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Jupf-Info:112

In der neuen Ausgabe des Infos geht es um das Schwerpunktthema Frieden und 100 Jahre Ende des ersten Weltkriegs. Verschiedene Projekte und Berichte runden das Heft ab.

Anregendes Die Kirchen

Anregendes Die Kirchen und der Erste Weltkrieg Auf zu den Waffen! Als der Erste Weltkrieg begann, befürworteten die Kirchen den Griff zu den Waffen. Von den Kanzeln begrüßten Pfarrer den Feldzug als „heiligen Krieg“. Heute distanziert sich die Evangelische Kirche in Deutschland von der Kriegseuphorie. Im Jahr 1914 war die Kriegsbegeisterung seitens der Christen ungebrochen. Als am 1. August in Berlin die Mobilmachung des Heeres ausgerufen wurde, sang die versammelte Menge lautstark das Kirchenlied „Nun danket alle Gott!“ Evangelische Pfarrer, Oberkirchenräte und Theologieprofessoren stimmten euphorisch in die Kriegsrhetorik ein. Als treue Staatsbürger stellten sich aber auch die Katholiken hinter den Kurs des Deutschen Reiches und verteidigten den Krieg als gerechte Sache. Seitens der evangelischen Kirche waren zu Beginn des Weltkrieges Thron und Altar eng miteinander verzahnt. Kaiser Wilhelm II. war zugleich oberster Bischof (summus episcopus) der evangelischen Kirche Preußens. Im August 1914 richtet er sich mit einen Kriegsaufruf an das deutsche Volk: „Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf! Zu den Waffen!“ proklamierte er Anfang August: „Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war.“ Es war der evangelische Theologe Adolf von Harnack, der die Vorlage für den Aufruf des Kaisers geschrieben hat. Karte „Mit Gott für Kaiser und Reich!“, 1914 (LkA EKvW 4.43 Nr. 699) Nur wenige Tage nachdem das deutsche Heer im Oktober 1914 Antwerpen besetzt hatte, stieg in der Berliner Lazaruskirche Pfarrer Hermann Franke auf die Kanzel. „Da sehen wir, auch dem Blödesten erkennbar, das Walten Gottes und seiner Gerechtigkeit“, predigte er. Während die deutschen Soldaten durch Belgien eine Spur der Verwüstung zogen und Tausende Zivilisten niedermetzelten, begrüßten Pastoren und Theologen in der Heimat den Vormarsch als Gottes Willen. Katholische wie evangelische Christen befürworteten 1914, mit wenigen Ausnahmen, den Krieg. Hundert Jahre später hat sich die Haltung der Kirchen grundlegend geändert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeigt sich heute tief beschämt über das kirchliche Versagen beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Kirche und Theologie in Deutschland hätten versagt angesichts der Aufgabe, zu Frieden und Versöhnung beizutragen, heißt es in einem Wort des Rates der EKD. Innerhalb der Kirchen blieb man im Kriegsverlauf weitgehend seinem Kurs treu. „Seit August 1914 erleben wir in unserem deutschen Volke ein Heldenzeitalter, wie wir es uns vorher nicht hätten träumen lassen,“ schrieb der Münsteraner Theologe Wilhelm Nelle noch im vierten Kriegsjahr. Als im Jahr 1917 die evangelischen Kirchen den 400. Jahrestag der Reformation feierten, wurde Martin Luther als deutschnationaler Held instrumentalisiert. Das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ musste vielerorts als Kriegspropaganda herhalten, wie Michael Fischer, Leiter des Zentrums für Populäre Kultur und Musik in Freiburg, herausgefunden hat. Die deutsche Kriegsniederlage, die mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 besiegelt wurde, stürzte den Protestantismus im Reich in eine große Depression. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie brach für sie die enge Verzahnung von Thron und Altar auseinander. Die Weimarer Reichsverfassung von 1919 hob das Staatskirchentum auf und besiegelte die Trennung von Staat und Kirche. Es sollte aber noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg dauern, ehe die evangelische Kirche ihre skeptische bis ablehnende Haltung gegenüber der Demokratie überwand. Text: www.evangelisch.de 8 Jupf-Info Nr. 112/18

Anregendes Licht-Inszenierung Bild: Hartung und Trenz, Köln 2017 am Kölner Dom zum Weltkriegsgedenken 2018 Unter dem Motto „Dona nobis pacem“ plant das Kölner Domkapitel zur Domwallfahrt im Herbst 2018 eine großformatige Illumination – zum Gedenken daran, dass sich das Ende der Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt. „Wir wollen mit dieser Illumination ein Zeichen der Hoffnung auf den Frieden in die Welt senden“, sagt Dompropst Gerd Bachner. „Gleichzeitig möchten wir uns in den Zyklus der Gedenkveranstaltungen in Köln, Nordrhein-Westfalen und Deutschland einreihen.“ „Die Domplatte soll – in Kooperation mit der Stadt Köln – zu einem Ort der Begegnung werden, an dem Menschen ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Verrohung und Vergiftung der Herzen setzen und zeigen, dass wir die Opfer nicht vergessen und aus der Geschichte gelernt haben.“ Herzstück der Domwallfahrt soll eine Licht-Inszenierung werden, die die Geschichte des Krieges in Bewegtbildern erzählt. „Der Kölner Dom soll zu einem ‚Leuchtturm der Hoffnung‘ werden.“ Gedenkanlässe 1918 Ende des Ersten Weltkrieges 1938/1939 Beginn des Zweiten Weltkrieges 1948 Beginn des Kalten Krieges 1948 Der Haager Kongress und die europäische Integration 1968 Protest- und Bürgerrechtsbewegungen Einmarsch in die Tschechoslowakei, Studentenproteste und antisemitische Hetzkampagne in Polen Jupf-Info Nr. 112/18 9

Handreichung zum Volkstrauertag 2013 - 100 Jahre Erster Weltkrieg
Aus Gottes Frieden leben - Evangelische Kirche in Deutschland
CityNEWS Ausgabe 02/2015
Weltkrieg, Erster - FreiDok - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
"Und der Gerechtigkeit Frucht wird Frieden sein..." - Evangelische ...