich die Größe, das Ausmaß, die vielen Bilder, die Kinder, die Grausamkeit und vor allem eben das Ende, als alles nochmal durch meinen Kopf kam und ich vor der Mauer stand...“ (Alina, 18 Jahre) Andacht „Die Erinnerung ist wie Wasser: Sie ist lebensnotwendig und sie sucht sich ihre Wege in neue Räume und zu anderen Menschen. Sie ist immer konkret: Sie hat Gesichter vor Augen und Orte, Gerüche und Geräusche.“ Noach Flug Dies sagte Noach Flug, ein Überlebender von Auschwitz. Als ich die Passage las, wusste ich wie recht er hat. Jede Information ist wie ein Wassertropfen, der langsam aus einer Quelle in den Fluss meines Lebens fiel. Je mehr ich in den letzten Tagen über das Leiden der Menschen hier lernte, über die Brutalität der Täter hörte und auf die Fotos und vor Ort mit den grauenhaften Bedingungen konfrontiert wurde, desto schneller verwandelte sich der kleine Fluss in einen reißenden Strom. All diese Erinnerungen, die wir mitnehmen sollen, nein müssen wir weitergeben. An die Menschen in unserem Leben und an all diejenigen, denen wir noch begegnen werden. So können wir dazu beitragen, dass der Fluss des Erinnerns nicht versiegt. Von Erika und Alex Jupf-Info Nr. 112/18 23

Handreichung zum Volkstrauertag 2013 - 100 Jahre Erster Weltkrieg
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