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2018/15 - Leben Plus HAT

Das Haller Tagblatt für die erfahrene Generation

30 FITNESS Dienstag, 10.

30 FITNESS Dienstag, 10. April 2018 Editorial Claudia Linz Redakteurin Bewegung tut jetzt so gut Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte, süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.“ In dem Klassiker „Er ist’s“ hat Eduard Mörike die Sehnsucht nach sonnigeren Tagen in schöne Worte gekleidet. Jetzt ist er da und die Menschen zieht es hinaus ins Freie. Wir entdecken den Garten neu, gehen wandern, fahren Fahrrad, verabreden uns im Eiscafé. Vielleicht tun das auch Elke und Karl-Heinz Martens, Inge und Jürgen Tutas. Durch eine Reportage in der Winterausgabe von Leben Plus haben sie sich kennengelernt und viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Ein Beweis, dass auch im Rentenalter neue Freundschaften geknüpft werden können. Tief in der Vergangenheit graben Frieder Krumrein und Karl-Heinz Wüstner. Beide Rentner sind leidenschaftliche Heimatforscher. Und das, sagen beide, hält sie geistig fit. Meine Kollegin Corinna Janßen hat sie besucht und außerdem an einem Hatha-Yoga-Kurs für Ältere teilgenommen. Dabei hat sie entdeckt, wie beweglich Senioren sein können, wenn sie sich über längere Zeit regelmäßig bewegen. Als 50-jähriges Küken habe sie sich fast ein wenig geschämt, sagt sie. Weitere Themen in dieser Ausgabe sind der Lebensretter aus der Dose, der Ersthelfern wichtige Informationen geben kann, der Spielenachmittag im Haus der Bildung sowie Tanztreffs für Ältere. Wann haben eigentlich Sie zum letzten Mal Walzer, Rumba oder Discofox getanzt? Vielleicht möchten Sie das Frühjahr ja nutzen, um etwas mehr Bewegung in Ihr Leben zu bringen? „Ruhestand ist eine Chance“ Geistige Fitness Frieder Krumrein und Karl-Heinz Wüstner wird es im Ruhestand nicht langweilig. Die beiden Hobbyhistoriker und Autoren forschen in Hohenlohes Vergangenheit. Von Corinna Janßen Den Untermünkheimer Frieder Krumrein und den Ilshofener Karl- Heinz Wüstner trennen zehn Jahre Altersunterschied: Krumrein ist 77, Wüstner 67. Was sie verbindet, ist nicht nur ihr Rentnerdasein, sondern das Untermünkheimer Rößler-Museum und die Heimatforschung. Lauscht man den Senioren, ist nicht auszumachen, wer von ihnen nun geistig fitter ist. Bis auf den Tag genau haben sie historische Ereignisse im Kopf und geben die ohne lange zu überlegen preis. Fast scheint es wie ein kleines Duell. „Der dauernde Umgang mit Stammbäumen, mit Genealogien anderer Leute, mit dem Merken von Namen und Konstellationen im Zuge unserer Forschungen, trainiert das Gehirn“, so Karl-Heinz Wüstner. Er ist international als Experte für Möbelund Migrationsforschung gefragt. Diesbezüglich hat es ihm die Geschichte der nach England ausgewanderten Schweinemetzger Hohenlohes angetan. Im Ruhestand hat man Muße und Zeit und kann beides sinnvoll nutzen. Frieder Krumrein Pensionär und Heimatforscher Dem Geheimnis seines Wohnortes geht Frieder Krumrein seit Jahrzehnten auf den Grund. Zig Bücher hat der emsige Ortshistoriker herausgebracht. Erst vor kurzem stellte er den zehnten Band der Untermünkheimer Ortsgeschichte „Die Geschichte der Untermünkheimer Mühle“ vor. Langweilig wird den Senioren tatsächlich nie. „Im Ruhestand ist Frieder Krumrein aus Untermünkheim (links) und Karl-Heinz Wüstner aus Ilshofen schauen sich eines ihrer Werke an. man Herr seiner Zeit“, betont Frieder Krumrein. Senioren hätten Zeit und sollten diese sinnvoll nutzen. „Hat man schon davor ein Hobby gepflegt, wird man das weiter machen“, ergänzt der 77-Jährige. „Allerdings darf es einen nicht verschlingen.“ Der Untermünkheimer weiß, wovon er spricht. Verbeißt er sich erst mal in ein Thema, verfliegen die Stunden. Das kennt auch Karl-Heinz Wüstner. Er müsse besonders aufpassen, um nicht zu übertreiben. Zu gerne verstricke er sich in seine Forschungen. „Da ich am liebsten nachts arbeite, kann es schon mal sein, dass ich um halb zwei in der Früh zum Kühlschrank gehe und mein Abendbrot hole.“ Die Neugierde auf Neues, auf Unentdecktes treibt die Hobbyforscher an. „Man bohrt und sucht, findet Erkenntnis. Da macht es klick und Zusammenhänge werden deutlich“, beschreibt Wüstner die stetige Herausforderung. „Der Ruhestand ist eine sehr vielfältige Zeit“, betont Frieder Krumrein. Jedoch sollten Senioren rechtzeitig etwas dafür tun. „Ich kenne viele Leute, die nach ihrem Arbeitsleben ohne Sinn dastehen. Sie haben sich nicht vorbereitet“, sagt er. Der Ruhestand jedoch sei eine Chance. „Rentner sollten den Umgang mit anderen Menschen pflegen oder sich einem Verein anschließen“, meint Karl-Heinz Wüstner, und Frieder Krumrein, Untermünkheimer Ehrenbürger, ergänzt: „Oder sich in der eigenen Gemeinde engagieren.“ „Es ist nie zu spät, um geistig aktiv zu werden und mit kreativen Beschäftigungen zu beginnen“, sagt Johannes Pantel, Professor für Altersmedizin. Geistig Foto: Corinna Janßen gefordert werden könnten Senioren durch Theater- und Museumsbesuche sowie Vorträge und Führungen, Exkursionen und Reisen, Musizieren – vor allem, wenn neue Stücke eingeübt werden – und Haushaltstätigkeiten oder handwerkliche Tätigkeiten, die über die gewohnten hinaus gehen. Soziale Aktivitäten, Engagement im Verein, Lesen, Gehirnjogging wie Sudoku, Computerarbeit, Spiele spielen oder schreiben – es gebe viele Möglichkeiten, um geistig frisch zu bleiben und auch das Leben ausgiebig zu genießen. Engagement zahlt sich aus Gesund und fit in die zweite Lebenshälfte starten Umfrage Viel bewegen, lesen, gesund ernähren und Spaß haben Ob entspannte Spaziergänge oder tatkräftiges Engagement: Senioren berichten, wie sie sich körperlich und geistig fit halten. In Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat der Verlag GU Ratgeber das Buch „Fit im Alter – Den Körper fit halten, geistig frisch bleiben, das Leben genießen“ herausgebracht. Die Autoren Ingo Froböse, Matthias Riedl, Johannes Pantel und Anna Cavelius geben darin in den Kapiteln Fitness, Ernährung, Leben und Service Tipps, wie ein erfüllter Ruhestand gelingen kann. Prof. Ingo Froböse meint zum Beispiel: „Wer sich keine Zeit für Bewegung nimmt, wird sich irgendwann viel Zeit für Krankheit nehmen müssen.“ Von einer Ernährungsumstellung, die auf den jeweiligen Stoffwechsel abgestimmt ist, profitiere der Organismus in jedem Alter. Viele Wege und Methoden helfen dabei, beim Älterwerden die Konzentration zu fördern, weiß Prof. Johannes Pantel. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Schreiben einer eigenen Biographie? Oder noch einmal eine neue Liebe zu finden? coja Gerhard Rössler 70 Jahre, Schwäbisch Hall Ich helfe gerne meinem Sohn auf seinem Bauernhof, um mich fit zu halten. Den Aussiedlerhof habe ich einst gebaut, nun gehört er ihm. Dort unterstütze ich ihn zum Beispiel bei der Heu- und Getreideernte, bei Umbauarbeiten oder helfe beim Bäumefällen im Wald. Insgesamt bin ich im Sommer sehr oft und gerne draußen. Jeden Tag gehe ich ein bisschen spazieren. Da ich nicht übergewichtig werden und keinen Bierbauch bekommen will, esse ich nicht so viel, wie ich Appetit hätte. Denn jedes Kilo, das man mit sich herumträgt, ist schlecht für die Füße und den gesamten Körper. Ich lese gerne die Zeitung und halte mich auf dem Laufenden, besonders in der Politik. Es macht mir Spaß, zu beobachten, ob sich die Politiker an ihre Versprechungen halten oder nicht. Schließlich hat man mit der Lebenserfahrung oft mitbekommen, dass vieles davon nicht eingehalten wurde. Michael Grötzinger 65 Jahre, Germersheim Für mich spielt die Bewegung eine sehr wichtige Rolle, um fit und gesund zu bleiben – sowohl körperlich als auch geistig. Deswegen gehe ich auch gerne im Sommer Fahrradfahren und Schwimmen, wenn es möglich ist und das Wetter mitspielt. Mit meiner Frau gehe ich sehr oft auf Wandertouren. Für diese Urlaube nehmen wir auch meistens ein paar Freunde mit, denn die Geselligkeit ist uns sehr wichtig. Wir fahren somit selten alleine weg. Ansonsten lese ich sehr viel, vor allem über das aktuelle politische Geschehen, um auf dem neuesten Stand zu sein. Ich achte bei der Ernährung sehr auf mein Gewicht und richte mir zwei Fastentage in der Woche ein. Da ich zusammen mit meiner Frau gerade erst Rentner geworden bin, werde ich jetzt wohl auch genug Zeit haben, mal öfters zum Arzt zu gehen. Überhaupt müssen wir uns jetzt an die neu gewonnene Zeit gewöhnen und überlegen, was wir nun alles unternehmen wollen. Gudrun Noll 59 Jahre, Schwäbisch Hall Ich gehe einmal in der Woche in ein Fitness-Center für Frauen und ein- bis zweimal im Monat ins Solebad. Auch das freie Tanzen ist mir sehr wichtig für das seelische Wohlbefinden. Das mache ich sogar dreimal in der Woche. Darüber hinaus meditiere ich. Im Sommer gehe ich dann gerne Fahrradfahren und Spazieren. Bei der Ernährung versuche ich, möglichst viele Demeter-Produkte zu essen, also Lebensmittel aus einer kreislauforientierten, bio-dynamischen Landwirtschaft. Das geht natürlich nicht immer, aber man versucht es natürlich trotzdem. Ich überprüfe sehr genau, wo die Nahrungsmittel eigentlich herkommen. Ich esse zum Beispiel kein Fleisch aus dem Supermarkt. Um fit und gesund zu bleiben, ist es aber auch wichtig, etwas zu machen, das einem gut tut und beim Entspannen hilft. Dazu gehört zum Beispiel, Freunde zu treffen und gute Gespräche zu führen. Und vor allem: Viel lachen und Humor. Werner Heinz Wagner 75 Jahre, Schwäbisch Hall Ich lese sehr gerne und schaue mir die Nachrichten im Fernsehen an, um mich geistig fit und politisch auf dem neuesten Stand zu halten. Spielfilme sind dafür überhaupt nicht geeignet, finde ich. Sportliche Aktivitäten kann ich leider schon lange keine mehr ausüben, da macht meine kaputte Wirbelsäule einfach nicht mehr mit. Als junger Mann habe ich einmal viel Tischtennis und Fußball gespielt. Aber das ist nun schon sehr lange her. In meinem jetzigen Alter unternimmt man eben auch viel weniger als in früheren Zeiten. Aber das finde ich auch nicht so schlimm. Bei der Ernährung befolge ich eigentlich keine großen Regelungen. Mit einer Ausnahme: Ich versuche sehr darauf zu achten, nicht zu viel Fleisch zu essen und vor allem nicht zu viel Fett. Ansonsten esse ich auch gerne viel Gemüse und Salate – im Prinzip alles, was der heimische Garten so her gibt. Karin Oberle 70 Jahre, München Ich wohne im vierten Stock ohne Aufzug – alleine die Treppen auf- und abzusteigen ist schon fast wie Fitness. Zudem lese ich sehr viel und gehe einmal in der Woche zum Turnen. Ich esse auch sehr viel Obst und, wenn es geht, fast nur Vollkornbrot. Wir kochen jeden Tag frisch und abwechslungsreich. Außerdem bin ich in einem Senioren- und Pflegehaus in unserem Nachbarort engagiert. Ich backe für das dortige Café einmal in der Woche einen Kuchen, den ich auch serviere. In dieser Einrichtung wirke ich auch zweimal wöchentlich bei einem Quiz mit. Wir fragen die Senioren nach ihrem Wissen über Blumen, Tiere, Bäume, und vieles mehr. Dabei habe ich bemerkt, dass viele Demenzerkrankte noch ein wahnsinniges Wissen haben und vieles gar nicht verloren gegangen ist. Das hätte ich gar nicht gedacht. Sie können auch noch viele alte Volkslieder auswendig singen – und das ohne Gesangbücher. (hap)

31 GESUNDHEIT Dienstag, 10. April 2018 Übungen für zuhause Für Yoga gibt es kein Alter. Ein Einstieg ist stets möglich. Yoga ist für alle da! So lautet das Credo des neuen GU-Ratgebers „Yoga für Späteinsteiger“. Warum sollten die zahlreichen positiven Wirkungen des Yoga einer jungen, sportlichen Zielgruppe vorbehalten bleiben, wenn sich viele Asanas auch auf einem Stuhl praktizieren lassen? Der Autor hat für dieses Buch sechs aufeinander aufbauende Übungsprogramme zusammengestellt. Auf der körperlichen Ebene geht es dabei vor allem um drei Ziele: Balance und Koordinationsfähigkeit, Aufrichtung und Beweglichkeit der Wirbelsäule und Vergrößerung des Lungenvolumens – alle drei ein Gewinn für die Lebensqualität in der zweiten Lebenshälfte. Auf der geistigen Ebene hilft Yoga für Späteinsteiger, den sich wandelnden Bedingungen und Herausforderungen der zweiten Lebenshälfte neu zu begegnen und das Altern positiv als Reifung wahrzunehmen. Ergänzend zum Buch gibt es eine DVD mit 120 Minuten Spielzeit, die einem den Autor live als Lehrer nach Hause bringt. pm Info Yoga für Späteinsteiger, GU-Verlag, 144 Seiten, 24,99 Euro (mit DVD). Von wegen Ruhestand Einige Sportarten sind optimal für die Mobilisation der Gelenke. Ruhestand im wörtlichen Sinn ist für die meisten Senioren ein Fremdwort: Sie sind aktiv wie nie zuvor, haben viele Interessen und reisen durch die Welt. Nichtsdestotrotz müssen sich Senioren in besonderer Weise um ihre körperliche Fitness kümmern. Bewegung ist eine der wichtigsten Säulen in der Arthrose-Behandlung. Manche Sportarten sind für Betroffene besonders gut geeignet. Schwimmen etwa ist ein gutes Ganzkörpertraining, das die Gelenke wenig belastet. Positiv wird auch Tai Chi mit seinen weichen und fließenden Bewegungsabläufen bewertet, ebenso wie Radfahren, Wandern oder Nordic Walking. Durch Bewegung gelangen Nährstoffe von der Gelenkschmiere in den Knorpel. Einer der wichtigsten Nährstoffe für Gelenke ist Kollagen. Jedoch wird im Alter die körpereigene Kollagenproduktion reduziert. Die Folge: Die Pufferfunktion geht verloren und begünstigt so eine Arthrose. Schwindel kann ein Symptom verschiedener Erkrankungen sein, weshalb organische Ursachen unbedingt ärztlich abgeklärt werden müssen. Weit verbreitet unter Senioren ist etwa der „Blutdruckschwindel“: Bei zu schnellem Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen versackt das Blut in den Beinen, bis der Körper den Blutdruck ausgleicht, ist den Betroffenen schwindelig. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) führt in ihrer hausärztlichen Leitlinie Präventionsmöglichkeiten auf. djd Yogalehrerin Jutta Raible (rechts) hat ein waches Auge auf ihre Schützlinge. Wenn der Feuervogel die Kobra trifft Bewegung 15 Senioren machen beim Volkshochschulkurs „Hatha Yoga für Ältere“ unter der Leitung von Jutta Raible mit. Die Übungen helfen Geist und Körper, in der Balance zu bleiben. Von Corinna Janßen Eiskalt ist es an diesem Morgen Mitte Januar im Bewegungsraum des Haller Solebades. Eines der bodentiefen Fenster ist geöffnet. Yogalehrerin Jutta Raible legt die blauen Turnmatten für ihre Schützlinge zurecht und schließt das Fenster. Kurze Zeit später, es ist kurz vor neun Uhr, kommen die ersten Senioren in leichter Sportbekleidung herein. Von der Kälte scheinen sie nichts zu spüren. Sichtlich motiviert legen sie das mitgebrachte Handtuch auf die Matte. Einige holen sich einen Hocker, der als Hilfe bei anspruchsvollen Übungen ihres VHS-Kurses „Hatha Yoga für Ältere“ dienen soll. Bis alle da sind, kommt es zu munteren Gesprächen. Dann ist die Gruppe vollzählig: 14 Damen und ein Herr. Erwartungsvoll richten sich die Blicke jetzt auf Jutta Raible. Das Einzige, was hier knackt, sind die Hocker. Jutta Raible Yogalehrerin Die beginnt mit dem Namaste, dem Willkommensgruß, indem sie die Handflächen vor der Brust aufeinanderlegt. Die Senioren machen es ihr nach. Mit ruhiger Stimme gibt die Trainerin in den nächsten 75 Minuten Anweisungen und führt so ihre Gruppe zu Yoga-Übungen wie Feuervogel, Kobra, Baum, unsichtbarer Stuhl, halbe Kerze, Krokodil-Stellung und herabschauender Hund. Immer wieder erklärt sie dabei, für welchen Teil des Körpers oder für welches Organ die jeweiligen Übungen gut sind. Die Kursteilnehmer müssen sich bei den Aufgaben strecken und dehnen, das Gleichgewicht halten und Muskeln anspannen, um dann wieder den ganzen Körper zu entspannen. Es wird tief eingeatmet, gehalten und wieder ausgeatmet. Halbe Kerze – kein Problem Überraschend beweglich zeigen sich die Teilnehmer im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Selbst bei der halben Kerze, bei der das Gesäß nur leicht angehoben wird und die Beine hochgehen, machen alle mit. Der 71-jährige Karsten Ortmann setzt noch einen drauf und stemmt sich fast mühelos in die volle Kerze. „Das Einzige, was hier knackt, sind die Hocker“, meint Jutta Raible lächelnd. Ihre Senioren kichern vergnügt. Mollig warm ist es im Raum geworden. „Wollen wir Die philosophische Lehre Yoga ist eine philosophische Lehre, zu der sowohl geistige als auch körperliche Übungen gehören. Die Wurzeln liegen in Indien. Im Westen stehen vor allem die Körperübungen im mal lüften?“, fragt die Yogalehrerin. Ein kalter Wind sorgt für Erfrischung und trocknet die ersten Schweißperlen. Dann geht es aufmerksam weiter mit neuen Übungen, die Körper und Geist fordern. Die Zeit vergeht wie im Flug. Entspannt packen die Teilnehmer ihre Matten zusammen. Karsten Ortmann legt sein Handtuch über die Schulter. „Seit rund sechs Jahren komme ich montags zum VHS-Kurs – und das mit großer Begeisterung“, sagt der Senior. Die Trainingseinheiten förderten die Beweglichkeit der Gelenke und seine Ausdauer. Auch die Atemtechnik bringe ihm viel. „Für mich ist der Yoga-Morgenkurs am Montag ein Mittelpunkt, die so genannten Asanas. Diese Yoga- Übungen trainieren Kraft, Flexibilität und Gleichgewicht. Zwei- und vierbeinige Senioren Ältere Hunde gibt es zuhauf in deutschen Tierheimen. Ideal sind diese Fellnasen für die Generation 60 plus. Hunde sind für ältere Menschen gute Begleiter. Darauf weist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in ihrer Zeitschrift „Neue Apotheken Illustrierte“ (Ausgabe 15. November 2017) hin. Besonders geeignet sind demnach ausgewachsene Hunde. Mit einem Welpen muss der Halter zu Beginn noch sehr oft rausgehen. Außerdem kostet die Erziehung viel Energie. Nicht Gemeinsam älter werden. FOTO: ARCHIV/CORINNA JANSSEN Zu einer Yoga-Stunde gehören in der Regel auch Tiefenentspannung, Atemübungen und Meditation. Ziel beim Yoga ist es, Körper, Geist, Seele und Atem in Einklang zu bringen und dadurch mehr innere Gelassenheit zu erreichen. jeder ist im Alter noch bereit, diese Belastung auf sich zu nehmen. Einen erwachsenen Hund bekommt man zum Beispiel im Tierheim. Dort beraten auch fachkundige Mitarbeiter und können Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigen. Auch über das Projekt „Senioren für Senioren“ des Deutschen Tierschutzbundes in Bayern werden Tiere vermittelt. dpa guter Einstieg in die Woche“, meint er lächelnd. „Ich wollte schon lange Yoga machen. Jetzt im Ruhestand habe ich endlich die Möglichkeit“, freut sich Regina Breiter. Ihre Erwartungen hätten sich erfüllt, verrät die 65-Jährige. Seit einem Jahr sei sie dabei, und ihre Beweglichkeit habe sich bereits deutlich verbessert. „Man muss es aber regelmäßig machen“, gibt Regina Breiter zu bedenken. Freie Zeit sinnvoll gestalten Eva Gohr hat im Urlaub einen Yoga- kurs mitgemacht. „Der hat mir gut gefallen“, erinnert sich die 69-Jährige. Nachdem sie nicht mehr berufstätig Foto: Manipulateur - Fotolia.com Man geht davon aus, dass die beruhigende und ausgleichende Wirkung positiven Einfluss auf das Allgemeinbefinden hat. Yoga kann in jedem Alter ausgeführt werden. Foto: Corinna Janßen war, machte sich die Seniorin auf die Suche nach etwas, um die viele freie Zeit sinnvoll zu nutzen. Mit ihrem Kurs ist sie bereits seit sieben Jahren glücklich. „Es ist das liebste, was ich mache.“ Dass Hatha Yoga gut tut, merkt Ruth Widmann bei der Gartenarbeit. „Ich bin viel lockerer geworden“, sagt sie. Schon sechs Jahre ist sie dabei und das habe sich gelohnt. Wenn ich beim Yoga-Kurs bin, dann geht es mir gut. Annegret Kümmerer Teilnehmerin Abends gehe es der 67-Jährigen viel besser als zu der Zeit, bevor sie mit dem Yoga begonnen hat. „Ich kann runterkommen.“ Gut für das Kopfkino Diverse Krankheiten und Schicksalsschläge hat Annegret Kümmerer hinter sich. Wie das Leben nun neu gestalten? Wie wieder Licht im Dunkeln finden? Die 68-Jährige erinnerte sich an einen angenehmen Yogakurs, den sie mit ihrem Mann vor langer Zeit gemacht hatte. „Ist das ein Ansatz“, fragte sie sich und probierte es vor einem halben Jahr aus. Es hat sich gelohnt: „Wenn ich da bin, dann geht es mir gut“, erzählt die Teilnehmerin. Yoga helfe ihr, ihr Gedankenkarussell auszuschalten. Die Übungen fallen ihr mittlerweile immer leichter. „Ich kann ,Yoga für Ältere‘ auf jeden Fall weiterempfehlen“, sagt sie mit fester Stimme. Für Kursleiterin Jutta Raible ist es eine Freude, ihre Teilnehmer so zufrieden zu sehen. Das sei der schönste Dank für ihre Arbeit.